Straßen und Plätze in Striesen

Alemannenstraße

Die Alemannenstraße wurde im Juli 1873 als Straße 6 angelegt und bis zur Jahrhundertwende mit Villen bebaut. Bemerkenswert sind die unter Denkmalschutz stehenden Gebäude Nr. 1, 2, 4a, 5, 6, 8 und 9. Bereits am 1. April 1873 hatte die Nachbargemeinde Blasewitz ihren Straßenabschnitt Alemannenallee genannt. In Anlehnung an diese Bezeichnung erhielt 1893 der auf Striesener Flur gelegene Abschnitt den Namen Alemannenstraße. Nach der Eingemeindung von Blasewitz wurden beide Straßenabschnitte unter dem Namen Alemannenstraße zusammengelegt. Die Namensgebung erinnert an die germanische Völkergruppe der Alemannen und wurde im Zusammenhang mit der Gründung des Deutschen Reichs 1871 gewählt. Auch einige benachbarte Straßen wie die Sachsenallee, die Frankenallee und der Barbarossaplatz erhielten ihre Namen in diesem Sinne.

Altenberger Straße

Die Altenberger Straße bildete einst die Flurgrenze zwischen Neugruna und Blasewitz, wird heute jedoch meist zu Striesen gerechnet. Ihren Namen erhielt sie 1893 nach der Bergstadt Altenberg im Osterzgebirge. Vor der Eingemeindung 1892 wurde diese östlichste Straße Striesens mit der Nummer 17 bezeichnet. 1901 kam die auf Neugrunaer Flur gelegene Seidnitzer Straße, 1904 der zu Seidnitz gehörende Abschnitt der Blasewitzer Straße hinzu. Letztgenannter Teil hieß ursprünglich bis 1896 Blasewitzer Weg.

 

Die Gebäude, meist mehrgeschossige Mietshäuser, entstanden um 1900 und weisen verschiedene architektonische Stilformen auf. Interessante Fassaden finden sich u. a. an den Häusern Altenberger Straße 3 und 6 sowie an der Häusergruppe Nr. 14-18. In einigen Gebäuden der Altenberger Straße gab es einst kleinere Geschäfte für die Versorgung der Bevölkerung. So unterhielt der amerikanische Warenhauskonzern Woolworth im Erdgeschoss des Hauses Altenberger Straße 27 Anfang der 1950er Jahre eine Filiale. Nach 1990 wurden die Räume zu Wohnzwecken umgebaut. Im Nachbarhaus Nr. 29 wurde am 23. Juni 1951 das erste HO-Selbstbedienungsgeschäft in Dresden errichtet, in dem man ohne Bezugsscheine Industriewaren erwerben konnte (Foto). Unweit davon befindet sich seit einigen Jahren im früheren “Wittenberger Hof” das rustikale Lokal “Astloch” (Nr. 22). Ein moderner Wohn- und Geschäftskomplex entstand 1995 am Altenberger Platz und beherbergt als “Ladengalerie Striesen” verschiedene Geschäfte, Büros und Wohnungen. Vor dem Gebäude steht ein moderner Pyramidenbrunnen.

Altstriesen

Der Name Altstriesen erinnert an den früheren Dorfkern des Ortes, welcher aus einem Vorwerk und mehreren Bauerngütern hervorging und sich nördlich der heutigen Schandauer Straße befand. Die Gebäude entstanden nach der Zerstörung 1813 neu und bewahrten noch bis 1945 ihr ländliches Aussehen. Für den Wiederaufbau fanden zum Teil Steine der ehemaligen Umfassungsmauer des Großen Gartens Verwendung, nachdem dieser für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden war. Nach Aufgabe der Landwirtschaft befanden sich in den Gehöften meist kleine Handwerksbetriebe, Schankwirtschaften und Läden. Der vom Landgraben gespeiste frühere Dorfteich wurde Ende des 19. Jahrhunderts trockengelegt. In alten Stadtplänen ist die Platzanlage ab 1889 als Wettinplatz bzw. ab 1893 als Markgraf-Heinrich-Platz ausgewiesen. Am 21. März 1921 erfolgte die Umbenennung in  Altstriesen.

Foto: Die Gaststätte “Striesener Ratskeller” um 1900

Nach 1880 entstanden an der Nordseite des langgestreckten Dorfplatzes mehrgeschossige Mietshäuser, deren Fassaden mit Porträts sächsischer Herrscher verziert waren. 1889, dem Jahr des 800. Jubiläums des Hauses Wettin, wurden diese “Wettinhäuser” übergeben. Hier befanden sich u.a. die Bäckerei Troschütz (Nr. 23) sowie im Eckhaus zur Markgraf- Heinrich-Straße die Schokoladenfabrik Clauß. In gleichem Zusammenhang wurde auch ein heute verschwundenes Denkmal auf dem Dorfplatz aufgestellt und dieser parkartig gestaltet. Eingriffe in die Platzgestaltung erfolgten 1944, als man hier Splitterschutzgräben und ein Löschwasserbecken für mögliche Luftangriffe anlegte. Wie fast alle Häuser Altstriesens fielen die Gebäude 1945 den Bomben zum Opfer. Einige verbliebene Bauernhäuser wurde bis auf eine Ausnahme um 1960 abgerissen. Auf dem Platz entstand ein Garagenkomplex, so dass vom ehemaligen Dorf Altstriesen heute kaum noch etwas zu erkennen ist.

Wettindenkmal: Der aus schwarzem Marmor gefertigte Obelisk wurde aus Anlass des 800. Thronjubiläums der Wettiner 1889 auf dem Striesener Dorfplatz aufgestellt, der in diesem Zusammenhang den Namen Wettinplatz erhielt. Das Denkmal trug die Inschrift “Zur Erinnerung an die 800-jährige Jubelfeier des Hauses Wettin. Die Gemeinde Striesen” und blieb auch bei späteren Umgestaltungen des Platzes erhalten. Auch die Zerstörung fast aller Gebäude des Umfeldes beim Luftangriff 1945 überstand es ohne größere Schäden, wurde jedoch in der Nachkriegszeit entfernt und ist seitdem verschollen.

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Am Landgraben

Die Straße Am Landgraben, im alten Striesener Dorfkern gelegen, erinnert an den früheren Landgraben, der einst hier entlang floss und auch den 1876 trockengelegten Dorfteich speiste. Der Landgraben war bereits um 1860 zur heutigen Lauensteiner Straße verlegt worden, um Platz für neue Gebäude zu schaffen. Die offizielle  Namensgebung erfolgte 1892. Schon 1839 hatte die Gemeinde im Haus Nr. 3 das erste Schulhaus eröffnet. Sämtliche Gebäude wurden 1945 zerstört. Im Zuge der Neubebauung nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Weg teilweise überbaut und besteht heute nur noch aus einem kurzen Reststück.

Augsburger Straße

Barbarossaplatz

Der Platz wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts angelegt und 1893 in Erinnerung an den legendenumwobenen deutschen Barbarossaplatz genannt. 1890 entstand eine Straßenbahnverbindung vom Altmarkt zum Barbarossaplatz, die wenig später mit den vorhandenen Linien nach Blasewitz verbunden und 1897 elektrifiziert wurde. Der Platz entwickelte sich in der Folgezeit zu einem kleinen Verkehrsknotenpunkt (Foto um 1910) und war Mittelpunkt des Neustriesener Villenviertels.

In der Nachkriegszeit erhielt der Barbarossaplatz am 1. Juli 1946 den Namen einer von den Nazis ermordeten Striesener Antifaschistin und wurde Lene-Glatzer-Platz genannt. Der Straßenbahnverkehr wurde nicht wieder aufgenommen, womit der Platz seine Verkehrsbedeutung verlor. Eine Rückbenennung in Barbarossaplatz erfolgte 1991. An Lene Glatzer erinnert jedoch bis heute die in nördlicher Richtung abzweigende frühere Barbarossastraße sowie ein Denkmal am Barbarossaplatz.

Foto: Gedenkstein für die Striesener Antifaschisten Lene Glatzer, Otto Galle und Rosa Menzer.
Die Mitteltafel ist der früheren Namensgeberin des Barbarossaplatzes gewidmet.

Inschrift: Helene Glatzer - 8. Februar 1902 - 31. Januar 1945.
Kontoristin, Funktionär der kommunistischen Kinder-, Jugend- und Frauenorganisationen in Ostsachsen. Abgeordnete der KPD im sächsischen Landtag.  In Halle ermordet.

Hotel Sachsenhof: Bis 1945 befand sich in einem der Gebäude das Hotel “Sachsenhof”(Barbarossaplatz 1). Das 1899 erbaute Haus befand sich im Eigentum der DREWAG, welche nach dem Ersten Weltkrieg in den früheren Gasträumen im Erdgeschoss eine Gaswache einrichtete. Zwischen 1933 und 1945 hatte hier außerdem die “Ortsgruppe Barbarossa” der NSDAP ihren Sitz. Nach 1990 wurden diese Räumlichkeiten zeitweise vom Verein “Lebenshilfe e.V.” genutzt. Die oberen Etagen dienen seit Einstellung des Hotelbetriebes Wohnzwecken.

