Die Fluren des Stadtteiles Mockritz waren bereits im 7. Jahrhundert besiedelt, wie
zahlreiche archäologische Funde der Lausitzer Kultur und der La-Tené-Zeit an verschiedenen Stellen beweisen. So wurden an der Julius-Scholtz-Straße, am Bozener
Weg und im Kaitzbachtal Reste von Gebäuden gefunden. Der dem Burgward Pesterwitz unterstehende Ort war in frühdeutscher Zeit Standort eines Herrengutes und wurde
1350 erstmals als Mokerus urkundlich erwähnt. Der Name ist vom sorbischen mokry abgeleitet, was übersetzt nass, feucht bedeutet und auf die sumpfigen Bodenverhältnisse hinweist.
Kern des platzartigen Dorfes ist der noch heute gut erhaltene Dorfplatz Altmockritz, um den sich die Gehöfte des Ortes gruppieren (Fotos). Obwohl heute nicht mehr
landwirtschaftlich genutzt, konnten viele Gebäude ihr historisches Bild bewahren und stehen unter Denkmalschutz. Die südlich verlaufende Boderitzer Straße teilte die Dorfflur in zwei Hälften,
deren nördliche im Besitz der Dresdner Bürgerfamilie Busmann, die südliche ab 1481 im Besitz des Meißner Domstifts waren. Dieses richtete in
Mockritz eine Garbensammelstelle für den Zehnten ein, bei der die Bauern der Orte Coschütz, Döhlen, Dölzschen, Kaitz, Löbtau, Mockritz, Räcknitz, Strehlen und
Zschertnitz bis 1839 ihre Abgaben zugunsten der Kirche abliefern mussten. Zur Lagerung wurden in Mockritz vier
Zehntscheunen errichtet. Der nördliche Dorfteil kam 1398 an die Kreuzkirche und unterstand später dem Religionsamt
Dresden. Im Jahr 1767 wurden in Mockritz erstmals Kartoffeln angebaut, erste Erwähnung des Kartoffelanbaus im Dresdner Raum.
1349 ist eine Mühle im Ort erwähnt, die sich am Kaitzbach auf dem Gelände des heutigen
Freibades befand und den Gebrüdern Karas gehörte. Unweit dieser Wassermühle ließ Kurfürst Johann Georg I. 1621 den Münzteich anstauen, der zur Regulierung der Wasserkraft für die
Dresdner Münzprägestätte diente. Für die Kurfürsten war Mockritz jedoch auch als Teil des “Rothäuser Jagdreviers” von Bedeutung. Neben einigen kleineren Brücken über den Kaitzbach
erinnert noch die Jagdsäule auf dem Gelände des Mockritzer Bades an diese Zeit. Die Säule wurde 1751 unmittelbar neben einer dieser Brücken errichtet und sollte die Erkennung der
Übergangsstellen während der Hofjagden erleichtern. Später wurde sie als jagdgeschichtliches Denkmal an ihren heutigen Standort versetzt (Foto).
Im 19. Jahrhundert wandelte sich auch in Mockritz die Bevölkerungsstruktur. Obwohl
sich hier keine Industriebetriebe ansiedelten, wurden um 1890 die ersten Mietshäuser außerhalb des Dorfkerns erbaut. Diese wurden hauptsächlich von Arbeitern der
zahlreichen Ziegeleien auf Gostritzer, Mockritzer und Zschertnitzer Flur bewohnt. Neue Wohngebäude entstanden an der Südhöhe, der Münzmeisterstraße und der Boderitzer
Straße. Nach dem Ersten Weltkrieg folgte die Kleinhaussiedlung an der Welschhufer und Rippiener Straße. Weitere Straßen zwischen Mockritz und Strehlen erhielten ihre
Namen nach bekannten Kunstmalern. Seit dem 1. April 1921 gehört der Ort als Stadtteil zu Dresden. Einen deutlichen Bevölkerungszuwachs brachten die Jahre nach 1945, da Mockritz von
Kriegszerstörungen weitgehend verschont geblieben war. Nach 1990 entstanden weitere Eigenheime an der Boderitzer Straße und am Münzteichweg..
Schulen in Mockritz: Die Kinder des Ortes besuchten ursprünglich die Leubnitzer Schule, da Mockritz seit
1674 kirchlich zu diesem Ort gehörte. Später wechselten sie ins benachbarte Kaitz. Erst 1892 entstand an der Südhöhe ein gemeinsames Schulhaus für den Schulverband
Mockritz - Kleinpestitz - Räcknitz und Zschertnitz. Nach Abwägung verschiedener Standorte wurde bewusst ein Platz abseits der Ortskerne gewählt, um allen Kindern
möglichst gleich lange Schulwege zu sichern. Am 6. April 1893 konnte die neue Schule feierlich eingeweiht werden. Um Einbußen beim Schulgeld auszugleichen, wurden an
Kaitz und Strehlen Abfindungszahlungen in Höhe von 2.500 M bzw. 500 M vereinbart.
