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Im Wohnhaus Barteldesplatz 1 lebte 1945/46 Jahre der Dresdner Schriftsteller Hans Löscher (1881-1946), an den eine Gedenktafel erinnert. Löscher war bis 1933 als Lehrer und Stadtschulrat in verschiedenen Orten tätig, wurde dann jedoch wegen seiner Mitgliedschaft in der SPD entlassen. Ab 1935 lebte er wieder in Dresden und verfasste hier einige Romane mit lokalhistorischem Hintergrund. Haus Nr. 2 entstand 1893 nach Plänen des renommierten Architekturbüro Schilling & Gräbner ein Haus in “altdeutscher Tradition”. Heute hat hier die Bürgerstiftung Dresden ihren Sitz. Historisch interessant ist auch die Villa Barteldesplatz 4, an deren Eingang eine kleine geschmiedete Laterne angebracht ist. Diese stammt von der alten Augustusbrücke und wurde nach deren Abbruch 1907 vom damaligen Besitzer des Hauses erworben. Architekt des Hauses war der Blasewitzer Baumeister Karl Emil Scherz. Die Brucknerstraße wurde Mitte des 19. Jh. als Baumschulenstraße angelegt, nach der Eingemeindung von Blasewitz jedoch umbenannt. Um 1850 entstanden hier die ersten einfachen Landhäuser, mit denen die Wandlung des Ortes vom Bauerndorf zum Villenvorort begann. 1883 wurden die Eckhäuser zum Schillerplatz gebaut, in denen später u.a. die bekannte Blasewitzer Drogerie Weigelt und die Schillerapotheke ihr Domizil hatten. Ihren Namen erhielt die Brucknerstraße nach dem österreichischen Komponisten Anton Bruckner (1824-1896).
Foto: Wohnhäuser aus der Zeit um 1850 an der Ecke Bruckner-/Berggartenstraße Das kurze Fährgäßchen in der Nähe des “Blauen Wunders” erinnert an die einstige Blasewitzer Fähre, die bereits im 15. Jh. existierte und erst nach dem Bau der Elbbrücke eingestellt wurde.
Die von der Tolkewitzer Straße zum Elbufer führende Ferdinand-Avenarius-Straße, ehemals Wachwitzer Straße, erhielt ihren Namen nach dem Dichter und Kulturpädagogen Ferdinand Avenarius (1856-1923), der ab 1882 in Dresden wohnte. Avenarius war Herausgeber der Zeitschrift “Kunstwart” und gründete 1902 den “Dürerbund” zur Förderung des kulturellen Lebens in Deutschland. Ursprünglich bewohnte er eine Villa auf der benachbarten Heinrich-Schütz-Straße 2 und verzog später zur Avenariusstraße. Beide Gebäude sind heute nicht mehr erhalten. Auch das am Elbufer gelegene Bootshaus des Dresdner Rudervereins wurde 1945 zerstört. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Avenariustraße als Abstellplatz des Blasewitzer Busbahnhofs genutzt und stand somit dem öffentlichen Verkehr nicht mehr zur Verfügung. Erst 1993 wurde der Platz aufgegeben und in der Folgezeit mit Wohnhäusern bebaut.
Als Ersatz ließ der Kurfürst 1717 im Westen des Ortes einen Neubau errichten, für den der Architekt Matthäus Daniel Pöppelmann verantwortlich zeichnete. Das schlichte Gebäude beherbergte nun die Wohn- und Diensträume des Revierförsters, der für die Pflege des Tännichts und dessen Nutzung als Jagdrevier verantwortlich war. Erst im Zuge der zunehmenden Bebauung wurde das Revier 1876 aufgelöst und das Forsthaus in ein Wohnhaus (Foto) umgewandelt. In einem Nebengebäude befand sich bis zur Schließung 1942 die Likörfabrik Karl Keil (vorm. Heinrich Bohr Nachf.). Am 13. Februar 1945 wurde das Forsthaus durch Bomben zerstört.
Im Wohnhaus Gautschweg 1 wohnte viele Jahre der Bildhauer Georg Wrba, der als Schöpfer zahlreicher Dresdner Brunnenanlagen bekannt wurde. Wrba gestaltete u. a. den Europabrunnen am Königsheimplatz sowie den Gänsediebbrunnen in der Innenstadt. Heute dient das Gebäude als Ärztehaus.