Bärensteiner Straße

Die frühere Straße 17 im Osten von Striesen erhielt 1892 den Namen der kleinen Stadt Bärenstein im Osterzgebirge. Zunächst nur zwischen Schandauer und Zinnwalder Straße benannt, erfolgte im Oktober 1928 die Verlängerung bis zum Frauensteiner Platz. Gleichzeitig erhielt auch ein Straßenabschnitt in Seidnitz diesen Namen. Grund waren Planungen, die Bärensteiner Straße bis zur Bahnlinie zu verlängern, um so eine direkte Verbindung nach Reick zu schaffen. Da dieser Bau jedoch nicht zustande kam, erfolgte nach 1970 die Umbenennung der abgetrennten Straßenabschnitte in Rauenstein- und Gohrischstraße.

Um 1900 entstanden an der Bärensteiner Straße Mehrfamilienhäuser in offener Bauweise. Außerdem gab es einige Industriebetriebe wie das 1904 gegründete Fotopapier-Werk MIMOSA und die Werkstätten für deutschen Hausrat Theophil Müller (Nr. 5). Auf der Bärensteiner Straße 16 hatte bis 1990 der VEB Herrenmode Dresden seinen Sitz. 2010 wurde auf der Bärensteiner Straße 33 ein modernes Mehrzweck-Funktionsgebäude für die Schüler des Hans-Erlwein- Gymnasiums und Dresdner Sportvereine errichtet.

Hasenschänke: Stadtbekannt war vor 1989 die Striesener Gaststätte “Hasenschänke”, deren Geschichte bis ins 19. Jh. zurückreichte. Für das einst hier gelegene Jagdrevier war an gleicher Stelle eine kleine Rast- und Jagdhütte entstanden, die 1900 durch ein Wohnhaus ersetzt wurde. Nach umfassender Renovierung wurde die im Erdgeschoss befindliche Gaststätte 1977 als “Hasenschänke” wiedereröffnet und bot in rustikalem Ambiente vor allem Wildgerichte an. Nach 1990 geschlossen, befand sich in den Räumen später kurzzeitig ein Erotikclub, bevor 1993 das griechische Restaurant “Zeus” eröffnet wurde.

Nr. 16/18: Seit 2013 steht die Einfriedung des Grundstücks aus Beton-Formsteinen unter Denkmalschutz. Diese Bauteile waren bis 1989 häufig als gestalterisches Element an Gebäuden, Grundstücksumfriedungen und Wandverkleidungen zu finden. Entwickelt wurden sie 1958 in der Dresdner Produktionsgenossenschaft “Kunst am Bau” unter Mitwirkung der Künstler Friedrich Kracht und Karl-Heinz Adler. Das System besteht aus zwölf Grundformen mit ca. 600 x 600 mm Abmessung, welche als Betongußteile in verschiedenen Kombinationen zusammengesetzt werden konnten und so eine abwechslungsreiche Gestaltung ermöglichten. Die Striesener Formsteinwand gehört heute zu den wenigen noch original erhaltenen in Dresden.

Behrischstraße

Die nach 1860 als Straße 14 in Neustriesen angelegte und um 1900 mit Mietshäusern bebaute Behrischstraße verdankt ihren Namen dem früheren Dresdner Bürgermeister Burckhard Leberecht Behrisch (1682-1750), Gutsherr und Doktor der Rechtswissenschaften, der zwischen 1733 und 1750 im Amt war. 1893 erfolgte ihre offizielle Benennung. Ursprünglich erstreckte sich diese auch auf den Abschnitt nördlich der Niederwaldstraße, bevor dieser 1926 in die  Jüngststraße einbezogen wurde. Im Wohnhaus Nr. 13 hatte viele Jahre der Bildhauer Bruno Fischer seine Wohnung. Fischer schuf zahlreiche Brunnenplastiken im sächsischen Raum sowie einige Figuren am Dresdner Rathausturm.

Bergmannstraße

Die Bergmannstraße entstand Ende des 19. Jahrhunderts als „Straße 8“ und verbindet den im Norden Neustriesens gelegenen Hüblerplatz mit dem früheren Dorfkern Altgruna. Um 1900 entstanden auch hier Wohn- und Geschäftshäuser, die teilweise 1945 den Bomben zum Opfer fielen und durch Neubauten ersetzt wurden. Ihren Namen erhielt die Bergmannstraße nach dem Advokaten Ehregott Friedrich Bergmann (1710-1773), der von 1767-1773 Bürgermeister von Dresden war.

 

Fotos: Blick in die Bergmannstraße - rechts das Gemeindezentrum der Ev.-Freikirchlichen Gemeinde (Nr. 19)

Bertolt-Brecht-Allee

Die südlich der Schandauer Straße gelegene Bertolt-Brecht-Allee wurde vor Beginn des Ersten Weltkrieges als Verlängerung der Spenerstraße angelegt und ab 1907 Carlowitzstraße genannt. Namensgeber war der sächsische Staatsmann Christoph von Carolowitz (+ 1578). An ihrem südlichen Ende lag am Schnittpunkt mit der Comeniusstraße der Carlowitzplatz. Zahlreiche Gebäude dieser Straße fielen 1945 den Bomben zum Opfer. Ihren heutigen Namen erhielt sie 1963 nach dem deutschen Dichter und Theaterregisseur Bertolt Brecht (1898-1956), der durch seine gesellschaftskritischen Werke zu den bedeutendsten Dramatikern des 20. Jahrhunderts gehört. Gleichzeitig wurde auch der Carlowitzplatz in Bertolt-Brecht-Platz umbenannt.

Nach 1990 siedelten sich an der Bertolt-Brecht-Allee einige Gewerbetriebe an, wofür hier 1995/96 der moderne Business-Park mit dem “Haus der Wirtschaft” entstand (Foto) . Hinzu kamen weitere Büro- und Geschäftshäuser sowie einige Wohngebäude. In den noch erhaltenen Räumlichkeiten der ehemaligen Zigarettenfabrik Zepter (Nr. 25) sollen in den kommenden Jahren ebenfalls Wohnungen entstehen.

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Borsbergstraße

Die Borsbergstraße war ursprünglich Teil eines alten Verbindungsweges von der Residenz zur Pillnitzer Fähre, der seine Verlängerung in der heutigen Schandauer Straße fand. Nachdem 1874 in der Johannstadt neue Wohnviertel angelegt wurden, siedelten sich hier zahlreiche Gärtnereien an. Außerdem gab es in diesem Abschnitt der früheren Pillnitzer Chaussee die Dampf-Bierbrauerei Striesen, die Ziegelei Friedrichs und eine Chemische Fabrik. Mit fortschreitender Ausdehnung der Großstadt mussten die Gärtnereien Ende des 19. Jahrhunderts  repräsentativen Gründerzeitbauten weichen. In diesem Zusammenhang erfolgte 1884 ein Ausbau der zuvor als “Straße J” bezeichneten Chaussee und das Verlegen von Straßenbahngleisen. Am 31. Mai 1884 fuhr hier die erste Pferdebahnlinie der “Tramways Company of Germany Ltd.”. 1897 wurde diese Strecke auf elektrischen Betrieb umgestellt. 1905 errichtete die katholische Gemeinde ein Gotteshaus an der Borsbergstraße 13, welches den Namen Herz-Jesu-Kirche erhielt. Die Straße trug zu diesem Zeitpunkt bereits ihren heutigen Namen nach dem oberhalb von Pillnitz gelegenen Borsberg.

Während die oberen Etagen der Gebäude meist Wohnzwecken vorbehalten waren, befanden sich in den unteren Stockwerken meist kleine Läden, aber auch Rechtsanwaltsbüros und Arztpraxen. Außerdem gab es einige kleinere Gewerbebetriebe sowie im ehemaligen Straßenbahnhof an der Geisingstraße eine Autowerkstatt. Als eines der letzten Häuser entstand kurz vor Beginn des Zweiten Weltkrieges an der Einmündung zur Carlowitzstraße (Bertolt-Brecht-Allee) ein Neubau der Stadtsparkasse.1945 fielen zahlreiche Gebäude den Bomben zum Opfer.

Erhalten blieben einige Wohn- und Geschäftshäuser in der Nähe des Fetscherplatzes, die in den letzten Jahren teilweise saniert wurden und oft interessante Architekturformen aufweisen (Foto) . In einem solchen Haus (Nr. 14) besaß der jüdische Arzt Dr. Willy Katz seine Praxis. Als einziger Arzt in Dresden durfte er während der Nazizeit Juden medizinisch behandeln und versuchte mit persönlichem Einsatz, den verfolgten Menschen zumindest eine Grundversorgung zu sichern. Katz leitete nach 1945 eine der ersten Gemeinschaftspraxen Dresdens und verstarb 1947. Sein Grab befindet sich im Tolkewitzer Urnenhain. Die erhaltene Praxiseinrichtung wurde zusammen mit dem Nachlass 1990 an das Washingtoner Holocoust-Museum übergeben. Unweit der Arztpraxis lebte bis zu ihrem Tod 1977 die durch ihre Tierdarstellungen bekannte Malerin und Bildhauerin Etha Richter (Nr. 11). Bemerkenswert sind auch die Mietshäuser Nr. 19 - 21 mit reizvollen Schmuckelementen im Jugendstil.

