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Im Dezember 2002 wurde an der Einmündung Paradiesstraße/Räcknitzhöhe aus Anlass des 100. Jahrestages der Eingemeindung des Ortes nach Dresden ein Gedenkstein an das ehemalige Bauerndorf eingeweiht. Der Stein ist in Gestalt eines sächsischen Viertelmeilensteines gestaltet und zeigt das alte Zschertnitzer Gemeindesiegel.
Fotos: Einweihung des neuen Gedenksteins am 14. Dezember 2002
Seit 1889 befand sich hier die Ziegelei Dammmüller, welche später als Stadtziegelei von der Stadt Dresden übernommen wurde und noch bis 1990 als Lehrbauhof für angehende Bauhandwerker diente. Bereits 1938/39 hatte die DREWAG auf diesem Areal einige Einfamilienhäuser errichtet. Weitere architektonisch interessante Wohnhäuser entstanden 2005/06 an Stelle der zuvor abgerissenen früheren Ziegeleigebäude. Die Caspar-David-Friedrich-Straße wurde bis 1940 als Josefstraße bezeichnet, bevor sie ihren jetzigen Namen nach dem bekannten Maler der Romantik erhielt. Während in der Nähe des Wasaplatzes auf Strehlener Flur vor allem Villen dominieren, erinnert oberhalb der Räcknitzhöhe das letzte erhaltene Bauerngut an die Vergangenheit von Zschertnitz. Das Gehöft Caspar-David-Friedrich-Straße 52 blieb als einziges Zschertnitzer Gut 1973 vom Abriss verschont und steht heute unter Denkmalschutz. Im Wohnhaus Nr. 15 b richteten die Nazis 1940 eines der berüchtigten “Judenhäuser” ein, in dem u. a. der bekannte Sprachwissenschaftler Victor Klemperer leben musste. Auch im unterem Abschnitt der Straße sind noch einige historische Gebäude erhalten geblieben. Nr. 3: Bemerkenswert ist u.a. die 1904 errichtete Villa Caspar-David-Friedrich-Straße 3. Das Gebäude wurde von Heino Otto für den Arzt Dr. Curt Schmidt entworfen und weist Jugendstilformen auf. Eine Besonderheit stellt die in das Souterrain integrierte Garage dar, ein Novum für die damalige Zeit. Einige Jahre hatte in diesem Gebäude der Maler Robert Sterl sein Atelier. Zu DDR-Zeiten als Konsum-Textilverkaufsstelle genutzt dient die Villa nach ihrer Sanierung 2002 heute als Bürohaus. Leider sind von der ursprünglichen Innenausstattung nur noch Reste erhalten geblieben, darunter mehrere farbig verglaste Fenster im Treppenhaus. Nr. 5: Auch das Nachbarhaus weist eine interessante architektonische Gestaltung auf. Die Villa entstand 1905 mit zahlreichen Erkern, Giebeln und Fensterformen sowie verschiedenen Jugendstilelementen. Architekt war Georg Heinsius von Mayenburg, Bruder des “Chlorodont”-Fabrikanten. Er schuf zahlreiche Villen in Dresden und Umgebung, einen Großteil der Pavillons der I. Internationalen Hygieneausstellung und war auch am Umbau des Schlosses Eckberg beteiligt. Maschinenfabrik Richard Gäbel: Das Unternehmen wurde 1888 auf dem Gelände der früheren Mockritzer Ziegelei gegründet (Nr. 39) und stellte Verpackungsmaschinen für die Dresdner Schokoladen- und Backwarenindustrie her. Nach 1945 kam der Betrieb als Zweigwerk zum VEB Schokopack und gehörte später zum Kombinat NAGEMA. 1990 wurde das Unternehmen geschlossen und wenig später abgerissen. An seiner Stelle befindet sich heute ein Wohnpark. Die Dora-Stock-Straße wurde 1996 auf dem Gelände der früheren Mockritzer Ziegelei angelegt. 1930 existierte hier die Maschinenfabrik Richard Gäbel KG, welche nach dem Zweiten Weltkrieg Teil des Kombinates NAGEMA wurde (VEB Schokopack). Nach Abriss der Fabrikgebäude entstand auf dem Areal 1994/95 die Wohnanlage “Südpark”. Ihren Namen erhielt die Straße nach der Malerin Johanna Dora Stock (1760-1832), die zum Freundeskreis der Familie Körner gehörte. Die Ewald-Schönberg-Straße wurde 1935 als Swakopmunder Straße angelegt. In Erinnerung an die deutsche Kolonialzeit erhielt sie wie auch die benachbarte Windhuker Straße den Namen einer Stadt im früheren Deutsch-Südwestafrika (heute Namibia). 1950 wurde sie nach dem Maler Ewald Schönberg (1882-1949) umbenannt, der viele Darstellungen seiner sächsischen Heimat schuf. Schönberg wirkte nach seiner Ausbildung zum Tischler und Innenarchitekten ab 1900 als freischaffender Künstler in Dresden und war hier auch als Dozent an der Volkshochschule tätig. 1947 gründete er mit einigen Künstlerfreunden die Gruppe “Das Ufer” und beteiligte sich an der Neuorganisation des Kunstlebens in der Stadt. Knauersche Siedlung: Die aus mehreren Mehrfamilienhäusern bestehende Siedlung entstand Mitte der Dreißiger Jahre auf dem Gelände eines früheren Sportplatzes. Bauherr war der bei Villeroy & Boch beschäftigte Kaufmann Helmut Knauer. Für die neue Wohnanlage wurden die Ewald-Schönberg-Straße und ihre Seitenstraßen angelegt und der alte Fahrweg nach Dresden zur Karl-Peters-Straße ausgebaut (heute Heinrich-Greif-Straße). Teile der Siedlung fielen 1945 den Bomben zum Opfer. An ihrer Stelle wurden 1950 bungalowartige Einfamilienhäuser errichtet.
