Straßen und Plätze in Trachenberge

Albert-Hensel-Straße

Die Albert-Hensel-Straße entstand Ende des 19. Jahrhundert im Zusammenhang mit dem Bau neuer Wohnhäuser. Ihren ursprünglichen Namen Maria-Anna-Straße erhielt sie nach dem 1896 gegründeten Maria-Anna-Kinderhospital, welches heute zum Komplex des Rehabilitationszentrums des Berufsförderungswerkes gehört. Namenspatronin dieser Einrichtung war die Prinzessin Maria Anna (1843-1884), die die Schirmherrschaft über den Verein „Kinderheilstätte für Neu- und Antonstadt Dresden“ übernommen hatte. Markantestes Gebäude ist die 1958 errichtete Weinbergskirche.

Am 8. Februar 1956 wurde die Maria-Anna-Straße nach dem kommunistischen Widerstandskämpfer Albert Hensel (1895-1942) umbenannt. Hensel schloss sich in den 1920er Jahren der kommunistischen Partei an und gehörte seit 1934 zum Führungskreis der Widerstandsgruppe um Fritz Schulze, Karl Stein und Herbert Bochow. 1941 wurde Albert Hensel verhaftet und am 5. Juni 1942 in Berlin-Plötzensee hingerichtet.

Döbelner Straße

Die Döbelner Straße geht auf einen alten Verbindungsweg am Fuße der Weinberge zurück, der nach seinem Ausbau zur Straße ab 1885 zunächst Hermannstraße genannt wurde. Namensgeber war der im Ort lebende Rentier Friedrich Hermann Müller (1819-1898), welcher ab 1863 Besitzer eines Weinbergschlösschens an dieser Straße war (Nr. 24). Müller unterstützte seinen Heimatort mit verschiedenen Stiftungen, u.a. zur Finanzierung des Schulhauses und für die Ausstattung der Pieschener Markuskirche. Nach der Eingemeindung Trachenberges wurde die Hermannstraße 1897 nach der Kleinstadt Döbeln bei Leipzig in Döbelner Straße umbenannt. 1904 folgte der verbleibende Restabschnitt auf Trachauer Flur.

Die unterhalb der früheren Weinberge verlaufende Straße bildet die eigentliche Hauptstraße der bis 1897 selbständigen Gemeinde Trachenberge. Ursprünglich lagen hier einige seit dem 16. Jahrhundert entstandene Weingüter. Hier befand sich auch das Gemeindeamt mit dem Spritzenhaus (Nr. 9). Im Haus Döbelner Straße 8 wurde 1876 die erste Schule in Trachenberge eröffnet. Auf den Grundstücken Nr. 108-116 stand bis zum Abriss 1934 das frühere Gut Wilder Mann, welches dem Stadtviertel seinen Namen gab. Aus diesem ging auch das gleichnamige Gasthaus an der Döbelner Straße 130 hervor, das nach 1945 als Fernsehstudio genutzt wurde. Heute erinnert noch eine Gedenktafel am Wohnhaus Döbelner Straße 110 an den einstigen Standort. Kleinere Lokale gab es mit dem "Germaniahof" im Eckhaus zur Marienhofstraße (Nr. 1), Sparmanns Restaurant "Helgoländer Gehölz" (Nr. 13) und dem "Duckwitz-Hof" an der Ecke zur Duckwitzstraße (Nr. 69). Letzteres ist im Jahr 1910 unter Leitung des Gastwirts Bruno Köhler als "City of New York" im Adressbuch verzeichnet. Das Grundstück Nr. 12 diente vor dem Ersten Weltkrieg als "Luftbad Demnitz".

 

Fotos: Das frühere Weinbergschlösschen Döbelner Straße 24

Die Grundstücke an der heutigen Döbelner Straße befanden sich um 1680 im Besitz sächsischer Adliger. Neben den Weinbergen des “Wilden Manns” lagen die Taubischen Berge, daran anschließend die Friesenberge sowie die nach dem kurfürstlichen Oberstallmeister Graf Nikolaus von Maxen (+ 1712) benannten Max`schen Berge. Später betrieben bevorzugt Pieschener und Trachauer Bauern den Weinanbau. Heute sind diese Weingüter allesamt aus dem Stadtbild verschwunden. Lediglich einige alte Weinbergsmauern sowie das zu den wenigen erhaltenen bäuerlichen Anwesen gehörende Wohnhaus Döbelner Straße 32 erinnern noch an diese Zeit.

Nr. 23: Der ungewöhnliche moderne Neubau entstand 2009/10 als privates Wohnhaus des Architekten Philipp Stamborski. Das Gebäude besitzt eine dunkelgrau-schwarze Fassade mit nur einem großen Fenster zur Straße. Die Rückseite zum Garten ist hingegen fast voll verglast und wurde mit einer auf Wunsch zu öffnenden Terrasse versehen. Für seine Gestaltung wurde dem Bauherrn 2011 der “Häuser-Award” des Architekturmagazins “Häuser” verliehen.

