Die Geschichte der Gärtnerei Seidel begann in Böhmen, woher die Familie ursprünglich stammte. Während des Dreißigjährigen Krieges flohen die Vorfahren Hermann Seidels aus Glaubensgründen nach Sachsen und
ließen sich zunächst in Radeberg nieder. Christoph Seydel übte hier zeitweise das Amt des Bürgermeisters aus und gründete 1717 das Augustusbad. Sein Enkel Johann Heinrich Seidel (1744-1815) war ab 1779 in Dresden als
königlicher Hofgärtner tätig und galt als sehr gebildet. Regelmäßig korrespondierte er u.a. mit Goethe, der ihn auch in seinem Haus besuchte. Seine beiden Söhne Traugott Leberecht und Jacob Friedrich gründeten 1813 an
der Kleinen Plauenschen Gasse eine Gärtnerei, die bereits wenige Jahre später in die Pirnaische Vorstadt verlegt wurde. Vorrangig widmeten sich die Seidels der Zucht von Azaleen und Kamelien, die bald zu einem
Markenzeichen der Gärtnerei werden sollten. Nachdem der Platz in der Stadt nicht mehr ausreichte, verlegte Jakob Hermann Seidel (1833-1896) das Unternehmen 1865 nach Striesen. Zu diesem Zeitpunkt galt auch er bereits
als international anerkannter Gartenbauexperte. Jakobs einziger Sohn, Hermann Seidel, übernahm 1887 den väterlichen Betrieb und richtete seine Gärtnerei zunächst in der Nähe des heutigen Stresemannplatzes
ein. Hier begründete er seine weltberühmte Zucht von Azaleen, Rhododendren und Kamelien. Weitere Gärtnereien folgten ihm, so dass Striesen zu einem Zentrum des Gartenbaus im deutschsprachigen Raum wurde. Zeitweise
existierten über 50 Betriebe im Ort. Erst mit fortschreitender Bebauung wurden diese in die weiter östlich gelegenen Vororte, vor allem nach Tolkewitz und Laubegast verdrängt.
Zu Seidels größten Verdiensten gehörte die Zucht winterharter Rhododendronsträucher, für die er in einem Striesener Wäldchen ideale Bedingungen vorfand. Diese 1877 angelegte Zuchtgärtnerei
war Grundstein für den heutigen Hermann-Seidel-Park an der
Grenze zwischen Striesen und Blasewitz (Foto). 1894 verlegten Hermann Seidels Söhne die Gärtnerei nach Laubegast. Hier blieb sie bis 1946 in Privatbesitz, wurde später in das
VEG Tolkewitz eingegliedert und nach 1990 zugunsten eines Wohnparkes beseitigt. Nachkommen betreiben heute noch einen Gartenbaubetrieb in Grüngräbchen bei
Kamenz. Neben dem von ihm gestifteten Striesener Volkspark engagierte sich Hermann Seidel auch für den Bau einer Kirche in seinem Heimatort, die 1880 an der Wittenberger Straße eingeweiht wurde. 1885 gründete er die
“Gärtnervereinigung von Sachsen” und war 1887 Initiator der ersten Internationalen Gartenbauausstellung in Dresden.
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