Auf den Flächen zerstörter Wohngebäude begann am 13. April 1956 an der Aufbau der Johannstadt und der westlichen Teile Striesens. Erstmals in Dresden wurden hier Häuser in industrieller Großplattenbauweise errichtet, die wegen ihrer architektonischen Gestaltung heute unter Denkmalschutz stehen. Diese Bauweise war zuvor vom VEB Bau Dresden selbst entwickelt worden, wobei die Vorfertigung unmittelbar auf der Baustelle erfolgte. Die Planungen für die Gebäude (Borsbergstraße 14-32 und 19-33) stammten vom Dresdner Architekten Wolfgang Hänsch, der später auch am Wiederaufbau der Semperoper beteiligt war. In den Erdgeschosszonen wurden Geschäfte und Gaststätten eingerichtet, darunter das beliebte “Café Borsberg”. Vor dem Café fand eine Bronzeskulptur der Bildhauerin Magdalena Kreßner mit Darstellung eines Balletttänzer-Paares Aufstellung. Nach 1990 erfolgte eine Rekonstruktion der Gebäude (Foto).

www.borsbergstrasse.de

Brauerei Striesen: Die Brauerei entstand im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts auf einem Grundstück zwischen Tittmann- und Spenerstraße und befand sich im Besitz der Familie Riepl. Zu dem als “Dampf-Bierbrauerei Striesen” bezeichneten Unternehmen gehörte auch ein Brauereischank mit öffentlicher Gaststätte, Kegelbahn und Billardsalon. Nach Einstellung des Betriebes befand sich hier bis zur Zerstörung 1945 eine Fabrik zur Herstellung ätherischer Essenzen. Heute steht auf dem Grundstück ein Einkaufszentrum.

 

Straßenbahnhof Striesen: Der Straßenbahnhof entstand im Zusammenhang mit dem Bau der Pferdebahnlinie Schäferstraße - Striesen an deren Endpunkt an der Ecke zur Geisingstraße (heute Borsbergstraße 39) und wurde im September 1885 eröffnet. Der Gebäudekomplex bestand aus zwei Wagenhallen mit je vier Gleisen sowie verschiedenen Nebengebäuden. Zum Rangieren der Pferdebahnwagen gab es außerdem eine Drehscheibe sowie eine Schiebebühne. Bis zur Umstellung der Bahnstrecke auf elektrischen Betrieb im Jahr 1897 waren hier über 80 Pferde untergebracht. Mit Verlängerung der Straßenbahnstrecke nach Tolkewitz und Laubegast verlor der Striesener Straßenbahnhof an Bedeutung und diente später als Busunterstellhalle und Kfz-Werkstatt “Dresdner Auto-Halle”.

Bräterstraße

Die Bräterstraße wurde in den Dreißiger Jahren angelegt, als hier die Bebauung mit Wohnhäusern geplant war. Die amtliche Namensgebung erfolgte am 12. Mai 1937. Ihren Namen verdankt sie dem Dresdner Stadtbaurat Edmund Bräter (1855-1925), der gemeinsam mit Karl Roth Schöpfer des Neuen Rathauses ist. Außerdem war Bräter als Leiter des städtischen Hochbauamtes verantwortlich für den Bau der heutigen Universitätsklinik, der Markthallen an der Weißeritzstraße und der Hauptstraße sowie der Wasserwerke Tolkewitz und Räcknitz.

Bedingt durch den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges konnte das geplante Wohnviertel zwischen Striesen und Gruna nur in Ansätzen realisiert werden. 1945 wurde an der Bräterstraße eine Kleingartenanlage angelegt. Das heutige Vereinsheim dieser Sparte diente in den Nachkriegsjahren als Notunterkunft für ausgebombte Striesener Familien.

Dornblüthstraße

Die Dornblüthstraße wurde als 12. Straße Neu-Striesens angelegt und 1892 nach dem früheren Dresdner Bürgermeister Marcus Dornblüth (1642–1715) benannt. Dornblüth begann seine Laufbahn als kurfürstlicher Steuerprokurator und wurde 1697 zum Bürgermeister gewählt, ein Amt, welches er bis 1715 innehatte. Die Villen und Mehrfamilienhäuser an der Dornblüthstraße entstanden meistens Ende des 19. Jahrhunderts im Stil des Historismus. Im Haus Nr. 7 wurde 1993 die beliebte Weinstube “Gewölbe 7” eröffnet (seit 2005 Restaurant “Dornblüte”). Auf der gegenüberliegenden Straßenseite befindet sich das 1899 eröffnete Freimaurerinstitut, heute Gymnasium Kreuzschule. Weitere Lokale an der Dornblüthstraße sind das “Il Trullo”, die “Pflaume” (ehemals “Rattenloch”) und das “Dr. Schlüter” im Eckhaus zur Augsburger Straße. Zuvor wurden diese Räume von Dresdens erstem Irish Pub genutzt.

1910 errichtete der Kleinwohnungsbauverein Striesen an der Dornblüthstraße eine Wohnanlage mit 15 Häusern. Die architektonische Leitung des Bauvorhabens oblag Theodor Richter. Zu den Mitbegründern des Vereins gehörte der Dresdner Unternehmer Emil Römmler, Inhaber der bekannten Kunstdruckanstalt Römmler & Jonas an der Blasewitzer Straße.

Zu den gewerblich genutzten Grundstücken gehört die unter Denkmalschutz stehende Nr. 15, einst Sitz der bekannten Dresdner Firma Kraft & Steudel (Nr. 11-15). Zu den Produkten des Unternehmens gehörten vor allem photographische Papiere, welche unter dem Markennamen “Cellufix” verkauft wurden (Bild) . Nr. 14a ist Sitz der Firma VacuTec Messtechnik GmbH, einem Hersteller von wissenschaftlichen Präzisionsmessgeräten. Gründer des Unternehmens (ehem. Vakutronic) war 1956 der Mikroelektronik-Pionier Werner Hartmann. Hergestellt werden u.a. Detektoren zur Messung ionisierender Strahlung für die Medizin und Umweltüberwachung.-

Eisenacher Straße

Die Eisenacher Straße im Osten von Neustriesen wurde bis zur Eingemeindung des Ortes 1892 Straße B genannt und erhielt dann ihren Namen nach der thüringischen Kleinstadt Eisenach. Bemerkenswertestes Gebäude ist das 1899 entstandene frühere Freimaurerinstitut , welches heute von der Kreuzschule genutzt wird. In unmittelbarer Nachbarschaft liegt der von 1920 angelegte Striesener Volkspark.

 

Ermelstraße

Die frühere Straße 11, die vom Pohlandplatz ausgehend nach Norden führt, erhielt 1892 den Namen Ermelstraße und wurde mit den für Striesen typischen Mietshäusern in offener Bauweise bebaut. Die Straße erinnert an den Dresdner Bürgermeister Friedrich August Ermel (1740–1812), der ab 1787 bis 1812 die Geschicke der Stadt leitete.

Geisingstraße

Die Geisingstraße gehört zu den ältesten Striesener Straßen und geht auf einen alten Verbindungsweg zwischen Striesen und Gruna zurück. 1885 wurde an der Ecke Geising-/ Schandauer Straße der Striesener Straßenbahnhof eröffnet. 1945 fielen die meisten der früheren Bauernhäuser den Bomben zum Opfer. Erhalten blieb lediglich das Wohnhaus Geisingstraße Nr. 7, welches als letztes Gebäude noch bis in jüngste Vergangenheit an den alten Dorfkern erinnerte. 2014 begann zwischen Geising- und Hanel-Clauß-Straße auf dem Grundstück einer ehemaligen Gärtnerei der Bau der Wohnanlage mit ca. 300 Wohnungen.

Foto: das letzte erhaltene Alt-Striesener Wohnhaus im Sommer 2006

Glasewaldtstraße

Die Glasewaldtstraße im östlichen Teil von Striesen wurde als Straße 13 angelegt und nach der Eingemeindung 1892 umbenannt. Friedrich Glasewaldt (1706-1784) war von 1771-1784 Bürgermeister von Dresden und zeitweise Besitzer des Weingutes Glasewaldts Ruhe in Wilschdorf. Die für die Entstehungszeit typische Bebauung mit mehrgeschossigen Mietshäusern blieb bis heute weitgehend erhalten. Einige Baulücken wurden Mitte der 90er Jahre mit modernen Wohnhäusern geschlossen.