Die Händelallee wurde um 1870 im Zusammenhang mit der Anlage des Waldparks angelegt und hieß ursprünglich Marschall-Allee. Zu den markantesten Bauwerken gehörte bis zur Zerstörung 1945 das Elb-Sanatorium. Erhalten blieb hingegen die repräsentative Villa Händelallee 14, die um 1870 vom Architekten Stock im französischen Renaissancestil errichtet wurde und deshalb auch Landhaus Stock genannt wird. Mit der nach 1945 veränderten Namensgebung der Straße wird an den Komponisten Georg Friedrich Händel (1685-1759) erinnert, der neben Johann Sebastian Bach zu den bedeutendsten Musikern seiner Zeit gehört.
Foto: Das Landhaus Stock (Händelallee 14) um 1930 Die Straße entstand Ende des 19. Jh. und trug zunächst den Namen Nicodéstraße. Jean Louis Nicodé war als Komponist und Dirigent am Dresdner Konservatorium tätig und wohnte bis zu seinem Tod 1919 in Langebrück. Um Verwechslungen mit der Langebrücker Nicodéstraße zu vermeiden, wurde die Straße in Blasewitz im Juli 2004 in Hans-Böhm-Straße umbenannt. Hans Böhm (1909-1999) arbeitete als Musikkritiker und galt bis zu seinem Tod als kritischer Begleiter des Dresdner Kulturlebens. Die heutige Heinrich-Schütz-Straße im Osten von Blasewitz wurde Ende des 19. Jahrhunderts angelegt und zunächst Bahnhofstraße genannt, da sich hier der Straßenbahnhof der 1872 eröffneten Pferdebahn befand. Nach der Eingemeindung des Ortes wurde sie in Wasserturmstraße umbenannt. Namensgeber war ein heute nicht mehr vorhandener Wasserturm des gemeindeeigenen Wasserwerkes. In den Dreißiger Jahren erhielt die Straße den Namen des Komponisten Heinrich Schütz (1585-1672). Schütz kam 1615 nach Dresden und wirkte hier bis zu seinem Tod als Hofkapellmeister. Er gilt als einer der bedeutendsten Komponisten der deutschen Musikgeschichte und verhalf der sächsischen Hofkapelle (heute Staatskapelle) zu ihrem internationalen Ruf. Dürerbundhaus: Das burgartige Gebäude (Nr. 2) entstand 1895 am Elbufer und war Wohnhaus der Familien des Kunstexperten Dr. Ferdinand Avenarius sowie des mit ihm befreundeten Professors Dr. Paul Theodor Schumann. Beide gaben bis 1894 gemeinsam die Zeitschrift “Der Kunstwart” heraus und veröffentlichten verschiedene kunst- und kulturhistorische Abhandlungen. Avenarius verzog später auf die benachbarte Wachwitzer Straße (heute Ferdinand- Avenarius-Straße). Lediglich seine wertvolle Bibliothek verblieb noch einige Jahre in der Villa. Den weiträumigen Garten um das Haus ließen Avenarius und Schumann parkartig gestalten und mit Putten und Repliken antiker Kunstwerke versehen. Unter den Blasewitzern war die Villa als “Grünes Haus” bzw. als Dürerbundhaus bekannt, da Ferdinand Avenarius 1902 in Dresden den “Dürerbund” zur Förderung des kulturellen Lebens gegründet hatte. In den Dreißiger Jahren wohnten der Architekt Edmund Schuchardt und der Maler und Werbegrafiker Kurt Fiedler in der Villa. 1945 fiel sie den Bomben zum Opfer und wurde in der Nachkriegszeit abgerissen. Auch die noch gut erhaltene Gartenanlage mit ihren Plastiken und Skulpturen wurde dabei zerstört. Heute befinden sich hier Anlagen des Dresdner Rudersportclubs.
An der Einmündung Hüblerstraße/ Kyffhäuserstraße /Niederwaldstraße ist noch ein altes Einnehmerhaus erhalten geblieben. Das in der Mitte des Platzes stehende kleine Gebäude diente früher als Akzisehaus der Steuererhebung an der Stadtgrenze zu Dresden und wurde mit der Eingemeindung des Ortes überflüssig. Später entstand hier eine Lebensmittelverkaufsstelle. Heute wird das unter Denkmalschutz stehende Haus gewerblich genutzt (Foto oben - Bildmitte).
Ab 1891 lebte der Striesener Kameraproduzent Heinrich Ernemann mit seiner Familie in Blasewitz.
