Die Fluren von Leubnitz waren spätestens seit dem 11. Jahrhundert dauerhaft
besiedelt, was zur Annahme führt, dass sich hier einst eine frühgeschichtliche Befestigungsanlage befand. Diese hatte ihren Standort vermutlich am Platz des
späteren Klosterhofes (Altleubnitz 12) und war Mittelpunkt eines Burgwardbezirkes, auch wenn urkundliche Belege dazu fehlen. Um diese burgartige Anlage entwickelte sich die slawische Siedlung Leubnitz, welche 1227
erstmals als Lubanitz erwähnt wurde. Der aus dem altsorbischen stammende Ortsname bedeutet “Leute eines Luban” und weist auf den Stammesältesten bzw.
Ortsgründer hin. 1233 gehörte der Rundweiler den Herren von Schönburg, welche ihren Besitz um 1280 Markgraf Heinrich dem Erlauchten verkauften. Dieser überließ seine Leubnitzer
Besitzungen seiner dritten Gemahlin Elisabeth von Maltitz, die als Witwe den Ort 1288 dem Kloster Altzella bei Nossen
schenkte. Unter Regie der Mönche, die in Leubnitz durch einen Hofmeister vertreten waren, wurde das alte Herrengut in
einen landwirtschaftlichen Großbetrieb mit beträchtlichem Landbesitz im Dresdner Raum umgewandelt und fortan als Klosterhof bezeichnet. Diesem Gut unterstanden u.a. die Orte Goppeln, Gostritz, Reick, Strehlen, Torna, Mannewitz
und Krebs sowie bestimmte Rechte in zahlreichen weiteren Dörfern. Über den Zelleschen Weg wurden die Erträge
dieser Gutswirtschaft durch Leubnitzer Bauern ins Mutterkloster Altzella abgeführt.
Nach Säkularisierung des Klosterhofes 1540 durch Kurfürst Moritz übergab dieser Leubnitz zehn Jahre später dem Rat
der Stadt Dresden, welcher den früheren Besitz als Leubnitzer Amt in die Stadt eingliederte. Bis zur Auflösung dieses
Amtes am 1. Oktober 1851 blieb der Ort ein der Stadt unterstelltes Bauerndorf, dessen Gehöfte bis heute im Dorfkern Altleubnitz erhalten blieben. Das einstige Verwaltungsgebäude des Klosterhofes wurde 1572 in eine Schankwirtschaft
umgewandelt. Die Felder und Gärten verpachtete man an Bauern aus Leubnitz und weiteren Orten. Von den Ereignissen
des Dreißigjährigen Krieges und des Siebenjährigen Krieges blieb Leubnitz weitgehend verschont, auch wenn Friedrich
II. von Preußen 1760 für einige Tage im Leubnitzer Pfarrgut Quartier nahm. Schwerer traf es das Dorf 1813, als einige
Gehöfte und das Schulhaus im Zusammenhang mit der Schlacht bei Dresden niederbrannten. Französische Truppen hatten zuvor erfolglos versucht, das von den Preußen besetzte strategisch günstig gelegene Dorf einzunehmen.
Foto: Altleubnitz um 1920
1569 entstand auf Leubnitzer Flur die Siedlung Neuostra. Nach Bildung des Ostravorwerkes mussten die dort lebenden Bauern der Dörfer
Groß- und Kleinostra ihren Besitz aufgeben und wurden vom Kurfürsten mit Feldern in Zschertnitz und Leubnitz entschädigt. 11 Bauern mit ihrem Ortsrichter Georg Fehrmann errichteten
mit kurfürstlicher Unterstützung neue Gehöfte an der heutigen Straße Neuostra (Foto)
. Nach Abschluss der Umsiedlung am 10. April 1569 wurde dieser Ort zum selbstständigen Dorf erklärt, welches bis zum Ende des 19. Jahrhunderts seine
Eigenständigkeit bewahren konnte. Erst am 1. Juli 1898 vereinigten sich Leubnitz und Neuostra zum Doppelort mit gemeinsamem Gemeinderat. Ein geplanter Anschluss von Torna und Gostritz kam nicht
zustande. Seit dem 1. Juni 1921 gehört Leubnitz-Neuostra als Stadtteil zu Dresden.