Zu den bemerkenswertesten Gebäuden gehört das villenartige Landhaus Glasewaldtstraße Nr. 8, welches als eines der ersten Häuser an der Straße 1888 von Karl Emil Scherz errichtet wurde. Die Fassade ist mit verschiedenen Sinnsprüchen verziert. Bauherrin war die Hofschauspielerin Charlotte Basté, die hier bis kurz vor dem Ersten Weltkrieg mit ihrer Familie wohnte. Eine Erinnerungstafel wurde in den 60er Jahren entfernt. Interessant ist auch das gegenüberliegende Wohnhaus Nr. 7, welches um 1900 dem Holzhändler Ernst Kempe gehörte und auch nach 1945 im Familienbesitz blieb. Auf dem Grundstück Glasewaldtstraße 22 besaß bis 1990 der VEB Messelektronik Dresden eine Niederlassung. Ein Anfang der 80er Jahre für dieses Unternehmen errichteter Betonbunker diente der Messung radioaktiver Strahlung für die Dosimeter- Herstellung und wurde erst 2011 im Zusammenhang mit der Neubebauung des Grundstücks beseitigt.

Glashütter Straße

Die frühere Straße K im Süden der Striesener Flur erhielt nach der Eingemeindung des Ortes den Namen Glashütter Straße nach der Uhrmacherstadt Glashütte im Müglitztal. Neben Produktionsgebäuden der Zigarettenindustrie entstanden hier nach der Jahrhundertwende auch einige Wohnhäuser. Die Anlage zwischen Glashütter, Kipsdorfer, Dornblüth- und Junghansstraße wurde 1910/11 vom Kleinwohnungs-Bauverein Dresden als erstes Bauvorhaben der 1910 gegründeten Geossenschaft errichtet. Ziel war die Schaffung preiswerten Wohnraums für die Mitglieder des Bauvereins. Als Architekt der als König-Friedrich-August-Häuser bezeichneten Gebäude konnte Theodor Richter gewonnen werden, der nach einem einheitlichen Konzept die gesamte Wohnanlage mit ihren 124 Wohnungen entwarf. Heute gehören die Häuser der Wohnungsgenossenschaft “Aufbau” und wurden 1994 saniert.

Foto: Die Wohnsiedlung König-Friedrich-August-Häuser in Striesen um 1920

Kleingartenverein „Blumenau: Die Gartensparte wurde 1923 auf dem Gelände einer ehemaligen Kiesgrube an der Glashütter Straße angelegt. 1945 fielen fast alle Lauben dem Luftangriff zum Opfer. Das Gelände wurde in der Folgezeit als Trümmerkippe genutzt und war durch eine Feldbahn mit der Innenstadt verbunden. Erst Anfang der 1950er Jahre konnten die ersten Gärten wieder genutzt werden.

Haenel-Clauß-Straße

Die 1912 angelegte Haenel-Clauß-Straße, im Wohngebiet um den Hepkeplatz gelegen, erinnert an die Wohltäterin und Stifterin Sara Emilie Haenel-Clauß, die aus privaten Mitteln 1889 ein Genesungsheim für arme kranke Kinder finanzierte. Zuvor verlief in diesem Bereich ein Fußweg zwischen Gruna und Striesen, der in alten Stadtplänen als Weg Am alten Landgraben bezeichnet wurde.

Hans-Böheim-Straße

Die Hans-Böheim-Straße, eine kurze Seitenstraße der Krenkelstraße, erhielt ihren Namen nach dem auch als „Pfeifer von Niklashausen“ bekannten Volksprediger und Musikanten Hans Böheim (auch Behem), der von 1458 bis 1476 lebte. Böheim setzte sich für die soziale Gleichheit aller Menschen ein und kritisierte in seinen Predigten Eitelkeit und Gier der herrschenden Adelsklasse. 1476 wurde er als Ketzer auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Vor dem Zweiten Weltkrieg wurde die Straße Stormstraße genannt. Die ersten Wohnhäuser entstanden kurz vor dem Ersten Weltkrieg und weisen teilweise Jugendstilformen auf.

Haydnstraße

Die Haydnstraße wurde Ende des 19. Jahrhunderts als Planstraße H des Striesener Bebauungsplans angelegt und verband die benachbarte Johannstadt mit dem Altstriesener Dorfkern. Ihren Namen erhielt sie nach dem österreichischen Komponisten Joseph Haydn (1732-1809), welcher vor allem durch seine Streichquartette bekannt wurde.

Markantestes Gebäude ist das von Hans Erlwein entworfene Schulhaus (Nr. 49), welches zwischen 1991 und 2004 Sitz des Joseph- Haydn-Gymnasiums war und heute vom Martin-Andersen-Nexö-Gymnasium genutzt wird. Außerdem befindet sich an der Haydnstraße das Gemeindehaus der Johanneskirchgemeinde mit einem Glockendenkmal, welches an die 1945 zerstörte Erlöserkirche erinnert. Im Wohnhaus Haydnstraße 27 wohnte bis zu seinem Tod 1905 der Bildhauer Heinrich Epler (1846-1905). Er war Schöpfer der Plastik “Zwei Mütter” an der Bürgerwiese sowie der Sockel der Fahnenmasten am Neustädter Markt. Auch das Bronzerelief am Altar der Kreuzkirche, welches die Einführung der Reformation in Dresden thematisiert, stammt von seiner Hand. Große Teile seines künstlerischen Nachlasses gingen 1945 bei der Zerstörung seines Wohnhauses verloren.

Hepkeplatz

Der Hepkeplatz trägt ebenso wie die benachbarte Hepkestraße den Namen des Kaufmanns Bernhard Hepke (1837- 1916), der sich auch als Stifter für das Gemeinwohl engagierte. Die Wohnhäuser rund um den Platz entstanden Mitte der Dreißiger Jahre nach Entwürfen der Architekten Taut, Hofmann, Palm und Schmersahl. Hier wurden vorrangig kleine preiswerte Wohnungen für ärmere Familien eingerichtet. Teile der Bebauung an der Flurgrenze zwischen Striesen und Gruna wurden 1945 schwer beschädigt und in der Nachkriegszeit wiederhergestellt.

Foto: Wohnsiedlung Hepkeplatz

Plastik “Mutter mit Kind”: Die vom Bildhauer Ernst Hermann Grämer in den 1930er Jahren geschaffene Figur stand ursprünglich im Hugo-Bürkner-Park an der Dohnaer Straße in Strehlen, musste dort jedoch um 2005 dem Bau eines Regenrückhaltebeckens weichen. 2013 erhielt sie ihren jetzigen Standort am Hepkeplatz. Zuvor hatte auf diesem Sockel seit den 1950er Jahren die ursprünglich aus Niedersedlitz stammenden Plastik „Kniender Frauenakt“ von Hugo Otto Poertzel gestanden. Da der Niedersedlitzer Heimatverein die Rückführung dieser Plastik durchgesetzt hatte, kehrte diese 2012 an ihren früheren Standort zurück.

Hepkestraße

Die Hepkestraße, benannt nach dem Dresdner Kaufmann und Stifter Bernhard Hepke (1837-1916), verläuft im Süden von Striesen in westöstlicher Richtung und bildet die Verbindung zwischen Striesen und dem benachbarten Seidnitz. An der Ecke Hepke-/ Bärensteiner Straße wurden bereits in den Zwanziger Jahren Sportplätze angelegt. Hier fand am 25. August 1925 im damaligen Stadion Ost das erste Fußballspiel zwischen einer deutschen und einer sowjetischen Mannschaft statt. In Erinnerung an dieses Ereignis wurde nach 1945 das Denkmal “Sportler mit Ball” aufgestellt und das Stadion in Stadion der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft umbenannt. Nach 1990 kam die Plastik in Privatbesitz.

Foto: Hepkestraße/ Ecke Enderstraße

Unweit davon befindet sich an der Ecke zur Enderstraße eine Gartensparte. Das zugehörige Spartenheim, heute als öffentliche Gaststätte “Alter Striesener Weg” geführt, entstand in der Nachkriegszeit als Verpflegungsstückspunkt für das Personal der Dresdner Trümmerbahn, welche den Schutt der zerstörten Innenstadt zu Deponien am Stadtrand brachte. Für den Bau des Fundaments fanden noch verwendbare Trümmerziegel Verwendung, die das kleine Gebäude zu einem Zeugnis der Wiederaufbaujahre nach 1945 machen.

Mimosa AG: Das Unternehmen entstand Ende des 19. Jahrhunderts in Köln-Ehrenfeld als “Rheinische Emulsions- Papierfabrik A.-G.” und verlegte 1904 seinen Firmensitz nach Dresden-Reick, 1911 in auf Grunaer Flur errichtete Betriebsgebäude an der Bärensteiner Straße. Ab 1913 firmierte der Betrieb als Mimosa A.G. und gehörte nach dem Zusammenschluss mit weiteren Herstellern um 1920 zu den größten Fotopapier- und Filmherstellern in Deutschland. 1934 wurden die jüdischen Aufsichtsratsmitglieder aus ihrem Amt gedrängt und durch Vertreter der Deutschen Bank ersetzt. Mit Abberufung der kompletten Direktion und Entlassung vieler Mitarbeiter endete 1937 die Arisierung der Firma.