Nr. 24: Bemerkenswert ist die Villa Döbelner Straße 24, nach einem früheren Besitzer auch “Spieglersches Haus” genannt. Ursprünglich gehörte dieses Grundstück zum sogenannten “Wertherschen Weinberg” des kursächsischen Kammer- und Bergrates Wolf von Werthern. Später besaß Graf Nikolaus von Maxen einen größeren Weinberg in diesem Gebiet und ließ sich hier ein Weingut erbauten. Grundmauern und Keller des heutigen Weinbergschlösschen reichen bis in diese Zeit zurück. 1722 erwarb der Förster August Hecht den Max´schen Weinberg und verkaufte dessen östlichen Teil 1746 an den kurfürstlich-sächsischen Proviantverwalter Christian Friedrich Gärtner. Dieser ließ das vorhandene Gebäude zum Herrenhaus erweitern. Hauptsächlich nutzte Gärtner es als Sommersitz. In den unteren Räumen befand sich die Weinpresse und die Kelterei.

Nach mehrfachem Besitzerwechsel erwarb 1831 der Ornithologe Prof. Dr. Friedrich August Ludwig Thienemann (1793-1858) das Anwesen. Thienemann war zeitweise als Inspektor am Dresdner Naturalienkabinett angestellte und erwarb sich vor allem als Fachmann für Vogeleier hohes Ansehen. Seine Erben verkauften das Haus 1863 an den wohlhabenden Rentier Friedrich Hermann Müller, über dessen Tochter die Villa in den Besitz des königlich-sächsischen Hofrates Dr. med. Gotthold Opitz überging. 1895 ließ Opitz das bislang von ihm nur als Sommerwohnsitz genutzte Landhaus umbauen und um zwei Seitengebäude erweitern. In diesem Zusammenhang entstanden auch die noch heute erhaltene Neo-Rokoko-Fassade sowie das prunkvolle Hoftor, wodurch das schlichte Landhaus ein schlossartiges Aussehen erhielt. Auf Opitz´ Tochter Maria Spiegler geht der umgangssprachliche Name “Spieglersches Haus” für das frühere Weingut zurück.

Im Garten befindet sich ein Fragment der 1907 abgerissenen alten Augustusbrücke, welches als Geschenk König Friedrich August III. nach Trachenberge kam. Unweit davon steht eine über 500 Jahre, unter Naturschutz stehende alte Stieleiche.Außerdem gibt es auf dem parkartigen Grundstück einen kleinen Grottenbrunnen und einen romantischen Laubengang. Nach 1990 wurden Haus und Garten denkmalgerecht saniert und beherbergen mehrere Wohnungen.

Großenhainer Straße

Hellerhofstraße

Die Hellerhofstraße erhielt ihren Namen nach dem 1894 gegründeten und auch als “Eselhof” bezeichneten Hellerhof. Ab 1933 wurde das Gelände als Kaserne und Übungslager von der Waffen-SS genutzt. In unmittelbarer Nähe entstand nach Kriegsbeginn ein Gefangenenlager für sowjetische Zwangsarbeiter, die in den kriegswichtigen Göhle-Werken an der Großenhainer Straße arbeiten mussten. Heute befinden sich hier verschiedene Gewerbebetriebe.

Kändlerstraße

Die Kändlerstraße geht auf einen ehemaligen Weinbergsweg in den Taubischen Bergen zurück. Mit zunehmender Bebauung wurde dieser Weg zur Straße ausgebaut und seit Ende des 19. Jahrhunderts Kändlerstraße genannt. Mit der Namensgebung wird an den Trachenberger Rittergutsbesitzer Bernhard Adolf Kändler erinnert, der 1871 das Gut Wilder Mann erwarb und 1880 verstarb. Kändler ließ auch den ersten Bebauungsplan für die Gemeinde erstellen und setzte durch, dass hier ausschließlich Villen und Wohnhäuser entstehen durften.

Foto: Blick in die Kändlerstraße in den 1930er Jahren

Maxim-Gorki-Straße

Die frühere Marienhofstraße verdankte ihren Namen dem 1873 hier gegründeten Marienhof, einer Besserungsanstalt für Jugendliche, die später als städtisches Kinderheim diente. Nachdem das Heim 1949 den Namen “Maxim Gorki” erhalten hatte, wurde auch die Straße in Maxim-Gorki-Straße umbenannt. Im Haus Marienhofstraße 76 bestand um 1900 das Arbeiterlokal “Zum Vergißmeinnicht”, welches als Kundgebungsort und politischer Treffpunkt bekannt war. Unweit davon existierte zwischen 1900 und 1914 das Trachenberger Postamt im Erdgeschoss des Doppelhauses Nr. 85/87. Eine weitere Gaststätte gab es im Eckhaus zur Trachenberger Straße (“Zur Wiederkehr”). Das Gebäude stürzte am 18. Juli 2012 ein und wurde daraufhin abgerissen.

