Tolkewitz

 

Gemeindesiegel von Tolkewitz

Postleitzahl: 01279


 

  Vielfalt gibt's bei Otto!

Schulen in Tolkewitz:

Das vermutlich im 11. Jahrhundert gegründete slawische Fischerdorf Tolkewitz wurde 1349 im Lehnsbuch Friedrich des Strengen erstmals als Tolkenwicz urkundlich erwähnt und gehörte zu diesem Zeitpunkt den Adelsfamilien Nurenberg und von Kürbitz. Das frühere Gassendorf östlich des Niedersedlitzer Flutgrabens ist slawischen Ursprungs und verdankt seinen Namen wohl dem Ortsgründer (“Leute des Tolkan”). 1396 kam der Ort an das Kloster Altzella. Die Zinsen des Vorwerkes Dürrhof wurden 1398 von dessen Besitzer, dem Dresdner Bürgermeister Lorenz Busmann, der Kreuzkapelle übereignet. Durch diese Entwicklung geriet Tolkewitz in enge Bindung zu Dresden und gehörte nach der Reformation zu den Dresdner Ratsdörfern. 1561 ist in den Dorfrügen erstmals eine Elbquerung (Fähre) erwähnt, Vorgängerin der 1808 eingerichteten Fährverbindung nach Wachwitz (bis 1957).

Da die sandigen Böden und die häufigen Überschwemmungen der Elbe nur eingeschränkte Landwirtschaft ermöglichten, betrieben die Bewohner neben der Elbfischerei seit dem 16. Jahrhundert die Zwirn- und Garnherstellung im Heimgewerbe. Tolkewitz und das benachbarte Laubegast blieben bis ins 19. Jahrhundert Hochburgen der Garnfabrikation im sächsischen Raum. Zu den bekanntesten Einwohnern des Ortes gehörte der ebenfalls als Zwirnhändler tätige Christian Gärtner (1705-1782), der sich nebenbei mit Astronomie befasste und selbst Fernrohre herstellte. Befreundet war er mit dem Prohliser Bauernastronomen Johann Georg Palitzsch, der 1745 in Tolkewitz erstmals den Sternenhimmel durch ein Fernrohr betrachten konnte. 1688 und 1765 wurde Tolkewitz bei Dorfbränden schwer beschädigt. 1802 fand auf den Fluren ein großes Heerlager der sächsischen Armee mit über 30.000 Soldaten statt.

Anfang des 19. Jahrhunderts entdeckten Dresdner Bürger die landschaftlich reizvolle Lage des Ortes und erwarben hier Grundstücke zur Bebauung mit Landhäusern. Bedeutendster dieser “Lustgärten” war der des sächsischen Kabinettsministers von Loeben, der 1800 entstand, jedoch bereits 1813 den Kampfhandlungen französischer Soldaten zum Opfer fiel. Hier weilte u.a. der bedeutende deutsche Dichter Johann Gottfried Herder. Am 24. August 1873 wurde ein Großteil des Dorfes durch einen verheerenden Großbrand vernichtet, so dass heute nur noch wenige Gehöfte erhalten sind. Nach dem Brand, bei dem über 100 Einwohner ihr Obdach verloren, entstanden an Stelle der abgebrannten Güter neue Wohngebäude. Lediglich drei Bauern verlegten ihren Betrieb ins damalige Tännicht. Aus einem dieser Güter ging 1893 die Baumschule Paul Hauber an der Kipsdorfer Straße hervor, die bis 1989 zum VEG Saatzucht-Baumschulen gehörte. Das Foto zeigt die kurz nach 1900 entstandenen Häuser der Theodorstraße.

Ab 1880 wurde ein Großteil der vorhandenen Freiflächen bebaut. Lediglich ein Streifen zu beiden Seiten des Flutgrabens blieb ausgespart, so dass Tolkewitz bis heute in einen älteren und einen neueren Teil zweigeteilt ist. 1881 wurde der  Johannisfriedhof (Foto) angelegt, auf dem 1908/11 das Dresdner Krematorium entstand. 15 Jahre später folgte der Bau des Tolkewitzer Wasserwerkes auf den Elbwiesen am Tännicht. Zum Aufschwung des Ortes trug auch der 1899 eingerichtete Straßenbahnanschluss mit dem in Neutolkewitz gelegenen größten Dresdner Straßenbahnhof bei. Zu den Fahrgästen der Bahn gehörten die zahlreichen Besucher des über die Stadtgrenzen hinaus bekannten Tolkewitzer Vergnügungslokals “Donaths Neue Welt” an Stelle des alten Dorfgasthofes.

Nach 1900 entstanden vor allem im westlichen Ortsteil Neutolkewitz zahlreiche neue Straßen und Wohnviertel, die schrittweise auch die zuvor von Striesen nach hier verlagerten Gärtnereien verdrängten. Nachdem sich die Einwohnerzahl des Ortes bis 1910 fast verdreifacht hatte, wurde Tolkewitz am 1. Juli 1912 nach Dresden eingemeindet. Nach dem Ersten Weltkrieg begannen verschiedene Wohnungsbaugenossenschaften mit der Errichtung weiterer Siedlungen an der Marienberger Straße sowie zwischen Nagel-, Lewicki- und Toeplerstraße. Ein geplanter Kirchenbau konnte jedoch erst 1951 realisiert werden und gehört zu den ersten Kirchenneubauten der DDR..

