Straßen und Plätze in Tolkewitz


Alttolkewitz

 

Ankerstraße

Die Ankerstraße im westlichen Teil des Ortes entstand im Zusammenhang mit der Bebauung von Neutolkewitz. Der Name erinnert an die ehemals hier befindliche Gastwirtschaft “Zum Anker” an der Wehlener Straße 26.

Foto: historische Ansicht der Tolkewitzer Gastwirtschaft “Zum Anker”

Bellingrathstraße

Die Bellingrathstraße, eine kurze Verbindungsstraße zwischen Wehlener und Marienberger Straße, erhielt ihren heutigen Namen erst nach der Eingemeindung von Tolkewitz. Zuvor wurde sie Laubegaster Straße genannt. Ewald Bellingrath (1838-1903) war Begründer der Kettenschiffahrt auf der Oberelbe und wurde 1901 für seine zahlreichen technischen Entwicklungen zum Ehrendoktor der Technischen Hochschule ernannt. 1883 hatte er in Übigau die erste deutsche Schiffbauversuchsanstalt gegründet. Sein Grab befindet sich auf dem nahe gelegenen Johannisfriedhof.

Im Haus Bellingrathstraße 2 befand sich ab 1905 für einige Jahre das erste Tolkewitzer Postamt. Das repräsentative Eckgebäude (Nr. 1) beherbergte seit 1901 die Gaststätte “Sachsen-Hof”.

Bockemühlstraße

Die Bockemühlstraße wurde erst nach 1990 in der Nähe des Tolkewitzer Straßenbahnhofes angelegt und erhielt 2001 den Namen des Verkehrsexperten und Technikers Alfred Bockemühl (1896-1992). Bockemühl entwickelte in den 20er Jahren die legendären Hecht-Straßenbahnwagen und war nach 1945 einige Jahre Direktor der Dresdner Verkehrsbetriebe.

 

 

 


Fotos: der von Bockemühl entwickelte Hechtwagen



 

Donathstraße

Die zum größten Teil auf  Laubegaster Flur verlaufende Donathstraße trug bis zur Eingemeindung des Ortes den Namen Seidnitzer Straße. Um Verwechslungen vorzubeugen, wurde sie später in Donathstraße umbenannt. Der Name erinnert an die Brüder Carl Christian Rinaldo (1823-1897) und Christian Hermann Donath (1833-1909) . Beide kauften 1872 den alten Tolkewitzer Gasthof und bauten diesen zum Vergnügungslokal Donaths Neue Welt aus. Hermann Donath war außerdem als Fotograf tätig und erwarb später die Kelterei Lockwitzgrund.

Kipsdorfer Straße

Die über Tolkewitzer und Striesener Flur führende Straße geht auf einen alten Verbindungsweg zwischen beiden Orten zurück, welcher einst als Schwarzer Weg bezeichnet wurde. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts siedelten sich hier mehrere Landschaftsgärtnereien an. Im Zuge der Bebauung der Fluren wurde auch dieser Weg ausgebaut und erhielt den Namen Bismarckstraße. Wenig später entstanden die ersten Wohnhäuser (Foto).

Um Verwechslungen mit gleichnamigen Straßen in anderen Stadtteilen zu vermeiden, wechselte die Namensgebung nach der Eingemeindung von Tolkewitz in Zeunerstraße. Mit dieser sollte der als Professor für Mechanik am Polytechnikum tätige Techniker Gustav Zeuner (1828-1907) geehrt werden. Da es jedoch bereits im neuen “Hochschulviertel” in der Südvorstadt eine Zeunerstraße gab, entschloss man sich in den Dreißiger Jahren zu einer erneuten Umbenennung in Kipsdorfer Straße. Der kleine Ort im Osterzgebirge ist beliebter Kur- und Erholungsort und Endpunkt der Weißeritztalbahn.
 

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Knappestraße

Die Mitte der Zwanziger Jahre im Zusammenhang mit dem Bau einer genossenschaftlichen Wohnsiedlung angelegte Knappestraße verdankt ihren Namen Carl Joseph Knappe (1847-1922). Knappe war ein Förderer des gewerblichen Genossenschaftswesens und gilt als Vorreiter der modernen Wohnungsgenossenschaften.

Lewickistraße

Die Lewickistraße wurde in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg im Zusammenhang mit dem Bau einiger neuer Wohnhäuser östlich der Marienberger Straße angelegt. Ursprünglich Nordstraße genannt, erhielt sie ihren heutigen Namen nach dem Maschinenbau-Professor Leonidas Lewicki (1840-1907), der an der Technischen Hochschule unterrichtete. Sein Sohn Ernst Lewicki (1863-1937) wurde als Mozartforscher bekannt.