1948 wurde der unzerstört gebliebene Betrieb als VEB Mimosa verstaatlicht und begann nun auch mit der Herstellung von Kleinbildkameras und Fotozubehör. Dieser Produktionszweig blieb jedoch ein kurzes Intermezzo, so dass man sich ab 1951 wieder ausschließlich der Fotopapierherstellung widmete, was 1957 zur Umbenennung in VEB Fotopapierwerk Dresden führte. Unter diesem Namen blieb die Firma bis zur Wende bestehen, wurde dann privatisiert und 1991 geschlossen. Nach erfolgter Sanierung beherbergte der markante Gebäudekomplex (Foto) zwischen 1994 bis 2007 die Verwaltung der AOK Sachsen. 2012 begann der Umbau des denkmalgeschützten Gebäudes für Wohnzwecke.

Heubnerstraße

Die Heubnerstraße entstand in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg im neuerrichteten Wohnviertel rund um den heutigen Stresemannplatz. Otto Leonhard Heubner (1812-1893) gehörte 1849 der provisorischen Regierung an und wurde wegen seiner Teilnahme am Dresdner Maiaufstand zum Tode verurteilt, später jedoch begnadigt. Als Landtagsabgeordneter und Stadtrat setzte er sich für Reformen im Schulwesen ein und war einer der Mitbegründer der deutschen Turnbewegung.

Huttenstraße

Auch die Huttenstraße entstand im Zusammenhang mit dem Aufbau Neustriesens. Der seit 1892 verwendete Name erinnert an den Publizisten und Dichter Ulrich von Hutten (1488-1523), welcher durch seine Epigramme und Streitschriften gegen die Papstkirche bekannt wurde. Als westlichste Straße dieses Viertels wurde sie bis zur Eingemeindung Straße 1 genannt und bildete gleichzeitig die Flurgrenze zur Johannstadt.

Hier befand sich auch die erste Gaststätte dieses Wohnviertels, welche den Namen “Deutsche Eiche” erhielt. Das Gebäude an der Huttenstraße 1 war 1863 als “Bergels Ruh” erbaut und nach 1871 als Gasthof “Kaisergarten” bezeichnet worden. Im Haus Nr. 6 lebte ab 1869 bis zu seinem Tod der sächsische Historiker und Demokrat Carl Eduard Vehse (1802-1870), Verfasser einer mehrbändigen Weltgeschichte und zahlreicher kritischer Schriften zur sächsischen Geschichte. 1945 fielen fast alle Wohnhäuser an der Huttenstraße den Bomben zum Opfer. Zu den wenigen erhalten Bauten der Vorkriegszeit gehört die unter Denkmalschutz stehende Villa Huttenstraße 10 (Foto).

Jacobistraße

Die frühere Straße 9 in Neustriesen erhielt 1892 ihren heutigen Namen Jacobistraße. Namensgeber war der frühere Dresdner Bürgermeister Johann Georg Ferdinand Jacobi (1769-1848), der ab 1806 dem Stadtrat angehörte und 1823 zum Bürgermeister bestimmt wurde. 1836 schied er als letzter regierender Bürgermeister der Stadt aus seinem Amt aus und wurde von einem nach demokratischen Regeln gewählten Amtsnachfolger abgelöst.

Das Straßenbild der Jacobistraße prägen bis heute mehrgeschossige Stadtvillen, welche meist um die Jahrhundertwende entstanden. In einem dieser Häuser (Nr. 26) befand sich von 1912 bis 1921 das Sanssouci-Kino mit ca. 150 Plätzen. Mehrere Baulücken wurden nach 1990 mit Neubauten geschlossen.

 

Fotos: Neue, alte und sanierte Wohnhäuser prägen das Straßenbild der Jacobistraße

Karl-Roth-Straße

Die in den Dreißiger Jahren angelegte Karl-Roth-Straße verdankt ihren Namen dem Darmstädter Architekten Karl Roth (1875-1932), der gemeinsam mit Stadtbaurat Edmund Bräter den Architektenwettbewerb zum Bau des Neuen Dresdner Rathauses gewann. Beide schufen 1905/10 das Rathaus am Dr.-Külz-Ring und wurden später mit Straßen in Striesen geehrt.

Keglerstraße

Die Keglerstraße im Striesener Wohngebiet nördlich des Hepkeplatzes erhielt ihren Namen nach dem Kaufmann und Stifter Hermann Ferdinand Kegler (1838-1870).

Krenkelstraße

Die Krenkelstraße entstand nach 1900 im Zusammenhang mit dem Ausbau der Wohnsiedlung rund um den Walderseeplatz (heute Stresemannplatz). Ihren Namen erhielt sie nach dem Dresdner Privatgelehrten und Stifter Peter Maximilian Krenkel (1839-1901).

Bis heute sind hier zahlreiche Villen aus der Entstehungszeit erhalten geblieben. Sehenswert sind u. a. die Häuser Nr. 7 und Nr. 15 mit interessanten Treppenhausgestaltungen im Jugendstil. Die Krenkelstraße gehört zu den am besten erhaltenen Alt-Striesener Straßenzügen und wurde in den letzten Jahren rekonstruiert. Im Eckhaus Nr. 12 (ehem. “Krenkelhof”) gibt es seit 2005 die ungarische Spazialitätengaststätte “Kakas”.

Kyffhäuserstraße

Die Kyffhäuserstraße wurde als nördlichste West-Ost-Verbindung Neustriesens an der Ortsgrenze zu Blasewitz angelegt und erhielt zunächst die Bezeichnung Straße A. Wie überall in diesem Gebiet war auch hier die offene Bebauung vorgeschrieben, was zur Entstehung einer Reihe architektonisch interessanter Villen und Mehrfamilienhäuser führte. 1892 erhielt diese Straße den Namen Kyffhäuserstraße, der ebenso wie die Bezeichnungen einiger Nachbarstraßen an wichtige Schauplätze und Ereignisse der deutschen Geschichte erinnern sollte.

Nach 1945 wurde die Kyffhäuserstraße nach einem Striesener Arbeiterfunktionär Otto-Galle-Straße genannt, erhielt jedoch 1991 ihren ursprünglichen Namen zurück. Otto Galle, der auf der Kyffhäuserstraße eine Schuhmacherwerkstatt besaß, war nach 1933 im Widerstandskampf aktiv und kam  später in einem Konzentrationslager ums Leben. Interessant ist die historische Ladenausstattung der um 1915 gegründeten Barbarossa-Apotheke, eine der wenigen erhaltenen alten Dresdner Apotheken.

“Kaiser Barbarossa”: An der Ecke Kyffhäuser-/Barbarossastraße (heute Lene-Glatzer-Straße) entstand 1895 das Ballhaus “Kaiser Barbarossa”, welches neben dem “Sächsischen Prinzen” zu den beliebten Striesener Vergnügungsstätten gehörte. 1925 wurde das Lokal geschlossen und als Zigarettenfabrik genutzt. Nach wechselnder gewerblicher Nutzung, zuletzt als Lagerhaus, steht der Gebäudekomplex heute in ruinösem Zustand leer.

APOGEPHA-Arzneimittelwerk: Das Unternehmen wurde 1882 vom Dresdner Apotheker Carl Stephan im Gebäude der heutigen Kronen-Apotheke auf der Antonstraße gegründet. Hier betrieb Stephan zunächst ein Laboratorium, welches er später mit dem Labor der Kronenapotheke vereinigte und unter dem Namen C. Stephan - Fabrik pharmazeutischer Präparate fortführte. Diese Kooperationsgemeinschaft von Forschung, Produktion und Verkauf hatte bis 1913 Bestand.

1919 verlegte der Betrieb seinen Firmensitz nach Striesen, wo sich die Firma auf der Kyffhäuserstraße 27 ansiedelte. Aufsichtsratschef der neu gebildeten Aktiengesellschaft war der bekannte Dresdner Unternehmer Ottomar Heinsius von Mayenburg, Erfinder der “Chlorodont”-Zahncreme. 1931 übernahm die Sächsische Apothekergenossenschaft den seit 1927 zu Mayenburgs Leo-Werken gehörenden Betrieb und führte ihn unter dem Namen APOGEPHA (Apotheker - Genossenschaft für Herstellung und Vertrieb pharmazeutischer Präparate C. Stephan) weiter. 1933 musste das junge Unternehmen jedoch bereits Insolvenz anmelden und wurde im Anschluss vom bisherigen Betriebsleiter Dr. Johannes Starke und dem Leipziger Kaufmann Max Biering übernommen. Beim Luftangriff 1945 kam es zu schweren Schäden an den Produktionsgebäuden, die jedoch bald wieder behoben werden konnten.

Auch nach 1945 blieb die Firma zunächst in Privatbesitz, musste jedoch 1961 eine staatliche Beteiligung aufnehmen und wurde 1972 in einen VEB umgewandelt. Zwischen 1983 und 1990 gehörte sie als Betriebsteil zum Sächsischen Serumwerk. Das 1991 als erstes Pharmaunternehmen der DDR reprivatisierte Unternehmen stellt bis heute verschiedene Arzneimittel, speziell für den urologischen Bereich, her, die auch exportiert werden. Moderne Produktionstätten entstanden 1996 in Dresden- Lockwitz.

