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Der noch gut erhaltene frühere Anger von Seidnitz wird heute offiziell als Altseidnitz bezeichnet. Früher hieß die Anlage Dorfplatz bzw. zeitweise auch Sorbenstraße. Die Gehöfte entstanden nach dem großen Brand von 1745 und stehen unter Denkmalschutz. Noch bis 1898 befand sich inmitten des Platzes ein kleiner Teich, der nach dem Bau des Tolkewitzer Wasserwerkes jedoch verlandete und schließlich zugeschüttet wurde. Neben einigen Gehöften und der früheren Dorfschule ist das Gemeindespritzenhaus von 1765 bemerkenswert. Heute wird dieses Gebäude, welches zugleich Polizeiwache des Ortes war, von einem Kunsthandwerker als Werkstatt genutzt. Das Bauerngut Altseidnitz 12 befindet sich seit 1938 im Besitz der Kirchgemeinde, welche es 1951 zur Nazarethkirche umbauen ließ. 1997 wurde für Altseidnitz ein Bebauungs- und Erhaltungsplan verabschiedet.
Foto: Dorfkern Altseidnitz Die Basedowstraße, 1935 unmittelbar auf der einstigen Flurgrenze zwischen Seidnitz und Dobritz angelegt, erhielt ihren Namen nach dem Pädagogen und Erziehungsreformer Johann Bernhard Basedow (1723-1790). Basedow setzte sich für eine Erneuerung des Erziehungswesens nach philantropischen Grundsätzen ein und gründete 1774 das Philantropikum in Dessau. Während der Nazizeit hieß die Straße Wilhelm-Ehrlich-Straße nach einem 1923 an der Feldherrenhalle in München ums Leben gekommenen Nationalsozialisten.
Die Enderstraße verdankt ihren Namen dem Stifter und Mäzen Karl Ender (1840-1914), der Anfang des 20. Jahrhunderts in Neukirch/Oberlausitz ein Erholungsheim für bedürftige Dresdner Bürger einrichtete. Die Finanzierung des Hauses erfolgte mit Hilfe der von Ender begründeten und nach seiner Frau benannten Elisabethstiftung. An der Enderstraße entstand nach 1990 das “Seidnitz Center”, größtes Einkaufszentrum im Osten der Stadt. Die Hahnemannstraße wurde in den 30er Jahren angelegt und hieß bis 1945 Wilhelm-Wolf-Straße. Ihren heutigen Namen erhielt sie nach dem Begründer der Homöopathie Samuel Hahnemann (1755-1843). Die Marienberger Straße geht auf einen früheren Verbindungsweg zwischen Seidnitz und Tolkewitz zurück. Ursprünglich wurde sie deshalb auf Seidnitzer Flur Tolkewitzer Straße, auf Tolkewitzer Flur Seidnitzer bzw. Hosterwitzer Straße genannt. Der südliche Teil in der Nähe des Dorfplatzes Altseidnitz trug bis zur Eingemeindung den Namen Schulstraße, da hier 1878 das erste Seidnitzer Schulhaus eingeweiht worden war. Im noch erhaltenen Gebäude Marienberger Straße 71 hatte um 1900 der Tolkewitzer Gemeindevorstand Markus Arnold seine Wohnung. Zwischen 1902 und 1905 war in diesen Räumen das Tolkewitzer Gemeindeamt untergebracht. Weitere Wohnhäuser entstanden ab 1925 für die Gemeinnützige Baugenossenschaft Laubegast e.G.m.H. Ab 1961 wurden im Gebiet Marienberger/Altenberger Straße ca. 2000 Wohnungen in Großblockbauweise errichtet. Außerdem entstanden hier zwei neue Schulen für dieses Wohngebiet. Nr. 86: Das um 1905 erbaute repräsentative Verwaltungsgebäude mit seiner halbrunden Eckfassade zur Toeplerstraße war bis zur Eingemeindung Domizil des Tolkewitzer Gemeindeamtes. Danach diente es u.a. als Polizeidienststelle, Sparkassenfiliale und Polizeirevier. An der Fassade ist ein interessanter Relieffries “Mädchenreigen” zu sehen. Die Oskar-Röder-Straße bildet den nördlichen Abschnitt der Rennplatzstraße, welche Seidnitz mit dem Bahnhof Reick verbindet. 1956 wurde dieser Teil zwischen Pferderennbahn und Pferdeausstellungsplatz anlässlich der Einweihung einer neuen Tierklinik in Oskar-Röder-Straße umbenannt. Professor Dr. med. vet. Dr. sc. nat. Oskar Röder (1862-1954) war viele Jahre Leiter der Klinik für große Haustiere an der Tierärztlichen Hochschule in Dresden. Die Paracelsusstraße wurde im Zusammenhang mit dem Bau einer kleinen Wohnsiedlung 1935 angelegt. Ihren Namen
erhielt sie nach dem Arzt und Naturforscher Theophrastus Bombastus von Hohenheim (1493-1541), der sich selbst den Namen Paracelsus gab. Paracelsus gilt als Wegbereiter der modernen Medizin und nutzte erstmals chemische Heilmittel.