Nr. 58/60: Die kleine Wohnanlage, zu der auch die Gebäude Rückertstraße 22-30, Waldstraße 1-7b und Hans-Sachs- Straße 33/35 gehören, entstand zwischen 1913 und 1920 für den Dresdner Spar- und Bauverein. Architekt der für ihre Zeit modernen Siedlung war Heinrich Koch. Alle Wohnungen erhielten moderne sanitäre Anlagen und Balkone, womit an sozial- und lebensreformerische Grundsätze angeknüpft wurde. Hinzu kamen Gemeinschaftsräume, ein Waschhaustrakt und Grün- und Spielflächen in den Innenhöfen. Nach einem der Förderer des Spar- und Bauvereins, dem Kommerzienrat Palmié, werden die Wohnhäuser auch als “Palmié-Häuser” bezeichnet.

Meinholdstraße

Die erst nach 1990 angelegte Meinholdstraße auf dem Heller erhielt ihren Namen nach dem Dresdner Druckereibesitzer Carl Christian Meinhold (1740-1827). Meinhold erwarb 1783 die Meinholdsche Hofdruckerei und baute sie zu einem der bedeutendsten Dresdner Verlage aus. Noch bis 1945 führte die Familie das Unternehmen unter dem Namen C. C. Meinhold & Söhne fort. Heute hat auf der Meinholdstraße die Druckerei des Dresdner Druck- und Verlagshauses sowie ihren Sitz, in der u.a. die “Sächsische Zeitung” und die “Dresdner Morgenpost” gedruckt werden. Der moderne Komplex entstand 1996/97 und war zum Zeitpunkt seiner Fertigstellung eine der modernsten Druckereien Europas.

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Weinbergstraße

Die Weinbergstraße erinnert an den bis Ende des 19. Jahrhunderts bedeutenden Weinbau in Trachenberge. Ursprünglich lagen hier die Friesenberge, die dem Freiherrn Carol von Friesen gehörten, der 1686 in Dresden verstarb. 1896 entstanden mit dem Maria-Anna-Kinderhospital und dem Sächsischen Krüppelheim wichtige Sozialeinrichtungen für Behinderte, die heute zu einem Rehabilitationszentrum zusammengefasst sind (Weinbergstraße 52-54). Hinzu kamen eine Reihe von Villen und Landhäusern. 1974 wurde zwischen Weinbergstraße und Großenhainer Straße ein Neubaugebiet errichtet.

Nr. 24: Die Villa entstand 1917/18 für den Fabrikanten Julius Heyde, der als Teilhaber der Gesellschaft für Optik und Feinmechanik mit Sitz auf der Kleiststraße zu Wohlstand gekommen war. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs verließ Heyde Dresden, sein Unternehmen ging im VEB Feinmeß auf. Zwischen November 1945 und Juli 1946 unterhielt die damalige sowjetische Besatzungsmacht im Haus ein “Postamt” zur Kontrolle aller von und nach Dresden gehenden Sendungen. Die Zensurstelle wurde später zur Bautzner Straße verlegt und bestand noch bis 1950. 1952 übernahm die Binnenhandelsschule das Gebäude sowie die Nachbargrundstücke. Nach deren Auflösung befand sich ab 1995 bis 2011 eine Ausbildungsstätte der Berufsakademie Sachsen in der Villa, die seitdem leer steht.

Nr. 38: Die Ende des 19. Jahrhunderts in den Weinbergen errichtete Gebäude beherbergte einst das beliebte Ausflugslokal “Eichenhof”, von dessen Terrasse sich ein schöner Fernblick über das Elbtal bot (Foto). Heute dient das Haus Wohnzwecken.

Nr. 40e: In diesem Haus wohnte bis 1945 die deutsch-jüdische Familie Kühnert. Edith Kühnert und ihre zweijährige Tochter Barbara erhielten am 12. Februar 1945 den Deportationsbefehl, konnten jedoch nach dem Luftangriff auf Dresden fliehen. Wenige Tage später nahmen sich beide in der Nähe von Bad Liebenwerda das Leben. An das tragische Schicksal erinnern seit 2013 zwei Stolpersteine vor dem Gebäude.

Nr. 76: Die um 1910 vom Architekten Heinze als eigenes Wohnhaus errichtete Villa Nr. 76 gehört zu den interessantesten Gebäuden an der Weinbergstraße. Das im Landhausstil gestaltete Gebäude weist an der Fassade verschiedene neogotische Elemente und Plastiken auf, welche Szenen der biblischen Geschichte darstellen.

 


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