Goetheallee


Standesamt Dresden
-Eheschließung-

Goetheallee 55
01309 Dresden

Tel. 0351/4888817

Sonnenstrahl e.V.

Förderkreis für
krebskranke Kinder

Goetheallee 13
01309 Dresden

www.sonnenstrahl-ev.org


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Die Goetheallee wurde im letzten Drittel des 19. Jh. als Wohnstraße angelegt und hieß bis 1945 Emser Allee. Mit diesem Namen sollte an die Ereignisse des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 erinnert werden. Die von Bismarck politisch geschickt ausgenutzte “Emser Depesche” war Auslöser der Kämpfe zwischen beiden Ländern. Nicht zuletzt die hohen Reparationszahlungen Frankreichs nach Kriegsende trugen zum wirtschaftlichen Aufschwung und der Entstehung der Blasewitzer Villenviertel bei. Die Emser Allee entwickelte sich bis zur Jahrhundertwende zu einer der vornehmsten Straßen in Blasewitz. Noch heute lassen die zum Großteil erhaltenen Villen den einstigen Reichtum der hier ansässigen Hauseigentümer erkennen. Das Foto zeigt das Landhaus Goetheallee Nr. 49.

 

Einzelne Gebäude:

Nr. 4 (Villa Königswald): Das Gebäude entstand 1863 nach Plänen von Theodor Lehnert für den Regierungsrat Arthur Willibald Königsheim. Dieser gehörte als Gründer des Waldparkvereins zu den engagiertesten Blasewitzer Bürgern und setzte sich für eine planmäßige Entwicklung des Ortes unter Wahrung künstlerischer Belange ein. Den Garten des Hauses gestaltete der preußische Hofgärtner Neumann, der auch die gärtnerische Gestaltung des Waldparkes übernahm. Neumanns Ideen waren Anregung für zahlreiche Blasewitzer Villengärten, die das Vorbild der Königsheim-Villa aufgriffen. Im Juni 2003 wurde am Haus eine Gedenktafel angebracht.

Nr. 6: Das Haus entstand 1886 im Landhausstil und wurde vom Blasewitzer Architekten Emil Scherz entworfen. Der schlichte eingeschossige Bau weist typische Formen der Entstehungszeit dieses Villenviertels auf, gehört jedoch zu den eher bescheideneren Wohnhäusern der Goetheallee.

Nr. 8: Die Villa entstand 1896 für einen großbürgerlichen Besitzer. Nach 1945 hatte hier die Christengemeinschaft ihre Versammlungsräume, bevor diese einen Neubau auf der Reichenbachstraße beziehen konnte.

Nr. 10: Der um 1900 entstandene neobarocke Villenbau war ab 1910 Wohnsitz Dr. Rudolf Steiners. Der für seine reformpädagogischen Ansätze bekannte Steiner war Gründer der Anthrosophischen Gesellschaft und der bis heute populären Waldorfschulen. Die Villa wurde nach 1990 saniert und anschließend als Wohn- und Bürohaus genutzt. Zeitweise befand sich im Haus der erste jüdische Kindergarten Ostdeutschlands.

Nr. 13: Auch diese Villa entstand im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts für einen wohlahabenden Kaufmann. Der Bau ist im Neorenaissancestil gestaltet und wurde nach 1990 denkmalgerecht saniert. Seit 2003 nutzt der Förderkreis für krebskranke Kinder e. V. das Haus unter dem Namen “Villa Sonnenstrahl” als Begegnungsstätte für betroffene Eltern und Kinder. Dafür wurden einige Gästewohnungen eingerichtet, in denen Angehörige während des Klinikaufenthalts ihrer Kinder übernachten können.

Nr. 14: Das repräsentative Wohnhaus entstand 1910 in der Tradition der großbürgerlichen Villenarchitektur, weist jedoch bereits Elemente einer moderneren Bauauffassung auf.