Auch nach dem Zusammenschluß konnte der Ort sein dörfliches Bild bewahren. Zu den wenigen gewerblichen
Unternehmen gehörten die Ziegeleien an der Dohnaer Straße und der Friebelstraße sowie die 1900 gegründete Nahrungsmittelfabrik Dr. Klopfer. Einige Leubnitzer verdingten sich als Heimarbeiter der Dresdner Zigarettenindustrie,
als Wäscherinnen und Näherinnen. Am 16. November 1902 verkehrte erstmals eine elektrische Straßenbahn zwischen
Dresden und Leubnitz, die jedoch 1974 durch Busse ersetzt wurde. Ein ebenfalls vorgesehener Eisenbahnbau zwischen
Strehlen und Dippoldiswalde über Leubnitz kam nicht zustande. Zu den kommunalen Errungenschaften dieser Zeit gehörten auch ein gemeindeeigenes Wasserwerk, die Einführung der Gasstraßenbeleuchtung, der Ausbau der
Kanalisation und die Befestigung der Straßen des Ortes sowie die Gründung einer Verbandssparkasse mit Kaitz und Gostritz.
Erst nach dem Ersten Weltkrieg erfolgten größere Erweiterungen durch neue Wohnsiedlungen an der Ortsgrenze zu
Torna, am Fuchsberg und der Friebelstraße. 1935 kamen die Siedlungen auf der Leubnitzer Höhe und an der Robert-
Sterl-Straße hinzu. Bereits um 1910 hatte es Planungen für eine Krankenanstalt für geistig Behinderte bzw. einen Start-
und Landeplatz für Luftschiffe auf der Leubnitzer Höhe gegeben. Realisiert wurde jedoch lediglich der Bau der heutigen Wilhelm-Franke-Straße zur Umgehung des alten Ortskerns. Trotz einiger Kriegszerstörungen blieb Leubnitz bis zur Gegenwart in erster Linie
Wohnvorort ohne größere gewerbliche Ansiedlungen. Einige Freiflächen wurden 1976-80 mit Wohnblocks bebaut. Zu den bekannten Wahrzeichen des Ortes gehören die um 1250 entstandene Dorfkirche, die zu den schönsten in Dresden gehört, sowie der sagenumwobene Heilige Born, der einst der Wasserversorgung des Klosterhofes und später des Dresdner Schlosses diente. Zahlreiche Gebäude
im Ortskern stehen unter Denkmalschutz. 1992 entstand auf der Leubnitzer Höhe ein moderner Wohnkomplex mit einem Hotel. Im Ortskern folgte kurz darauf das Einkaufszentrum Leubnitz-Passage (Foto)
gegenüber dem früheren Gasthof “Edelweiß”.
- Schulen in Leubnitz: Alte Dorfschule:
Die Ursprünge des Schulwesens in Leubnitz gehen vermutlich auf den Klosterhof zurück, wo in einem Raum ausgewählte Knaben in Religion, Latein, Lesen
und Gesang unterrichtet wurden. Eine Dorfschule wurde erstmals im Jahr 1569 erwähnt. Diese befand sich in unmittelbarer Nähe der Kirche auf dem Gelände des
heutigen Friedhofs. Da sie die einzige im gesamten Kirchspiel war, besuchten auch die Kinder der Nachbarorte diese Schule. 1813 wurde das Schulhaus bei
Kampfhandlungen schwer beschädigt und musste daraufhin fast völlig neu aufgebaut werden. Obwohl 1838 die zuvor zum Leubnitzer Schulbezirk gehörenden Orte
Nöthnitz, Rosentitz, Sobrigau, Gaustritz und Golberode ausgegliedert worden waren, machte sich im gleichen Jahr ein Anbau für die gewachsene Kinderzahl erforderlich. Im Erdgeschoss des erweiterten
Gebäudes befanden sich die Klassenräume, im Obergeschoss die Wohnung des Lehrers. Nach Fertigstellung des neuen Schulhauses wurde es 1868 abgerissen.