Das 1945 teilweise von Kriegszerstörungen betroffene Tolkewitz blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg als Wohn- und Gewerbestandort von Bedeutung, wobei kleinere Handwerksbetriebe bis heute überwiegen. Zwischen 1961 und 1970 entstanden an der Marienberger und Altenberger Straße ausgedehnte Neubauviertel mit über 2000 Wohnungen. In den letzten Jahren folgten weitere Wohngebäude an verschiedenen Einzelstandorten.

 

Gemeindeamt:

Nachdem sich die Diensträume des Gemeindevorstandes zunächst in den Wohnhäusern der jeweiligen Amtsinhaber befanden, wurde 1873 im Haus des wohlhabenden Unternehmers Otto Jank (Alttolkewitz 14) das erste Gemeindeamt eingerichtet. 1902 verlegte man dieses nach Neutolkewitz zur Marienberger Straße 71. Neben den Diensträumen gab es hier auch eine Arrestzelle für kleinere Vergehen.

1905 wurde an der Einmündung der Toeplerstraße / Ecke Marienberger Straße 86 ein repräsentativer Neubau errichtet. Nach Fertigstellung des wegen seiner halbrunden Fassade auch als “Oper” bezeichneten Hauses (Foto) bezog die Gemeindeverwaltung hier ihr neues Domizil. Zugleich hatten in dem Gebäude die örtliche Polizeidienststelle, die Sparkasse und das Postamt des Dorfes ihren Sitz. Bis zur Eingemeindung von Tolkewitz 1912 blieb dieses Rathaus in Betrieb, wurde später noch als Verwaltungsgebäude genutzt und dient heute Wohnzwecken.

Schulen in Tolkewitz:

Tolkewitz erhielt erst relativ spät, nämlich 1902 sein erstes eigenes Schulhaus. Zuvor besuchten die Kinder des Dorfes die Schulen von Leuben und Laubegast. Bereits 1896 hatte der Gemeinderat den Neubau einer eigenen Schule gefordert. Das erforderliche Grundstück an der Schulstraße (heute Salbachstraße) stellte Gemeindevorstand August Hähnichen zur Verfügung. Die Einweihung erfolgte im Oktober 1902. 1907 wurde auf dem Grundstück noch eine Turnhalle errichtet.

Nachdem diese Schule bereits nach wenigen Jahren zu klein geworden war, entschloss man sich 1912 zu einer Erweiterung und Modernisierung. Die Leitung der Arbeiten oblag dem Dresdner Stadtbaurat Hans Erlwein. 1913 konnte das Schulhaus wieder eröffnet werden und wurde nach der Eingemeindung des Ortes als 44. Volksschule bezeichnet. In den 20er und 30er Jahren war hier der Oberlausitzer Heimatdichter Oskar Schwär (1890-1968) als Lehrer tätig. Schwär verfasste verschiedene Mundartdichtungen und volkskundliche Werke und liegt auf dem Tolkewitzer Friedhof begraben.

Zu einer kriegsbedingten Unterbrechung des Schulbetriebes kam es zwischen 1943 und 1945, als das Haus als Wehrmachtslazarett, nach Kriegsende noch kurzzeitig als Kaserne der Roten Armee diente. Heute wird es von der 44. Grundschule genutzt. Zwei weitere moderne Schulbauten entstanden in den 1960er Jahren im Zuge des Neubaugebietes Marienberger Straße. Diese zuletzt als 57. Grundschule und 98. Mittelschule bezeichneten Bildungseinrichtungen an der Hausdorfer Straße und am Berthelsdorfer Weg schlossen im Sommer 2008.

  Schulfreunde wiederfinden!

Wasserwerk Tolkewitz:

Das Tolkewitzer Wasserwerk wurde Ende des 19. Jahrhunderts zur Verbesserung der Wasserversorgung der wachsenden Großstadt angelegt. 1891 erwarb der Rat der Stadt Dresden aus dem Besitz des Tolkewitzer Gemeindevorstands August Hähnichen einen Teil der Elbwiesen an einem alten Elbarm. Zunächst wurde das hochwassergefährdete Gelände aufgeschüttet, bevor 1896 mit dem Bau des Werkes begonnen werden konnte. Dabei kamen vor allem italienische Bauarbeiter zum Einsatz. Die Einweihung des von Baurat Bernhard Salbach entworfenen Gebäudes erfolgte zwei Jahre später am 16. August 1898.

