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Pflegeheim Altleuben:
Trotz der Bemühungen des Personals gerieten die Lebensverhältnisse der Heimbewohner immer wieder in die Kritik. 1929 kam es sogar zu einer Meuterei, nachdem mehrfach Brände ausgebrochen und die Lebensmittelrationen gekürzt worden waren. Die Rädelsführer wurden vom Dresdner Landgericht zu Zuchthausstrafen verurteilt, die Leitung des Hauses von jeder Schuld freigesprochen. Gegen dieses Urteil formierte sich Protest durch die proletarische “Internationale Arbeiterhilfe”, jedoch ohne Erfolg. Sogar ein Theaterstück mit dem Titel “Revolte im Erziehungshaus” widmete sich den Vorkommnissen in Leuben. Nach 1945 wurde die Anstalt zunächst als Heim für schwererziehbare Jugendliche, später als Pflegeheim und Rehabilitations- Einrichtung für geistig Behinderte weitergeführt. In den 90er Jahren entstand durch Um- und Neubau eine moderne Wohnanlage, in der heute ein Großteil der ca. 170 Patienten lebt. Seit 1999 trägt die Einrichtung offiziell den Namen “Altleuben 10 - Wohnstätte für Menschen mit geistiger Behinderung” (Foto). Die kurze Straße am Südrand des ehemaligen Dorfkerns verdankt ihren Namen der bis 1969 hier beheimateten Dahlienzucht Engelhardt. Das 1914 gegründete und auf die Züchtung dieser Zierpflanzen spezialisierte Unternehmen gehörte zu den bekanntesten Leubener Gärtnereien, musste jedoch später dem Neubaugebiet weichen. Heute führt die Familie ihre Gärtnerei in Heidenau weiter. Am Dahlienheim entstanden zwischen 1970 und 1974 Neubauten. Die Dieselstraße verbindet Leuben mit seinen Nachbarorten Niedersedlitz und Laubegast und wurde bereits Ende des 19. Jahrhunderts ausgebaut. 1894 entstand hier das bis heute noch genutzte Leubener Schulhaus. Ihren Namen erhielt sie 1926 zu Ehren des deutschen Technikers Rudolf Diesel (1858-1913), der 1897 den nach ihm benannten Dieselmotor erfand. Zuvor wurde sie Schulstraße genannt. Eine zwischenzeitliche Umbenennung in Röntgenstraße wurde 1953 wieder aufgehoben. Die Guerickestraße wurde im Zusammenhang mit dem Bau neuer Mietshäuser um die Jahrhundertwende angelegt und erhielt, wie auch die meisten Nebenstraßen, ihren Namen nach einem bedeutenden Physiker. Otto von Guericke (1602-1686), der zugleich Bürgermeister Magdeburgs war, führte in seiner Heimatstadt erste Vakuumversuche mit den legendären “Magdeburger Halbkugeln” aus und gilt als Erfinder der Kolbenluftpumpe. Die Anfang des 20. Jahrhunderts angelegte Hertzstraße wurde nach dem deutschen Physiker Heinrich Hertz (1857-1894) benannt, der als erster das Vorhandensein elektromagnetischer Wellen nachwies und damit zum Begründer der Hochfrequenztechnik wurde. Ihm zu Ehren trägt die Maßeinheit der Frequenz ihren Namen. 1900/01 errichtete die damals noch selbstständige Gemeinde an der Hertzstraße/Ecke Lilienthalstraße ihr Rathaus, welches heute als Ortsamt dient.. Die kurze Kastanienstraße verbindet die Pirnaer Landstraße mit der Berthold-Haupt-Straße und wurde kurz nach 1900 angelegt. 1934 entstanden auf einer zuvor landwirtschaftlich genutzten Fläche erste Kleingärten. Nach 1945 nutzten vor allem Kleintierzüchter die Parzellen, die sich 1990 zum Kleingartenverein “Sonnenblume” zusammenschlossen. Mit 21 Gärten gehört dieser zu den kleinsten in Dresden.Die Klettestraße verdankt ihren Namen dem Architekten Hermann Klette (1847-1909). Klette war maßgeblich am Ausbau des Dresdner Kanalisationsnetzes und der Verlegung der Weißeritzmündung beteiligt und wurde 1889 zum Dresdner Stadtbaurat berufen. Zu seinen wichtigsten Arbeiten gehören die Entwürfe für die Carolabrücke und den Umbau der Augustusbrücke 1907. Die Lilienthalstraße erhielt ihren Namen zu Ehren des deutschen Flugpioniers Otto Lilienthal (1848-1896). Lilienthal, der zeitweise in Döhlen (heute Stadtteil von Freital) lebte und als Ingenieur im Zauckeroder Bergbau tätig war, unternahm 1891 bei Berlin seine ersten Flugversuche mit selbstkonstruierten Gleitfliegern. 1896 kam er bei einem Testflug ums Leben. Die ersten Wohnhäuser an der Lilienthalstraße entstanden um 1900 für die Arbeiter der Leubener und Niedersedlitzer Industriebetriebe. Weitere Gebäude folgten nach dem Ersten Weltkrieg sowie zwischen 1970 und 1974. Das Areal der 1995 in Insolvenz gegangenen Firma Kautasit- Dichtungstechnik wurde 2009 beräumt und soll künftig wieder als Gewerbestandort genutzt werden.
Foto: Wohnhäuser an der Lilienthalstraße
Die Reisstraße wurde nach 1900 am Rande des Dorfkerns angelegt und ist wie auch zahlreiche weitere Leubener Straßen nach einem bedeutenden Physiker benannt. Johann Philipp Reis (1834-1874) erfand 1861 das Telefon. Die Wohngebäude entstanden in den Jahren bis zum Ersten Weltkrieg bzw. in den 50er und 60er Jahren des 20. Jahrhunderts.