Neue Dorfschule:
1868 erfolgte die Einweihung einer neuen Schule auf der Menzelgasse 2. Neben der Ausbildung der Kinder übernahm diese Schule ab 1873 auch die vorgeschriebene Fortbildung von Lehrlingen der landwirtschaftlichen
und gewerblichen Berufe. In Folge der zunehmenden Bevölkerungszahl schieden die Orte Goppeln, Kauscha, Prohlis
und Reick 1890 aus dem Leubnitzer Schulverband aus und gründeten eigene Bildungseinrichtungen. 1897 folgte der
Nachbarort Gostritz. Bereits 1889 hatte der Prohliser Schloßbesitzer Johann Christian von Kap-herr in einem Tornaer
Gut eine Außenstelle der Leubnitzer Schule eingerichtet. Nach Eröffnung der Schule am Heiligen Grund 1907 wurde die alte Dorfschule geschlossen und dient heute als Kirchgemeindesaal. 68. Grundschule: Das Gebäude entstand im Ergebnis eines Architektenwettbewerbs, welcher vom ortsansässigen
Baumeister Moritz Adolf Rietschel gewonnen wurde. Nachdem die Gemeinde 1904 ein Grundstück am Eingang zum
Heiligen Grund erworben hatte, konnte am 21. Mai 1906 die Grundsteinlegung erfolgen. Bereits ein knappes Jahr später, am 15. April 1907 wurde die neue Leubnitzer Schule eingeweiht. Das Schulhaus erhielt neben neun
Klassenräumen eine Aula, Wohnungen für Direktor und Hausmeister sowie eine Turnhalle. Die unsymmetrische Lage des
Uhrturmes zum Hauptgebäude weist auf nicht realisierte Pläne hin, das Gebäude bei Bedarf erweitern zu können. Über dem Haupteingang erinnern die Worte “Lerne Weisheit, übe Tugend” an die Weiherede des Königlichen
Bezirksschuldirektors Schmidt am Eröffnungstag. Auch am Giebel der Turnhalle hat sich ein historisches Zeugnis der
Entstehungszeit erhalten. Das sogenannte “Turnerkreuz” mit den vier Initialien “F” (“Frisch, Fromm, Fröhlich, Frei”) geht
auf den deutschen Turnvater Jahn zurück, wurde wegen Missbrauchs durch die Nationalsozialisten aber an vielen anderen Orten nach 1945 entfernt.
Zwischen 1935 und 1954 hatte in der Schule auch die Leubnitzer Heimatstube ihren Sitz. Heute wird das Haus von der
68. Grundschule “Am Heiligen Born” genutzt. Auf dem Gelände erinnert ein Gedenkstein an den früheren Leubnitzer Lehrer und antifaschistischen Widerstandskämpfer Wilhelm Franke. 116. Mittelschule:
Diese Schule wurde 1979 im Zuge eines Neubaugebietes an der Feuerbachstraße eröffnet und trug bis 1990 den Namen 116. POS “Rudolf Bergander”. Heute dient sie als 116. Mittelschule für Leubnitz und Umgebung.
130. Mittelschule: Ein weiteres Schulhaus folgte 1986 mit der 130. POS auf der Karl-Laux-Straße. 2001 wurde diese
wegen sinkender Schülerzahlen wieder geschlossen. Das Gebäude wird heute als Schule für Erziehungshilfe zur Betreung von Kindern mit sozialen und emotionalen Problemen genutzt und trägt seit 2010 den Namen “Am
Leubnitzbach”. Strick- und Nähschule: Seit 1874 besaß Leubnitz auch eine Strick- und Nähschule, die unter Schirmherrschaft von
Königin Carola stand und junge Mädchen in Handarbeiten unterrichtete. Während die meisten Schülerinnen Schulgeld
bezahlen mussten, existierten auch 24 Freistellen für ärmere Kinder. Nach dem Tod der Königin wurde die Einrichtung
von der Königin-Carola-Gedächtnis-Stiftung finanziert. Seit 1907 gehörte die Nähschule zur Leubnitzer Volksschule und wurde erst 1921 aufgelöst. Weiterführende Literatur und Quellen
Leubnitzer Nachrichten 1. Februar 2012:
Das Café Blumenreich im Wohnpark „Leubnitzer Höhe“ schließt Ende März seine Pforten. Grund sind zu wenige Gäste in dem erst im vorigen Jahr eröffneten Lokal. Der Laden wurde schon bei der
Errichtung des Wohngebiets 1995 als Café konzipiert, stand jedoch viele Jahre leer.16. August 2011:
Die Sanierungsarbeiten an der ehemaligen Gaststätte „Edelweiß“ gehen voran. Derzeit werden in dem entkernten Gebäude neue Stahlbetondecken und Zwischenwände eingebaut. Künftig werden hier neun Eigentumswohnungen und vier Ladengeschäfte entstehen.
22. Mai 2011: An der Goppelner Straße 36 entsteht derzeit ein neuer „Netto“-Supermarkt. Die Eröffnung ist für Ende Mai vorgesehen. 7. April 2011:
Die Entkernung der ehemaligen Gaststätte „Edelweiß“ an der Wilhelm-Franke- Straße ist abgeschlossen. Damit kann nun der Neuaufbau beginnen. Geplant sind Läden, Büros und Wohnungen. 11. März 2011:
Im ehemaligen Café Göhler im Wohnpark auf der Leubnitzer Höhe hat ein neues Eiscafé eröffnet. Unter dem Namen „B(b)lumenreich“ soll das kleine Café künftig zugleich auch als Blumenschau und Galerie dienen.
Literatur zu Leubnitz und Umgebung finden Sie auch hier: |
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