Für das neue Wasserwerk mussten insgesamt 30 Brunnen in den Sand- und Kiesboden gebohrt werden, um das Grundwasser nutzen zu können. Zwei neun Kilometer lange Druckrohrleitungen leiteten das Trinkwasser in die beiden zeitgleich angelegten Hochbehälter in Räcknitz. Die zum Antrieb der Maschinen des Wasserwerkes notwendige Kohle gelangte auf dem Wasserweg nach Tolkewitz, wurde dort am Elbufer in eine Kohlebahn umgeladen und dann direkt auf das Werksgelände transportiert. Neben dem Maschinenhaus und einigen Nebengebäuden erhielt das Werk auch ein stilistisch angeglichenes Wohngebäude an der Wehlener Straße. Hier verbrachte der DSC-Fußballer Heinz Hartmann als Sohn eines Wasserwerksbeamten seine Kindheit.

1926 wurde die Anlage modernisiert, vor allem um die Qualität des Trinkwassers weiter zu erhöhen. Das 1945 beschädigte Werk ist bis heute in Betrieb und wurde 1998/99 erneut saniert.

Foto: Wasserwerk Tolkewitz mit Wohnhaus an der Wehlener Straße

 

Kleingartensparte “Elbgrund”:

Die Kleingartenanlage “Elbgrund” wurde 1930 am Rande des Niedersedlitzer Flutgrabens angelegt. Das Gelände war wegen der Überschwemmungsgefahr für eine Bebauung ungeeignet und konnte deshalb nur als Gartenland ausgewiesen werden. Nach 1945 fuhr hier die Dresdner Trümmerbahn zur Kiesgrube nach Dobritz, in der nicht verwendbarer Schutt aus der zerstörten Stadt abgekippt wurde. Auch Teile des Flutgrabens wurden dabei verfüllt, wobei man die dadurch gewonnene Fläche in den 50er Jahren ebenfalls mit Gärten belegte. 1957 wurden die Bahngleise entfernt. An die Zeit der Enttrümmerung erinnert bis heute der “Trümmerbahnweg” im Spartengelände sowie der aus Teilen des Abbruchmaterials angelegte Musikpavillon. Steine fanden auch für den Bau von Fundamenten und Begrenzungsmauern Verwendung.

Tolkewitzer Straßen

Weiterführende Literatur und Quellen

Tolkewitzer Nachrichten

14. Januar 2012: Durch starken Sturm sind Teile der Außenwand des im Bau befindlichen neuen Einkaufszentrums an der Österreicher Straße eingestürzt. Die knapp sieben Meter lange  Ziegelmauer war gegen 21 Uhr zusammengebrochen und auf die Straße gestürzt. Gegenwärtig entsteht hier ein Neubau an Stelle des früheren Gasthofes “Donaths Neue Welt”.

24. Dezember 2011: Drei denkmalgeschützte Grabdenkmäler des Urnenhains konnten jetzt saniert werden. Dabei handelt es sich um die Gräber des einstigen Rektors des König-Georg-Gymnasiums Dresden, Dr. Konrad Meier, des Kunsthistorikers und ehemaligen Direktors der Gemäldegalerie Karl Woermann sowie der Familie Wolff. Bei der Sanierung wurden u.a. die Fundamente erneuert und lose Bauteile neu befestigt.

7. November 2011: Auf dem Areal des ehemaligen Gasthofes „Donaths Neue Welt“ haben nach längerer Verzögerung die Arbeiten für den Bau eines modernen Stadtteilzentrums begonnen. Allerdings sollen hier kein Supermarkt, sondern mehrere kleine Geschäfte einziehen. Die vor einigen Jahren abgebrannte Ruine des einstigen Vergnügungslokals war im vergangenen Jahr abgerissen worden.

12. Oktober 2011: Auf dem Tolkewitzer Urnenhain wurde ein neu gestalteter Grabsteins für den jüdischen Arzt Willy Katz eingeweiht. Das Grabmal war zuvor für 1000 Euro restauriert worden. Katz war der einzige jüdische Arzt, der während der NS-Zeit in Dresden praktizieren und jüdische Dresdner behandeln durfte.

5. Oktober 2011: Nach längerer Verzögerungen sollen nun im Oktober die Bauarbeiten für den Neubau auf dem Grundstück von „Donaths Neuer Welt“ beginnen. Grund der Verschiebung des Baubeginns waren notwendige Nachverhandlungen mit den beteiligten Firmen wegen gestiegener Baukosten. Mitte kommenden Jahres soll das moderne Geschäftshaus an der Österreicher Straße fertig gestellt sein.

2. Juni 2011: Im Juli beginnen die Arbeiten für ein modernes Geschäftshaus auf dem Areal der im vergangenen Jahr abgerissenen Ruine von “Donaths Neuer Welt”. Bis Ende April 2012 soll das dreigeschossige Geschäftshaus an der Österreicher Straße fertiggestellt werden. Danach werden dort verschiedene Einzelhändler einziehen.

9. April 2011: Das ca. 130 Jahre alte historische „Kranztor“ des Johannisfriedhofs auf der Wehlener Straße ist fertig restauriert. Für ca. 11000 Euro wurde das schmiedeeiserne Tor und die kleinere Eingangspforte wieder aufgearbeitet.


Literatur zu Tolkewitz und anderen Stadtteilen finden Sie auch hier:

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