Foto: Die Wohnanlage an der Reisstraße Firma Kerb-Konus Dr. Eibes & Co: Das Unternehmen wurde am 1. April 1925 vom Dresdner Rechtsanwalt Dr. Eibes, dem Apotheker Schäfer und Kapitän a. D. Reichardt gegründet und stellte speziell patentierte Kerbstifte her. Die ursprünglich im Industriegelände ansässige Firma verlegte 1928 ihren Sitz in die ehemalige Leubener Ofenfabrik Reisstraße 6. Dr. Bernhard Eibes hatte als Rechtsanwalt 1923/24 die Interessen der Wettiner bei der Vermögensauseinandersetzung mit dem Freistaat Sachsen vertreten und übergab die Geschäftsleitung wenig später an seinen Sohn. Nach 1945 produzierte der Betrieb als VEB Kerb-Konus Wälzlager und andere Normteile für den Maschinenbau. Der Sitz des Unternehmens befand sich zuletzt auf der Dieselstraße 9/11. Der Rosenschulweg, in Verlängerung der Stephensonstraße an der Pirnaer Landstraße gelegen, erinnert an die einstige Gartenbautradition Leubens. Zu den ersten Gärtnereien gehörte die Firma Münch & Haufe, die 1892 einige Hektar Land in Leuben erwarb und hier mit dem Anbau von Rosen begann. Die von den Inhabern 1912 erstmals vorgestellte Rosenzüchtung “Heinrich Münch” erhielt im gleichen Jahr auf einer internationalen Ausstellung in London eine Silbermedaille. Auf dem Gelände der nach 1990 stillgelegten Gärtnerei wurde 2010 mit dem Bau einer kleinen Wohnsiedlung begonnen. Insgesamt sind hier 24 Einfamilienhäuser vorgesehen. Bei den Erschließungsarbeiten wurden Überreste einer bronzezeitlichen Pfahlbausiedlung und zahlreiche Keramikscherben entdeckt. Die Stephensonstraße im Osten der Leubener Flur, bis zur Eingemeindung Bahnhofstraße genannt, erhielt ihren Namen nach dem englischen Ingenieur George Stephenson (1781-1848), der 1814 seine erste Lokomotive vorstellte und als Pionier der Eisenbahn gilt. 1895 entstanden hier die ersten Mietshäuser, wenig später die Straßenbahnstrecke zum Niedersedlitzer Bahnhof. Bis zum Ersten Weltkrieg errichtete die Baugenossenschaft zu Leuben zwischen Klette-, Stephenson- und Hertzstraße weitere Arbeiterwohnhäuser für Angestellte der Niedersedlitzer Industriebetriebe. 1952 wurde auf Niedersedlitzer Flur das Kulturhaus des “Sachsenwerkes” eröffnet, welches zu den ersten seiner Art in der DDR gehörte. Straßenbahnhof: Die Gebäude entstanden 1903 als Betriebshof der Dresdner Vorortbahn, welche ab 1899 zwischen Laubegast und Niedersedlitz verkehrte. Ursprünglich bestand dieser aus einer zweigleisigen Wagenhalle und einem kleinen Werkstattanbau in Fachwerkbauweise. 1910 wurde das noch heute vorhandene Gebäude gebaut. Mit der Umspurung der Strecke und Übernahme durch die Dresdner Straßenbahn AG wurde dieser Straßenbahnhof überflüssig und 1933 zu gewerblichen Zwecken vermietet. 1938 erwarb eine Chemiefabrik den Gebäudekomplex an der Stephensonstraße 12. Nach 1945 befand sich hier viele Jahre das Depot der Betriebsfeuerwehr des Sachsenwerkes. Heute nutzt die Johanniter-Unfallhilfe die Hallen als Rettungswache Stephenson-Lichtspiele: Das kleine Leubener Kino wurde bereits 1909 vom Ladenbesitzer Armin Schicktansky gegründet und trug ursprünglich den Namen “Dodrophon-Lichtspiele”. Schicktansky plante später den Bau eines modernen Tonfilmkinos, welcher jedoch in den wirtschaftlich schwierigen Jahren nach dem Ersten Weltkrieg nicht zustande kam. Nach dem Tod des Besitzers 1927 verlegte man das Kino zur Stephensonstraße 46, wo es als Stephenson-Lichtspiele noch bis 1990 in Betrieb war. Heute werden die Räume von einer Videothek genutzt. Die Zamenhofstraße geht auf einen alten Verbindungsweg zwischen Leuben und Dobritz zurück. Nach der Eingemeindung des Ortes erhielt sie den Namen des polnischen Augenarztes Ludwig Zamenhof (1859-1917). Zamenhof wurde als Erfinder der Kunstsprache Esperanto bekannt, die er 1887 erstmals der Öffentlichkeit vorstellte. Ab 1970 entstanden auf den zuvor landwirtschaftlich genutzten Freiflächen zu beiden Seiten der Zamenhofstraße die Wohnblöcke des Neubaugebietes Leuben, dominiert von einem 2009 abgerissenen 14-stöckigen Hochhaus (Nr. 2). Die dabei angelegten Erschließungsstraßen wurden nach Orten der Pirnaer Umgebung benannt.
Gasthof “Zum Lindengarten”: Die Gaststätte (Foto) entstand Ende des 19. Jahrhunderts und war beliebte Einkehrstätte der Dorfbevölkerung. Bis zum Bau des Rathauses traf sich hier zu bestimmten Anlässen der Leubener Gemeinderat. Die auch nach 1945 noch bewirtschaftete Einkehrstätte schloss 1969 ihre Pforten und wurde im Zusammenhang mit dem Bau des Neubaugebietes abgerissen. |
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