Die Fluren des heutigen Stadtteils Übigau waren bereits in der Bronzezeit besiedelt und
gehören zu den ältesten nachgewiesenen Siedlungen im oberen Elbtal. Bei Ausgrabungen wurden seit dem 19. Jahrhundert verschiedene Gräberfelder freigelegt,
auf denen Keramikscherben und andere Siedlungsfunde entdeckt wurden. 1994 wurde bei einer größeren archäologischen Untersuchung an der Werftstraße ein Gräberfeld aus der Zeit um 1400 v. Chr. gefunden.
Der Ort Übigau entstand als slawisches Sackgassendorf auf einer hochwasserfreien Erhebung am Elbufer und wurde 1324 erstmals als Vbegowe urkundlich erwähnt. Der Name ist vermutlich vom
altsorbischen ubeg = Flucht abgeleitet, da die Bewohner bei Hochwasser nach hier flüchten konnten. Im Mittelalter
gehörte das Dorf mit sechs Gehöften und einer Fischfangstelle in der Elbe dem Domstift Meißen, welches die Einkünfte
aus seinem Besitz der Stiftsbaumeisterei überließ. Ab 1559 unterstand der Ort dem kurfürstlichen Amt Dresden, welches
1732 durch Tausch auch die Grundherrschaft erwarb. An der Flurgrenze verlief einst der wichtige Bischofsweg von
Meißen nach Stolpen, der bei Übigau die Elbe durchquerte. Die Anwesen Rethelstraße 17 und 19 wurden deshalb auch als “Bischofsgüter” bezeichnet. Im 16. Jh. kamen Teile der Flur des wüst gewordenen Dörfchens Bortzschen zu Übigau. Neben Landwirtschaft und Elbfischerei betrieben die Einwohner einst auch umfangreichen Weinbau in der nahen Lößnitz.
Sogar die kurfürstliche Kellerei bezog gelegentlich Wein von Übigauer Bauern. Wegen seiner romantischen Lage im Elbbogen wurde Übigau 1725 vom kurfürstlichen Minister
Graf Jakob Heinrich von Flemming zum Standort eines Lustschlosses gewählt, welches viele
Jahre im kurfürstlichen Besitz blieb und als “Gegenstück” zum Schloss Pillnitz Schauplatz für verschiedene Festlichkeiten war. 1831 wurde dieses Schloss vom Amtszimmermeister Paul
Siemen erworben und 1836 in ein Verwaltungsgebäude einer Maschinenfabrik umgewandelt. In den angeschlossenen Räumlichkeiten entstanden 1837 der erste sächsische Elbdampfer und 1839
die erste deutsche Lokomotive nach Plänen von Andreas Schubert. Diese Maschinenbauanstalt war Ausgangspunkt der Industrialisierung in Übigau. Nachfolger dieser Firma wurde 1877 die Übigauer Schiffswerft, an die noch ein alter Kran als technisches Denkmal am Elbufer erinnert.
In den Folgejahren entwickelten sich Übigau und seine Nachbargemeinden zu Arbeiterwohnvororten Dresdens. Bedeutendstes Unternehmen war die Elektrotechnikfirma Koch & Sterzel, die unter dem Namen VEB Transformatoren-
und Röntgenwerk bis 1990 größter Arbeitgeber der Stadt war. Am 1. Januar 1903 kam Übigau gemeinsam mit seinen
Nachbarorten Kaditz und Mickten als Stadtteil zu Dresden. 1913 erhielt der Ort erstmals Straßenbahnanschluss, wobei
die alte Strecke ursprünglich über die Böcklinstraße bis zur Endstelle an der Sternstraße führte. Erst 1928 wurden die
Gleise über die neue Flutrinnenbrücke verlegt. 1967 entstand schließlich die bis zum Hochwasser 2002 genutzte Gleisschleife an der Washingtonstraße. Heute verbinden Buslinien den Stadtteil mit seinen Nachbarorten.
Infolge der späteren gewerblichen Nutzung sind vom ehemaligen Dorfkern nur noch Reste erhalten. Einige historische
Gebäude stehen noch in Altübigau (Fotos), an der Rethel- und der Kaditzer Straße. Ein Teil des Dorfkerns mit vier
Gütern fiel am 2. März 1945 einem Luftangriff zum Opfer. In der Nähe entstanden 1979 neue Wohnblocks an der
Mengs-, Rethel- und Werftstraße. An den verbliebenen Gehöften erinnern Schlußsteine von 1720 (Altübigau Nr. 8) und
1693 (Rethelstraße 28) an die dörfliche Vergangenheit Übigaus. 1993/94 wurde an der Carrierastraße mit dem Bau des neuen Stadtteilzentrums “Elbarkaden” begonnen.
Von Bedeutung war Übigau viele Jahrzehnte auch als Garnisonsstandort. An der Elbe entstand im 19. Jh. eine Pionierkaserne, die seit 1879 nur noch als Wohnhaus genutzt und 1989 abgerissen wurde. 1870/71 befand sich auf
Übigauer Flur ein Kriegsgefangenenlager für französische Soldaten. In den notdürftig zusammengezimmerten Baracken
am Elbufer waren zeitweise ca. 16.000 Soldaten und Offiziere untergebracht. Für die Verpflegung sorgten die Bauern
der umliegenden Dörfer. An die 116 im Lager an Kriegsverletzungen oder Krankheiten verstorbenen Franzosen erinnert ein Denkmal auf dem Kaditzer Friedhof. Kurz vor dem Ersten Weltkrieg errichtete man in unmittelbarer Nachbarschaft des Kaditzer Flugplatzes an der Washingtonstraße eine Luftschifferkaserne. Die später
Hindenburgkaserne genannte Einrichtung wurde zunächst vom Telegraphen-Bataillon Nr. 7, danach bis 1945 von Nachrichteneinheiten der Reichswehr bzw. der Wehrmacht
belegt. Die Gebäude dienten dann zwischen 1945 und 1991 der Sowjetarmee und stehen seitdem leer. 1997 begann eine schrittweise Umgestaltung des Areals, auf dem u. a. eine neue Dresdner Feuerwache entstand (Foto)
. Da sich für die verbliebenen Kasernenbauten kein Investor fand, wurden diese 2002 von der Denkmalliste gestrichen und 2004 zum Großteil abgerissen.
