Straßen und Plätze in Reick

 


Altreick

In Altreick sind noch Teile des früheren Dorfkerns zu sehen, der bis 1945 zu den am besten erhaltenen in Dresden gehörte. Die meisten Gebäude entstanden nach dem letzten großen Dorfbrand 1807 bzw. nach 1813, als zahlreiche Gehöfte durch französische Soldaten zerstört wurden. Einige Häuser des Dorfes, welches sich auch an der Mügelner und der Reicker Straße entlangzog, fielen den Bomben des Zweiten Weltkrieges zum Opfer. Darunter befand sich auch der frühere Dorfgasthof mit seinem Ballsaal. Weitere Gehöfte mussten 1976 dem Bau des nahegelegenen Neubaugebietes Prohlis weichen.

Von den verbliebenen und in den letzten Jahren zum Teil sanierten Gebäuden stehen die Gehöfte Altreick Nr. 21 (erbaut 1774) sowie Mügelner Straße 3, 5 und 7 unter Denkmalschutz. Am Wohnhaus Altreick Nr. 7 erinnert eine Gedenktafel an den Dorfbrand von 1790, während im Giebel von Nr. 21 noch einige Kanonenkugeln von 1813 eingemauert sind. Heute befindet sich in diesem Haus eine Pension (Foto). Der stark verfallene Dreiseithof Mügelner Straße 7 wurde 2009 rekonstruiert und zu einer Wohnanlage ausgebaut.

Am Lehmhaus

Der Straßenname Am Lehmhaus erinnert an die 1920 erfolgte Grundsteinlegung für die Siedlung der Heimstätten- Genossenschaft Reick. Zu den ersten Häusern gehörte ein aus Lehm und Abbruchmaterial entstandener Versuchsbau, der die Erwartungen jedoch nicht erfüllen konnte. Die übrigen Gebäude wurden bis 1932 in klassischer Bauweise errichtet und gehören zu den wichtigen Zeugnissen des sozialen Wohnungsbaus in Dresden.

Foto: Der Bilderfries am Lehmhaus wurde 1969 aus Anlass des 50. Jubiläums der Reicker Heimstättengenossenschaft an der Giebelwand des ersten Gebäudes der Siedlung angebracht.

Besselplatz

Der Besselplatz wurde in den Zwanziger Jahren im Zusammenhang mit dem Bau der Reicker Siedlung angelegt und als großzügige Grünanlage gestaltet. Der Name erinnert an den Mathematiker und Astronom Friedrich Wilhelm Bessel (1784-1846), der u. a. die exakte Figur und Größe der Erde bestimmte.

Foto: Wohnhaus der Reicker Siedlung am Besselplatz


 

Eva-Schulze-Knabe-Straße

Die Eva-Schulze-Knabe-Straße entstand im Zusammenhang mit dem Bau des Neubaugebietes Reick und verläuft parallel zum Koitzschgraben, der historischen Flurgrenze zwischen Reick und Strehlen. Ihren Namen erhielt sie nach der Malerin und Grafikerin Eva-Schulze-Knabe (1907-1976), die gemeinsam mit ihrem Mann Fritz Schulze in den Zwanziger Jahren der proletarischen Künstlergruppe “ASSO” angehörte. Während ihr Mann 1942 von den Nationalsozialisten hingerichtet wurde, überlebte Eva Schulze-Knabe die NS-Diktatur und war nach 1945 als Professorin an der Dresdner Kunstakademie tätig. An das Ehepaar erinnert seit 1954 ein Gedenkstein an ihrem ehemaligen Atelier am Hohen Stein in Plauen.

Gasanstaltstraße

Die Gasanstaltstraße entstand im Zusammenhang mit dem Bau des am 1. März 1881 eröffneten Gaswerkes Reick . Bis zu seiner Stilllegung 1973 sicherte dieses Werk die Gasversorgung der Stadt Dresden. Später entstand an seiner Stelle ein modernes Fernheizwerk. Von den ehemaligen Bauten sind noch zwei historische Gasometer erhalten geblieben. Der größere wurde 1908 von Hans Erlwein errichtet, steht jedoch heute nach gescheiterten Umbauplänen in ruinösem Zustand leer. Im kleineren Gasometer befindet sich seit Dezember 2006 das “Panometer”, ein über 100 Meter großes Rundpanorama-Bild, welches die Dresdner Innenstadt im Jahr 1756 darstellt.

