Die aus einem slawischen Rundplatzdorf hervorgegangene Siedlung oberhalb des Plauenschen
Grundes wurde 1144 erstmals als Deltsan in einer Urkunde Kaiser Konrad III. erwähnt, der den Ort in einem Rechtsstreit dem Meißner Domstift zusprach. Der Name ist vom
altsorbischen Wort Delcane abgeleitet, was übersetzt “Berg- bzw. Burgbewohner” bedeutet. Diese Bezeichnung weist auf die geografische Lage über dem Weißeritztal, möglicherweise
auch auf die frühgeschichtliche Burganlage Thorun hin, die sich im Raum Dölzschen - Pesterwitz befunden haben soll und 1206 Gegenstand eines Streites zwischen dem Bischof von
Meißen und dem Burggrafen von Dohna war. Im Zusammenhang mit dem Schiedsspruch des Markgrafen wurde die Stadt Dresden erstmals urkundlich erwähnt. Der genaue Standort dieser
Burg ist umstritten, möglicherweise befand sie sich auf dem Nahe Dölzschen gelegenen Burgwartsberg. Noch älteren
Datums sind Besiedlungsspuren aus frühgeschichtlicher Zeit (ca. 3000 Jahre), wie sie bei Grabungen 1998/2001 auf der Dölzschener Höhe gemacht wurden.
Das Bauerndorf Dölzschen gehörte bis 1559 zu den Besitzungen des Meißner Bischofs und wurde dann dem Prokuraturamt Meißen unterstellt. Die obere und niedere Gerichtsbarkeit lag beim Briesnitzer Amt bzw. der Stadt
Dresden. Zu den späteren Grundherren gehörten ab 1651 der Besitzer des Pesterwitzer Rittergutes Reichbrod von
Schrenkdorff und ab 1736 die in Roßthal ansässige Familie von Nimptsch, welche sich 1742 ein Lusthaus oberhalb des Plauenschen Grundes errichten ließ. An seiner Stelle steht heute die Begerburg. Größtes Anwesen war ein 1657 erstmals erwähntes Freigut mit ca. 28 Hektar Grundfläche, welches noch bis zur Bodenreform existierte. Da der Ort
nie eine eigene Kirche besaß, besuchten die Bewohner die Kirche im benachbarten Plauen, ab 1878 die Kirche von Pesterwitz. Der Dorfkern entstand in seiner jetzigen Form nach den Zerstörungen 1813, die lediglich ein Gehöft unbeschadet überstand (Foto). Zuvor hatte es bereits im
Dreißigjährigen Krieg und im 2. Schlesischen Krieg 1745 größere Schäden im Dorf gegeben. Im Dezember 1745 plünderten preußische Soldaten neun Dölzschener Güter
und brannten diese teilweise nieder. 1813 lieferten sich Österreicher und Franzosen auf den Feldern zwischen Pesterwitz, Roßthal und Dölzschen schwere Gefechte und
schossen dabei auch Dölzschen in Brand. Am 27. August 1813 wurden die Truppen der Österreicher durch den französischen General Murat vernichtend geschlagen, über 13.000 Mann kamen in Gefangenschaft.
Neben dem Ackerbau war früher in Dölzschen auch der seit dem 16. Jahrhundert verbürgte
Obst- und Weinbau von Bedeutung. Durch den Aufschluss der Plänersteinbrüche im Plauenschen Grund verschwanden nach 1860 fast alle Weinterrassen in diesem Gebiet. Neben
dem alten Dorfkern und der im Weißeritztal gelegenen Siedlung Niederdölzschen entstanden ab 1900 weitere Wohngebiete zwischen Dölzschen und Plauen/Löbtau, die heute als
Hohendölzschen bezeichnet werden. Zu den Bewohnern der neuen Gebäude gehörten u. a. die Schriftstellerin Auguste Lazar und der Sprachwissenschaftler Victor Klemperer. Im
Weißeritztal waren bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts wichtige Großbetriebe entstanden, darunter das Eisenhammerwerk Dölzschen und die aus der früheren Neumühle
hervorgegangenen König-Friedrich-August-Mühlenwerke AG (Foto).
Bedingt durch den Zuzug begüterter Geschäftsleute, Fabrikanten und Beamter wuchsen auch die Steuereinnahmen
des Ortes an. Diese ermöglichten neben dem Ausbau des Straßennetzes die Förderung der Sport und Kultur. Auf Anregung des Dölzschener Bürgermeisters Alfred Darre entstanden 1928 ein Sportplatz sowie eine Turn- und
Festhalle für öffentliche Veranstaltungen, welche 1945 leider den Bomben zum Opfer fiel. Außerdem wurde das bereits bestehende Luftbad zum Schwimmbad ausgebaut und ein gemeindeeigener Friedhof mit Kapelle angelegt. In
den Dreißiger Jahren folgte an der Flurgrenze zu Naußlitz eine Wohnsiedlung des Dresdner Spar- und Bauvereins. 1923 kam die Gemeinde Roßthal
mit ihrem Ortsteil Neunimptsch zu Dölzschen, welches seine Selbstständigkeit
noch bis nach dem Zweiten Weltkrieg bewahren konnte. Erst am 1. Juli 1945 wurde Dölzschen Stadtteil von Dresden. 1959 wurde der Ort durch Einrichtung einer Buslinie zum Dorfplatz an den öffentlichen Nahverkehr
angeschlossen. Außerdem schlossen sich die verbliebenen Bauern zu einer LPG zusammen. An der Wurgwitzer Straße entstand in den 60er Jahren eine nach 1990 wieder geschlossene Schweinemastanlage.