Nr. 18 (Villa Schmitz): Die landhausartige Villa wurde 1901/02 vom Blasewitzer Baumeister Karl Emil Scherz für den  Ernst Schmitz-Havre errichtet. Ab 1903 wohnte hier der Textilfabrikant Oscar Schmitz, der sich einen guten Ruf als Kunstsammler erwarb und in seinem Haus eine der bedeutendsten privaten Sammlungen moderner Kunst zusammentrug. U.a. gehörten Bilder der französischen Impressionisten Cèzanne, Courbet, Delacroix und Manet, aber auch von Max Liebermann, Max Slevogt, Wilhelm Trübner und Fritz Uhde zum Bestand. Außerdem war Schmitz seit 1913 Mitglied der Ankaufskommission der Staatlichen Kunstsammlungen und gehörte dem Vorstand der Kulturstiftung des Landes Sachsen an. 1931 verlegte er seinen Wohnsitz nach Zürich und verstarb dort 1933.

Die in Dresden verbliebenen jüdischen Nachkommen wurden während der Nazizeit enteignet und mussten fast alle Bilder verkaufen. Einige wenige gelangten bereits zu Schmitz´ Lebzeiten in die Dresdner Galerie. Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges diente das Haus nun als NS-Schwesternheim. In der Nachkriegszeit blieb die Villa Bürohaus. Später hatte hier die Dresden International School, eine Schule mit englischer Unterrichtssprache, ihr Domizil. Nach deren Auszug 2008 wird das Gebäude als Kindereinrichtung genutzt.

Nr. 23: Die Villa wurde 1901 von Heinrich Watzlawik im Jugendstil erbaut und gehört zu den jüngeren Blasewitzer Wohnhäusern. Ursprünglich als Zweifamilienhaus konzipiert, wurde das Haus später in Etagenwohnungen aufgeteilt . Nach erfolgter Sanierung 1998/99 wird die Villa heute als Bürohaus genutzt.

 

Fotos: Villen an der Goetheallee: Nr. 23 (links), Nr. 24 (Mitte), Nr. 29 (rechts)

Nr. 24 (Villa Muttersegen): Der schlossartige Neorenaissancebau entstand 1891/94 nach Plänen des Architektenbüros Schilling & Gräbner. Nach dem ersten Besitzer, dem Dramatiker Franz von Schönthan Edler von Pernwald, wurde das Haus auch Pernwaldhaus genannt. Schönthan, der als Autor des Theaterstücks “Der Raub der Sabinerinnen” bekannt wurde, verkaufte seinen Besitz jedoch bereits 1896 an neue Eigentümer. Zeitweise hatte hier das königlich-niederländische Generalkonsulat seinen Sitz. Seit 1992 nutzt das Europäische Institut für postgraduale Bildung (EIPOS) die Villa.

Nr. 26 (Villa Fliederhof): Die Villa wurde 1892/93 von Schilling & Gräbner für den Schauspieler Sigward Johannes Friedmann, Mitbegründer des Deutschen Theaters in Berlin, errichtet. Friedmann war mit der Schriftstellerin Henriette von Dönnings verheiratet. Deren erster Ehemann erschoss 1864 in einem Duell den bekannten Arbeiterführer Ferdinand Lasalle. Nach dem Ersten Weltkrieg kam das Haus in den Besitz der Familie Schuncke. Zu den Bewohnern und Gästen  gehörten u. a. der russische Komponist Sergej Rachmaninow, welcher oft hier zu Gast war, der Hofkapellmeister Hermann Kutzschbach mit seiner Tochter Senta, der expressionistische Maler Ludwig Meidner, der Romantiker Ernst Hermann Walther und der Philosoph Graf Hermann Keyserling. Bis 1945 blieb die Villa des musikinteressierten Besitzers Wilhelm Schuncke regelmäßiger Treffpunkt Dresdner Künstlerkreise. Am 28. Mai 1945 wurde vor dem Haus Baron Paul von Seiller von betrunkenen Sowjetsoldaten ermordet und kurz darauf im Garten des Grundstücks begraben. Später ließ ihn die Familie ins Familiengrab in Dittersdorf umbetten.

