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Die Ankerstraße im westlichen Teil des Ortes entstand im Zusammenhang mit der Bebauung von Neutolkewitz. Der Name erinnert an die ehemals hier befindliche Gastwirtschaft “Zum Anker” an der Wehlener Straße 26.
Foto: historische Ansicht der Tolkewitzer Gastwirtschaft “Zum Anker”
Im Haus Bellingrathstraße 2 befand sich ab 1905 für einige Jahre das erste Tolkewitzer Postamt. Das repräsentative Eckgebäude (Nr. 1) beherbergte seit 1901 die Gaststätte “Sachsen-Hof”. Die Bockemühlstraße wurde erst nach 1990 in der Nähe des Tolkewitzer Straßenbahnhofes angelegt und erhielt 2001 den Namen des Verkehrsexperten und Technikers Alfred Bockemühl (1896-1992). Bockemühl entwickelte in den 20er Jahren die legendären Hecht-Straßenbahnwagen und war nach 1945 einige Jahre Direktor der Dresdner Verkehrsbetriebe.
Die zum größten Teil auf Laubegaster Flur verlaufende Donathstraße trug bis zur Eingemeindung des Ortes den Namen Seidnitzer Straße. Um Verwechslungen vorzubeugen, wurde sie später in Donathstraße umbenannt. Der Name erinnert an die Brüder Carl Christian Rinaldo (1823-1897) und Christian Hermann Donath (1833-1909) . Beide kauften 1872 den alten Tolkewitzer Gasthof und bauten diesen zum Vergnügungslokal Donaths Neue Welt aus. Hermann Donath war außerdem als Fotograf tätig und erwarb später die Kelterei Lockwitzgrund. Die über Tolkewitzer und Striesener Flur führende Straße geht auf einen alten Verbindungsweg zwischen beiden Orten zurück, welcher einst als Schwarzer Weg bezeichnet wurde. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts siedelten sich hier mehrere Landschaftsgärtnereien an. Im Zuge der Bebauung der Fluren wurde auch dieser Weg ausgebaut und erhielt den Namen Bismarckstraße. Wenig später entstanden die ersten Wohnhäuser (Foto).
Um Verwechslungen mit gleichnamigen Straßen in anderen Stadtteilen zu vermeiden, wechselte die Namensgebung nach der Eingemeindung von Tolkewitz
in Zeunerstraße. Mit dieser sollte der als Professor für Mechanik am Polytechnikum tätige Techniker Gustav Zeuner (1828-1907) geehrt werden. Da es jedoch bereits im neuen “Hochschulviertel” in der Südvorstadt
eine Zeunerstraße gab, entschloss man sich in den Dreißiger Jahren zu einer erneuten Umbenennung in Kipsdorfer Straße. Der kleine Ort im Osterzgebirge ist beliebter Kur- und Erholungsort und Endpunkt der Weißeritztalbahn. Die Mitte der Zwanziger Jahre im Zusammenhang mit dem Bau einer genossenschaftlichen Wohnsiedlung angelegte Knappestraße verdankt ihren Namen Carl Joseph Knappe (1847-1922). Knappe war ein Förderer des gewerblichen Genossenschaftswesens und gilt als Vorreiter der modernen Wohnungsgenossenschaften.
Noch kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges entstand an der Lewickistraße 11-21 eine
Reihenhausanlage, welche jedoch nicht mehr fertig gestellt werden konnte. 1927-1930 errichtete die Wohnungsbaugenossenschaft für Handwerk, Handel und Gewerbe in Dresden und Umgebung e.G.m.b.H. ein
größeres Wohngebiet mit Mehrfamilienhäusern (Foto). An die Gründer dieser Genossenschaft, Baurat Martin William Axt und
Architekt Otto Reinhardt erinnern bis heute Plastiken an den Hofeingängen an der Ecke Theodorstraße. 1945 wurde die
Wohnanlage durch Bomben erheblich beschädigt, konnte jedoch bis 1957 wieder aufgebaut werden. 2009 wurden auch die Bauten einerer ehemaligen Hutfabrik (Nr. 41) zu modernen Loftwohnungen umgebaut. Ebenso wie ihre Nebenstraßen wurde auch die Nagelstraße während der Erschließung der Flächen östlich der Marienberger Straße kurz vor dem Ersten Weltkrieg angelegt. Ursprünglich wurde sie als Südstraße, später als Fabrikstraße bezeichnet. Bei der Umbenennung in den Zwanziger Jahren knüpfte man an eine nach der Eingemeindung von Tolkewitz entstandene Tradition an, neue Straßen nach verdienstvollen Professoren der TH zu benennen. Christian August Nagel (1821-1893) war als Professor für Geodäsie tätig und leitete einige Jahre den Mathematisch-Physikalischen Salon. An sein Wirken als Vermessungstechniker erinnert die “Nagelsche Säule” im Ortskern von Unkersdorf. Zwischen 1927 und 1930 entstand an der Nagelstraße eine in den letzten Jahren sanierte genossenschaftliche Wohnanlage. Weitere Wohnblocks wurden zwischen 1960 und 1963 in Richtung Knappestraße erbaut. Die Rittershausstraße, eine kleine Nebenstraße der Wehlener Straße in der Nähe des Straßenbahnhofes, erhielt ihren Namen nach dem Elektrotechniker Trajan Rittershaus (1843-1899), der zu den Lehrkräften der Technischen Hochschule gehörte.