Noch kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges entstand an der Lewickistraße 11-21 eine Reihenhausanlage, welche jedoch nicht mehr fertig gestellt werden konnte. 1927-1930 errichtete die Wohnungsbaugenossenschaft für Handwerk, Handel und Gewerbe in Dresden und Umgebung e.G.m.b.H. ein größeres Wohngebiet mit Mehrfamilienhäusern (Foto). An die Gründer dieser Genossenschaft, Baurat Martin William Axt und Architekt Otto Reinhardt  erinnern bis heute Plastiken an den Hofeingängen an der Ecke Theodorstraße. 1945 wurde die Wohnanlage durch Bomben erheblich beschädigt, konnte jedoch bis 1957 wieder aufgebaut werden. 2009 wurden auch die Bauten einerer ehemaligen Hutfabrik (Nr. 41) zu modernen Loftwohnungen umgebaut.
 

Marienberger Straße


Nagelstraße

Ebenso wie ihre Nebenstraßen wurde auch die Nagelstraße während der Erschließung der Flächen östlich der Marienberger Straße kurz vor dem Ersten Weltkrieg angelegt. Ursprünglich wurde sie als Südstraße, später als Fabrikstraße bezeichnet. Bei der Umbenennung in den Zwanziger Jahren knüpfte man an eine nach der Eingemeindung von Tolkewitz entstandene Tradition an, neue Straßen nach verdienstvollen Professoren der TH zu benennen. Christian August Nagel (1821-1893) war als Professor für Geodäsie tätig und leitete einige Jahre den Mathematisch-Physikalischen Salon. An sein Wirken als Vermessungstechniker erinnert die “Nagelsche Säule” im Ortskern von Unkersdorf. Zwischen 1927 und 1930 entstand an der Nagelstraße eine in den letzten Jahren sanierte genossenschaftliche Wohnanlage. Weitere Wohnblocks wurden zwischen 1960 und 1963 in Richtung Knappestraße erbaut.

Rittershausstraße

Die Rittershausstraße, eine kleine Nebenstraße der Wehlener Straße in der Nähe des Straßenbahnhofes, erhielt ihren Namen nach dem Elektrotechniker Trajan Rittershaus (1843-1899), der zu den Lehrkräften der Technischen Hochschule gehörte.


Salbachstraße

Die Salbachstraße, bis 1912 Schulstraße genannt, verdankt ihren Namen dem Ingenieur und Dresdner Stadtbaurat Bernhard Salbach (1833-1894), der als eine seiner letzten Arbeiten die Entwürfe für das Tolkewitzer Wasserwerk schuf. Salbach selbst erlebte die Eröffnung des Werkes 1898 jedoch nicht mehr, sein Grab befindet sich auf dem Johannisfriedhof.

Zu den markanten Gebäuden der Salbachstraße gehört neben der 1951 eingeweihten Bethlehemkirche das Tolkewitzer Schulhaus, welches heute von der 44. Grundschule genutzt wird.

Schaufußstraße

Die Schaufußstraße wurde Ende des 19. Jahrhunderts im Zusammenhang mit der Bebauung dieses Gebietes mit Wohnhäusern angelegt. Hier verläuft die Flurgrenze zwischen den Stadtteilen Neugruna und Tolkewitz. Ursprünglich wurde das Stadtviertel, welches sich einst im Besitz von Seidnitzer Bauern befand, Neuseidnitz genannt. Im Eckhaus zur Wehlener Straße befand sich viele Jahre die Gaststätte “Wehlener Hof”. 1990 wurde in deren Räumen die nach einem Film benannte Szenekneipe “Cholera” eingerichtet, die zu den ersten ihrer Art in Dresden gehörte, mittlerweile jedoch wieder geschlossen hat.

AWO-Familienzentrum Dresden-Tolkewitz
Schaufußstraße 27, 01277 Dresden, Tel. 0351/3361167

Maygarten: Die Gaststätte “Maygarten” auf der Schaufußstraße 24, besser bekannt als “Linie 6”, gehörte zu den originellsten Dresdner Lokalen und wurde 1977 in einem um 1900 errichteten Wohnhaus eröffnet. Inhaber war viele Jahre der Dresdner Gastronom Karl-Heinz Bellmann, Ehemann der bekannten DDR- Unterhaltungskünstlerin Dorit Gäbler. Neben den häufigen Auftritten von Prominenten unterschiedlichster Berufe trug vor allem die originelle Ausstattung der Gaststätte im Straßenbahn-Stil zur Popularität bei.

In den Gasträumen befand sich neben Haltestellenschildern, Sitzbänken und anderem Straßenbahnzubehör auch eine Sammlung von Schaffnermützen aus aller Welt. Im Garten fand ein Straßenbahntriebwagen von 1898 Aufstellung. Der Keller des Hauses war im U-Bahn-Stil als Kellerbar “U 6” gestaltet. Im Januar 2003 schloss die “Linie 6” ihre Pforten. Das Inventar sowie die historische Straßenbahn wurden 2005 verkauft und sind seit Mai 2008 in der Gaststätte  “Anno 1900” am Neumarkt in der Dresdner Innenstadt zu sehen. Das Gebäude in Tolkewitz dient heute Wohnzwecken.
 

