Die Fluren des Dresdner Stadtteils Seidnitz liegen zwischen der Eisenbahnstrecke Dresden - Prag, dem Grunaer Landgraben, der Wehlener Straße und der Paracelsusstraße. Der Ort entstand im
Mittelalter als slawisches Platzdorf auf einer hochwasserfreien Erhebung zwischen zwei Elbealtarmen und wurde 1378 erstmals urkundlich erwähnt. Der aus dem altsorbischen stammende
Name “Syticz” bedeutet übersetzt “Leute des Zideta” und deutet auf den Ortsgründer hin. Umgeben war das Dorf ursprünglich von kleinen Seen und Tümpeln, die als Seewiesen noch bis
1898 existierten und erst nach Senkung des Grundwasserspiegels im Zusammenhang mit dem Bau des Tolkewitzer Wasserwerkes verschwanden.
Zum Dorf gehörte einst ein Vorwerk, welches den Burggrafen von Dohna gehörte und ab 1388 zur Frauenkirche zinspflichtig war. 1445 war Seidnitz im Besitz der Meißner Domherren und kam nach der Reformation 1546 an das
Dresdner Religionsamt. Auch das Brückenamt des Rates sowie das kurfürstliche Ostravorwerk besaßen später Rechte
in Seidnitz. Jahrhundertelang blieb der kleine Ort ein unbedeutendes Bauerndorf an der alten Landstraße nach Pirna.
1745 wurde Seidnitz bei einem Dorfbrand fast völlig zerstört. Kirchlich unterstand der Ort ab 1539 der Leubener
Kirche, zeitweise auch der Dresdner Frauenkirche. Erst 1951 entstand aus einer früheren Scheune ein Gemeindehaus für die ev.-luth.
Nazareth-Gemeinde. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich Seidnitz zur Arbeiterwohngemeinde, begünstigt durch den Aufschwung der
Industrie im benachbarten Striesen und in Niedersedlitz. 1891 wurde auf der Flur des Ortes die Dresdner Pferderennbahn
angelegt. Außerdem entstanden zahlreiche neue Wohnhäuser, die meist an Arbeiter und Angestellte vermietet wurden. Schrittweise verlor der Ort so seinen ländlichen Charakter und wurde am 1. Juli 1902 nach Dresden
eingemeindet. Nach dem Ersten Weltkrieg begann die Bebauung der bis dahin noch verbliebenen Freiflächen durch verschiedene Wohnungsbaugenossenschaften, die die Siedlungen südlich der Bodenbacher Straße errichteten. Hinzu kamen einige Betriebe entlang der Bahnstrecke.
Foto: Straßenbahn am alten Seidnitzer Gasthof um 1910
Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte sich die Industrialisierung des Vorortes weiter fort. So errichteten der damalige VEB Chemieanlagen und der VEB Robotron-Elektronik an der Bodenbacher Straße ausgedehnte Werksanlagen.
Wohnungsneubauten, zunächst in Großblock-, später in Plattenbauweise folgten zwischen 1974 und 1976 an der Bodenbacher Straße in Richtung Gruna sowie 1980/81 im Gebiet um die Marienberger Straße. Bedeutendstes
Bauvorhaben der letzten Jahre war das 1997 eröffnete moderne Einkaufszentrum “Seidnitz-Center” an der Enderstraße. Teile des alten Dorfkerns mit einem historischen Feuerwehr-Gerätehaus sind noch in Altseidnitz und an
der Bodenbacher Straße erhalten geblieben. Schulen in Seidnitz:
Seidnitz erhielt sein erstes eigenes Schulhaus relativ spät. Erst 1876 konnte die bescheidene Dorfschule in einem Gebäude an der Marienberger Straße 5 übergeben werden. Zuvor mussten die Kinder des Ortes die Schule im
benachbarten Leuben besuchen. Mit zunehmender Bevölkerungszahl machte sich jedoch bereits 1898 ein Erweiterungsbau erforderlich, der seit 1902 von der 33. Volksschule genutzt wurde. 1929 erhielt diese eine aus Reick
stammende Baracke mit drei weiteren Klassenzimmern und einer kleinen Turnhalle. Mit dem Neubau eines Schulgebäudes 1959 verbesserten sich die Lernbedingungen deutlich. Zwischen 1985 und 1992 trug dieses den Namen
der Schriftstellerin Anna Seghers (33. POS). Seit 1992 wird die Seidnitzer Schule nur noch als Grundschule genutzt und in den vergangenen Jahren teilweise saniert.
Ein weiteres Schulhaus befindet sich auf der Liebstädter Straße (36. Grundschule “Am Froschtunnel”). Die ehemalige
57. POS “Olga Körner”, in den 70er Jahren erbaut, beherbergt heute die 57. Grundschule und die Freie Evangelische Schule. Weiterführende Literatur und Quellen
Seidnitzer Nachrichten 3. Januar 2012:
Das marode Vereinsheim des Fußballvereins SV Helios Dresden wurde jetzt saniert. Jetzt besitzt das Gebäude moderne Sanitär- und Umkleideräume und erhielt in diesem Zusammenhang eine völlig neue Raumaufteilung. Die frühere Kegelbahn und die alten Holzbaracken hinter dem Funktionsgebäude sind hingegen abgerissen worden.
23. Dezember 2011:
Die Sanierung des Wohngebiets Liebstädter Straße wurde jetzt mit Fertigstellung des zweiten Bauabschnitts abgeschlossen. Insgesamt waren in den vergangenen Monaten 49 Häuser mit fast 800 Wohnungen auf den neuesten Stand gebracht worden.
16. November 2011:
Der unter Denkmalschutz stehende historische Bauernhof Bodenbacher Straße 99 wird derzeit saniert. In den früheren Wohn- und Stallgebäuden und der ehemaligen Scheune werden künftig 37 Wohnungen und drei Läden untergebracht. Schon im Dezember sollen die ersten Einheiten bezugsfertig sein.
3. August 2011:
In Seidnitz werden derzeit mehrere Wohnblöcke an der Liebstädter Straße sowie dem Bärenburger und dem Ulberndorfer Weg saniert. U. a. bekommen die Häuser einen neuen Fassadenanstrich und eine neue Abdichtung der Flachdächer.
11. Juli 2011:
Auf dem Areal eines 2009 abgerissenen Garagenhofes am Altseidnitzer Dorfplatz ist jetzt mit tatkräftiger Hilfe der Anwohner eine kleine Grünfläche entstanden. Mit den Maßnahmen wird das Bild des unter Denkmalschutz stehenden Dorfkerns erneut attraktiver gemacht.
26. März 2011:
Die marode Plattenbau-Kita auf der Liebenauer Straße 1 wird derzeit abgerissen und soll im kommenden Jahr durch einen Neubau ersetzt werden. Die Kosten für das Vorhaben betragen ca. 2,5 Millionen Euro.
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