1909 wurde an der Gasanstaltstraße die bis 1939 genutzte Radrennbahn angelegt. Neben Sportwettkämpfen fanden hier auch politische Kundgebungen statt. U.a. sprach 1932 Ernst Thälmann auf einer Wahlkampfveranstaltung vor tausenden Dresdner Arbeitern.

Georg-Mehrtens-Straße

Die Georg-Mehrtens-Straße wurde 1997 im Gewerbegebiet Lohrmannstraße angelegt und nach dem Ingenieur Georg Mehrtens benannt. Mehrtens war ab 1897 Professor für Eiserne Brücken an der Technischen Hochschule und befasste sich mit der Konstruktion moderner Straßen- und Eisenbahnbrücken.

Gudehusstraße

Die Gudehusstraße erinnert an den Opernsänger Heinrich Wilhelm Gudehus (1842-1909), der ab 1880 an der Semperoper engagiert war und als Heldentenor in Wagner-Stücken bekannt wurde. Gudehus lebte trotz verschiedener Auslandsauftritte bis zu seinem Tod in Johannstadt und liegt auf dem Alten Annenfriedhof begraben.

Foto: Wohnhäuser an der Gudehusstraße

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Herschelstraße

Die Herschelstraße entstand im Zusammenhang mit dem Bau der Siedlung der Heimstätten-Genossenschaft und wurde nach dem Astronomen Friedrich Wilhelm Herschel (1738-1822) benannt. Als königlicher Hofastronom in England entdeckte Herschel 1781 den Planeten Uranus.

Hülßestraße

Die frühere Lindenstraße erhielt nach der Eingemeindung von Reick den Namen Hülßestraße. Julius Ambrosius Hülße (1812-1876) kam 1850 als Professor für mechanische Technologie und Volkswirtschaft an die Polytechnische Schule in Dresden und war viele Jahre deren Leiter. Er befasste sich vor allem mit der Technik der Textilverarbeitung und mit den Grundlagen des Eichwesens. Seinen Namen trägt seit 1990 auch das hier befindliche Julius-Ambrosius-Hülße- Gymnasium. Das Gebäude selbst entstand bereits 1928/29 und gehörte damals zu den modernsten Schulbauten Europas.

Hotel “Coventry”: Gegenüber der Schule befand sich viele Jahre die beliebte Reicker Wohngebietsgaststätte “Coventry”, benannt nach der Dresdner Partnerstadt in Großbritannien. 1993 wurde dieses Gebäude in ein Hotel umgewandelt. Im Erdgeschoss entstand die auch als Kleinkunstbühne dienende Gaststätte “Brimborium”, in der regelmäßig Kabarettisten und Künstler des Operettentheaters auftraten. 1998 musste die Betreibergesellschaft Insolvenz anmeldete. 2006 übernahm die österreichische Hotelkette “Belmondo” das Haus (Foto).

Keplerstraße

Die Gebäude an der Keplerstraße entstanden Anfang der Zwanziger Jahre durch die Heimstätten-Genossenschaft Reick. Ihren Namen erhielt die Straße nach dem Astronomen Johannes Kepler (1571-1630), der die Keplerschen Gesetze des Planetenumlaufs um die Sonne entdeckte. Zu den markantesten Bauten gehört das Eckhaus Kepler-/Reicker Straße mit seinem runden Ladenvorbau, der viele Jahrzehnte eine Fleischerei beherbergte.1997 wurden im Anschluss an die vorhandene Bebauung fünf neue Wohnkomplexe errichtet.

Foto: Kreuzung Keplerstraße/ Reicker Straße mit der “runden Ecke”

Kurt-Beyer-Straße

Die Kurt-Beyer-Straße wurde 1997 im neuen Reicker Gewerbepark an der Lohrmannstraße angelegt und erhielt ihren Namen nach dem Bauingenieur Kurt Beyer (1881-1952). Beyer befasste sich mit der Konstruktion moderner Stahlbetonbauten und war ab 1919 an der Technischen Hochschule tätig. Maßgeblich beteiligt war er am Bau des Pumpspeicherwerkes Niederwartha, der Kaditzer Elbbrücke sowie am Wiederaufbau Dresdner Brücken nach 1945.

