Das Gebiet um Lockwitz und Nickern war bereits in der Bronzezeit besiedelt, wie
entsprechende Funde auf Nickerner Flur beweisen. Die aus zwei Siedlungskernen entstandene slawische Siedlung Lockwitz entstand vermutlich im 10. Jahrhundert am
gleichnamigen Lockwitzbach und wurde 1288 erstmals als Lucawitz urkundlich erwähnt. Der Name bedeutet übersetzt “Ort am Wiesenbach” und wurde sowohl für
Groß- als auch Kleinlockwitz verwendet. Später unterschied man die beiden Ortsteile Niederlockwitz mit dem Rittergut und Oberlockwitz, womit die Siedlung am
Galgenberg gemeint war. Frühgeschichtliche Funde belegen die Besiedlung der Lockwitzer Flur im 10./11. Jahrhundert. In diesem Zeitraum entstand auch eine Wallanlage im Südwesten des Ortes, von
der jedoch keine Reste mehr vorhanden sind.
Der Ort unterstand ursprünglich dem Markgrafen von Meißen und kam gemeinsam mit einigen anderen Dörfern 1311
zum Dresdner Brückenamt. Zinsrechte besaß um 1400 auch das Maternihospital. 1349 ist erstmals ein Rittergut erwähnt,
welches zunächst der Familie Karas, ab 1402 der Dresdner Bürgerfamilie Ziegler, ab 1511 der Adelsfamilie Alnpeck gehörte. 1621/22 entstand an seiner Stelle das noch heute erhaltene Schloss und die baulich mit ihm verbundene Kirche.
Eine größere Dorferweiterung erfolgte 1685/95 Am Plan an Stelle einer abgetragenen Schanze. Eine Besonderheit von
Lockwitz war, dass das hiesige Rittergut neben den Niedergerichten auch die Obere Gerichtsbarkeit besaß, und somit auch Todesurteile bei schweren Verbrechen verhängen durfte.
Schwer betroffen war Lockwitz im Dreißigjährigen Krieg, wo der Überlieferung nach die Lockwitzer Einwohner ihre
Mehl- und Brotwagen mit Steinen erfolgreich gegen die Angreifer verteidigten. Bereits zuvor hatte man den Ort teilweise
mit einer Schanze umgeben, was Plünderungen jedoch nicht verhindern konnte. Am Krähenhügel kam es wenig später zu einem Gefecht zwischen kaiserlichen und schwedischen Truppen. Auch im Nordischen Krieg 1706/07 hatten die
Bewohner unter Kontributionen und Einquartierungen zu leiden, ebenso im Siebenjährigen Krieg, wo Preußenkönig Friedrich II. für einige Wochen im Lockwitzer Schloss sein Hauptquartier einrichtete. Im 18./19. Jahrhundert wechselten die Besitzer des Dorfes häufig. Bedeutendster
Grundherr war ab 1813 Johann Gottlob Preußer, der seinen Bauern freiwillig Fronen und Zinsen erließ und zu den Wegbereitern der bürgerlichen Reformen in Sachsen gehörte.
Diese brachten auch für Lockwitz Veränderungen mit sich. Neben der bislang dominierenden Landwirtschaft und dem Obstanbau entstanden erste gewerbliche Unternehmen, meist in früheren Mühlen im Lockwitzgrund (Foto). Wichtige Erwerbszweige waren neben dem Müllerhandwerk die Brotbäckerei sowie die
Strohflechterei, die in Heimarbeit betrieben wurde. Außerdem gab es in Lockwitz sieben Destillationsbetriebe, eine Ziegelei und eine 1837 gegründete Zuckerfabrik. Die frühere Hänichenmühle diente ab 1838 der Spiritusherstellung, die
Schmidtmühle ab 1868 als Papierfabrik. Später entstand hier eine Produktionsstätte für Nudeln und andere Teigwaren. Bedeutendstes Lockwitzer Unternehmen war jedoch die 1885 entstandene Schokoladenfabrik Rüger.