Foto: Das Wohnhaus Heinrich-Greif-Str. 15 - Teil der Knauerschen Siedlung Die Heinrich-Greif-Straße ist Teil eines alten Verbindungsweges von Mockritz in Richtung Innenstadt und wurde deshalb auch als Mockritzer Fußsteig bezeichnet. Erst mit Entstehung neuer Wohnhäuser Mitte der Dreißiger Jahre wurde dieser Weg zur Fahrstraße ausgebaut und zunächst Karl-Peters-Straße genannt. Karl Peters erwarb 1884 mit seiner Gesellschaft für Deutsche Kolonisation große Teile Ostafrikas und war wegen seiner rücksichtslosen Kolonialpolitik schon zu Lebzeiten heftig umstritten. Nach 1945 wurde die Karl-Peters-Straße in Heinrich-Greif-Straße umbenannt. Der politisch engagierte Schauspieler trat1933 der KPD bei und musste wegen seiner antifaschistischen Haltung nach Moskau emigrieren. Wenige Monate nach seiner Rückkehr aus der Emigration verstarb er 1946. In den 70er Jahren wurden die verbliebenen Freiflächen an der Heinrich-Greif-Straße mit Neubaublocks bebaut. Die Louise-Seidler-Straße entstand im Zusammenhang mit dem Bau der Wohnanlage “Südpark” an der Caspar-David-Friedrich-Straße. Der Name erinnert an die Malerin und Schriftstellerin Louise Caroline Seidler (1786-1865), die ab 1810 als Zeichenlehrerin in Dresden tätig war und Kontakte zu Goethe, Serré und Quandt unterhielt. Die Münzmeisterstraße geht wie auch die anschließende Heinrich-Greif-Straße auf den alten Fußsteig von Mockritz nach Dresden zurück. Nach der Eingemeindung von Zschertnitz erhielt der frühere Hohlweg seinen Namen nach einem alten Dresdner Ratsherrengeschlecht. Die Münzmeisters erwarben als Pächter der Freiberger Münze ein großes Vermögen und waren zeitweise auch Besitzer des Vorwerks Zschertnitz. Nicolaus und Hans Münzmeister übten zwischen 1438 und 1458 zeitweise das Amt des Dresdner Bürgermeisters aus.
