Die Fluren des heutigen Stadtteils Trachenberge waren ursprünglich im Besitz des Landesherren und fast völlig mit Wald bedeckt. Lediglich an den Hängen der Hellerberge wurde schon seit dem 15. Jh. Wein
angebaut. Erstmals erwähnt sind diese Weinberge im Abrechnungsbuch des Amtes Dresden aus dem Jahr 1446. Besitzer waren meist kurfürstliche Beamte, Adlige und wohlhabende Dresdner Bürger. Hinzu kam ein größeres Flurstück
westlich der Großenhainer Straße, welches dem Neustädter Augustinerkloster gehörte. Die als “Brüchigt” bezeichneten Flächen zu Füßen der Trachenberge konnten als Reste früherer Elbarme wegen ihres sumpfigen Untergrundes
kaum genutzt werden. Um 1600 begann die zunehmende Rodung der bewaldeten Hänge zugunsten weiterer Rebflächen, die bis 1670 weitgehend abgeschlossen war. Neben dem Hellergut entstanden die “Baumwiese” auf Boxdorfer Flur sowie das Strobelsche Weingut als Mittelpunkt größerer Gutswirtschaften.
An zwei Weingüter erinnern noch heute die Namen Wilder Mann und Hechtviertel. Auch der Straßenname Neuländer Straße hält bis heute die Erinnerung an diese Zeit wach. Eines der ältesten Gebäuden in Trachenberge war das Weingut Wilder Mann an der Döbelner Straße (Foto: Gedenktafel am Haus Nr. 110). 1680 wurde
dieses Gut erstmals erwähnt und bildete zwischen 1722 und 1897 einen selbstständigen Gutsbezirk. Zu dessen Fluren gehörte auch ein früher Jeßnitz genannter Weinberg in der Nähe des St.-Pauli-Friedhofes, der um 1930 mit
Wohnhäusern bebaut wurde. Weitere Weinberge, so der Taubesche Berg an der Kändlerstraße und der Friesensche Weinberg östlich der Drachenschlucht, wurden nach 1756 parzelliert und an Pieschener Häusler zur Nutzung
abgegeben. Wenige Jahre zuvor hatte es hier im Juni 1753 noch ein großes Manöver der sächsischen Armee gegeben, an welchem u. a. Prinz Xaver mit seinem Stab teilnahm. Während des Siebenjährigen Krieges campierten
österreichische Soldaten in den Weinbergen und richteten dabei schwere Verwüstungen an.
Die stärkere Besiedlung der Trachenberge begann erst um 1800. In den zu dieser Zeit durch Verkäufe und Erbteilungen
bereits stark zersplitterten Weinbergen siedelten sich zunehmend landarme Bauern, Häusler, Gärtner und besitzlose
Landarbeiter an. Diese gründeten schon bald kleine Gemeinschaften, um bestimmte Aufgaben wie den Erhalt der Weinbergsterrassen und den Brunnen- und Wegebau gemeinsam erledigen zu können. Am 26. November 1812
wurden die verstreuten Anwesen durch eine “Instruktion für den Richter in den Trachenbergen” zu einer Amtskommune zusammengeschlossen, die 1839 den Status einer Landgemeinde erhielt. Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden an der Döbelner und der Großenhainer Straße neue Villenviertel, die Trachenberge zeitweise zu einer beliebten Sommerfrische machten (Foto:
Gasthaus “Wettinschlößchen”). Die Bevölkerung wuchs, begünstigt durch die Industrialisierung in den Nachbarorten, deutlich an. Dieses führte nach 1890 zum Rückgang und schließlich zur
gänzlichen Einstellung des Weinanbaus an den Hängen der Trachenberge.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts begann die Stadt Dresden an dieser Stelle einige Sozialeinrichtungen anzulegen. Als vorteilhaft wurden die ruhige Lage und die günstigen
klimatischen Verhältnisse angesehen. Außerdem siedelten sich auf den Freiflächen zwischen dem Ort und dem Pieschener Ortskern mehrere Gärtnereien an. Auf diese Art vergrößerte sich
die bebaute Flur Trachenberges, welches am 1. Juli 1897 gemeinsam mit dem Wilden Mann und den Hellerbergen nach Dresden eingemeindet wurde. Bereits seit 1876 besaß der Ort eine eigene Schule und ab
1915 mit der Weinbergskirche auch eine eigene Kirchgemeinde. In den 20er und 30er Jahren und ab 1974 entstanden
nördlich der Großenhainer Straße weitere Wohnviertel. Wichtigstes gewerbliches Unternehmen war seit 1891 der Straßenbahnhof Trachenberge, in dem auch die ersten
Fahrzeuge der Straßenbahn gebaut wurden. Mehrfach erfolgten Erweiterungen und Umbauten des Areals. Der bis heute genutzte Betriebshof an der Trachenberger Straße ist zugleich Domizil des Dresdner Straßenbahnmuseums (Foto). Außerdem unterhalten die DVB hier ihre zentrale Leitstelle und die gesamte Verwaltung. Foto: Straßenbahnhof Trachenberge Schulen in Trachenberge: Alte Schule:
Das erste Schulhaus errichtete die Gemeinde Trachenberge 1876 an der Döbelner Straße Nr. 8/10. Die Finanzierung unterstützte der im sogenannten “Weinbergschlösschen” an der Döbelner Straße 24 lebende wohlhabende
Pensionär Friedrich Hermann Müller, welcher seinem Heimatort 3.100 Taler für den Grundstückskauf und den Bau des