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Laubestraße

Die Laubestraße wurde nach 1900 angelegt und in der Folgezeit mit Wohnhäusern bebaut. Zu den wichtigen Industriebetrieben, die sich hier nach dem Ersten Weltkrieg ansiedelten, gehörte die Zigarettenfirma Lande. 1932 übernahm die Orientalische Tabak- und Zigarettenfabrik “Yramos” das Gebäude, welches 1945 zerstört wurde.

Lene-Glatzer-Straße

Die Lene-Glatzer-Straße wurde Ende des 19. Jahrhunderts angelegt und verbindet die Platzanlagen des Barbarossaplatzes mit dem Friedensplatz in Blasewitz. Nach dem legendären deutschen Kaiser erhielt sie 1892 den Namen Barbarossastraße. Die als “militaristisch” betrachtete Straßenbezeichnung wurde 1945 aufgehoben und die Straße nach einer antifaschistischen Widerstandskämpferin in Lene-Glatzer-Straße umbenannt. Auch der angrenzende, mittlerweile rückbenannte, Barbarossaplatz erhielt diesen Namen. Lene Glatzer (1902-1935) war ab 1921 Mitglied der KPD und gehörte ab 1926 dem Sächsischen Landtag an. Am 31. Januar 1935 wurde sie beim Versuch, illegale Schriften zu schmuggeln, von der Gestapo verhaftet und wenige Tage später tot in ihrer Zelle aufgefunden. 

In die Lene-Glatzer-Straße ist heute auch der auf Blasewitzer Flur liegende Teil der früheren Preußen-Allee einbezogen. Bis zur Eingemeindung von Blasewitz 1921 wurde dieser Abschnitt Sachsen-Allee genannt. Im Wohnhaus Nr. 4 lebte zeitweise der Komponist Reinhold Becker. Von den zahlreichen Villenbauten der Straße ist vor allem die Nr. 23 bemerkenswert, die 1874 erbaut wurde und zu den qualitätvollsten Neorenaissancebauten in Striesen/Blasewitz gehört.

Löscherstraße

Die heutige Löscherstraße wurde nach 1860 als Straße 3 angelegt und nach der Eingemeindung des Ortes umbenannt. Ihren Namen verdankt sie dem Theologen Valentin Löscher (1674-1749), der 1709 vom Rat der Stadt Dresden zum Superintendenten berufen wurde. Während seiner Amtszeit entstanden so bedeutende Kirchenbauten wie die Dreikönigs-, die Matthäus- und die Frauenkirche.

Foto: Blick in die Löscherstraße

An der Kreuzung Löscherstraße / Teutoburger Straße befindet sich ein historischer Weichbildstein, welcher einst der Markierung der städtischen Flurgrenze diente. Der Stein aus dem Jahr 1729 trägt nebem dem Stadtwappen die Nr. 7 und gehörte seit 1911 zum Bestand des Stadtmuseums. 1993 wurde er in der Nähe seines ursprünglichen Standortes wieder aufgestellt.

Merseburger Straße

Die Merseburger Straße an der Westseite des alten Dorfkernes gehört zu den ältesten Striesener Straßen und bildete den Ausgang vom Dorfkern in Richtung Stadt. In diesem Bereich wird der ursprüngliche Standort des Vorwerkes vermutet, welches 1310 erstmals erwähnt wurde. Später gehörte es als sogenanntes Allodialgut der Familie Große. Die kleinen Bauernhäuser dienten vor 1945 meist Wohn- und Gewerbezwecken und fielen den Bomben zum Opfer. 2003 wurde im Wohnhaus Nr. 1 die jüdisch-orthodoxe Chabad-Lubawitsch-Synagoge eröffnet. Seit 2008 hat die Glaubensgemeinschaft ihren Sitz auf der Tiergartenstraße 82.

Mosenstraße

Die Mosenstraße wurde Ende des 19. Jahrhunderts angelegt und nach dem Lyriker, Dramatiker und Erzähler Julius Mosen (1803-1867) benannt.

Müller-Berset-Straße

Die Müller-Berset-Straße im Westteil Striesens verdankt ihren Namen der Wohltäterin Marie Berset, geborene Müller (1815-1898), welche Ende des 19. Jahrhunderts eine Erziehungsanstalt stiftete.

Niederwaldstraße

Die Niederwaldstraße in Verlängerung der heutigen Kyffhäuserstraße wurde im ersten Striesener Bebauungsplan von 1860 als Straße A ausgewiesen und bis zur Jahrhundertwende mit Villen bebaut. Der Name entstand 1892 in Anlehnung an das Niederwalddenkmal, welches an die Einigungskriege und die Gründung des Deutschen Reiches 1870/71 erinnert. Hier sind noch zahlreiche Gebäude unterschiedlicher Stilrichtungen erhalten, die heute unter Denkmalschutz stehen. Zu diesen gehören die 1887 an der Ecke zur Altenberger Straße erbaute “Villa Detroit” (Foto), die “Turmvilla” am Niederwaldplatz sowie das auch als “Löwenkopf- Palais” bezeichnete Mietshaus Niederwaldstraße 37. Im Haus Nr. 10 befand sich bis 1990 die bekannte Striesener Weinstube “Rebstock”. Im Wohnhaus Nr. 7 lebte viele Jahre der Bildhauer Martin Engelke, der u.a. die Plastik der “Gustel von Blasewitz” am Blasewitzer Rathaus schuf.

Villa Detroit (Niederwaldplatz 1): Die im Stil eines amerikanischen Landhauses gestaltete Villa bildet den südlichen Abschluss des Niederwaldplatzes und entstand 1887 für den Opernsänger Charles Robertson (eigentlich Robert Luderer). Mit der äußeren Gestaltung wollte er seine Zuneigung zu Amerika zum Ausdruck bringen. Das villenartige Mietshaus ist bis heute fast unverändert erhalten und steht unter Denkmalschutz. Eine umfassende Sanierung erfolgte 2012.

Paul-Gerhardt-Straße

Die Paul-Gerhardt-Straße entstand im Zuge des Ausbaus der Villenviertel von Neustriesen als Straße Nr. 2. Ebenso wie bei den Nachbarstraßen sollte mit der 1892 eingeführten Namensgebung an einen bedeutenden Vertreter des Protestantismus erinnert werden. Paul Gerhardt (1607-1676) war als Prediger ein eifriger Vertreter der lutherischen Lehre und wurde als Verfasser und Sänger zahlreicher Kirchenlieder bekannt.

Markantestes Gebäude der Straße war bis zur Zerstörung 1945 die Erlöserkirche an der Ecke zur Wittenberger Straße. Im Wohnhaus Nr. 18 befand sich vor 1945 die Gaststätte “Kommunschank”, in der sich am 27. Januar 1881 der Männer- Gesangsverein zu Striesen gründete. Dieser Chor vereinigte sich 1946 mit weiteren Gesangsvereinen aus Striesen, Blasewitz und Neugruna und besteht bis heute als Männerchor Striesen e.V. 2006 entstand auf der Paul-Gerhard-Straße 21 die Kindertagesstätte “Gänseblümchen” nach einem Entwurf des Architekten Ulf Zimmermann, der für seinen Entwurf 2008 den Erlweinpreis der Stadt Dresden erhielt. Am 1. Juni 2007 wurde das moderne Gebäude eröffnet und bietet Platz für ca. 75 Mädchen und Jungen.

Pohlandstraße

Pohlandstraße und Pohlandplatz verdanken ihren Namen dem früheren Dresdner Bürgermeister Carl Christian Pohland, der von 1814 bis 1832 im Amt war. Auch diese Straße war bereits im ersten Bebauungsplan von 1860 als Straße 10 ausgewiesen. Der als Grünfläche gestaltete dreieckige Pohlandplatz (Foto) bildet bis heute einen wichtigen Verkehrsknotenpunkt an der Schandauer Straße.

Die Gebäude entstanden Ende des 19. / Anfang des 20. Jahrhunderts in typischen Striesener Bauformen und beherbergten in den Hinterhöfen teilweise kleinere Gewerbebetriebe. So gehörte das 1906 vom Architekten P. Hahn errichtete landhausartige Gebäude Pohlandstraße 19 einst dem Besitzer der Schuhfabrik Mücklisch, welche im hinteren Teil des Grundstücks Nr. 17 ihre Produktionsräume hatte. Nach erfolgter Sanierung 1993 wurde im Haus eine kleine Kunstgalerie eingerichtet. Außerdem hat hier die Bundesknappschaft ihren Dresdner Sitz. Gegenüber befindet sich seit einigen Jahren die Gaststätte “Striesener Kanzlei” (Nr. 18).

Prinzengäßchen

Das Prinzengäßchen in unmittelbarer Nähe des Dorfkernes Altstriesen erhielt seinen Namen nach der beliebten Gaststätte “Zum Sächsischen Prinzen”, die 1756 in einem Striesener Bauerngehöft entstanden war. Hier tagte früher auch der Gemeinderat des Dorfes. Nach einem Umbau 1889 entwickelte sich das 1945 zerstörte Lokal zu einem beliebten Versammlungs- und Tanzlokal. In der Nachkriegszeit wurde die Straße überbaut und ist heute nicht mehr benannt.

