Niedersedlitz entstand vermutlich im 11./12. Jahrhundert als slawische Siedlung am
Lockwitzbach und wurde 1350 erstmals als Sedelicz erwähnt. Der Name stammt vom Altsorbischen “sedlica” und bedeutet übersetzt “Siedlung”. Ursprünglich gehörte
Niedersedlitz den Dohnaer Burggrafen und wurde nach deren Entmachtung 1402 Besitz der Markgrafen zu Meißen, die den Ort verschiedenen Lehnsherren übertrugen.
So besaßen bis ins 19. Jahrhundert Adlige, aber auch Dresdner Bürger Anteile am Dorf, ebenso das Rittergut Gamig in der Nähe von Pirna.
Bis 1539 war Niedersedlitz kirchlich der Parochie Dohna zugeordnet, kam jedoch mit Einführung der Reformation zur Leubener Kirche. Im Dreißigjährigen Krieg brannte der Ort fast vollständig nieder, wurde jedoch schon bald wieder
aufgebaut. Auch die Belagerung Dresdens während der Schlacht von 1813 brachte der Bevölkerung große Nöte und richtete erhebliche Schäden an den Gebäuden an. Niedersedlitz blieb bis um 1870 ein unbedeutendes Bauerndorf, dessen Bewohner
vorrangig von der Landwirtschaft, dem Gartenbau und örtlichem Kleingewerbe lebten. 1871 gründete Otto Kaufmann eine Chemische Fabrik für Schamottewaren und
Mosaikplatten und legte damit den Grundstein für die spätere Entwicklung zur Industriegemeinde. Begünstigt durch die seit 1848 über Niedersedlitzer Flur führende
Bahnlinie nach Pirna siedelten sich bald weitere Unternehmen an. 1871 erhielt der Ort einen eigenen Güterbahnhof, ein Jahr später das erste Postamt. Niedersedlitzer
Betriebe stellten u. a. Düngemittel, Schulmöbel, Lebensmittelgrundstoffe, Buntpapier, Süßwaren und Kartonnagen her. In diesem Zusammenhang entstanden auch die ersten Fabrikantenvillen außerhalb des alten Dorfkerns.
Zu den bekanntesten Niedersedlitzer Fabriken gehörte die 1887 eröffnete
Elektromaschinenfabrik Kummer, die ab 1894 als Aktiengesellschaft firmierte und maßgeblich am Bau der ersten elektrischen Straßenbahnen Dresdens beteiligt war. 1899 entstand auf Inititative des Werkes die schmalspurige
Straßenbahnlinie ins benachbarte Laubegast (Foto). Nach Konkurs 1903 ging aus dieser Firma das Sachsenwerk hervor. Andere wichtige Unternehmen waren die Niedersedlitzer Kamerawerke und die Firma Höntzsch & Co., die Gewächshäuser, Wintergärten, Heizungsanlagen u.ä. produzierte.
Weitere Großbetriebe siedelten sich nach der Jahrhundertwende entlang der Bahnlinie und im benachbarten Leuben,
Großzschachwitz und Heidenau an, womit Niedersedlitz zum Zentrum eines großen Industrieareals im Dresdner Osten
wurde. Im Zuge dieser Entwicklung entstanden nun auch neue Wohnhäuser, ohne den alten Dorfkern jedoch völlig zu verdrängen. Bis zum Ersten Weltkrieg war der Ort mit den Nachbargemeinden Leuben und Dobritz zusammen
gewachsen. Für die auswärts wohnenden Arbeiter verkehrte ab 1906 eine weitere Straßenbahnlinie nach Lockwitz und von dort weiter nach Kreischa, die bis 1977 als Lockwitztalbahn letzte schmalspurige Dresdner Straßenbahn war.