Foto: Zu Ausbildungszwecken errichtete Lehrmauern auf dem Gelände der ehem. Stadtziegelei MOTEL: Das MOTEL an der Münzmeisterstraße entstand 1967 auf einem Teilgelände der früheren Stadtziegelei und war bei seiner Eröffnung am 30. Juni erste Einrichtung seiner Art in der DDR. Architekt des Gebäudekomplexes war Karl Kübler. Neben den vier Bettenhäusern gehörten auch eine öffentliche Gaststätte sowie ein Intershop zum Gebäudekomplex. Zu den regelmäßigen Gästen gehörten u. a. die Spieler ausländischer Fußballclubs, die zu Europapokalspielen in Dresden weilten. Am Eingang befand sich eine noch heute erhaltene Kopie einer kursächsischen Postmeilensäule, die von Werner Hempel nach einem Vorbild von 1722 geschaffen wurde. Das MOTEL wurde 1990 in Hotel “Am Bismarckturm” umbenannt, wenig später jedoch geschlossen und abgerissen. An seiner Stelle befinden sich heute mehrgeschossige Wohnbauten. Parallel zur heutigen Ewald-Schönberg-Straße wurde 1935 die Windhuker Straße angelegt, benannt nach der Hauptstadt Deutsch-Südwestafrikas ( Namibia). Der unbebaute westliche Teil ist heute nur noch als Zufahrt zu den Neubauten an der Heinrich-Greif-Straße erhalten. Der kleine Straßenstumpf jenseits der Paradiesstraße erhielt nach 1945 den Namen Otto-Altenkirch-Straße nach dem “Maler des Dresdner Hellers”, der vor allem durch seine Landschaftsdarstellungen bekannt wurde. Otto Altenkirch (1875-1945) war ab 1902 an der Dresdner Kunstakademie angestellt und wurde 1917 zum Professor ernannt. Die heutige Paul-Wiegler-Straße wurde um 1935 im Zusammenhang mit der Knauerschen Siedlung angelegt und erhielt zunächst den Namen des deutschen Kolonialoffiziers Theodor Leutwein, der zwischen 1895 und 1905 Gouverneur in Deutsch-Südwestafrika war. Nach 1945 wurde die Straße nach dem Schriftsteller und Literaturhistoriker Paul Wiegler (1878-1949) benannt, der auch als Redakteur und Theaterkritiker tätig war. Im oberen Teil der Straße entstanden 1974 einige Neubauten des Baugebietes Zschertnitz.
Ende der Zwanziger Jahre begann die Bebauung der Paradiesstraße mit weiteren Ein- und Mehrfamilienhäusern, welche bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges weitgehend abgeschlossen war. An Stelle der zerstörten ”Turmvilla” (Nr. 18) und der Villa Dammüller (Nr. 20) wurde 1973/74 ein Neubaublock errichtet. Im oberen Teil entstand zum gleichen Zeitpunkt auf dem Areal eines abgetragenen Bauernhofes der neue Zschertnitzer Schulkomplex. Die um 1910 entstandenen Häuser Paradiesstraße 10 und 12 stehen unter Denkmalschutz Die Räcknitzhöhe verbindet die ehemaligen Dorfkerne von Räcknitz und Zschertnitz und hieß bis zur Eingemeindung 1902 Bismarckstraße. Später wurde sie nach dem unweit dieser Straße gefallenen General Jean Victor Moreau Moreaustraße genannt, ein Name der bis nach 1945 erhalten blieb. Um 1900 entstanden auf Räcknitzer Flur die ersten Mietshäuser . Das übrige Gelände wurde vom Volkspark Räcknitz sowie Feldern und Gartenland eingenommen. Als einziges Gebäude in Zschertnitz existierte das um 1890 entstandene Landhaus “Mariens Heim”, welches 1974 dem neuen Dienstleistungskomplex weichen musste (Foto). Zuletzt hatte in diesem Haus die Aufbauleitung des Neubaugebietes ihren Sitz.
Im Zusammenhang mit dem Bau dieses Neubaugebietes wurde die Räcknitzhöhe bis zur Caspar-David-Friedrich-Straße verlängert. Nach 1990 wurde an Stelle des abgerissenen Gasthofes “Berghof Zschertnitz” ein modernes Geschäftshaus errichtet, welches heute gemeinsam mit dem Einkaufszentrum “Paradiesgarten” ein kleines Stadtteilzentrum bildet.
Ziegeleien an der Räcknitzhöhe: In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden im östlichen Teil von Zschertnitz die Ziegeleien Christmann (1872) und Ulbricht (1876). Während die erstgenannte vor allem dem örtlichen Bedarf diente und bereits nach dem Ersten Weltkrieg aufgegeben wurde und völlig verschwand, sind von der größeren Ziegelei Ulbricht bis heute einige Bauten erhalten geblieben. Das nach 1900 im Besitz der Vereinigten Dresdner Baugesellschaft befindliche Unternehmen gehörte zu den bedeutendsten Ziegeleien im Dresdner Süden und hatte einen Großteil der Zschertnitzer Flur aufgekauft. Auf dem ca. 34 Hektar großen Areal befanden sich ein Ringofen, mehrere Trockenschuppen, ein größeres Verwaltungsgebäude und Unterkünfte für die Ziegeleiarbeiter. Ab 1930 nutzten verschiedene gewerbliche Unternehmen die ehemaligen Produktionsstätten. Im früheren Hauptgebäude hat heute die Möbelfirma Röthing ihren Sitz. Auf dem Gelände der nach 1945 mit Trümmerschutt verfüllten Lehmgrube befindet sich eine Kleingartenanlage.