Gebäudes zur Verfügung stellte. Die Grundsteinlegung für diese Schule erfolgte am 27. September 1875. 2004 wurde sie zugunsten des Erweiterungsbaus und einer Sporthalle des Beruflichen Schulzentrums abgerissen. 28. Grundschule: 1882/83 entstand an der Döbelner Straße ein weiteres Schulgebäude, bevor im Jahr 1900 der
Neubau an der Maxim-Gorki-Straße 39 bezogen werden konnte. Zu DDR-Zeiten trug diese Schule den Namen 28. POS “Otto Buchwitz” (ab 1991 28. Grundschule). Nach Schließung der Schule fand hier das im März 2007
eingeweihte Berufsschulzentrum für Gesundheit und Sozialwesen “Karl August Lingner” sein Domizil. Hier werden u.a. Arzthelferinnen, Zahntechniker und Pflegekräfte ausgebildet. Im Zusammenhang mit dem Einzug dieser
Bildungseinrichtung erfolgte eine umfassende Sanierung des Schulgebäudes, welcher an der Rückseite um einen modernen Neubau ergänzt wurde. Dieser war erster Schulneubau nach 1990 in Dresden. Fotos: Trachenberger Schulen - links das alte Schulgebäude auf der Döbelner Straße 8,
in der Mitte die frühere 28. Grundschule auf der Maxim-Gorki-Straße 39, rechts der Schulneubau von 2005 Postwesen in Trachenberge: Die erste Postagentur des Ortes entstand 1883 in einem Wohnhaus auf der damaligen Hermannstraße (heute Döbelner
Straße 21). Im Zusammenhang mit dem wenige Wochen später durchgeführten Sächsischen Bundesschießen im Schützenhof richtete man auch ein Telegraphenamt ein. Nach der Eingemeindung Trachenberges wurde dieses Postamt
als Dresden N 23 bezeichnet und existierte bis 1900. Im Anschluss verlegte man das Postamt in die Erdgeschossräume des Doppelhauses Marienhofstraße 87. 1914 erfolgte
ein erneuter Umzug zur verkehrsgünstigeren Großenhainer Straße 149. Dieses Gebäude war kurz zuvor von einer
privaten Baugesellschaft im Auftrag der Reichspost errichtet worden und steht heute unter Denkmalschutz. Auch das
Nachbargrundstück wurde seit 1929 für postalische Zwecke genutzt. 1999 wurde dieses Postamt geschlossen und durch eine Filiale in einem nahegelegenen Schreibwarenladen ersetzt.
Kleingartenverein “Frischer Wind”: Die Gartensparte wurde 1947 auf einem gerodeten Waldstück der Jungen Heide angelegt und sollte vorrangig der besseren Versorgung der Bevölkerung in den
schweren Nachkriegsjahren dienen. Erst später erhielten die Gärten Strom- und Wasseranschluss, ein Spartenheim und eine Kegelbahn. Nach 1990 mussten einige Gärten dem Ausbau
der Autobahnauffahrt weichen. Als Ersatz konnten benachbarte Flächen an der Kalkreuther Straße erworben werden.
Seit 1994 befindet sich das gesamte Grundstück im Besitz der Spartenmitglieder, um einer künftigen Bebauung des Areals an der Autobahn vorzubeugen. Kleingartenverein “Mariengärten”:
Die Gartenanlage entstand 1902 auf dem Gelände einer früheren Tongrube und gehört zu den ältesten
Kleingartenanlagen in Dresden. Gründer waren die beiden Radebeuler Fabrikbesitzer Max und Richard Böhme, die das Areal mit der Bestimmung verpachteten, es dauerhaft als Gartenland zu nutzen. 1980 konnte der Verein seine
Anlage um das Gelände eines Abrissgrundstücks des Otto-Buchwitz-Werkes an der Weinböhlaer Straße erweitern. Zum Kleingartenverein gehören heute 100 Gärten sowie eine öffentlich zugängliche Vereinsgaststätte.
Weiterführende Literatur und Quellen:
Trachenberger Nachrichten 8. Januar 2012:
Auch im neuen Jahr werden die Stadtteilführungen in Trachenberge fortgesetzt. Die Führungen finden immer am zweiten Sonntag des Monats statt, können aber auch für geschlossene Veranstaltungen gebucht werden. Treffpunkt ist um 10.30 Uhr das Café Genuss. Hier findet der Rundgang nach ca.150 Minuten bei einer kleinen Stärkung mit Getränk und Gebäck auch seinen gemütlichen Ausklang. Anmeldungen für die Führung werden im Café entgegen genommen: Trachenberger Str. 72/Ecke Döbelner Str., 01129 Dresden, Tel. 0351/8748273. Der Preis pro Person beträgt 7 Euro und schließt Getränk und Gebäck im Café Genuss mit ein. Bei schlechtem Wetter kann man die Führung als Vortrag erleben.
1. Dezember 2011:
In der Reihe “Archivbilder” des Sutton-Verlages ist ein neuer Bildband mit dem Titel “Ein historischer Spaziergang rund um Trachenberge”
erschienen. Das Buch zeigt zahlreiche Bilder des Stadtteils und seiner Umgebung aus dem 19. und 20. Jh. und wurde von Jürgen Naumann verfasst. Interessenten
können das Buch ab sofort zum Preis von 18,95 Euro im Buchhandel erwerben.
25. März 2011:
Gegenwärtig werden die Hallen des Straßenbahnmuseums umgebaut und erneuert. Die Fahrzeuge befinden sich deshalb größtenteils im Straßenbahnhof Tolkewitz. Ab 1. Advent soll
das Museum dann wieder geöffnet haben. Künftig steht neben Ausstellungsflächen für Busse und Straßenbahnen auch ein Vortragsraum zur Verfügung. |
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