Nach dem Ersten Weltkrieg entstanden auf Niedersedlitzer Flur weitere Wohnsiedlungen, wobei die Bauherren meist Baugenossenschaften waren. So wurden zwischen 1920 und 1930 die Freiflächen an der Windmühlenstraße mit
Arbeiterwohnhäusern bebaut, denen nach 1935 eine weitere Großsiedlung in diesem Bereich folgte. Bereits 1922 waren die Nachbarorte Groß- und Kleinluga nach Niedersedlitz eingemeindet worden. Obwohl die Industriegemeinde
bereits 1930 fast völlig vom Dresdner Stadtgebiet umschlossen war, konnte sie ihre Selbstständigkeit noch bis nach
dem Zweiten Weltkrieg behaupten. Obwohl bereits im Juli 1945 der damalige Dresdner Oberbürgermeister Dr. Rudolf
Friedrichs den Anschluss des Ortes an Dresden verkündet hatte, kam dieser letztlich erst am 1. Juli 1950 zustande.
Nach 1945 setzte in der Industrie des Ortes ein grundlegender Wandel ein. Fast alle bestehenden Unternehmen wurden
zwangsweise enteignet und in volkseigene Betriebe umgewandelt. Das ab 1946 als sowjetische Aktiengesellschaft geführte Sachsenwerk kam erst 1954 wieder in Besitz der DDR und gehörte bis zur Wende dem Kombinat
Elektromaschinenbau an. Neben zahlreichen Neubauten im Betriebsgelände entstand in den 70er Jahren eine Plattenbausiedlung an der Försterlingstraße. Ein neues Ortszentrum wurde 1992/93 im Bereich Lugaer Straße errichtet.
Rathaus Niedersedlitz:
Die ersten Vorbereitungen für den Rathausbau begannen 1899 mit dem Ankauf von Grundstücken an der damaligen Schulstraße (heute Sosaer Straße). Für die Entwurfsplanung
konnte der Architekt Gustav Hänichen gewonnen werden, der bereits für die neuen Rathäuser von Leuben und Potschappel (heute Stadtteil von Freital) verantwortlich zeichnete. Am 24. Juni
1901 erfolgte die Grundsteinlegung für den repräsentativen Neubau, der bereits ein Jahr später, am 10. Juli 1902 feierlich eingeweiht werden konnte. Das Niedersedlitzer Rathaus wurde im Stil
der damaligen Zeit mit baukünstlerischem Schmuck gestaltet und weist neben Jugendstil- auch gotische und Renaissanceformen auf. Für den Turm schuf Bernhard Zachariä aus Altenburg eine Turmuhr.
Zunächst diente das Gebäude als Sitz der Gemeindeverwaltung. Später zogen hier u.a. Dienststellen der Polizei, der
Ortskrankenkasse, der örtlichen Spar- und Girokasse und des Konsumvereins ein. Der Ratskeller musste bereits nach
dem Ersten Weltkrieg mangels Resonanz wieder geschlossen werden. Zu DDR-Zeiten diente das ehemalige Rathaus als
Lager und Wohnheim für ungarische Gastarbeiter. Heute wird das nach 1990 umfassend sanierte Gebäude als Weiterbildungszentrum der Stadtsparkasse genutzt. Schulen in Niedersedlitz:
Noch bis 1875 wurden die wenigen Kinder des Dorfes im Gut des Niedersedlitzer Gemeindevorstandes unterrichtet bzw. besuchten die Kirchschule im benachbarten
Leuben. Erst durch den Zuzug von Arbeiterfamilien machte sich der Neubau eines Schulhauses erforderlich, welches am 7. August 1876 an der Schulstraße (heute Sosaer Straße) eingeweiht
werden konnte. Später mehrfach erweitert, wurde das Schulhaus bis zur Wende von der 89. POS genutzt. Heute dient es als 89. Grundschule.