Nach seinem Tod übernahm Sohn Alexander die Betriebsleitung des Werkes. Die Villa der Familie auf der Justinenstraße 8 (Foto) fiel am 13. Februar 1945 dem Luftangriff zum Opfer und wurde in
der Nachkriegszeit abgerissen. An ihrer Stelle befindet sich heute ein Wohnblock. Ein weiteres Gebäude (Nr. 2) befand sich im Besitz des sächsischen Hoffotografen James Aurig. Aurig, welcher zuvor bereits ein
kleines Atelier auf der Residenzstraße (heute Loschwitzer Straße 8) besaß, hatte sich die Villa 1894/95 von Karl Emil Scherz
errichten lassen und lebte hier bis zu seinem Tod 1935. Ab 1915 war das Haus zugleich Sitz des noch bis 1991 bestehenden
Kirchlichen Kunstverlages, welcher von Sohn Ronald Aurig, später noch bis 1964 von seiner Frau Charlotte geführt wurde. Die Karasstraße erhielt ihren Namen nach Nicolaus Karasz, der 1349 von Markgraf Friedrich dem Strengen für tapfere und treue Kriegsdienste ein Gut in Blasewitz erhielt. Karas ist somit ältester namentlich bekannter Einwohner des Ortes. Die bis zur Eingemeindung von Blasewitz 1921 Prohliser Straße genannte Kretschmerstraße erinnert an den Komponisten und Dirigenten Edmund Kretschmer (1830-1908), welcher 1846 nach Dresden kam. Später war er als Volksschullehrer tätig, widmete sich jedoch nebenbei dem Orgelspiel und der Komposition kirchenmusikalischer Werke. Edmund Kretschmer wurde 1863 zum Hoforganisten, 1872 zum Instruktor des Kapellknabeninstitutes ernannt. Sein Grab befindet sich auf dem Inneren Katholischen Friedhof. An der Kretschmerstraße steht seit 1876 das neue Blasewitzer Schulhaus.
Das Blasewitzer Schulhaus um 1880
Auch die Villa Lothringer Weg 1, 1874/75 im Stil der französischen Renaissance von Hübner & Frieße errichtet, wurde durch Bomben schwer beschädigt. Erst 1995/97 konnte die Ruine des Gebäudes nach historischem Vorbild wiederaufgebaut werden. Das Haus entstand als repräsentativer Landsitz eines Dresdner Industriellen und besitzt eine großzügige Parkanlage im Anschluss an den Waldpark (Foto). Die Mendelssohnallee wurde nach 1870 als Deutsche-Kaiser-Allee angelegt und in der Folgezeit mit repräsentativen Villen bebaut. Mit der Namensgebung der Straße sollte, wie auch bei den benachbarten Straßen, an den Sieg Deutschlands im Deutsch-Französischen Krieg erinnert werden. 1945 wurde die Straße nach dem Philosophen Moses Mendelssohn (1729-1786) in Mendelssohnallee umbenannt. An der Mendelssohnallee haben sich noch einige Villen der Entstehungszeit des Viertels erhalten, die teilweise von bekannten Dresdner Künstlern bewohnt wurden. So lebte im Haus Nr. 1 viele Jahre der Architekt Martin Pietzsch, der neben dem Loschwitzer Künstlerhaus auch viele Dresdner Kinobauten schuf. Die Villa Nr. 10 war Wohnsitz des Grafikers Bruno Gimpel, der als Vorsitzender des Dresdner Grafikervereins tätig war. Wegen seiner jüdischen Herkunft wurde Gimpel während der NS-Zeit drangsaliert und nahm sich 1943 in seinem Haus das Leben. Zwischen 1896 und 1911 lebte der Kunstmaler August Leonhardi jun. auf der Drei-Kaiser-Allee 40. Leonhardi, Sohn des Tintenfabrikanten und Malers Eduard Leonhardi übernahm nach dem Tod seiner Eltern das Werk in Loschwitz und verkaufte die Blasewitzer Villa. Bemerkenswert ist auch die um 1910 entstandene neoklassizistische Villa Mendelssohnallee 26, die als Novum im Keller sogar ein eigenes Schwimmbad besaß. Das Wohnhaus entstand als eine der letzten Blasewitzer Villen für einen türkischen Besitzer und orientierte sich an internationalen Architekturtrends seiner Zeit. Nach 1945 nutzte die bekannte Dresdner Krankengymnastin Charlotte Kehling das Gebäude als private Praxis, die sie erst im hohen Alter von 89 Jahren aufgab.
