An Stelle der späteren Felsenkellerbrauerei lag einst der Lagerplatz einer
altsteinzeitlichen Jägerhorde, ältester nachgewiesener Siedlungsplatz im Dresdner Stadtgebiet. Ab 1559 befand sich hier die 1871 abgetragene Buschmühle, eine von mehreren Wassermühlen im Plauenschen Grund. Nach dem Bau der Albertbahn im Jahr
1855 wurde der Plauensche Grund auch als Industriestandort attraktiv. Zu den neuen Betrieben auf Plauener und Coschützer Flur gehörte die 1856 mit einem Stammkapital
von 300.000 Talern gegründete Brauerei des “Aktienvereins der Brauerei zum Felsenkeller”. Gegen deren Bau hatte sich bis zuletzt die Dresdner Brauerinnung gestellt,
welche Umsatzeinbußen durch den modernen Großbetrieb befürchtete. Erst ein Gutachten der Kreisdirektion vom 26.
September 1856 lehnte den Einspruch der Innungsältesten ab und ermöglichte den Beginn der Bauarbeiten. Am 15. April
1857 erfolgte im Beisein König Johanns die offizielle Grundsteinlegung für die Produktionsgebäude. Die Leitung des Baus
oblag dem Baudirektor Schmidt, die Ausführung übernahm der Bauunternehmer August Kochert aus Neucoschütz. Bis
zur endgültigen Fertigstellung im Februar 1859 wurden im Plauenschen Grund 59.000 Taler, mehr als das Doppelte der
ursprünglich veranlagten Summe verbaut. Erster Direktor der Brauerei wurde der aus Bayern stammende Philipp Heiß.
Das Unternehmen wuchs schnell und entwickelte sich bis 1900 zur bedeutendsten
sächsischen Großbrauerei. Für die Lagerung des Bieres wurden neun je 66 Meter lange Stollen in den Fels getrieben, die durch einen 140 Meter langen Gang miteinander
verbunden sind. Zu den Kuriositäten aus der Frühzeit des Unternehmens gehört die von einigen Aktionären 1862 verbreitete Legende vom “Eiswurm”, der in den Kühlkellern
der Brauerei hausen sollte und so das hier gelagerte Bier verderben würde. In Panik verkauften mehrere Kleinaktionäre ihre Anteile, so dass sich das Kapital nun in wenigen
Händen konzentrierte. Der Wurm wurde in Form eines roten Drachens später Markenzeichen der Brauerei und war auch Namenspatron der Straße Am Eiswurmlager hinter der Brauerei.
Die Felsenkellerbrauerei stellte zunächst bayrisches Lagerbier, ab 1880 vorrangig Bier nach Pilsner Brauart her und war wirtschaftlich äußerst erfolgreich. Moderne Anlagen
ermöglichten in der zwischen 1871 und 1895 mehrmals erweiterten Brauerei eine effektive Produktion. Gegenüber den eigentlichen Braugebäuden entstand um 1890 ein Gebäudekomplex für den umfangreichen Fuhrpark (Foto)
. Außerdem richtete man an Stelle der früheren Villa Grassi eine Brauereigaststätte mit großem Saal ein, die sich zum beliebten Ausflugsziel der Dresdner entwickelte. Dieses Gebäude wurde 1945 durch
Bomben schwer beschädigt und 1957 als Kulturhaus Felsenkeller wieder eröffnet.
1946 wurde die Felsenkeller AG aufgelöst und der Betrieb als VVB Brau- und Malzindustrie in Volkseigentum überführt.
Trotz schwieriger Bedingungen gelang es, den Braubetrieb fortzusetzen und den jährlichen Ausstoß bis 1973 auf ca. 500.000 Hektoliter zu erhöhen. Im Zusammenhang mit dem
Konzentrationsprozess der Dresdner Brauereien wurde in den 60er Jahren der Betriebsteil Freital-Döhlen an die Felsenkellerbrauerei angeschlossen und diese selbst 1978 in das
VEB Getränkekombinat Dresden eingegliedert. Nach Fertigstellung der modernen Großbrauerei in Coschütz 1981 stellte
die Felsenkellerbrauerei die Flaschenbierproduktion ein und produzierte nun nur noch Fassbier. 1990 wurde die Brauerei ganz geschlossen.
Die noch erhaltenen und zum Teil denkmalgeschützten Gebäude wurden 1999 an einen privaten Investor verkauft und sollen zu einem Kultur- und Gewerbestandort entwickelt werden. Heute befinden sich hier u. a. verschiedene
Handwerksbetriebe, eine Diskothek und eine Cocktailbar (früher “Bierbörse”). Die ehemaligen Lagerkeller sind seit
2001 Veranstaltungsort des regelmäßig durchgeführten Grottenflohmarktes. Außerdem existiert ein Strahlenmesslabor zur
Spektralanalyse, welches vom Rossendorfer Verein für Kernverfahrenstechnik und Analytik betrieben wird. Flaschenetiketten der Felsenkellerbrauerei aus den 1970er Jahren |