Um die Platznot zu verringern, beschloß der Schulvorstand 1908 den Umbau der bisherigen Lehrerwohnung zu
zusätzlichen Klassenzimmern. Nach Eingliederung in den Dresdner Schulbezirk wurde die Mockritzer Schule ab 1921
als 70. Volksschule bezeichnet. 1922/23 erfolgte der Anbau zweier Seitenflügel, womit die Schule ihr heutiges Aussehen
erhielt. Während des Zweiten Weltkrieges diente das Gebäude zeitweise als Flak-Kaserne und militärische Kommandozentrale, nach 1945 als 70. Polytechnische Oberschule. Heute wird es von der 70. Grundschule genutzt. Gaswerk Mockritz: 1907 entstand in Mockritz ein Gaswerk, welches vom Gemeindeverband Bannewitz und Umgebung betrieben wurde
und Mockritz sowie 11 weitere Orte mit Leuchtgas versorgte. Mit zunehmendem Bedarf wurde 1912 ein zweiter Gasbehälter erbaut. Das Werk bestand bis zur Eingemeindung des Ortes und wurde 1922 stillgelegt. Die Versorgung
des Ortes übernahm nun die Stadt Dresden, nachdem die Gebäude Anschluss an das städtische Leitungsnetz erhalten hatten. Freibad Mockritz:
Das Mockritzer Bad geht auf den früheren Münzteich zurück, der 1621 von Kurfürst Johann Georg I. zur Wasserversorgung der Dresdner Münze angelegt wurde. Mit Hilfe von Schiebereglern an den drei Abflüssen konnte der
Wasserstand des Kaitzbaches reguliert werden, so dass bei Bedarf die entsprechende Wasserkraft zur Verfügung stand.
Die eigentliche Münze befand sich in der Nähe des Residenzschlosses, wo einst auch der Kaitzbach in die Elbe mündete.
Ab 1646 nutzte die Stadt den Teich zugleich als Fischteich sowie als Mühlteich einer nahegelegenen Wassermühle. Nach Verlegung der alten Münze nach Freiberg wurde auch der Münzteich überflüssig und 1882 an den englischen Unternehmer Thornton Sheil verkauft. Hier gewannen die Dresdner
Eiswerke in den Wintermonaten Eis, welches in drei speziell isolierten Scheunen gelagert und in den Sommermonaten als Kühleis verkauft wurde. Mit Erfindung des Kühlschranks konnte
auf diese Form der Kühleisgewinnung zunehmend verzichtet werden, so dass der Teich 1925 zum Freibad umgestaltet wurde. Besitzer war Moritz Hegewald, der mit finanzieller
Unterstützung der Stadt das Gelände umzäunte und mit den notwendigen Einrichtungen ausstattete. U.a. gab es 1200 Umkleidekabinen, einen 18 Meter hohen Rutschbahnturm
sowie eine schwimmende Tanzdiele für sommerliche Veranstaltungen.
1960 erwarb die Stadt Dresden das Bad von Hegewalds Erben und gliederte es in den Städtischen Bäderbetrieb ein. 1973 entstand unmittelbar am Badgelände ein internationaler Campingplatz.
Das mehrfach modernisierte Mockritzer Bad wird heute von den Quellen des Tiefen Börners gespeist, während der Kaitzbach renaturiert am Badesee vorbeifließt. Umfangreiche Sanierungs- und Modernisierungsarbeiten erfolgten
Mitte der 1990er Jahre. Im Zuge der Maßnahmen verkleinerte sich die Wasserfläche auf ca. 10.000 m², die einst inmitten des Teichs liegende Insel wurde zur Liegewiese.
Kleingartenverein Mockritz: Die Kleingartenanlage am Nöthnitzbach wurde 1920 durch die Carl-Ernst-von-Eulitz-Stiftung angelegt. Die Gärten
wurden bevorzugt an ärmere Bevölkerungsschichten verpachtet, um ihnen so eine bessere Versorgung mit Lebensmitteln
zu ermöglichen. 1927 entstand ein Vereinshaus, welches 1953 erweitert wurde. Nach Enteignung der Stiftung 1952 übernahm der Kleingärtnerverband die Gartenanlage, die heute 114 Gärten umfasst. Weiterführende Literatur und Quellen
Mockritzer Nachrichten 22. Oktober 2011:
Schon im Dezember sollen die ersten Mieter in den historischen Bauernhof an der Babisnauer Straße 1 ziehen. In dem unter Denkmalschutz stehenden Gehöft sind in den letzten
Monaten zehn Reihenhäuser entstanden. Beim Bau wurden die typischen Elemente des Dreiseitenhofes erhalten und integriert. 7. Oktober 2011:
Das schon seit längerer Zeit geplante Hochwasser-Rückhaltebecken des Kaitzbachs oberhalb des Mockritzer Dorfkerns kann jetzt gebaut werden. Die Landesdirektion
Dresden hat die beantragten Fördermittel für die Anlage bewilligt. Noch in diesem Herbst soll der Bau beginnen. 11. Juli 2011:
Auf dem Gelände des Campingplatzes am Mockritzer Bad wurde kürzlich ein neuer Spielplatz eröffnet. Hier gibt es u.a. eine mit Hängebrücke, Seilen, einer Rutsche und einem Turm.
20. Juni 2011: Das Vereinsheim des Kleingartenvereins Mockritz wird von den Mitgliedern der
Sparte saniert. Das alte Gebäude war früher viele Jahre verpachtet, wurde jedoch zuletzt nicht mehr genutzt. Ende 2012 soll das Haus wieder eröffnet werden 23. April 2011:
Im Mockritzer Bad beginnt die Badesaison in diesem Jahr erst am 28. Mai. Grund sind sich verzögernde Modernisierungsarbeiten. Zumindest der große Badeteich mit seiner
Wasserrutsche soll dann wieder zur Verfügung stehen. Das Planschbecken und der Spielplatz des Bades werden allerdings in dieser Saison nicht fertig. 17. März 2011:
Das Stadtplanungsamt bereitet derzeit eine Sanierung der Gostritzer Straße im Abschnitt zwischen Teplitzer und Boderitzer Straße vor. Künftig soll es zwei Fahrspuren und breite
Gehwege geben. Außerdem sind abgeteilte Parktaschen vorgesehen. Als Ersatz für die beseitigten alten Bäume sollen Neupflanzungen erfolgen. |
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