Königsheimplatz


Der Königsheimplatz entstand im Zusammenhang mit der Entwicklung des Blasewitzer Villenviertels. Seinen Namen erhielt er nach dem sächsischen Regierungsrat Arthur Willibald Königsheim (1816-1886), der 1867 den Waldparkverein gründete und sich für den planmäßigen Ausbau der umgebenden Straßen einsetzte. Königsheim selbst besaß eine Villa auf der Goetheallee mit einem parkartigen Garten, dessen Gestaltung zum Vorbild für weitere Blasewitzer Villengrundstücke wurde. Während ein Großteil der zwischen 1870 und 1900 erbauten Gebäude bis heute erhalten geblieben ist, fielen die Häuser um den Königsheimplatz 1945 zum größten Teil den Bomben zum Opfer. Erhalten blieb jedoch die nach der Eingemeindung geschaffene Brunnenanlage Georg Wrbas sowie die Grundkonzeption des Platzes. In den 70er und 80er Jahren wurden am Königsheimplatz neue Wohnblocks in der DDR-typischen Plattenbauweise errichtet. Nach 1990 erfolgte eine Wiederherstellung der Grünflächen nach historischem Vorbild.

 

Weißes Schloss:

Die schlossartige Villa am Königsheimplatz entstand 1860/62 nach Plänen von Theodor Lehnert und war bedeutendster Wohnbau im Ort. Bauherr war der Unternehmer Spiegelthal, der das dreigeschossige Gebäude mit Treppenturm zunächst selbst nutzte. Wegen ihres Aussehens und der hellen Fassade wurde die Villa im Volksmund “Weißes Schloss” genannt. Als Nebengebäude entstand die “St. Gotthardsburg” an der Emser Allee, Ecke Schubertstraße. Außerdem gehörte ein Bedienstetenhaus sowie eine ausgedehnte parkartige Gartenanlage zum Areal.

1880 erwarb der Besitzer des “Weißen Adlers” Lorenz das Gebäude und wandelte es in eine Pension um, zu der schon bald weitere Häuser in der Nachbarschaft kamen. Nach 1920 befand es sich im Besitz des Zahnarztes Mauksch, der die neogotische Villa sanieren ließ. Im hinteren Teil entstand 1930 das Haus der Ärzteschaft. 1945 wurde das “Weiße Schloss” zerstört, die Ruine Mitte der 1960er Jahre abgetragen. 1988 entstanden an gleicher Stelle Wohnblocks.

Europabrunnen:

Der Brunnen mit einer Plastik von Georg Wrba wurde 1922 auf dem Königsheimplatz aufgestellt. Die Plastik zeigt einen Bullen mit einer auf ihm sitzenden nackten Frau und stellt “Europa mit dem Stier”, eine Gestalt der griechischen Mythologie dar. In dieser Sage wird die phönizische Königstochter Europa vom Göttervater Zeus nach Kreta entführt, der dabei in Form eines Stieres auftritt. Da das bei seiner Aufstellung umstrittene Kunstwerk 1922, ein Jahr nach der erzwungenen Eingemeindung von Blasewitz, seinen Standort erhielt, wurde die Figur von den Einwohnern auch spöttisch als die vom Dresdner Oberbürgermeister Blüher entführte Gustel von Blasewitz interpretiert. Mit über 14 Metern Länge gehört der Europabrunnen zu den größten Anlagen Dresdens. Das Brunnenbecken zeigt expressionistische Gestaltungselemente und wurde unter der Leitung von Amtsbaurat Borrmann von der Firma Gebrüder Eberlein hergestellt, den Guß der Bronzefigur übernahm die Kunstgießerei Oswald Zinke.

Während des Zweiten Weltkrieges wurde die Plastik von ihrem Sockel entfernt und war 1944 zum Einschmelzen für die Rüstungsproduktion vorgesehen. Obwohl sie die Kriegsjahre letztlich überlebte, war sie dennoch so schwer beschädigt, das eine Rekonstruktion unmöglich war. Die Brunnenanlage selbst überstand den Krieg unbeschadet und wurde nach jahrzehntelanger Vernachlässigung 1985/86 saniert. 1995 konnte der Europabrunnen mit einer Kopie des Kunstwerkes, finanziert von der Dussmann-Stiftung, vervollständigt werden. Schöpfer der neuen Plastik war der Bildhauer Lothar Janus.

 

Fotos: Der Europabrunnen auf einer historischen Postkarte um 1910 und 2014

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