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Von den verbliebenen und in den letzten Jahren zum Teil sanierten Gebäuden stehen die Gehöfte Altreick Nr. 21 (erbaut 1774) sowie Mügelner Straße 3, 5 und 7 unter Denkmalschutz. Am Wohnhaus Altreick Nr. 7 erinnert eine Gedenktafel an den Dorfbrand von 1790, während im Giebel von Nr. 21 noch einige Kanonenkugeln von 1813 eingemauert sind. Heute befindet sich in diesem Haus eine Pension (Foto). Der stark verfallene Dreiseithof Mügelner Straße 7 wurde 2009 rekonstruiert und zu einer Wohnanlage ausgebaut. Der Straßenname Am Lehmhaus erinnert an die 1920 erfolgte Grundsteinlegung für die Siedlung der Heimstätten- Genossenschaft Reick. Zu den ersten Häusern gehörte ein aus Lehm und Abbruchmaterial entstandener Versuchsbau, der die Erwartungen jedoch nicht erfüllen konnte. Die übrigen Gebäude wurden bis 1932 in klassischer Bauweise errichtet und gehören zu den wichtigen Zeugnissen des sozialen Wohnungsbaus in Dresden.
Foto: Der Bilderfries am Lehmhaus wurde 1969 aus Anlass des 50. Jubiläums der Reicker Heimstättengenossenschaft an der Giebelwand des ersten Gebäudes der Siedlung angebracht. Der Besselplatz wurde in den Zwanziger Jahren im Zusammenhang mit dem Bau der Reicker Siedlung angelegt und als großzügige Grünanlage gestaltet. Der Name erinnert an den Mathematiker und Astronom Friedrich Wilhelm Bessel (1784-1846), der u. a. die exakte Figur und Größe der Erde bestimmte.
Foto: Wohnhaus der Reicker Siedlung am Besselplatz Die Eva-Schulze-Knabe-Straße entstand im Zusammenhang mit dem Bau des Neubaugebietes Reick und verläuft parallel zum Koitzschgraben, der historischen Flurgrenze zwischen Reick und Strehlen. Ihren Namen erhielt sie nach der Malerin und Grafikerin Eva-Schulze-Knabe (1907-1976), die gemeinsam mit ihrem Mann Fritz Schulze in den Zwanziger Jahren der proletarischen Künstlergruppe “ASSO” angehörte. Während ihr Mann 1942 von den Nationalsozialisten hingerichtet wurde, überlebte Eva Schulze-Knabe die NS-Diktatur und war nach 1945 als Professorin an der Dresdner Kunstakademie tätig. An das Ehepaar erinnert seit 1954 ein Gedenkstein an ihrem ehemaligen Atelier am Hohen Stein in Plauen. Die Gasanstaltstraße entstand im Zusammenhang mit dem Bau des am 1. März 1881 eröffneten Gaswerkes Reick
. Bis zu seiner Stilllegung 1973 sicherte dieses Werk die Gasversorgung der Stadt Dresden. Später entstand an seiner Stelle ein
modernes Fernheizwerk. Von den ehemaligen Bauten sind noch zwei historische Gasometer erhalten geblieben. Der größere
wurde 1908 von Hans Erlwein errichtet, steht jedoch heute nach gescheiterten Umbauplänen in ruinösem Zustand leer. Im
kleineren Gasometer befindet sich seit Dezember 2006 das “Panometer”, ein über 100 Meter großes Rundpanorama-Bild, welches die Dresdner Innenstadt im Jahr 1756 darstellt.
1909 wurde an der Gasanstaltstraße die bis 1939 genutzte Radrennbahn angelegt. Neben Sportwettkämpfen fanden hier auch politische Kundgebungen statt. U.a. sprach 1932 Ernst Thälmann auf einer Wahlkampfveranstaltung vor tausenden
Dresdner Arbeitern. Die Georg-Mehrtens-Straße wurde 1997 im Gewerbegebiet Lohrmannstraße angelegt und nach dem Ingenieur Georg Mehrtens benannt. Mehrtens war ab 1897 Professor für Eiserne Brücken an der Technischen Hochschule und befasste sich mit der Konstruktion moderner Straßen- und Eisenbahnbrücken. Die Gudehusstraße erinnert an den Opernsänger Heinrich Wilhelm Gudehus (1842-1909), der ab 1880 an der Semperoper engagiert war und als Heldentenor in Wagner-Stücken bekannt wurde. Gudehus lebte trotz verschiedener Auslandsauftritte bis zu seinem Tod in Johannstadt und liegt auf dem Alten Annenfriedhof begraben.