Da die Villa den Luftangriff auf Blasewitz ohne größere Schäden überstanden hatte, wurde hier in der Nachkriegszeit eine Notverpflegungsstelle für Flüchtlinge eingerichtet. Bereits im Juni 1945 bezog jedoch das Städtische Konservatorium das Gebäude. Mit Unterstützung der sowjetischen Besatzer wurde dieses zur Akademie für Musik und Theater ausgebaut und im Herbst 1952 zur Hochschule für Musik erhoben. Heute nutzt das Sächsische Landesgymnasium “Carl Maria von Weber” als Spezialschule für Musik das Gebäude. 2007/08 erfolgte eine umfassende Sanierung der Villa sowie der Neubau zweier moderner Internatshäuser im Park.
Zu den markantesten Gebäuden gehört das frühere Rathaus, welches ursprünglich als Schule des Ortes errichtet wurde. Die Pläne für diesen Bau stammen von Gottfried Semper. Gegenüber steht die leider stark verfallene ”Bismarck-Villa” Naumannstraße 4. Das Haus entstand 1885 für den sächsischen Major Ewald von Trebra-Lindenau, an den noch heute das Familienwappen über der Tür erinnert. Seine Ehefrau Ursula betätigte sich als Schriftstellerin und war Autorin der bekannten “Deutschen Romanzeitung”. Nach dem Tod des Paares übernahm 1910 Bruder Hans von Trebra die Villa. Nach dessen Frau, die aus einer Zweiglinie der Familie von Bismarck stammte, erhielt das Haus seinen volkstümlichen Namen. Ein Besuch des Reichskanzlers Otto von Bismarck gehört jedoch ins Reich der Legende. Historisch interessant ist die benachbarte sogenannte “Präsidentenvilla” Naumannstraße 3. Bereits um 1849 für den damaligen Besitzer der Löwenapotheke Otto Schneider als bescheidenes Sommerhaus (“Villa Marienlust”) erbaut, ließ dessen Enkel Walter Schieck das Gebäude 1907/08 vom bekannten Architekturbüro Schilling & Gräbner zu einer Villa erweitern. Walter Schieck (1874-1947) war zwischen 1930-33 Ministerpräsident Sachsens. Nach dessen Entlassung diente das Haus u. a. als Polizeidienststelle, Lazarett und Sowjetische Ortskommandantur. Am 1. Juli 1948 eröffnete hier die Poliklinik Blasewitz als dritte deartige Einrichtung in Dresden. Zunächst gab es nur eine Innere und eine Chirurgische Abteilung, bevor nach 1950 ein Labor und weitere medizinische Einrichtungen folgten. 1976 und 1998 entstanden moderne Ergänzungsbauten auf dem Grundstück. Heute nutzen eine Apotheke und die Verwaltung des Ärztehauses die Villa.
Foto: Die frühere “Präsidentenvilla” an der Naumannstraße 3 Die Oehmestraße führt in Verlängerung der Voglerstraße von der alten Blasewitzer Ortsgrenze zur Tolkewitzer Straße und von dort zum Elbufer. Bis zur Eingemeindung des Ortes wurde sie Seidnitzer Straße genannt. Ihren jetzigen Namen verdankt sie dem Kunstmaler Ernst Oehme (1797-1855), der zur Dresdner Montagsgesellschaft gehörte und mit Ludwig Richter befreundet war. Oehme schuf zahlreiche romantische Gemälde und arbeitete zeitweise auch als Zeichenlehrer am Blochmannschen Institut. Sein Sohn Erwin war an der Ausmalung der Semperoper beteiligt. Neben Villen und Landhäusern entstand Ende des 19. Jahrhunderts unmittelbar am Elbufer das Hotel “Bellevue”, welches jedoch 1945 den Bomben zum Opfer fiel. Auf dem Grundstück wurde 1970/72 das architektonisch bemerkenswerte Ruderzentrum Blasewitz errichtet. Der von Ingo Schönrock und Ulrich Müther entworfene Stahlbeton-Schalenbau mit seinem charakteristischen Dach gehört zu den Höhepunkten der DDR-Architektur der 70er Jahre und dient bis heute als Trainingsstätte für Ruderer, Kanuten und Segler. 2005/06 wurde das Gebäude umfassend saniert. Im Wohnhaus Polenzstraße 23 lebte bis zu seinem Tod 1928 der Ehrenobermeister der Dresdner Köcheinnung E. Lößnitzer.