Zu den wichtigsten Abnehmern der um Lockwitz ansässigen Obstbauern gehörte die 1893 durch Emil Donath gegründete Obstsaftkelterei, die zu den Pionieren der Branche in Deutschland gehörte und noch bis 1994 im
Lockwitzgrund ansässig war. Diese Industrialisierung führte auch zum Bau neuer Wohnhäuser im Ort. Noch vor dem
Ersten Weltkrieg entstanden Am Galgenberg Ein- und Mehrfamilienhäuser. Zur Verbesserung der Verkehrsverbindung nach Kreischa und Niedersedlitz trug die 1906 eröffnete elektrische Lockwitztalbahn bei, die 1977 stillgelegt wurde. Auch nach dem Ersten Weltkrieg setzte sich die positive Entwicklung des Ortes fort. Neue Wohnsiedlungen wurden in den Zwanziger Jahren an der Nickerner Straße, Auf
dem Pläner und an der Gerberstraße (Foto) errichtet. 1920 konnte am Gückelberg ein Freibad eröffnet werden, welches jedoch nur bis 1945 existierte und dann als Lagerplatz der Kelterei genutzt wurde.
Nachdem 1923 der Nachbarort Nickern nach Lockwitz eingemeindet worden war, kamen beide Orte am 1. Januar 1930 als Stadtteile zu Dresden. Kurz zuvor war 1927 ein vollautomatisches Stauwehr des Lockwitzbaches
in Betrieb genommen worden, welches künftige Hochwasserschäden vermeiden sollte. Solche sind für Lockwitz u. a. 1897, 1924 und 1925 verbürgt. Leider wurde dieses Wehr beim schweren Sommerhochwasser im August 2002
teilweise zerstört.
Das frühere Rittergut Lockwitz, welches sich ab 1867 im Besitz der Familie Kap-herr befunden hatte, wurde 1946 an 23
Neubauern aufgeteilt. Diese gründeten am 21. September 1952 die erste Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft
im Dresdner Stadtgebiet. 1958/62 wurde diese mit einigen Nachbar-LPG`s vereinigt. Bis heute blieb Lockwitz ein bevorzugter Wohnstandort, was nach 1990 zum Bau neuer Siedlungen zwischen dem Dorfkern und Nickern führte.
Postwesen in Lockwitz: Am 1. Oktober 1857 wurde in Lockwitz die erste Postexpedition eingeweiht, nachdem die Post zuvor nur über Boten
und Fuhrleute befördert worden war. Die Räume der Poststelle lagen im Rittergut und waren auch für die umliegenden
Orte im Lockwitztal sowie für Reick und Prohlis zuständig. Die Sendungen kamen in der Regel per Zug aus Dresden
oder Pirna und wurden vom Ortsbriefträger am Niedersedlitzer Bahnhof in Empfang genommen. 1877 erhielt der Ort erstmals Telegraphenanschluss.
Zur Beförderung der Postgüter nutzte das Lockwitzer Postamt zunächst eine Postkutsche, deren regelmäßiger Verkehr erst 1906 mit Eröffnung der Lockwitztalbahn eingestellt wurde. Diese übernahm dann den Transport,
wobei ein eigens angeschaffter Postbeiwagen an die regulären Züge angehängt wurde. Erst in der Nachkriegszeit nach 1945 wurde diese Art der Postbeförderung eingestellt.
Schulen in Lockwitz: Die erste Dorfschule entstand 1623
in Niederlockwitz und war bis Mitte des 19. Jahrhunderts in Betrieb. Im gleichen Jahr war der Ort zur selbstständigen Kirchgemeinde erklärt worden,
wodurch der lange Schul- und Kirchweg nach Leubnitz entfiel. 1868 wurde ein Schulneubau an der Tögelstraße eingeweiht, der 1906 durch die Schule an der Urnenstraße abgelöst
wurde. Bis zur Schließung im Sommer 2008 befand sich hier die 79. Mittelschule (Foto).