Foto: Wohnhäuser an der Gudehusstraße Die Herschelstraße entstand im Zusammenhang mit dem Bau der Siedlung der Heimstätten-Genossenschaft und wurde nach dem Astronomen Friedrich Wilhelm Herschel (1738-1822) benannt. Als königlicher Hofastronom in England entdeckte Herschel 1781 den Planeten Uranus. Die frühere Lindenstraße erhielt nach der Eingemeindung von Reick den Namen Hülßestraße. Julius Ambrosius Hülße (1812-1876) kam 1850 als Professor für mechanische Technologie und Volkswirtschaft an die Polytechnische Schule in Dresden und war viele Jahre deren Leiter. Er befasste sich vor allem mit der Technik der Textilverarbeitung und mit den Grundlagen des Eichwesens. Seinen Namen trägt seit 1990 auch das hier befindliche Julius-Ambrosius-Hülße- Gymnasium. Das Gebäude selbst entstand bereits 1928/29 und gehörte damals zu den modernsten Schulbauten Europas.
Die Gebäude an der Keplerstraße entstanden Anfang der Zwanziger Jahre durch die Heimstätten-Genossenschaft Reick. Ihren Namen erhielt die Straße nach dem Astronomen Johannes Kepler (1571-1630), der die Keplerschen Gesetze des Planetenumlaufs um die Sonne entdeckte. Zu den markantesten Bauten gehört das Eckhaus Kepler-/Reicker Straße mit seinem runden Ladenvorbau, der viele Jahrzehnte eine Fleischerei beherbergte.1997 wurden im Anschluss an die vorhandene Bebauung fünf neue Wohnkomplexe errichtet.
Foto: Kreuzung Keplerstraße/ Reicker Straße mit der “runden Ecke” Die Kurt-Beyer-Straße wurde 1997 im neuen Reicker Gewerbepark an der Lohrmannstraße angelegt und erhielt ihren Namen nach dem Bauingenieur Kurt Beyer (1881-1952). Beyer befasste sich mit der Konstruktion moderner Stahlbetonbauten und war ab 1919 an der Technischen Hochschule tätig. Maßgeblich beteiligt war er am Bau des Pumpspeicherwerkes Niederwartha, der Kaditzer Elbbrücke sowie am Wiederaufbau Dresdner Brücken nach 1945.
Die Lohrmannstraße entwickelte sich nach dem Ersten Weltkrieg zum bevorzugten Gewerbestandort für zahlreiche Unternehmen. Zu den ältesten Betrieben gehörte die frühere Reicker Brauerei, die in den Dreißiger Jahren geschlossen wurde. Nach 1990 entstand ein Gewerbepark, dessen Straßen nach bedeutenden Technikern und Wissenschaftlern der TH benannt wurden. Die Marie-Wittich-Straße erinnert an die Opernsängerin Marie Wittich (1862-1931), die ab 1884 zum Ensemble der Dresdner Oper gehörte. Berühmt wurde sie in der Rolle der “Salomé” bei der Uraufführung der gleichnamigen Oper in Dresden 1905. Die nach dem heutigen Heidenauer Ortsteil Mügeln benannte Mügelner Straße entstand ursprünglich als Straße W und verbindet den alten Dorfkern von Reick mit den Nachbarorten Dobritz und Niedersedlitz. In Altreick haben sich noch einige Gehöfte aus der dörflichen Vergangenheit des Ortes erhalten, welche unter Denkmalschutz stehen (Nr. 3, 5 und 7). Hauptsächlich siedelten sich hier jedoch verschiedene Industriebetriebe an. Außerdem befindet sich an der Mügelner Straße der 1913 eröffnete Straßenbahnhof Reick mit der Weichenbauwerkstatt der Dresdner Verkehrsbetriebe. Firma Emil Wünsche: Das Unternehmen ging auf den Kaufmann Emil Wünsche zurück, welcher ab 1889 ein Geschäft für Kameras und Photopapier besaß. 1895 übernahm er die Firma seines Lieferanten Paul Förster auf der Josephinenstraße 1. Zunächst führte Wünsche den kleinen Handwerksbetrieb zur Herstellung von Fotoapparaten fort, entschied sich jedoch schon im Folgejahr zur Expansion. Dafür erwarb er ein Grundstück an der Mügelner Straße in Reick. 1898 wurde der Betrieb in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Obwohl die Produkte durchaus einen guten Ruf besaßen, geriet das junge Unternehmen in finanzielle Schwierigkeiten. 1902 beging Emil Wünsche Selbstmord. Der Betrieb wurde von seinen Erben fortgeführt und schloss sich 1909 mit der Striesener Kamerafabrik Hüttig AG und weiteren deutschen Herstellern zur ICA A.G. zusammen. 1926 kam diese zum Zeiss Ikon Konzern. Nach 1945 wurde die Produktion in Reick als Betriebsteil von PENTACON fortgesetzt und 1990 eingestellt.