Die ringförmig angelegte Prof.-Ricker-Straße in Seidnitz erhielt in den Zwanziger Jahren zunächst den Namen Auerstraße nach dem sozialdemokratischen Politiker Ignaz Auer (1846-1907). 1933 wurde sie von den Nazis in Kurt-Neubauer- Straße umbenannt, eine Namensgebung, die man 1945 wieder rückgängig machte . Der heutige Name Prof.-Ricker- Straße erinnert an den Magdeburger Arzt und Pathologen Professor Gustav Ricker (1870-1948). 1928 errichtete der Dobritzer Spar- und Bauverein hier nach Plänen von Max Herfurth eine kleine Wohnanlage.Die Rennplatzstraße wurde im Zusammenhang mit dem Bau der Seidnitzer Pferderennbahn als Zufahrt angelegt. Ursprünglich wurde sie nach dem ersten Vorsitzenden des Dresdner Rennvereins Treskowstraße genannt, später jedoch umbenannt. Nach dem Ersten Weltkrieg entstand an der Rennplatz- /Winterbergstraße eine große Schleife der Straßenbahn, um an den Renntagen die Schaulustigen zur Rennbahn befördern zu können. Am südlichen Ende der Straße befinden sich die 1894/95 errichteten Gebäude für die Dresdner Pferdeausstellungen. Die Winterbergstraße bildet die Verlängerung der Hauptallee des Großen Gartens und durchquert dabei die Fluren von Gruna und Seidnitz. Die alleeartige Straße wurde kurz nach 1900 mit zwei getrennten Fahrbahnen, Fuß- und Reitwegen angelegt und sollte eine bequeme Verbindung zwischen dem Park und der Seidnitzer Rennbahn schaffen. Bis zur Eingemeindung von Seidnitz wurde sie in diesem Abschnitt Große-Garten-Straße genannt. Ihren heutigen Namen erhielt sie nach dem mit 552 m höchsten Berg der Sächsischen Schweiz, dem Großen Winterberg in der Nähe von Bad Schandau. Die ersten Gebäude an der Winterbergstraße entstanden bereits um 1900, weitere Wohnhäuser auf Grunaer und Seidnitzer Flur folgten in den Zwanziger Jahren bzw. nach dem Zweiten Weltkrieg. Hotel “An der Rennbahn”: In der Nähe der Seidnitzer Rennbahn befindet sich das bereits 1891 eröffnete Lokal “An der Rennbahn”, welches mit Dokumenten und Requisiten rund um den Pferderennsport ausgestattet ist. Das Traditionshaus wurde unter dem Namen “Zum Deutschen Sport” für den damaligen Seidnitzer Bürgermeister Wilhelm Herfurth errichtet und besaß neben mehreren Gasträumen auch einige Pensionszimmer im Obergeschoss sowie Unterstellmöglichkeiten für Pferde. Nach 1945 diente es als Familiengaststätte mit angeschlossener Kegelbahn und wurde 1993/94 renoviert. Seitdem gibt es auch wieder Hotelzimmer im Gebäude. |
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