Zschertnitz entstand als slawische Siedlung am Südhang des Elbtales und wurde 1308
als Scherschicz erstmals urkundlich erwähnt. Der Ortsname ist aus dem sorbischen abgeleitet und bedeutet vermutlich “Leute des Srsa”. Andere Deutungen weisen auf die
Begriffe “cirtica” (= Rodungsort) oder “cert” (= Teufel) hin, wobei damit auch eine so benannte Person gemeint sein könnte. 1348 gehörte das Vorwerk Zschertnitz den
Söhnen des Dresdner Bürgers Nycolai de Jochgrimme , denen 1408 die bekannte Familie Münzmeister als Eigentümer folgte. Als Pächter der Freiberger Münze verfügte
diese über großen Reichtum und besaß zahlreiche Güter im Dresdner Umland. Hans Münzmeister war außerdem zeitweise Bürgermeister von Dresden. Abgaben mussten an das Meißner Domstift geleistet werden, welches für diesen
Zweck in Mockritz eine Garbensammelstelle unterhielt. Als besonderes Privileg waren die Bewohner von Zschertnitz vom Marktpfennig befreit, wenn sie ihre Waren auf dem Dresdner Wochenmarkt anboten.
1568 erwarb Kurfürst August das Zschertnitzer Vorwerk und siedelte hier vier Bauern und vier Gärtner an. Grund war die Anlage des Kammergutes Ostra, für welches die dort lebenden Familien ihre angestammten Felder verlassen
mussten und als Entschädigung neue Äcker in Zschertnitz und Neuostra erhielten. Durch diese Umsiedlung entwickelte
sich Zschertnitz zum Bauerndorf mit mehreren Gütern und insgesamt 84 Hektar Fläche. Kirchlich gehörte der Ort zur Parochie der Kreuzkirche, ab 1889 zur Lukaskirche. 1813 wurde Zschertnitz durch die Schlacht auf der nahegelegenen Räcknitzhöhe schwer in Mitleidenschaft gezogen. Im Anschluss wurden die sechs abgebrannten Gehöfte wieder
aufgebaut und bis zum Ende des 19. Jahrhunderts landwirtschaftlich genutzt. Das Foto zeigt das letzte noch erhaltene Zschertnitzer Gehöft an der Caspar-David-Friedrich-Straße 52.
Die umfangreichen Lehmvorkommen auf Zschertnitzer Flur führten um 1880 zur Entstehung dreier Ziegeleien, deren
Lehmgruben schon bald einen Großteil der Gemeindeflächen einnahmen und letztlich zur Einstellung der Landwirtschaft führten. Stattdessen wurde Zschertnitz zum Wohnvorort. Weit über die Ortsgrenzen hinaus wurde
das aus dem früheren Dorfgasthof hervorgegangene Tanz- und Ballhaus “Paradiesgarten” bekannt, welches bis 1945 zu den beliebtesten
Dresdner Vergnügungslokalen gehörte. Am 1. Juli 1902 wurde Zschertnitz nach Dresden eingemeindet. Foto: Der Dorfkern von Zschertnitz vor dem Abriss 1973
Trotz der verbesserten Verkehrsanbindung durch die 1904 eröffnete Straßenbahn entstanden bis zum Ersten Weltkrieg nur wenige neue Gebäude außerhalb des Dorfkerns. Am Zelleschen Weg befanden sich einige Handelsgärtnereien;
einige wenige Villen säumten die Paradiesstraße. Erst nach dem Ersten Weltkrieg entstanden weitere Ein- und Mehrfamilienhäuser. Mitte der Dreißiger Jahre wurde mit dem Bau der Knauerschen Siedlung auf dem Gelände eines
früheren Sportplatzes begonnen. Dieser Wohnanlage folgten bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges weitere Wohnhäuser an der Runge- und Schinkelstraße. Auch das Gelände der ehemaligen Stadtziegelei wurde 1939/40
teilweise mit Siedlungshäusern bebaut. Obwohl Zschertnitz 1945 nicht zum Hauptzielgebiet der Luftangriffe gehörte, wurden auch hier zahlreiche Gebäude
getroffen. So fielen Teile des Dorfkerns sowie einige Wohnhäuser an der Paradiesstraße und der Ewald-Schönberg- Straße den Bomben zum Opfer. Der Gasthof “Paradiesgarten” wurde schwer beschädigt und fortan
bis zum Abriss nur noch als Lagerhaus genutzt. Die stillgelegten Lehmgruben an der Südhöhe dienten bis in die 50er Jahre als Trümmerkippe für die zerstörte Innenstadt und wurden 1989 als Kleingartengelände freigegeben.