Der Rubensweg wurde im Zuge des Neubaugebietes Zschertnitz angelegt und erhielt 1975 seinen Namen nach dem flämischen Maler Peter Paul Rubens (1577-1640). Rubens gehörte ab 1598 der Malerzunft seiner Heimatstadt Antwerpen an und gehörte zu den bedeutendsten Künstlern seiner Zeit. Auch in der Dresdner Galerie “Alte Meister” befinden sich einige seiner Bilder. Die Rungestraße wurde 1938 im Zusammenhang mit einer geplanten, aber nie vollständig realisierten Kleinhaussiedlung angelegt und nach dem Maler Philipp Otto Runge (1777-1810) benannt. Runge gehört zu den wichtigsten Vertretern der deutschen Romantik und lebte zwischen 1801 und 1804 in Dresden. Zu den vor 1945 fertiggestellten Gebäuden gehörte das Haus des Arztes Dr. Rainer Fetscher (Nr. 45), der am 8. Mai 1945 von der SS beim Versuch der kampflosen Übergabe Dresdens erschossen wurde. Der von der übrigen Rungestraße getrennte Straßenteil auf Strehlener Flur erhielt nach 1990 den Namen Schurichtstraße. Zwischen 1972 und 1975 war das dazwischen liegende Terrain bereits mit den Plattenbauten des Neubaugebietes Zschertnitz bebaut wurden. Die Schinkelstraße wurde Mitte der 30er Jahre angelegt und anschließend mit Ein- und Mehrfamilienhäusern bebaut. Karl Friedrich Schinkel (1781-1841) gilt als Hauptarchitekt des Klassizismus und schuf in Dresden die Altstädter Wache am Theaterplatz. Die auf dem südlichen Kamm des Elbtals verlaufende Südhöhe hieß ursprünglich Kohlenstraße, da sie als Transportweg der Schächte im Gittersee-Birkigter Steinkohlenrevier diente. Um 1900 wurde die Straße in Südhöhe umbenannt und bildet teilweise die Flurgrenze zwischen Mockritz und Zschertnitz. Die ersten Wohnhäuser entstanden auf Mockritzer Flur um 1890. Die gegenüberliegende Straßenseite blieb unbebaut, da sich hier die große Lehmgrube der Vereinigten Zschertnitzer Baugesellschaft befand. Nach 1945 wurde diese Grube mit Trümmerschutt aus der zerstörten Innenstadt verfüllt.Auf den Freiflächen westlich der Münzmeisterstraße entstand in den 70er Jahren rund um den Bismarckturm das Neubaugebiet Räcknitzhöhe mit mehrgeschossigen Plattenbauten. Hinzu kamen eine inzwischen nicht mehr vorhandene Schule (125. POS “Heinrich Heine”) sowie eine Lebensmittelkaufhalle. Vor der Kaufhalle erinnert ein historischer Weichbildstein von 1729 an den einst komplizierten Flurverlauf zwischen der Stadt Dresden und den Nachbarorten Räcknitz und Zschertnitz. Der Stein trägt die Nr. 47 und das Stadtwappen und war einst ein wichtiger Vermessungspunkt.
Die Tizianstraße wurde 1973 auf dem Gelände eines früheren Sportplatzes angelegt und in der Folgezeit mit Plattenbauten bebaut. Einer Zschertnitzer Tradition folgend erhielt sie den Namen des italienischen Malers Tizian (eigentlich Tiziano Vecellio). Tizian wurde um 1490 in der Nähe von Venedig geboren und war später als Auftragsmaler für hochrangige Adlige, Kaiser Karl V. und den Papst tätig. 1576 starb er in Venedig. Einige Bilder Tizians finden sich in der Dresdner Galerie. Der Zschertnitzer Marktweg führte einst vom alten Dorfkern in nördlicher Richtung über die heutige Heinrich-Greif-Straße zum Zelleschen Weg und von dort am Bornberg vorbei (heute Beutlerpark) zur Innenstadt. Dieser alte Weg wurde nicht nur als Weg zum Markt genutzt, sondern war auch Kirchweg der Zschertnitzer, die bis zum Bau der Lukaskirche von der Kreuzkirche betreut wurden. Mit der Bebauung der südlich der Eisenbahnstrecke gelegenen Flächen nach 1870 verlor dieser Weg an Bedeutung und verschwand schließlich aus dem Stadtbild. Als Reststück des alten Zschertnitzer Marktweges besteht heute noch die Heinrich-Greif-Straße.
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