Lößnitzer war Begründer der ersten deutschen Gastronomieschule und wirkte viele Jahre als Lehrer an dieser Einrichtung. Nach der Eingemeindung von Blasewitz erhielt die ehemalige Friedrich-August-Straße nach ihrem berühmtesten Bewohner den Namen Prellerstraße. Friedrich Preller (1838-1901) war ab 1880 Professor für Landschaftsmalerei an der Dresdner Kunstakademie und wohnte ab 1884 in dem von ihm selbst entworfenen Wohnhaus Friedrich-August-Straße 6c (jetzt Nr. 32). Zu den Bewohnern der hier stehenden Villen gehörte in den Zwanziger Jahren auch der TH-Professor James Breit, der nach 1933 von den Nazis von seinem Lehrstuhl vertrieben wurde (Nr. 20). Das bis 1990 als Bezirksverwaltung der Staatlichen Versicherung der DDR genutzte Haus ist heute Sitz des Honorarkonsulats von Malta. Bemerkenswert sind auch die Wohnhäuser Prellerstraße 9 (Villa Zangenberg, um 1890 erbaut) und Nr. 10. Letzteres entstand bereits um 1850 und ist eines der ältesten Landhäuser im Ort.
Die Regerstraße, benannt nach dem deutschen Komponisten Max Reger (1873-1916) führt von der Ortsgrenze zu Striesen bis zum Elbufer unterhalb des Blauen Wunders. Bis in die Zwanziger Jahre befand sich hier eines der beiden Blasewitzer Elbebäder. Als Kinderbadeanstalt diente es vorrangig den Jungen und Mädchen des Ortes, die in zwei getrennten Bereichen das Schwimmen erlernen konnten. Ein zweites Elbebad lag einige hundert Meter elbabwärts gegenüber den Albrechtsschlössern.
Verbunden ist die Blasewitzer Regerstraße aber auch mit Persönlichkeiten aus dem Bereich der Kunst. So wohnte die berühmte Opernsängerin Eva von der Osten einige Jahre gemeinsam mit ihrem Mann in diesem Teil von Blasewitz (Nr. 3). Bemerkenswerte Wandmalereien mit Märchenmotiven weist das Nachbarhaus Regerstraße 1 auf, welches 1873 als “Elbvilla” entstand. Zu den Bewohnern dieser Straße gehörte auch Maria Elisabeth Haag, Tante des bekannten Schriftstellers Thomas Mann (1838-1917). Ihr Lebensweg war Vorbild für Manns Romanheldin Toni Buddenbrock im Roman “Die Buddenbrocks - Verfall einer Familie”. Die Reinhold-Becker-Straße am Rande des früheren Dorfkerns erinnert an den heute weitgehend vergessenen Musiker
Reinhold-Becker (1842 -1924), der seinen Wohnsitz in Blasewitz auf der Sachsenallee hatte. Becker war zeitweise Leiter der
Dresdner Liedertafel und verfasste einige Opern. Leider fielen die meisten Bauernhäuser mittlerweile dem Abriss zum Opfer.
Erhalten blieben einige Villen. Die frühere Villa “Marienheim” war zeitweise Domizil des Technischen Museums und wird heute
von der deutsch-böhmischen Brücke/Most-Stiftung genutzt (Nr. 5). Im Wohnhaus Reinhold-Becker- Straße 8 lebte der
Architekt und Denkmalpfleger Hubert Ermisch, der 1924-1936 die große Zwingerrestaurierung leitete und sich auch nach 1945 für die Rettung des Bauwerkes engagierte.
Die heutige Sebastian-Bach-Straße wurde bis zur Eingemeindung von Blasewitz Sommerstraße genannt. Im Wohnhaus Nr. 7 (heute 22) lebte zwischen April 1883 bis zum Mai 1884 der Abenteuerschriftsteller Karl May mit seiner Ehefrau, der später in die Dresdner Innenstadt, dann nach Radebeul verzog. May verfasste im Haus seinen Roman “Das Waldröschen” und Teile des Buches “Die Liebe des Ulanen”. Seit 1991 erinnert an ihn eine Gedenktafel. Bemerkenswert ist auch die vom Blasewitzer Baumeister Karl Emil Scherz als eigenes Wohnhaus erbaute Villa Sebastian-Bach-Straße 18.