Lohrmannstraße

Die heutige Lohrmannstraße geht auf einen alten Verbindungsweg zwischen Reick und Gruna zurück, der noch um die Jahrhundertwende als Grunaer Weg bezeichnet wurde. Nach 1913 wurde der nördliche Teil Gasanstaltstraße, der südliche Abschnitt Lohrmannstraße genannt. Der Name erinnert an den Geodäten und Astronomen Wilhelm Gotthelf Lohrmann (1796-1840), der an der großen Landvermessungsaktion 1825/30 beteiligt war. Zugleich leitete Lohrmann ab 1827 den Mathematisch-Physikalischen Salon, ab 1835 die Technische Bildungsanstalt.

Die Lohrmannstraße entwickelte sich nach dem Ersten Weltkrieg zum bevorzugten Gewerbestandort für zahlreiche Unternehmen. Zu den ältesten Betrieben gehörte die frühere Reicker Brauerei, die in den Dreißiger Jahren geschlossen wurde. Nach 1990 entstand ein Gewerbepark, dessen Straßen nach bedeutenden Technikern und Wissenschaftlern der TH benannt wurden.

Marie-Wittich-Straße

Die Marie-Wittich-Straße erinnert an die Opernsängerin Marie Wittich (1862-1931), die ab 1884 zum Ensemble der Dresdner Oper gehörte. Berühmt wurde sie in der Rolle der “Salomé” bei der Uraufführung der gleichnamigen Oper in Dresden 1905.

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Mügelner Straße

Die nach dem heutigen Heidenauer Ortsteil Mügeln benannte Mügelner Straße entstand ursprünglich als Straße W und verbindet den alten Dorfkern von Reick mit den Nachbarorten Dobritz und Niedersedlitz. In Altreick haben sich noch einige Gehöfte aus der dörflichen Vergangenheit des Ortes erhalten, welche unter Denkmalschutz stehen (Nr. 3, 5 und 7). Hauptsächlich siedelten sich hier jedoch verschiedene Industriebetriebe an. Außerdem befindet sich an der Mügelner Straße der 1913 eröffnete Straßenbahnhof Reick mit der Weichenbauwerkstatt der Dresdner Verkehrsbetriebe.

Firma Emil Wünsche: Das Unternehmen ging auf den Kaufmann Emil Wünsche zurück, welcher ab 1889 ein Geschäft für Kameras und Photopapier besaß. 1895 übernahm er die Firma seines Lieferanten Paul Förster auf der Josephinenstraße 1. Zunächst führte Wünsche den kleinen Handwerksbetrieb zur Herstellung von Fotoapparaten fort, entschied sich jedoch schon im Folgejahr zur Expansion. Dafür erwarb er ein Grundstück an der Mügelner Straße in Reick. 1898 wurde der Betrieb in eine Aktiengesellschaft umgewandelt.

Obwohl die Produkte durchaus einen guten Ruf besaßen, geriet das junge Unternehmen in finanzielle Schwierigkeiten. 1902 beging Emil Wünsche Selbstmord. Der Betrieb wurde von seinen Erben fortgeführt und schloss sich 1909 mit der Striesener Kamerafabrik Hüttig AG und weiteren deutschen Herstellern zur ICA A.G. zusammen. 1926 kam diese zum Zeiss Ikon Konzern. Nach 1945 wurde die Produktion in Reick als Betriebsteil von PENTACON fortgesetzt und 1990 eingestellt.

Straßenbahnhof Reick: Der Betriebshof Reick entstand 1913 durch Umbau einer hölzernen Lagerhalle und konnte bereits im Folgejahr eingeweiht werden. Zuvor war das Gelände von einer Gärtnerei und einem Fuhrunternehmen genutzt worden. 1920 erfolgte eine erste Erweiterung der Wagenhalle, um mehr Fahrzeuge abstellen zu können. Fünf Jahre später kamen weitere Abstellgleise im Freigelände hinzu. Zwischen 1929 und 1934 richtete die Dresdner Straßenbahn AG in Reick ihren Werkplatz für den Bau von Weichen und spezieller Gleiskonstruktionen ein (Foto).

Der Betriebshof überstand den Zweiten Weltkrieg ohne größere Schäden und wurde 1955/56 nochmals modernisiert und um ein Kulturheim der DVB erweitert. Mit Inbetriebnahme der neuen Straßenbahntrasse nach Prohlis gewann er noch mehr an Bedeutung. Bauliche Mängel und die Konzentration der Fahrzeuge auf wenige große Betriebshöfe führten zur Entscheidung, die hölzerne Wagenhalle 2007 abzureißen und den Straßenbahnhof komplett umzugestalten. Im September 2007 wurde der neue Betriebshof  mit Abstellhalle, Service- und Waschhalle sowie einer Montagehalle für den Gleisbau wieder eröffnet. Dabei wurde auch die Einfahrt von der Mügelner zur Niedersedlitzer Straße verlegt. Am ehemaligen Eingang steht ein historischer Straßenbahn-Krantriebwagen von 1925 (Foto).