Die Otto-Mohr-Straße entstand zur Erschließung des Gewerbegebietes zwischen Lohrmannstraße und Seidnitzer Weg. Der Name erinnert an den Hochschulprofessor Otto Mohr, der zwischen 1873 und 1900 Professor für Technische Mechanik, Festigkeitslehre und Graphische Statik an der Technischen Hochschule in Dresden war. Mohr befasste sich vor allem mit Problemen des Eisenbahn- und Wasserbaus. Die Perronstraße wurde 1920 im Zusammenhang mit der Reicker Siedlung angelegt. Ihren Namen erhielt sie nach dem Astronomen und Mathematiker Oskar Perron (1880-1975). Die in den Zwanziger Jahren angelegte Scheidemantelstraße erhielt ihren Namen nach dem Opernsänger Karl Scheidemantel (1859-1923), der zwischen 1886 und 1911 als Bariton dem Ensemble der Dresdner Oper angehörte. Nach zeitweiser Abwesenheit wurde Scheidemantel 1920 für zwei Jahre zum Operndirektor in Dresden gewählt. Die im “Astronomenviertel” um die Keplerstraße gelegene Schroeterstraße verdankt ihren Namen dem Astronomen Johann Hieronymus Schroeter (1745-1816) der sich mit dem Bau neuer astronomischer Fernrohre befasste und vor allem durch seine Arbeiten zur Monderkundung bekannt wurde. Die Schuchstraße erinnert an den bedeutenden Dirigenten Ernst Edler von Schuch (1846-1914), der 1872 als Musikdirektor an die Dresdner Oper verpflichtet wurde. Über vierzig Jahre prägte Schuch das Dresdner Musikleben und führte die Oper zu ihrem internationalen Ruf als wichtige Uraufführungsstätte für Strauss-Werke. Seine Tochter Liesel wurde als Sopranistin bekannt und erhielt kurz vor ihrem Tod 1990 die Ehrenbürgerschaft der Stadt. Die Seebachstraße wurde nach dem früheren Hoftheaterintendanten Nikolaus von Seebach (1854-1930) benannt, der 1894 zum Generaldirektor der Hofoper und des Hoftheaters ernannt wurde. Seebach blieb als einziger höfischer Intendant auch nach der Revolution 1918 im Amt und schied erst nach seinem 25-jährigen Dienstjubliäum 1919 auf eigenen Wunsch aus.
Foto: Blick von der Seebachstraße zum Neubaugebiet Reicker Straße (Otto-Dix-Ring)
Die Tornaer Straße geht auf einen alten Verbindungsweg zwischen Reick und Torna zurück und erhielt ihren Namen beim Ausbau zur Fahrstraße nach dem Ersten Weltkrieg. Noch bis Ende der Zwanziger Jahre befand sich an der Kreuzung mit
der Dohnaer Straße eine Ziegelei. 1919 begann die Heimstättengenossenschaft Dresden-Reick in diesem Gebiet mit dem
Bau einer Genossenschaftssiedlung. Die Gebäude an der Tornaer Straße wurden dabei von den Architekten Schilling & Gräbner, Rudolf Bitzan und Otto Wulle entworfen und bis 1930 fertiggestellt. Weitere Neubauten folgten auf den
verbliebenen Flächen nach 1990. Die Wieckestraße erhielt ihren Namen nach dem Schauspieler Paul Wiecke (1862-1944), der ab 1895 viele Jahre am Dresdner Schauspielhaus engagiert war. Als dessen Direktor zwischen 1920 und 1928 setzte sich Wiecke für die Aufführung moderner Stücke expressionistischer Autoren ein und wurde 1928 zum Ehrenmitglied des Theaters ernannt. Später wirkte er als Leiter eines privaten Komödientheaters auf der Reitbahnstraße und verstarb 1944 in Blankenburg/Harz. Seine Urne wurde 1951 nach Dresden überführt und auf dem Tolkewitzer Friedhof beigesetzt.
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