Foto: Das ehemalige Wohnhaus von Karl May auf der Sebastian-Bach-Straße 22 Der Siegesplatz wurde nach 1870 an der Einmündung des Lothringer Wegs in die Loschwitzer Straße angelegt und in Erinnerung an Deutschlands Sieg über Frankreich 1870/71 so benannt. Wegen dieses “militaristischen” Hintergrundes wurde die Benennung nach 1945 aufgehoben. Der Platz als Anlage ist jedoch noch erhalten.
Die Grundstücke in der Nähe des Schillerplatzes wurden ab 1880 im Gegensatz zu den meisten Blasewitzer Straßen mit geschlossenen Häuserfronten bebaut. Bemerkenswert war das Eckhaus Tolkewitzer Straße 1, welches wegen seiner Relieftafeln als “Schillerhaus” bezeichnet wurde, 1945 jedoch den Bomben zum Opfer fiel. Das gleiche Schicksal traf die gegenüberliegende Gebäudegruppe Nr. 8-10, in der u. a. der Bildhauer Bruno Fischer sein Atelier besaß. Fischer ist Schöpfer des Nymphenbrunnens in der Bürgerwiese und weiterer Plastiken und fertigte 1902 auch die Gedenktafel für Johann Gottlieb Naumann am Blasewitzer Rathaus an. Erst nach 1990 wurden die entstandenen Baulücken mit modernen Neubauten geschlossen. Heute befinden sich hier u.a. eine Sparkassenfiliale und ein Seniorenheim. Auf Tolkewitzer Flur sind noch Reste des einstigen Tännichts, eines ausgedehnten Kiefern- und Birkenwäldchens, zu sehen. Ab 1880 wurde das Tännicht für den Bau neuer Wohnsiedlungen und die Anlage des Johannisfriedhofes gerodet. Am Ausgang dieses Friedhofes erinnert heute noch das frühere Forsthaus Tolkewitz an diese Zusammenhänge. Straßenbahnhof Blasewitz: Der Straßenbahnhof Tolkewitzer Straße wurde 1872 als erster in Dresden im Zusammenhang mit der Eröffnung der Pferdebahnlinie Schlossplatz - Blasewitz errichtet. Bis zur Einstellung des Pferdebahnbetriebes waren hier über 100 Pferde sowie die zugehörigen Fahrzeuge der Continental-Pferdeeisenbahn-Gesellschaft untergebracht. Mit Elektrifizierung der Bahn wurde der Betriebshof 1890 zum Depot der “Elektrischen” umgewandelt. 1925 entstanden nach Plänen des Stadtbaurates Paul Wolf die noch heute vorhandenen denkmalgeschützten Hallen, welche ab 1936 als zentrales Busdepot der Dresdner Verkehrsbetriebe dienten. Zwischen 1947 und 1975 wurden hier die Fahrzeuge der einzigen Dresdner O-Bus-Linie gewartet und abgestellt. Erst 1997 wurde der Betriebshof geschlossen. Später fanden zeitweise noch Trödelmärkte statt. 2010 begann der Umbau zum Einkaufszentrum. Außerdem sollen auf dem Areal einige Stadtvillen errichtet werden. Der Vogesenweg, benannt nach einem Gebirgszug im Elsass, bildet die östliche Grenze des Blasewitzer Waldparks. Früher trug diese Straße den Namen Elsasser Weg. Die Villen entstanden gegen Ende des 19. Jh. Bemerkenswert ist die von M. Poscharsky im altdeutschen Stil 1894 erbaute Villa Vogesenweg 4. Im Nachbarhaus Nr. 2 hatte nach 1945 der erste Leiter der Hochschule für Kirchenmusik und spätere Kreuzkantor Martin Flämig seinen Wohnsitz. Heute wird das Haus als Bibliothek dieser Hochschule genutzt.
Foto: Villa Vogesenweg Nr. 2 - heute Notenbibliothek der Hochschule für Kirchenmusik
Ebenfalls von Martin Pietzsch stammen die Entwürfe für das Mietshaus Wägnerstraße 18. Obwohl dieses Gebäude zu den größten Blasewitzer Häusern gehörte und von mehreren Familien bewohnt wurde, erhielt es ebenfalls typische Stilelemente des Villenbaus. Das Haus entstand 1905 im Jugendstil und wurde nach 1990 saniert. Bemerkenswert ist ferner die 1914 fertig gestellte Villa Nr. 3 in Anlehnung an die Bauten Hans Erlweins. |
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