Rosa-Menzer-Straße

Die heutige Rosa-Menzer-Straße gehört zu den ältesten Striesener Straßen und trug vor 1945 den Namen Markgraf- Heinrich-Straße. Hier befanden sich bis zur Zerstörung einige Gehöfte des Striesener Dorfkerns, von denen jedoch keines erhalten geblieben ist. Nach 1945 wurde die Straße nach der jüdischen Antifaschisten Rosa Menzer benannt. Rosa Menzer (1886-1942) gehörte der KPD an und wurde 1942 ein Opfer des Nationalsozialismus. Ihre Wohnung auf der Markgraf- Heinrich-Straße war während der Nazizeit ein Treffpunkt Striesener Antifaschisten.

Rudolf-Mauersberger-Straße

Die heutige Rudolf-Mauersberger-Straße wurde nach 1900 als Zeschaustraße angelegt und bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges mit Wohnhäusern bebaut. Mit der Benennung sollte an den früheren sächsischen Außenminister Heinrich Anton von Zeschau (1789-1870) erinnert werden, der im 19. Jh. viele Jahre dem Kabinett von Könneritz angehörte. In den 70er Jahren erhielt die Straße ihren heutigen Namen nach dem Kreuzkantor Rudolf Mauersberger (1889-1971). Mauersberger wurde 1930 zum Leiter des berühmten Knabenchores bestimmt und übte dieses Amt bis zu seinem Tode aus. Großen Anteil hatte er am Wiederaufbau des musikalischen Lebens in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg und wurde dafür mehrfach geehrt (ab 1950 Ehrenbürger Dresdens).

Schandauer Straße

Schellerhauer Weg

Die im Zuge der Neubebauung des Geländes des früheren Heizkraftwerkes an der Zinnwalder Straße angelegte Erschließungsstraße erhielt im Oktober 2008 den Namen Schellerhauer Weg. Namensgeber ist der kleine Erholungsort Schellerhau im Osterzgebirge. Bis 2009 entstanden hier mehrere Einfamilien- und Reihenhäuser.

Sickingenstraße

Die Sickingenstraße in der Nähe des Hüblerplatzes wurde mit dem Ausbau Neustriesens angelegt und bis zum Ersten Weltkrieg mit Villen bebaut. Im Haus Nr. 5 wohnte ab 1915 die Familie Kowarzik. Sohn Victor, der hier seine Jugend verbrachte, wurde später unter dem Namen Victor de Kowa als Filmschauspieler bekannt und war nach 1945 auch als Regisseur tätig. Interessante Jugendstilmalereien lassen sich im Eingangsbereich der Mietsvilla Sickingenstraße 3 finden.

Spenerstraße

Die Spenerstraße wurde gemäß dem Striesener Bebauungsplan von 1860 als 5. Straße angelegt und nach der Eingemeindung des Stadtteils 1892 umbenannt. Ihren Namen verdankt sie dem evangelischen Theologen Philipp Jacob Spener (1635-1705). Als Wissenschaftler befasste er sich mit Genealogie und Wappenkunde und erwarb sich als Begründer der wissenschaftlichen Heraldik große Verdienste.

Um 1880 befand sich auf dem Grundstück Spenerstraße 12 die Schmiedewerkstatt Heinrich Moritz Mädlers. Als Wagenbauer und Hufschmied war Mädler ab 1884 für das Beschlagen der Pferde der Dresdner Straßenbahn verantwortlich. An ihn erinnern bis heute einige historische Kanaldeckel mit der Aufschrift “H. Mädler, Dresden-Strießen” auf der Spener- und der Regerstraße.

 Im Wohnhaus Spenerstraße 13 wurde 1906 der Politiker Herbert Wehner geboren. Wehner schloss sich in den Zwanziger Jahren der KPD an, wechselte jedoch nach 1945 zur SPD. Als späterer Fraktionsvorsitzender der Partei und Minister in der Regierung Willy Brandts gehörte er zu den einflussreichsten Politikern der Nachkriegszeit. Wehner Geburtshaus fiel 1945 den Bomben zum Opfer und wurde in den 60er Jahren durch einen Wohnblock ersetzt. Hier wurde 1999 eine Gedenktafel für den 1990 verstorbenen Politiker angebracht (Foto rechts). Unweit davon erinnert ein von Peter Bergmann geschaffenes Denkmal an ihn.

Versorgungskontor für Maschinenbauerzeugnisse: Architektonisch bemerkenswert ist das Lagerhaus des ehemaligen Versorgungskontors für Maschinenbauerzeugnisse an der Spenerstraße 35. Der achtgeschossige Industriebau entstand zwischen 1962 und 1964 nach Plänen von Lothar Schendel und Herbert Schwenke. Gestalterisch orientiert er sich am sogenannten “internationalen Stil” und stellt dadurch ein wichtiges Zeugnis der DDR-Industriearchitektur dieser Zeit dar. Das Haus wurde in Stahlskelettbauweise mit speziell verstärkten Stahlbetondecken errichtet, um eine hohe Belastbarkeit der Decken zu ermöglichen. Die Fassade ist mit Giebelplatten aus Sichtbeton gestaltet und durch eingesetzte Stahlfensterbänder horizontal gegliedert, um eine bessere Wirkung der Gesamtfassade zu erreichen. An der Südseite des Gebäudes befinden sich zwei risalitartige Treppenhäuser, welche zugleich auch Verwaltungs- und Sozialräume aufnahmen.

Foto: Das Lagerhaus des Versorgungskontors für Maschinenbauerzeugnisse um 1965 (Wikipedia / Richard Peter)

Spittastraße

Die Spittastraße wurde im Zusammenhang mit dem Ausbau Neustriesens angelegt und später nach dem Theologen Carl Johann Philipp Spitta benannt. Spitta war auch als Dichter tätig und verfasste zahlreiche evangelische Kirchenlieder.

Stresemannplatz

Der Stresemannplatz wurde 1905 als Mittelpunkt eines aus acht Straßen bestehenden sternförmigen Straßennetzes angelegt und erhielt zunächst den Namen Walderseeplatz. Mit dieser Namensgebung sollte des preußischen Generals Alfred Graf von Waldersee (1832-1904) gedacht werden, der bis 1891 Generalstabschef Wilhelm II. war. Die Gebäude um den Platz entstanden 1905 bis 1910 und weisen zum Teil Schmuckformen im Jugendstil auf.

In der Nachkriegszeit erhielt der Platz den Namen des Schriftsteller Johannes R. Becher (1891-1958). Becher gilt als einer der wichtigsten Vertreter des sozialistischen Realismus in der Literatur und schuf u. a. den Text der früheren DDR-Nationalhymne. Nach 1990 wurde der Johannes-R.-Becher- Platz erneut umbenannt und trägt heute die Bezeichnung Stresemannplatz. Gustav Stresemann (1878-1929), studierter Nationalökonom, lebte ab 1901 in Dresden und war hier in verschiedenen Funktionen in Industrieverbänden tätig. 1920 wurde er zum Reichskanzler gewählt und erhielt für seine Verdienste um eine friedliche Nachkriegsordnung in Europa 1926 den Friedensnobelpreis.

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Teutoburgstraße

Mit Errichtung des ersten Wohnhauses an der heutigen Teutoburgstraße (Nr. 2) begann 1856 die Wandlung Striesens vom Bauerndorf zum repräsentativen Dresdner Wohnvorort. Ursprünglich wurde dieses Gebiet abseits des Ortskerns “auf dem Sande” genannt, bevor sich der Name Neustriesen durchsetzte. Die neuen Straßen wurden zunächst nach amerikanischem Vorbild mit Ziffern und Buchstaben bezeichnet, bevor sich später Straßennamen durchsetzten. Dabei wurden bevorzugt geographische Namen aus der deutschen Geschichte gewählt. In diesem Zusammenhang erhielt die frühere Straße A 1892 den Namen Teutoburgstraße. Das nach seinem Erbauer Karl Friedrich Adam “Adams Ruh” genannte erste Wohnhaus (Teutoburgstraße 4) wurde 1945 zerstört.

Tittmannstraße

Die Tittmannstraße wurde als Straße 4 des Stadtteils Neustriesen angelegt und bis zur Jahrhundertwende mit repräsentativen Wohnhäusern bebaut. Leider fiel ein Großteil der Gebäude 1945 dem Luftangriff zum Opfer. Ihren Namen erhielt sie 1893 nach dem früheren Superintendenten der Kreuzkirche Carl Christian Tittmann (1744-1820), der auch als Schriftsteller tätig war und verschiedene historische Werke verfasste.

Nr. 8: Im Wohnhaus Tittmannstraße 8 wohnte bis zur Zerstörung 1945 der Dresdner Kunstwissenschaftler Fritz Löffler, der vor allem durch sein Buch “Das alte Dresden” bekannt wurde. Mit den Wohngebäuden verbrannte beim Luftangriff auch seine bedeutende Kunstsammlung mit Werken zahlreicher zeitgenössischer Künstler.