Postwesen in Übigau:
Die postalische Versorgung des Dorfes oblag
ursprünglich der Königlich-Sächsischen Postanstalt Stadt Neudorf, die ihren Sitz in der Nähe der Leipziger Straße hatte. Auch nach Übernahme der
Posthoheit durch die Reichspost änderte sich daran zunächst noch nichts. Allerdings wuchs mit zunehmender Industrialisierung in den Orten Mickten und Übigau der Wunsch nach einer eigenen Postdienststelle.
Am 1. Mai 1896 eröffnete deshalb im Haus des Kaufmanns Hugo Schäfer, Dorfstraße 2 eine gemeinsame Postagentur für Übigau und Mickten. Nach der Eingemeindung als Dresden N 31 bezeichnet, wurde sie
1907 auf die Rethelstraße 13 und 1915 zur Kaditzer Straße 30 (Foto) verlegt. Im Zuge der Neugliederung der Postbezirke schloss dieses Postamt 1991. Schulen in Übigau:
Übigau bildete ursprünglich mit Kaditz und Mickten einen gemeinsamen Schulbezirk.
Erst 1896 erbaute die damals noch selbständige Gemeinde ein eigenes Schulhaus an der Thäterstraße, welches am 20. April 1897 eingeweiht wurde. Zwei Jahre später folgte
noch eine Turnhalle. Diese Schule (42. Volksschule) wurde 1928/29 erweitert und erhielt dabei ihr heutiges Aussehen (Foto). Der Neubau war seinerzeit einer der
modernsten in Sachsen und zugleich erster Schulneubau in Dresden nach dem Ersten Weltkrieg.
Während des Zweiten Weltkrieges diente das Gebäude zeitweise als Lazarett der Wehrmacht, später auch als
Flüchtlingsunterkunft. Am 2. März 1945 beschädigten Bomben das Schulgebäude und zerstörten die bereits im Februar
schwer beschädigte Turnhalle völlig. Nach notdürftiger Reparatur konnte im Oktober der Schulbetrieb wieder
aufgenommen werden. Erst 1973 entstand ein Ersatzbau für die zerstörte Turnhalle. 1970 erhielt die Übigauer Schule
nach einem Dresdner Antifaschisten den Namen 42. POS “Herbert Bochwitz”. In diesem Zusammenhang wurde ein Gedenkstein auf dem Schulhof aufgestellt. Seit 1992 wurde sie als 42. Grundschule genutzt und trotz heftiger
Elternproteste 2000 auf Beschluß des Stadtrates geschlossen. Das Gebäude steht seitdem leer und soll verkauft werden. Weiterführende Literatur und Quellen
Übigauer Nachrichten 19. Januar 2010:
Die im vergangenen Jahr begonnene Reihe “Übigauer Geschichten” wird auch in diesem Jahr fortgesetzt. Regelmäßig sind Vorträge zu verschiedenen Themen der Stadtgeschichte geplant.
2. September 2009:
Richtfest am Neubau des Katastrophenschutzzentrums an der Scharfenberger Straße. Der Neubau neben der Übigauer Feuerwache soll künftig die neue Leitstelle beherbergen und im Herbst 2010 übergeben werden.
25. Juni 2009:
Der Stadtrat lehnt einen Erwerb des Schlosses Übigau ab, da es dafür derzeit weder Geld noch ein Nutzungskonzept gibt. Die Grünen hatten gefordert, dass die Stadt nach dem Tod des bisherigen Schlossbesitzers von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch macht.
6. Mai 2009:
Die Zukunft des Übigauer Schlosses ist unklar. Das seit Jahren leer stehende Gebäude soll an einen Gläubiger verpfändet worden sein, der es jetzt für mindestens 255.000 Euro verkaufen will. Einige Stadträte fordern, das der Freistaat von seinem Vorkaufsrecht Gebrauch machen soll.
4. März 2009:
Der historische Uferkran der ehemaligen Schiffswerft wurde an einen Privatmann verkauft. Das 2005/06 gründlich erneuerte technische Denkmal wird jedoch an Ort und Stelle erhalten bleiben. 21. Februar 2009:
In den Räumen des ehemaligen VEB Dampfkesselbau (Werftstr. 1) ist bis zum 20. April eine Ausstellung zur Geschichte der Loschwitzer Schwebebahn zu sehen. Die für diese Räumlichkeiten völlig neu gestaltete Schau stellt anhand von historischen Zeichnungen, Fotos und Modellen die Geschichte der Bahn vor. Attraktion sind ein funktionstüchtiges Modell und eine originale Kabine der Schwebebahn. Geöffnet hat die Ausstellung Fr. - Mo. 10-18 Uhr, der Eintritt ist frei
31. Januar 2009:
Ab sofort sind sowohl die Dauerausstellung zur Schlossgeschichte als auch die wechselnden Sonderausstellungen der Bürgerinitiative Schloss Übigau in neuen Räumen zu sehen. Die Schau befindet sich jetzt im Obergeschoss der ehemaligen Berufsschule Werftstraße 1.
Literatur zu Übigau und anderen Stadtteilen finden Sie auch hier: |
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