Freiwillige Feuerwehr:
Ursprünglich oblag auch in Niedersedlitz wie in den meisten Landgemeinden die Brandbekämpfung der gesamten Bevölkerung. Dafür standen zunächst nur eine einfache Faßspritze
sowie einige Eimer zur Verfügung. Mit der Industrialisierung machte sich eine Neuorganisation des Brandschutzes erforderlich. Am 31. März 1894 wurde deshalb im Ort eine
freiwillige Feuerwehr gegründet. 1924 erhielt diese als eine der ersten in der Umgebung eine moderne Motorspritze, vier Jahre später sogar eine Autodrehleiter. Nach 1945 wurde die
technische Austattung weiter modernisiert. Ihr Domizil befindet sich bis heute im Feuerwehrhaus auf der Dorfstraße 7 (Foto).
Gaswerk:
Das Gaswerk Niedersedlitz entstand auf einem 1893 von der Gemeinde erworbenen Grundstück und wurde 1902 in Betrieb genommen. Die Gasproduktion, die ausschließlich der Versorgung des Ortes und der ansässigen Industrie
diente, oblag der Thüringer Gasgesellschaft. 1913 übernahm die Stadt Dresden das Werk und ließ es mit dem städtischen Gaswerk in Reick verbinden. Nach dem Ersten Weltkrieg erwies sich das technisch veraltete
Werk als überflüssig und wurde 1924 stillgelegt. Die Gebäude selbst fielen 1945 einem Luftangriff auf das Niedersedlitzer Industriegebiet zum Opfer. Freibad Niedersedlitz
Das Freibad wurde 1925 von der Gemeinde Niedersedlitz an der Mühlenstraße angelegt und Anfang Juni eröffnet. Zum
Bad gehörten neben einem 18 x 20 Meter großen Schwimmbecken ein Sprungbrett, Umkleidekabinen sowie Luft- und Sonnenbäder. Wegen der sehr geringen Größe kamen schon wenig später Forderungen auf, das Bad zu vergrößern,
was jedoch an den begrenzten finanziellen Mitteln des Ortes scheiterte. Mit der Eingemeindung 1950 übernahm die Stadt Dresden das Bad und veranlasste erneut Planungen für einen Ausbau
der Anlage. Letztlich beschränkte man sich jedoch auf verschiedene Modernisierungs- und Sanierungsarbeiten wie den
Bau eines neuen Toilettengebäudes und die Instandsetzung des Mühlbachbettes. In den 1990er Jahren erfolgte die
Schließung des Freibades, welches 2002 offiziell aus dem Bereich Sportstätten und Bäder herausgelöst wurde. Das Areal dient heute gewerblichen Zwecken. Weiterführende Literatur und Quellen
Niedersedlitzer Nachrichten 2. Dezember 2011: Ein
neuer Bildkalender mit Fotos aus Niedersedlitz kann ab sofort in verschiedenen Geschäften im Ort erworben werden. Zu sehen sind verschiedene Motive aus den letzten hundert Jahren sowie aktuelle
Ansichten. Herausgeber sind Wolfgang Krusch und Rainer Nitzsche vom Heimatverein Niedersedlitz.
2. August 2011: Auf dem Grundstück einer
ehemaligen Lagerhalle an der Bismarckstraße / Ecke Reisstraße soll noch in diesem Jahr ein neues Einfamilienhaus entstehen. Die marode Halle war in den letzten Wochen abgerissen worden. 2. Juli 2011:
Das seit 2004 leer stehende Gebäude der früheren 124. Grund- und Mittelschule auf der Windmühlenstraße soll bald
abgerissen werden. Die Bausubstanz ist inzwischen stark verschlissen, außerdem wurde der Bau in letzter Zeit wiederholt Opfer von Metalldieben und Vandalismus. 5. Mai 2011: Der Heimatverein Niedersedlitz will die Sandsteinplastik „Kniender Frauenakt“ wieder an ihren ursprünglichen Standort zurückholen. Die Figur war nach
1945 aus dem kleinen Park an der Bahnhofstraße entfernt worden. Die Finanzierung des Vorhabens soll über Spenden erfolgen, von denen bereits einige eingeworben wurden.
Literatur über Niedersedlitz und andere Stadtteile finden Sie auch hier: |
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