Nr. 18-20: Das Gebäude entstand 1955 als Wohnheim für die in der nahegelegenen Medizinischen Akademie beschäftigten Krankenschwestern. Im Inneren befanden sich ursprünglich 145 Wohneinheiten, welche über einen durchgehenden Verbindungsflur zwischen den drei Treppenaufgänge zu erreichen waren. Hinzu kamen mehrere Aufenthaltsräume sowie Gemeinschaftsküchen und -bäder.  Die Fassade und die Foyers und Treppenhäusern wurden mit Relieftafeln und plastischem Schmuck ausgestaltet, welcher Bezug auf die Nutzung des Hauses durch Krankenschwestern nahm. Nach Schließung des Schwesternwohnheimes erwarb 2006 eine Immobiliengesellschaft das Gebäude und ließ es unter Beachtung denkmalpflegerischer Auflagen 2008/09 zu Eigentumswohnungen umbauen.

Nr. 21: Das Gebäude wurde 1869 als Schulhaus des Ortes erbaut und ab 1875 als Gemeindeamt genutzt. Hier waren u.a. das Standesamt, das Einwohneramt, die Steuer- und Schulgeldeinnahme sowie eine Polizeidienststelle untergebracht. Zwischen 1876 und 1882 diente es zugleich als Post- und Telegraphenamt sowie ab 1877 als Zweigstelle der Sparkasse. Mit der Eingemeindung des Ortes übernahm 1892 die Stadt Dresden das Gebäude und nutzte es bis zur Zerstörung 1945 als Stadtteilrathaus.

Tzschimmerstraße

Die Tzschimmerstraße, im östlichen Teil Striesens gelegen, verdankt ihren Namen dem früheren Dresdner Bürgermeister Gabriel Tzschimmer (1629-1694). Neben seiner Tätigkeit im Rat war Tzschimmer auch als Chronist tätig und verfasste eine Reihe historischer Darstellungen zur Geschichte seiner Heimatstadt. Die Gebäude entstanden meist im Zeitraum zwischen 1900 und dem Beginn des Ersten Weltkrieges. Im Wohnhaus Nr. 19 verbrachte zwischen 1904 und 1910 die Malerin Elfriede Lohse-Wächtler ihre Kindheit. 1911 verzog die Familie auf die benachbarte Voglerstraße.

Voglerstraße

Die Voglerstraße im Osten von Striesen, ursprünglich als 15. Straße angelegt, wurde 1892 nach dem früheren Dresdner Bürgermeister Christoph Heinrich Vogler benannt. Vogler gehörte zwischen 1693 und 1744 dem Stadtrat an und war mehrfach amtierender Bürgermeister. 1746 verstarb er in seiner Heimatstadt. Die meisten Gebäude wurden Ende des 19. Jahrhunderts als Mietshäuser in offener Bauweise errichtet. Zu den architektonisch interessantesten Bauten gehört Nr. 12 mit zahlreichen Stilelementen und plastischem Schmuck der Renaissancezeit. Einige Baulücken wurden nach 1990 mit modernen Stadtvillen geschlossen.

Im Haus Voglerstraße 15 (Foto) wohnte ab 1911bis 1914 die Malerin Elfriede Lohse-Wächtler (1899-1940), die in den Zwanziger Jahren der Künstlergruppe um Otto Dix und Conrad Felixmüller angehörte. Die gesundheitlich angeschlagene Künstlerin kehrte 1931 in ihr Elternhaus in Striesen zurück und verbrachte ihre letzten Lebensjahre in der Psychatrischen Klinik Arnsdorf. 1940 wurde sie in der Anstalt Pirna-Sonnenstein Opfer des Euthanasieprogramms der Nazis. Seit 2001 erinnert eine Gedenktafel am Wohnhaus an sie.

Wartburgstraße

1892 erhielt auch die Wartburgstraße, zuvor als Straße E in den Stadtplänen ausgewiesen, ihren heutigen Namen, wobei die historisch bedeutende Wartburg bei Eisenach Pate stand. Bereits 1874 war hier ein neues Striesener Schulhaus entstanden. Das Gebäude (Nr. 23) an der Ecke zur Tittmannstraße diente später als Kinderbewahranstalt, ab 1907 als Gemeindeamt und Sitz der Ortssparkasse. Hier wurde am 1. Juni 1892 auch der Eingemeindungsvertrag zwischen Dresden und der Gemeinde Striesen unterzeichnet. Nach 1945 nutzte der VEB Technische Gebäudeausrüstungen das Haus. 2008/09 erfolgte eine umfassende Sanierung und der Umbau zum Wohnhaus.

 

Fotos: Blick in dieWartburgstraße um 1910 und im Jahr 2006

Wittenberger Straße

Die frühere Striesener Straße D erhielt 1892 den Namen Wittenberger Straße, mit dem an die frühere Wirkungsstätte Martin Luthers erinnert werden sollte. Auch die benachbarte Wartburgstraße und die Wormser Straße stehen mit dem Reformator in Verbindung. Bereits 1878 war an der Wittenberger Straße die Erlöserkirche entstanden, die jedoch 1945 den Bomben zum Opfer fiel. Eine weitere wichtige kirchliche Einrichtungen ist mit dem Kapellknabeninstitut, Unterkunft des Knabenchores der Hofkirche, in den Räumen des früheren Vinzentiusstiftes untergebracht (Nr. 88).

Trotz einiger kriegsbedingter Baulücken bietet die Wittenberger Straße bis heute ein weitgehend intaktes Straßenbild der Gründerzeit. Viele der in offener Bauweise errichteten Mehrfamilienhäuser stehen unter Denkmalschutz und wurde nach 1990 saniert. Beliebte Gaststätten sind das Schankhaus “1900” im Stil der Gründerzeit (Nr. 76), das französische Feinschmeckerrestaurant “La Fourchette” (Nr. 87) und die in einer früheren Kantine 1991 entstandene Kneipe “Max” (Nr. 49). 2010 wurde diese von neuen Betreibern übernommen und unter dem Namen “Sophie M.” nach der französischen Filmschauspielerin Sophie Marceau weitergefühtz. Heute befindet sich hier das Restaurant “Vincent”.

Bereits vor 1945 gab sich im Eckhaus zur Pohlandstraße das Arbeiterlokal  “Pohlandgarten”, in dessen Räumen nach 1945 eine Verkaufsstelle eingerichtet wurde. Eine der interessantesten Innenraumgestaltungen Striesens findet sich im Treppenhaus des Mietshauses Wittenberger Straße 62. Derartige aufwendige Wand- und Deckengemälde gab es früher in vielen Striesener Wohnhäusern. Diese sollten den Wohlstand ihrer Bauherren und Bewohner verdeutlichen.

Wormser Straße

Die Wormser Straße entstand im 19. Jahrhundert und erhielt 1892 den Namen der Stadt Worms, die eng mit der Person Martin Luthers verbunden ist. Bis 1813 befanden sich im Gebiet Wormser / Huttenstraße vier Windmühlen, die 1813 durch französische Soldaten niedergebrannt wurden. Im Zuge des Ausbaus der Johannstadt und der benachbarten Wohnviertel Striesens wurden auch hier Mehrfamilienhäuser in offener Bauweise errichtet. Im westlichen Abschnitt folgten in den 1920er und 1930er Jahren mehrgeschossige Wohnblocks (Foto) . Bereits 1910-12 hatte der Dresdner Spar- und Bauverein zwischen Wormser und Holbeinstraße die “Rudolf-Schilling-Häuser” errichtet. Im Innenhof der kleinen Wohnanlage gab es neben Kinderspielplätzen und Grünflächen auch eine eigene Wäscherei sowie gemeinsame Brause- und Wannenbäder für die Mieter, damals noch ein Novum in Dresden.

Am 1. April 1904 bezog das 1898 gegründete Säuglingsheim Dresden-Johannstadt neue Räume auf der Wormser Straße 4. Die vom Kinderarzt Arthur Schloßmann gegründete Einrichtung war erste Säuglingsklinik der Welt und setzte neue Maßstäbe auf dem Gebiet der Neugeborenenmedizin. 1907 übernahm die Stadt Dresden die Klinik, die 1945 zerstört wurde. Einige Straßen weiter befand sich bis zur Zerstörung die Teefabrik Willi Schlüter (Nr. 30), in der 1942/45 der bekannte jüdische Sprachwissenschaftler Victor Klemperer als Zwangsarbeiter tätig war.

Zinnwalder Straße

Die Zinnwalder Straße befindet sich im Osten von Striesen und verbindet Lauensteiner und Altenberger Straße. Benannt wurde sie nach dem kleinen Erholungsort Zinnwald am Kamm des Osterzgebirges. Auf dem Gelände eines nach 1990 stillgelegten Heizkraftwerkes wurde 2007 mit dem  Bau einer Wohnsiedlung begonnen. Hier entstanden sowohl Einzel- als auch Doppel- und Reihenhäuser.

 


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