Zu den markanten Gebäuden der Salbachstraße gehört neben der 1951 eingeweihten Bethlehemkirche das Tolkewitzer Schulhaus, welches heute von der 44. Grundschule genutzt wird. Die Schaufußstraße wurde Ende des 19. Jahrhunderts im Zusammenhang mit der Bebauung dieses Gebietes mit Wohnhäusern angelegt. Hier verläuft die Flurgrenze zwischen den Stadtteilen Neugruna und Tolkewitz. Ursprünglich wurde das Stadtviertel, welches sich einst im Besitz von Seidnitzer Bauern befand, Neuseidnitz genannt. Im Eckhaus zur Wehlener Straße befand sich viele Jahre die Gaststätte “Wehlener Hof”. 1990 wurde in deren Räumen die nach einem Film benannte Szenekneipe “Cholera” eingerichtet, die zu den ersten ihrer Art in Dresden gehörte, mittlerweile jedoch wieder geschlossen hat.
In den Gasträumen befand sich neben Haltestellenschildern, Sitzbänken und anderem Straßenbahnzubehör
auch eine Sammlung von Schaffnermützen aus aller Welt. Im Garten fand ein Straßenbahntriebwagen von 1898 Aufstellung. Der Keller des Hauses war im U-Bahn-Stil als Kellerbar “U 6” gestaltet. Im Januar
2003 schloss die “Linie 6” ihre Pforten. Das Inventar sowie die historische Straßenbahn wurden 2005 verkauft und sind seit Mai 2008 in der Gaststätte “Anno 1900” am Neumarkt in der Dresdner Innenstadt
zu sehen. Das Gebäude in Tolkewitz dient heute Wohnzwecken.
Die in den Zwanziger Jahren angelegte Schultze-Delitzsch-Straße erinnert an den Politiker Hermann Schultze-Delitzsch (1808-1883). Schulze-Delitzsch war im 19. Jahrhundert im Staatsdienst tätig und gehörte 1848 der Nationalversammlung an. Ein Jahr später rief er in Delitzsch eine Schuhmachergenossenschaft ins Leben und war damit Begründer des deutschen Genossenschaftswesens. Auf seine Initiative entstanden in Sachsen die ersten genossenschaftlichen Zusammenschlüsse von Kleinunternehmen und Handwerksbetrieben. Außerdem gilt er durch die von ihm initiierten Spar- und Konsumvereine als “Vater” der Sparkassen. Auch die Ende der Zwanziger Jahre zu beiden Seiten der Schulze-Delitzsch-Straße entstandenen Wohnhäuser gehen auf eine nach seinen Grundsätzen tätige gemeinnützige Genossenschaft zurück. In zwei Bauabschnitten errichtete die Wohnungsbau- Genossenschaft für Handwerk, Handel und Gewerbe e.G.m.b.H. zwischen 1927 und 1930 mehrgeschossige Wohnblocks in Anklängen an den Bauhausstil.
Fotos: Wohnanlage an der Schulze-Delitzsch-Straße Die Ende des 19. Jahrhunderts in Neutolkewitz angelegte Theodorstraße verdankt ihren Namen dem früheren Tolkewitzer Ziegeleibesitzer Theodor Zschimmer, der hier ein Grundstück besaß. Im Haus Nr. 2 befand sich einst die 1901 von Michael Sturm eröffnete Gastwirtschaft “Lindenhof”. Unweit davon besaßen einst die Balda-Kamerawerke ihre Produktionshallen. Die Südseite der Theodorstraße wird von einer um 1930 entstandenen genossenschftlichen Wohnanlage eingenommen. Die Toeplerstraße wurde um 1900 als östlicher Abschluss der Wohnsiedlung an der Marienberger Straße angelegt. Bis zur Eingemeindung von Tolkewitz hieß diese Straße Albertstraße. Der heutige Name erinnert an den Physiker August Josef Ignaz Toepler (1836-1912), der zwischen 1876 und 1900 an der Technischen Hochschule als Professor für Experimentalphysik lehrte und mit seinen Vorlesungen zum Weltruf dieser Einrichtung beitrug. Sein Grab befindet sich auf dem Tolkewitzer Johannisfriedhof.
Die ursprünglich nach dem benachbarten Ort Dobritzer Straße genannt Straße wurde Ende des 19. Jahrhunderts angelegt und nach der Eingemeindung von Tolkewitz in Wilischstraße umbenannt. Ihren Namen verdankt sie dem 476 Meter hohen Berg Wilisch (= Wolfsberg), einem erloschenen Vulkan in der Nähe von Kreischa. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg gründete der Unternehmer Max Baldeweg auf der Wilischstraße seine Kamerafabrik, die unter dem Namen Balda-Werk zu den zahlreichen Dresdner Herstellern von Kameras und Messgeräten gehörte. 1963 wurde an der Wilischstraße ein kleines Neubaugebiet mit insgesamt ca. 520 Wohnungen angelegt.
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