Otto-Mohr-Straße

Die Otto-Mohr-Straße entstand zur Erschließung des Gewerbegebietes zwischen Lohrmannstraße und Seidnitzer Weg. Der Name erinnert an den Hochschulprofessor Otto Mohr, der zwischen 1873 und 1900 Professor für Technische Mechanik, Festigkeitslehre und Graphische Statik an der Technischen Hochschule in Dresden war. Mohr befasste sich vor allem mit Problemen des Eisenbahn- und Wasserbaus.

Perronstraße

Die Perronstraße wurde 1920 im Zusammenhang mit der Reicker Siedlung angelegt. Ihren Namen erhielt sie nach dem Astronomen und Mathematiker Oskar Perron (1880-1975).


Scheidemantelstraße

Die in den Zwanziger Jahren angelegte Scheidemantelstraße erhielt ihren Namen nach dem Opernsänger Karl Scheidemantel (1859-1923), der zwischen 1886 und 1911 als Bariton dem Ensemble der Dresdner Oper angehörte. Nach zeitweiser Abwesenheit wurde Scheidemantel 1920 für zwei Jahre zum Operndirektor in Dresden gewählt.

Schroeterstraße

Die im “Astronomenviertel” um die Keplerstraße gelegene Schroeterstraße verdankt ihren Namen dem Astronomen Johann Hieronymus Schroeter (1745-1816) der sich mit dem Bau neuer astronomischer Fernrohre befasste und vor allem durch seine Arbeiten zur Monderkundung bekannt wurde.

Schuchstraße

Die Schuchstraße erinnert an den bedeutenden Dirigenten Ernst Edler von Schuch (1846-1914), der 1872 als Musikdirektor an die Dresdner Oper verpflichtet wurde. Über vierzig Jahre prägte Schuch das Dresdner Musikleben und führte die Oper zu ihrem internationalen Ruf als wichtige Uraufführungsstätte für Strauss-Werke. Seine Tochter Liesel wurde als Sopranistin bekannt und erhielt kurz vor ihrem Tod 1990 die Ehrenbürgerschaft der Stadt.

Seebachstraße

Die Seebachstraße wurde nach dem früheren Hoftheaterintendanten Nikolaus von Seebach (1854-1930) benannt, der 1894 zum Generaldirektor der Hofoper und des Hoftheaters ernannt wurde. Seebach blieb als einziger höfischer Intendant auch nach der Revolution 1918 im Amt und schied erst nach seinem 25-jährigen Dienstjubliäum 1919 auf eigenen Wunsch aus.

Foto: Blick von der Seebachstraße zum Neubaugebiet Reicker Straße (Otto-Dix-Ring)

Tornaer Straße 

Die Tornaer Straße geht auf einen alten Verbindungsweg zwischen Reick und Torna zurück und erhielt ihren Namen beim Ausbau zur Fahrstraße nach dem Ersten Weltkrieg. Noch bis Ende der Zwanziger Jahre befand sich an der Kreuzung mit der Dohnaer Straße eine Ziegelei. 1919 begann die Heimstättengenossenschaft Dresden-Reick in diesem Gebiet mit dem Bau einer Genossenschaftssiedlung. Die Gebäude an der Tornaer Straße wurden dabei von den Architekten Schilling & Gräbner, Rudolf Bitzan und Otto Wulle entworfen und bis 1930 fertiggestellt. Weitere Neubauten folgten auf den verbliebenen Flächen nach 1990.

Wieckestraße

Die Wieckestraße erhielt ihren Namen nach dem Schauspieler Paul Wiecke (1862-1944), der ab 1895 viele Jahre am Dresdner Schauspielhaus engagiert war. Als dessen Direktor zwischen 1920 und 1928 setzte sich Wiecke für die Aufführung moderner Stücke expressionistischer Autoren ein und wurde 1928 zum Ehrenmitglied des Theaters ernannt. Später wirkte er als Leiter eines privaten Komödientheaters auf der Reitbahnstraße und verstarb 1944 in Blankenburg/Harz. Seine Urne wurde 1951 nach Dresden überführt und auf dem Tolkewitzer Friedhof beigesetzt.

 


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