Mit dem Beschluss zum Bau eines großen Neubauviertels veränderte sich das Ortsbild
völlig. Der Dorfkern Altzschertnitz wurde 1973/74 vollständig abgebrochen. An seiner
Stelle entstanden sechs Wohnhochhäuser, die eine neue Dominante auf der Südhöhe bildeten. Weitere Wohnblocks wurden zwischen 1971 und 1976 auf Freiflächen rund um den Ort errichtet (Foto)
. Neben ca. 3.300 Wohnungen entstanden auch einige gesellschaftliche Bauten zur Versorgung der Bevölkerung. Bereits 1967 war an der Münzmeisterstraße das erste MOTEL der DDR eingeweiht worden.
Nach 1990 wurde an der Räcknitzhöhe ein neuer Einkaufskomplex gebaut, der den Namen des 1977 abgerissenen Gasthofs “Paradiesgarten” übernahm. Auch das Gelände des MOTELS wurde nach dessen Abriss mit modernen
Wohnhäusern bebaut. Außerdem befindet sich in der Gleisschleife der Straßenbahn seit Oktober 1995 der moderne Sportkomplex “TSF” mit öffentlicher Gaststätte.
Schulen in Zschertnitz: Da der Ort nie eine eigene Schule besaß, mussten die Zschertnitzer Kinder ab 1828 die Strehlener Schule besuchen.
Später gingen die wenigen Kinder nach Kaitz zum Unterricht, ab 1868 jedoch wieder nach Strehlen. Um die langen
beschwerlichen Schulwege abzukürzen und zugleich die bis dahin fälligen Schulgebühren su sparen, trat Zschertnitz
1890 dem Schulverband Mockritz - Räcknitz - Kleinpestitz bei, der an der Gemarkungsgrenze 1893 ein gemeinsames Schulhaus errichtete. Dieses Gebäude ist bis heute an der Südhöhe erhalten und wird
von der 70. Grundschule genutzt. Im Zusammenhang mit dem Bau des Neubaugebietes Zschertnitz entstand an Stelle eines abgerissenen Gehöfts an der
Paradiesstraße 1973/74 ein moderner Schulkomplex mit zwei Gebäuden, Sporthallen, Sportplatz und Schulgarten. Diese Schulen (110. und 111. POS) erhielten später die Namen Theodor Körners und Gottfried Sempers. Am
Giebelfeld erinnerte ein 1973 von Bruno Dolinski geschaffenes Wandbild an die Schlacht von Dresden 1813. Dieses
befindet sich heute im Militärhistorischen Museum und soll dort künftig im Rahmen einer Ausstellung über die Befreiungskriege zu sehen sein.
Nach 1990 wurden beide Schulen aufgelöst. Die Schulhäuser nutzte noch bis 2007 das Vitzthum-Gymnasium, welches
seit 1994 die Geschichte dieser traditionsreichen Schule fortsetzt. 2008 begann der Abriss der vorhandenen Gebäude, welche bis 2010 durch einen modernen Neubau ersetzt werden. Foto: Schulkomplex Zschertnitz um 1990 Kleingartenanlage “Heimaterde”: Die Kleingartenanlage an der Caspar-David-Friedrich-Straße entstand 1936 auf dem Gelände der früheren Lehmgrube
der Zschertnitzer Ziegelei. Während die eigentlichen Ziegeleigebäude noch bis zum Abriss 1994 gewerblich genutzt
wurden, waren die Lehmgruben bereits um 1930 verfüllt und planiert worden. In unmittelbarer Nähe der Anlage befindet sich seit 1975 das Seniorenheim “Olga Körner”.