Freibad Lockwitz: Die erste Bademöglichkeit im Ort existierte bereits seit 1916, nachdem der Besitzer der Dampfmühle Lockwitz, Paul
Blischke, den Vorfluter des Mühlgrabens zu Badezwecken freigegeben hatte. Zunehmende Sicherheits- und hygienische
Bedenken sowie die verbreitete Praxis des “wilden” Badens in der Lockwitz führten zu Überlegungen der Gemeinde, ein
eigenes Freibad zu errichten. Nach Abschluss eines Pachtvertrages mit dem Schlossbesitzer von Kap-herr entstand
1927/28 ein kleines Schwimmbecken mit einer Größe von ca. 33 x 17 Metern, welches am 16. Juni 1928 offiziell als Freibad der Bevölkerung übergeben wurde. Nach der Eingemeindung des Ortes erwarb die Stadt Dresden 1930 das
Grundstück und ließ das Bad 1936 mit Umkleidekabinen aus dem stillgelegten Kleinzschachwitzer Elbebad ausstatten. Mangelnde Pflege in der Kriegs- und
Nachkriegszeit sowie Überschwemmungen durch den Lockwitzbach führten nach 1945 zur Schließung und der Übergabe des Areals an die “Jugendheim GmbH”.
Diese wollte die verbliebenen Baulichkeiten als Versammlungs- und Unterkunftsräume nutzen und das trockenliegende Schwimmbecken verfüllen. Dazu
kam es jedoch nicht, so dass der Pachtvertrag 1950 aufgelöst und das Grundstück der Kelterei Lockwitzgrund überlassen wurde. Diese nutzte es für ihre
Betriebssportgemeinschaft “BSG Lockwitzgrund”, später als Lagerfläche. Pläne für einen Wiederaufbau des Freibades an anderer Stelle kamen nicht zustande.
Weiterführende Literatur und Quellen
Lockwitzer Nachrichten 22. Dezember 2011:
Ab Januar hat der in den ehemaligen Kellern der Kelterei Lockwitzgrund befindliche Salzstollen Dresden auch sonnabends geöffnet. Die im Oktober eröffnete Heilgrotte im Komplex der „Unterirdischen Welten“ (Lockwitzgrund 38) hilft Personen, welche unter Asthma, Heuschnupfen oder Husten leiden und ist mit verschiedenen Salzwasseranlagen ausgestattet.
23. Oktober 2011:
Mit einem Festgottesdienst feiert die Kirchgemeinde der Lockwitzer Schlosskirche den Abschluss der Innenrestaurierung. Mit Vollendung der Kanzel wurden die mehrere Jahre lang andauernden Arbeiten jetzt abgeschlossen.
12. Oktober 2011:
In den früheren Lagerräumen der Kelterei Lockwitzgrund hat jetzt ein Salzstollen eröffnet. Besucher finden dort Liegestühle, Sand und passende Beleuchtung zum Erholen und Entspannen. Das Klima der Heilgrotte soll bei Schnupfen, Husten und Asthma helfen. In den Nachbarkellern wird bereits seit einigen Jahren die Partylocation „Unterirdische Welten“ betrieben.
3. August 2011:
Nach Abschluss der Restaurierungsarbeiten am Altar der Lockwitzer Schlosskirche sollen jetzt auch Kanzel und die Steinfigur „Liebe“ saniert werden. Derzeit werden die Übermalungen abgetragen, um die ursprüngliche Farbgestaltung sichtbar zu machen. Anschließend werden Kanzel und Statue neu bemalt.
18. Juni 2011:
Zwischen Lockwitz und Kreischa soll in den kommenden Jahren ein Radweg durch das Lockwitztal angelegt werden. Derzeit beraten Stadtplanungsamt und Landkreis Sächsische Schweiz über die günstigste Trassenführung des Weges.
20. Februar 2010:
Historische Fotos von Lockwitz sind ab sofort auf einer neuen Internetseite zu sehen. Die Bilder wurden ursprünglich für eine Ausstellung 1988 gesammelt und jetzt online gestellt.
www.lockwitz-intern.de
Literatur zu Lockwitz und Umgebung finden Sie auch hier: |
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