Die Geschichte der Laubegaster Werft begann im Jahr 1855, damals allerdings noch in
Blasewitz. In diesem Jahr erwarb die Sächsische Dampfschifffahrtsgesellschaft das Stadtgut Blasewitz, um hier einen Schiffsbau- und Reparaturplatz anzulegen. Zuvor
erfolgte die gesamte Wartung der Elbdampfer in Krippen, was sich wegen der abseitigen Lage vom Dresdner Firmensitz jedoch als nachteilig erwies. Bereits wenige Monate
später begann auf einer Freifläche östlich des Schillerplatzes der Bau der notwendigen Anlagen sowie einer Anlegestelle. Schon 1856 konnte die Blasewitzer Werft eingeweiht
werden und das erste Dampfschiff “König Johann” ausliefern, welches jedoch noch in Krippen vorgefertigt worden
war. Schrittweise wurden alle erforderlichen Arbeiten unmittelbar vor Ort ausgeführt und verschiedene Innovationen im
Dampfschiffbau eingeführt. So entstand 1858 der erste Seitenraddampfer, 1863 die erste Dampffähre. Zur besseren
Unterstellung der Schiffe in den verkehrsarmen Wintermonaten wurde 1865 der gegenüberliegende Loschwitzer Winterhafen angelegt.
Trotz mancher Rückschläge,
einem Brand 1862 und mehreren Wirtschaftskrisen überstand die Blasewitzer Werft alle Wirren der Zeit und konnte bis zum Ende des 19. Jahrhunderts ihre Aufgaben erfüllen. Letzter Stapellauf war der
Dampfer “Karlsbad”, der unter dem Namen “Junger Pionier” noch bis vor wenigen Jahren im Einsatz war, mittlerweile
jedoch teilweise verschrottet wurde. Aus Platzgründen schloss die Werft dann ihre Tore und wurde mit allem Zubehör im Sommer 1898 nach Laubegast verlegt. Zuvor befand sich auf dem Gelände das Dampf-Sägewerk Spaltholz. Nach Abbruch und
Umbau einiger Gebäude wurde hier eine moderne 100-PS-Dampfmaschine installiert, die eine Transmissionswelle antrieb, an welche die notwendigen Maschinen
angeschlossen wurden. Hinzu kam ein Generator für die elektrische Beleuchtung. Noch bis 1922 war ein hölzerner Kran im Einsatz, der die auf dem Wasserweg transportierten
Kessel in die Schiffskörper einsetzte. In Laubegast entstanden bis 1929 acht Raddampfer der “Weißen Flotte”, als letzte 1926-29 die noch im Einsatz befindlichen Salondampfer “Dresden” (Foto)
und Leipzig”. Hinzu kam der Bau von Frachtschiffen, Anlegebrücken, Pontons und verschiedener kleinerer Schiffe.
Besonders die Jahre nach dem Ersten Weltkrieg brachten der Laubegaster Schiffswerft einen Aufschwung. Zeitweise
waren bis zu 250 Arbeiter im Einsatz, um alle Aufträge erfüllen zu können. Zur besseren Auslastung wurden neben Schiffen auch landwirtschaftliche Maschinen hergestellt. Zwischen 1924 und 1945 entstanden verschiedene
Neubauten, die die Produktivität nochmals erhöhten. Wegen des Einsatzes der Werft in der Rüstungsindustrie fielen die
Anlagen 1945 der Demontage anheim. Hinzu kamen Bombenschäden auf dem Betriebsgelände, die den Neuanfang erschwerten.
Zunächst galt die Aufmerksamkeit der Reparatur der vorhandenen Raddampfer, bevor 1952 erstmals nach Ende des Zweiten Weltkrieges wieder ein Neubau vom Stapel gelassen wurde. Bis 1989 wurden insgesamt 80 Schiffe, meist
Motorfähren und technische Fahrzeuge gebaut. Hinzu kam die Anfertigung einiger Ausflugsschiffe für verschiedene Talsperren sowie die regelmäßige Wartung der historischen Dampferflotte.
Bedingt durch die wirtschaftliche Situation nach 1989 geriet auch die Schiffswerft Laubegast in Schwierigkeiten. Eine
Schließung konnte jedoch verhindert werden. In den letzten Jahren wurden hier vor allem Fähren für den Einsatz an
der Elbe gebaut. Außerdem übernahm die Werft die denkmalgerechte Rekonstruktion der historischen Raddampfer sowie verschiedene Arbeiten für andere Auftraggeber. Aufgrund der jahrzehntelangen Erfahrungen mit historischen
Fahrzeugen ist die Laubegaster Werft heute als Spezialist für alte Handwerkstechniken gefragt. In den kommenden
Jahren soll das Betriebsgelände modernisiert und umgestaltet werden, um auch in Zukunft allen Anforderungen der Auftraggeber gewachsen zu sein. |