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Die Ernemann-Kamerawerke gehen auf den Unternehmer Heinrich Ernemann zurück, der aus
einfachen Verhältnissen stammte und in Dresden zunächst ein Posamenten-, Strumpf- und Weißwarengeschäft besaß. Da der gelernte Schlosser sich schon früh mit technischen Dingen
beschäftigte, tat er sich mit einem befreundeten Handwerker, dem Tischlermeister Matthias, zusammen und gründete 1889 auf der Güterbahnhofstraße 10 sein erstes Unternehmen zum
Bau von Fotoapparaten. Auch nach der Trennung von seinem Kompagnon 1891 führte Heinrich Ernemann seine Firma mit Erfolg weiter und verlegte sie zunächst in die Pirnaische
Straße, später auf die Kaulbachstraße 13. 1896 konnte er das Grundstück Schandauer Straße 48 erwerben und ließ hier ein modernes Produktionsgebäude errichten (Foto). Drei Jahre
später wandelte Ernemann den Betrieb in eine “Aktiengesellschaft für Camera-Fabrikation” um.
Der in mehreren Bauabschnitten entstandene Neubau wurde von Professor Emil Högg und Richard Müller entworfen
und war einer der ersten künstlerisch gestalteten Stahlbetonbauten Europas. 1907 erfolgte eine Erweiterung an der
Glashütter/ Junghansstraße. Für dieses Eckgebäude schuf der Künstler Hans Unger ein Glasmosaik, welches die “Göttin des Lichts” darstellte und zum ersten Markenzeichen der Firma wurde. Ernemanns Unternehmen stieg schon
bald zum bedeutendsten Betrieb der Branche auf und sorgte immer wieder mit Neuentwicklungen für Aufsehen. So konnte die Firma 1903 die erste Amateur-Schmalfilmkamera der Welt vorstellen, später auch die erste
Spiegelreflexkamera. Neben Fotoapparaten wurden auch Kinomaschinen (“Imperator”) hergestellt, die schnell zum
Exportschlager wurden. Auch der bis heute verwendete Begriff “Kino” geht auf Heinrich Ernemann zurück. Durch ständige Weiterentwicklung der Geräte erwarben Ernemanns Mitarbeiter zahlreiche Patente.
Als neues Wahrzeichen der Firma entstand 1922/23 der markante 48 Meter hohe Ernemann-Turm, der später auch als
Firmensignet verwendet wurde. Ursprünglich sollte in diesem Turm ein Observatorium eingerichtet werden, was jedoch nicht zustande kam. 1926 vereinigten sich die Ernemann-Kamerawerke A. G. mit verschiedenen anderen
deutschen Herstellern, u. a. der ICA-AG Richard Hüttigs, zur Zeiss-Ikon AG. Auch dem neuen Unternehmen gelang es, den
Weltruf von Ernemann-Kameras zu wahren und die Tradition Striesens als Standort der Fotoindustrie fortzusetzen. Nach dem Tod Heinrich Ernemanns übernahm 1928 dessen Sohn Alexander die Leitung der Firma.
1938 erwarb der Amerikaner Charles Noble mit der früheren Kamerafabrik Guthe & Thomsch einen Teil des Unternehmens und verlegte es nach Niedersedlitz. Diese Firma
wurde später durch die legendäre “Praktica” berühmt und blieb bis 1946 in Familienbesitz. Wegen des völlig absurden Vorwurfs, Noble habe von seiner Loschwitzer Villa “San Remo”
den Luftangriff auf Dresden gesteuert, wurde er 1948 verhaftet und bis 1955 in einem Internierungslager gefangen gehalten. Erst auf Druck der amerikanischen Regierung gelang
ihm schließlich die Ausreise in die USA. Nobles Unternehmen blieb jedoch in staatlichem Besitz und wurde erst 1991 an die Eigentümer zurückgegeben. Trotz der Weltneuheit einer 180° - Panoramakamera
gelang es jedoch nicht, sich dauerhaft auf dem Markt zu behaupten. 1997 musste das Unternehmen Konkurs anmelden, wird jedoch heute von neuen Besitzern fortgeführt.
Das Striesener Stammhaus der früheren Ernemann-Werke blieb auch nach dem Teilverkauf bedeutende Produktionsstätte der Zeiss-Ikon AG. 1937 entstand an der Glashütter Straße ein weiteres Fertigungsgebäude.
Während des Zweiten Weltkrieges wurde die Produktion auf die Bedürfnisse der Rüstung umgestellt und fertigte nun
Bombenzielgeräte und ähnliche optische Einrichtungen an. Dabei kamen zahlreiche Zwangsarbeiter zum Einsatz, die oft
unter unmenschlichen Bedingungen leben und arbeiten mussten. 1945 wurde auch das Striesener Werk vom Bomben getroffen, brannte dadurch teilweise aus, konnte jedoch bereits 1946 wieder eröffnet werden.
Während die Aktionäre der Zeiss Ikon AG den Firmensitz nach Stuttgart verlegten, kam das Dresdner Werk 1948 in Volkseigentum und produzierte nun wieder zivile Güter. Erschwert
wurde der Neubeginn durch Reparationsforderungen der Sowjetunion, die einen Großteil der technischen Anlagen demontierten. Trotz dieser Probleme gelang es den Angestellten schon
bald, wieder an die Vorkriegserfolge anzuknüpfen. Interessante Neuheiten waren eine 1950 vorgestellte neue Kleinbild-Spiegelreflexkamera sowie die Fotoapparate der Marken Contax
S, Practica und Exacta, die in zahlreiche Länder exportiert wurden. Am 1. Januar 1959 wurden die Dresdner Kamerahersteller Zeiss Ikon AG, Kamerawerke Niedersedlitz (ehem. Noble), Altissa, Aspecta
und Welta zu einem Großbetrieb zusammengeschlossen, welcher 1964 den Namen VEB PENTACON erhielt. Die Bezeichnung stammt von dem in modernen Kameras eingebauten Prisma (Pentagonalprisma) und einem bereits vor
1945 verwendeten Markenzeichen (Contax) der Zeiss Ikon AG. 1968/70 gliederte man auch die bis dahin unter Treuhandverwaltung stehende Ihagee AG in das Kombinat ein. Ab 1985 gehörte das Werk zum Kombinat Carl Zeiss
Jena. Die beiden Fotos zeigen Erzeugnisse der Striesener Kamerafabriken von 1936 und 1989.
Bis 1989 blieb PENTACON einer der größten Kamerahersteller des RGW und produzierte
hauptsächlich Spiegelreflex-Kameras, aber auch Sucherkameras, Diaprojektoren und ähnliche fotografische Apparate. Trotz ständiger Weiterentwicklungen und der Einführung
moderner Produktionslinien geriet das Werk durch die zunehmende fernöstliche Konkurrenz unter Druck. Nach 1990 waren die hier hergestellten Kameras trotz ihrer hohen Qualität auf
dem Weltmarkt nicht mehr konkurrenzfähig, woraufhin das Unternehmen 1991 von der Treuhandanstalt liquidiert wurde. Nur wenige der zuletzt ca. 6000 Mitarbeiter konnte von
einem der Nachfolgebetriebe bzw. von einer Beschäftigungsgesellschaft übernommen werden. Das frühere Stammhaus mit dem Ernemann-Turm wurde 1994-1997 umfassend saniert und umgebaut. Heute haben hier die Technischen Sammlungen Dresden ihr Domizil. In der
Ausstellung sind auch viele frühere Spitzenprodukte der Dresdner Kameraindustrie zu sehen.
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