Der “Fliederhof” blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst in Privatbesitz. Neben Wohnungen gab es hier ab 1960 eine Druckwerkstatt, welche vor allem bei Dresdner Künstlern wie Lea Grundig beliebt war und bis heute unter dem Namen Grafikwerkstatt Dresden existiert. Da die hohen Unterhaltskosten des Hauses die Besitzer jedoch überforderten, war 1970 eine Schenkung an die Dresdner Musikhochschule geplant. Aus politischen Gründen wurde diese jedoch verhindert. Stattdessen erwarb 1975 der Arzt Dr. Flach das traditionsreiche Haus. Bei einem Familiendrama 1979 setzte Flachs Ehefrau die Villa absichtlich in Brand, wobei beide Eheleute ums Leben kamen. Die wertvolle Innenausstattung sowie unersetzliche Strauss-Partituren aus dem Besitz der im Haus lebenden Künstlerin Senta Kutzschbach wurden dabei vernichtet. Die Brandruine wurde wenig später abgerissen und nach 1990 durch einen modernen Neubau ersetzt. Seit April 2010 befindet sich an der Einfassung des Grundstücks eine Gedenktafel, welche über die Geschichte des Hauses und den Aufenthalt Sergej Rachmaninow informiert.

Nr. 43: Die zweigeschossige Villa entstand 1894 als Gärtnerwohnhaus nach Plänen des Architektenbüros Schilling & Gräbner. Ursprünglich gehörte sie zum gegenüberliegenden “Pernwaldhaus” (Goetheallee 24) Der auf unregelmäßigem Grundriss errichtete Bau weist verschiedene Stilformen auf, deren Hauptblickpunkt der dreigeschossige Treppenturm ist. An Stelle des früheren Wintergartens wurde bei der Sanierung ein moderner Anbau errichtet (Foto).

Nr. 51: Die Villa entstand zwischen 1899 und 1900 als dreigeschossiges Wohnhaus für den Rentier Theodor Grimme. Am Bau beteiligt waren neben Baumeister Oskar Menzel verschiedene Blasewitzer Firmen, die dem Haus sein repräsentatives Äußeres gaben. Stilistisch gehört diese Villa der Übergangszeit vom Historismus zum Jugendstil an. Bemerkenswert ist an der Fassade eine Holzschnitzerei mit dem Motiv “Adam und Eva”.

Nr. 55 (Villa Weigang): Die prächtige Villa wurde unter Verwendung verschiedener Stilformen 1894/95 für den Architekten Max Pocharsky unter Mitwirkung der Architekten Schilling & Gräbner als eigenes Wohnhaus entworfen. Späterer Besitzer war der Bautzner Industrielle Karl Ernst Otto Weigang, dem das Haus seinen Namen verdankt. Nach 1945 befanden sich hier u. a. eine Meldestelle der Volkspolizei sowie ein Standesamt. 1991-94 wurde das Gebäude nach historischem Vorbild komplett saniert und beherbergt heute das Dresdner Standesamt (Foto). Bemerkenswert ist die weitgehend erhaltene Innenausstattung der Entstehungszeit.

Im Garten befindet sich ein interessanter Brunnen, der bereits beim Bau der Villa angelegt wurde. Leider ging die ursprünglich vorhandene Figur in der Nachkriegszeit verloren. An ihrer Stelle steht heute eine Puttengruppe mit Blumenkelch, der zugleich als Wasserspeier dient. Diese Plastik stand ursprünglich im Garten des Palais Oppenheim auf der Bürgerwiese, konnte dort nach 1945 aus den Trümmern geborgen werden und kam 1999 nach Blasewitz.

Nr. 57 (Villa Baumann): Das Haus entstand im Kern bereits 1865 und gehört so zu den ältesten Blasewitzer Villen. 1883 wurde die Villa im Stil der Nicolai-Schule umgebaut und erweitert, wobei sie auch den markanten Turm erhielt. Die Innenausstattung ist bis heute weitgehend erhalten geblieben. Zum Gebäudekomplex gehören neben der Villa zwei kleinere Nebengebäude, die früher als Wohnung der Hausangestellten dienten. Um das Haus entstand ein Park mit einem noch erhaltenen Gartenhäuschen, Teich mit Grotte sowie einer Aussichtsterrasse zur Elbe.


Literatur über Blasewitz finden Sie auch hier:

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