Schlömilchstraße

Die ursprünglich wegen ihrer Nähe zum Tännicht Waldstraße genannte Straße erhielt nach der Eingemeindung des Ortes den Namen Schlömilchstraße. Oskar Schlömilch (1823-1901) war als Professor für Höhere Mathematik an der Technischen Hochschule tätig. 1897 gründete der Gastwirt Hermann Bobe auf der Schlömilchstraße sein Restaurant, welches später unter dem Namen “Waldfrieden” zum Besuch einlud. Ab 1919 gab es an der Schlömilch- und Wehlener Straße die Gärtnerei Schleinitz. Heute wird die Straße von den unter Denkmalschutz stehenden Gebäuden des Straßenbahnhofes (Foto) geprägt.

Schulze-Delitzsch-Straße

Die in den Zwanziger Jahren angelegte Schultze-Delitzsch-Straße erinnert an den Politiker Hermann Schultze-Delitzsch (1808-1883). Schulze-Delitzsch war im 19. Jahrhundert im Staatsdienst tätig und gehörte 1848 der Nationalversammlung an. Ein Jahr später rief er in Delitzsch eine Schuhmachergenossenschaft ins Leben und war damit Begründer des deutschen Genossenschaftswesens. Auf seine Initiative entstanden in Sachsen die ersten genossenschaftlichen Zusammenschlüsse von Kleinunternehmen und Handwerksbetrieben. Außerdem gilt er durch die von ihm initiierten Spar- und Konsumvereine als “Vater” der Sparkassen.

Auch die Ende der Zwanziger Jahre zu beiden Seiten der Schulze-Delitzsch-Straße entstandenen Wohnhäuser gehen auf eine nach seinen Grundsätzen tätige gemeinnützige Genossenschaft zurück. In zwei Bauabschnitten errichtete die Wohnungsbau- Genossenschaft für Handwerk, Handel und Gewerbe e.G.m.b.H. zwischen 1927 und 1930 mehrgeschossige Wohnblocks in Anklängen an den Bauhausstil.

 

Fotos: Wohnanlage an der Schulze-Delitzsch-Straße

Theodorstraße

Die Ende des 19. Jahrhunderts in Neutolkewitz angelegte Theodorstraße verdankt ihren Namen dem früheren Tolkewitzer Ziegeleibesitzer Theodor Zschimmer, der hier ein Grundstück besaß. Im Haus Nr. 2 befand sich einst die 1901 von Michael Sturm eröffnete Gastwirtschaft “Lindenhof”. Unweit davon besaßen einst die Balda-Kamerawerke ihre Produktionshallen. Die Südseite der Theodorstraße wird von einer um 1930 entstandenen genossenschftlichen Wohnanlage eingenommen.

Toeplerstraße

Die Toeplerstraße wurde um 1900 als östlicher Abschluss der Wohnsiedlung an der Marienberger Straße angelegt. Bis zur Eingemeindung von Tolkewitz hieß diese Straße Albertstraße. Der heutige Name erinnert an den Physiker August Josef Ignaz Toepler (1836-1912), der zwischen 1876 und 1900 an der Technischen Hochschule als Professor für Experimentalphysik lehrte und mit seinen Vorlesungen zum Weltruf dieser Einrichtung beitrug. Sein Grab befindet sich auf dem Tolkewitzer Johannisfriedhof.

In den Zwanziger Jahren entstanden an der Toeplerstraße genossenschaftliche Wohnbauten. An die Gründer der hier tätigen Wohnungsbaugenossenschaft für Handwerk, Handel und Gewerbe in Dresden und Umgebung e.G.m.b.H. erinnern zwei Plastiken an der Ecke Toepler-/Theodorstraße und am gegenüberliegenden Hofeingang zur Lewickistraße. Kurz nach Vollendung der Bauten entstand auf der gegenüberliegenden Straßenseite der Toeplerpark (Volkspark Tolkewitz) mit Sport- und Spielplätzen (Foto). Weitere Flächen werden von Kleingärten und dem angrenzenden Niedersedlitzer Flutgraben eingenommen.

 

Wehlener Straße

 

Wilischstraße

Die ursprünglich nach dem benachbarten Ort Dobritzer Straße genannt Straße wurde Ende des 19. Jahrhunderts angelegt und nach der Eingemeindung von Tolkewitz in Wilischstraße umbenannt.  Ihren Namen verdankt sie dem 476 Meter hohen Berg Wilisch (= Wolfsberg), einem erloschenen Vulkan in der Nähe von Kreischa. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg gründete der Unternehmer Max Baldeweg auf der Wilischstraße seine Kamerafabrik, die unter dem Namen Balda-Werk zu den zahlreichen  Dresdner Herstellern von Kameras und Messgeräten gehörte. 1963 wurde an der Wilischstraße ein kleines Neubaugebiet mit insgesamt ca. 520 Wohnungen angelegt.

 


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