Kleingartenanlage “Obere Südhöhe”:
Auch diese Kleingartenanlage liegt auf ehemaligem Ziegeleigelände. Nach Schließung der größten Zschertnitzer Ziegelei um 1930 wurde die Lehmgrube zunächst als
Müllkippe genutzt. 1944 erhielt sie sogar ein Anschlussgleis der Straßenbahn, welches zum Abfalltransport der Schienenreinigungswagen genutzt wurde. Nach Zerstörung
der Dresdner Innenstadt wurde die frühere Lehmgrube viele Jahre als Abraumhalde für Trümmerschutt genutzt, der per Straßenbahn zur Südhöhe transportiert wurde. Die
Ende der 50er Jahre entstandenen Pläne für einen Schieß- und Sportkomplex der GST kamen nicht zustande. Stattdessen wurde das Gelände Ende der 80er Jahre für
eine neue Kleingartensparte freigegeben, letzte vor der Wende in Dresden entstandene Anlage.
Weiterführende Literatur und Quellen
Zschertnitzer Nachrichten In der Reihe “Aus der Geschichte eines Dresdner Stadtteils” ist im Michel Sandstein
Verlag 2003 der Band “Zschertnitz” erschienen. Das von der Geschichtswerkstatt des Kreativstudios erarbeitete Buch informiert über Vergangenheit und Gegenwart
des Stadtteils und ist im Buchhandel erhältlich (ISBN-Nr. 3-930382-97-0).
7. Mai 2010:
An der Fassade des neuen Vitzthum-Gymnasiums wird nach dessen Fertigstellung eine künstlerisch gestaltete Uhr angebracht. Der Entwurf entstand im Rahmen des städtischen
Wettbewerbs “Kunst am Bau” und wurde vom Dresdner Künstler Sebastian Hempel geschaffen.19. Januar 2010:
Feierliche Übergabe des Kindergarten-Neubaus am Zschertnitzer Weg 23. Das als Ersatz für einen Vorgängerbau aus DDR-Zeiten entstandene Gebäude bietet künftig Platz für
176 Kinder, wird jedoch bis zum kommenden Jahr als Auslagerungsquartier der Kita Schnorrstraße genutzt. Zum Objekt gehören auch großzügige Spiel- und Freiflächen und Gemeinschaftsräume 26. November 2009:
Die Kindertagesstätte am Zschertnitzer Weg 23 ist fertiggestellt und soll im Januar 2010 eröffnet werden. Künftig stehen dort 136 Kindergarten- und 40 Krippenplätze zur
Verfügung. Der Neubau mit zusätzlichen Mehrzweckräumen und einem großen Freigelände ersetzt die im vergangenen Jahr abgerissene alte Kita aus DDR-Zeiten.8. Oktober 2009:
Auf dem Grundstück des abgerissenen Altenheims “Olga Körner” sollen künftig Einfamilien- und Reihenhäuser entstehen. Der DDR-Plattenbau war vor einigen Jahren durch ein
modernes Seniorenheim in unmittelbarer Nachbarschaft ersetzt worden. 7. August 2009: Für das Institut für Holztechnologie am Zelleschen Weg entsteht derzeit eine
moderne Halle. Künftig sollen hier Laborräume und Büros des Institutes untergebracht werden. Die 1952 gegründete Einrichtung widmet sich der Erforschung von Holz- und Faserwerkstoffen. 31. Juli 2009: Das 1953 errichtete Studentenwohnheim Zellescher Weg 41d soll ab Oktober 2009
saniert werden. Während die Fassade des von Heinrich Rettig entworfenen und gestalteten Gebäudes originalgetreu wiederhergestellt wird, entsteht im Inneren eine komplett neue
Raumaufteilung. Vorgesehen sind Einzel- und Doppelappartements mit Bad und Kochnische. 26. März 2009: Grundsteinlegung für den Neubau des Vitzthum-Gymnasiums an der
Paradiesstraße. Geplant ist ein modernes Unterrichtsgebäude für ca. 900 Schüler mit Mensa und Aula, Funktionsräumen und eine Dreifeldsporthalle nebst Außenanlagen. Der Entwurf stammt vom
Architektenbüro Meyer und Bassin in Kooperation mit Heinle, Wischer und Partner. Die Eröffnung soll voraussichtlich im Juli 2010 erfolgen. |
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