Die Augsburger Straße wurde gemäß dem Striesener Bebauungsplan 1860 als Straße C angelegt
und erhielt 1892 den Namen der Stadt Augsburg in Bayern. Neben Wohnhäusern und Villen befanden sich hier auch einige kleine Geschäfte und Restaurants. Bekannt waren die Regina-
Lichtspiele auf der Augsburger Straße 12, die 1945 durch Bomben zerstört wurden. Zu den beliebtesten Lokalen gehört das 1903 eröffnete “Rübezahl” im Haus Nr. 49 (Foto). Aus
ideologischen Gründen musste die im altdeutschen Stil ausgestattete Gastwirtschaft in der Nachkriegszeit den Namen “Augsburger Hof” annehmen. Zu den Stammgästen gehörte später u. a.
Manfred Krug. Seit Anfang 2010 wird das Restaurant als Feinschmeckerlokal “Spizz” weitergeführt.
Auch das Eckhaus zur Blasewitzer Straße beherbergte einst eine Gastwirtschaft, die nach ihrem Inhaber “Knapes
Restaurant” genannt wurde. Nach 1945 zog hier ein Blumenladen ein, nach 1990 ein chinesisches Restaurant. Später
wurde die gastronomische Tradition dieser Straße u. a. vom Irish Pub “Old Slyne Head” (Nr. 85) fortgesetzt, welches im
Oktober 1993 als erstes irisches Lokal in Dresden eröffnet und nach einer kleinen Insel in der Irischen See benannt wurde. “Eg-Gü”-Schuhcremefabrik:
Das Unternehmen wurde von Egbert Günther als kleiner Hinterhofbetrieb in der Johannstadt gegründet und hatte seinen Sitz ursprünglich auf der Pfotenhauerstraße. 1919 stellte Günther erstmals Schucreme in Tuben
her und machte die Firma damit zum Branchenführer in Deutschland. Der zunehmende Export in mehrere europäische
Staaten erforderte eine Ausweitung der Produktionsanlagen, welche in den Zwanziger Jahren zur Augsburger Straße 1 (Ecke Fiedlerstraße) verlegt wurden. Privat bewohnte Günther eine noch heute erhaltene Villa auf der Wägnerstraße. 1945 trafen Bomben auch die Produktionsgebäude der Firma “Eg-Gü” und vernichteten diese zu 90 Prozent. Trotzdem
gelang es den Söhnen des Gründers, die Herstellung von Schuh- und Lederpflegemitteln wiederaufzunehmen und an alten
Ruf anzuknüpfen. 1972 wurde der Betrieb enteignet und zum VEB Dresdner Schuhpflegemittel. Nach dreijähriger
Treuhandverwaltung erfolgte 1993 die Reprivatisierung. Heute werden hier über 70 verschiedene Produkte hergestellt, wobei die Exportquote inzwischen wieder bei ca. 50 Prozent liegt.
Korelle-Werk: Das Unternehmen wurde 1921 von Franz Kochmann als “Fabrik photographischer Apparate” auf der
Blasewitzer Straße 64/66 gegründet und stellte zunächst einfache Platten-Klappkameras her. Drei Jahre später kamen die
Spiegelreflexkamera “Enolde” und die Rollfilmkamera “Korelle” hinzu. Der wirtschaftliche Erfolg ermöglichte Kochmann,
sein Werk 1927 in größere Räume auf der Trinitatisstraße 42/44, wenig später zur Augsburger Straße 3 zu verlegen. Da
Franz Kochmann Jude war, musste er 1938 emigrieren und sein Unternehmen zwangsweise an neue Inhaber verkaufen. Unter dem neuen Firmennamen “Korelle-Werk G. H. Brandtmann” fertigten die ca. 80 Angestellten auch weiterhin
Kleinbildkameras, nach 1940 zunemend Rüstungsgüter an. 1945 wurde das Werk vollständig zerstört. 1946 folgte die Enteignung des Betriebes, zwei Jahre später die Eingliederung in den VEB WEFO. Hammers Hotel: Das zum Zeitpunkt seiner Eröffnung 1895 größte Striesener Konzert- und Ballhaus war Hammers Hotel
an der Augsburger Straße 7. Im Saal des Hauses fanden regelmäßig Tanzveranstaltungen und Theateraufführungen statt.
Aber auch Parteien, Gewerkschaften und Vereine nutzten dieses Lokal als Versammlungsort. 1928 sprach hier der KPD-Führer Ernst Thälmann vor Tausenden Dresdner Arbeitern. Nach 1933 übernahm die NSDAP das Gebäude für
Propaganda- und Kulturveranstaltungen. 1945 wurde Hammers Hotel beim Luftangriff zerstört. |