Bis heute ist Dölzschen ein ruhiger Wohnvorort geblieben, in dem vor allem Einfamilienhäuser und Villen dominieren. Einige Ergänzungsbauten entstanden nach 1990 auf den noch vorhandenen Freiflächen zwischen Dorfkern und
Siedlung Hohendölzschen. Seit 2004 unterquert die Autobahn Dresden - Prag die Ortsflur und führt in der Nähe der Begerburg auf einer 30 Meter hohen Brücke über den Plauenschen Grund. Schulen in Dölzschen: Dorfschule: Ursprünglich besuchten die Kinder des Ortes die Plauener Kirchschule bzw. eine dörfliche
“Reihenschule”, bei der der Unterricht abwechselnd in den Bauernhöfen stattfand. Im Jahr 1816 gründeten Dölzschen, Roßthal und Naußlitz einen gemeinsamen Schulverband, dessen erste Unterrichtsräume sich im Haus
Pesterwitzer Straße (heute Wurgwitzer Straße) 10 befanden. 1840 konnnte die Gemeinde ein eigenes Schulhaus einweihen (Pesterwitzer Straße 5).
Nachdem die Einwohnerzahl der Orte jedoch deutlich gestiegen war, genügte dieses nicht mehr den Anforderungen.
Deshalb musste bereits 1877 in Naußlitz eine Filialschule eingerichtet werden. Im Folgejahr trat der Pädagoge Robert Weber seinen Dienst in Dölzschen an. Der reformwillige und engagierte Lehrer schuf nicht nur die
Voraussetzungen für einen modernen Unterrichtsbetrieb, sondern setzte sich auch für einen Schulneubau ein. Nach
dessen Einweihung wurde die alte Dorfschule als Gemeindeamt, später als Wohnhaus genutzt und 1978 abgerissen. 81. Grundschule: 1897 entstand am Rande des Dorfkerns die heutige Schule und konnte ein Jahr später am 1. August 1898 feierlich eingeweiht wurde. Das
großzügig geplante Gebäude erhielt eine mit Klinkern verkleidete Fassade, deren Mittelteil von einem Uhrtürmchen bekrönt wird (Foto). Zunächst als Volksschule
genutzt, wurde sie nach der Eingemeindung Dölzschens 1945 als 81. Volksschule in das Dresdner Schulnetz einbezogen. 1942 hatten die Behörden in einigen
Räumen eine Polizeistation sowie eine Dienststelle der NS-Wohlfahrt eingerichtet. Nach 1945 war hier eine sowjetische Polizeibehörde sowie ein Möbellager untergebracht, was den Schulbetrieb stark erschwerte.
Zu DDR-Zeiten trug die Schule ab 1977 nach einem Löbtauer Antifaschisten den Namen 81. POS “Willi Ermer”. Heute hat in dem Gebäude die 81. Grundschule ihr Domizil. 2009 erhielt sie den Namen des Schulrates Robert
Weber, der sich engagiert für den Bau des neuen Schulhauses eingesetzt hatte. Nach Robert Weber ist seit 1935 auch die am Schulhaus vorbei führende Straße benannt. Turn- und Festhalle: Da weder die alte noch die neue Schule Räumlichkeiten
für den Sportunterricht besaßen, fand dieser zunächst im Saal des Braunschen Gasthofes am Dorfplatz statt. 1927 errichtete die Gemeinde Dölzschen neben
der Schule eine moderne Turn- und Festhalle, welche sich äußerlich am Bauhausstil orientierte und zugleich für kulturelle und gesellschaftliche Veranstaltungen genutzt wurde. Außerdem befanden sich im Gebäude
Wannenbäder für die Bevölkerung. Hier hatte auch der im gleichen Jahr gegründete “Freie Turn- und Sportverein” sein Domizil. Am 13. Februar 1945 wurde die Festhalle durch eine Luftmine getroffen und zerstört (Foto)
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Kleingartenverein “Dölzschener Höhe: Obwohl die Geschichte des Naturheilvereins Dresden-Plauen (ab 1892 Naturheilverein Dresden-Löbtau) bis ins
Jahr 1890 zurückreicht, entstanden die ersten Kleingärten erst 1910, als die Stadt Dresden Brachflächen oberhalb des Ratssteinbruchs zum Anbau von Kartoffeln an Interessenten verpachtete. Zuvor hatte der Naturheilverein
1902 einen Vereinsgarten mit Spielplatz und einem Vereinsheim angelegt, dem 1907 das “Luftbad Löbtau” folgte. Erst
nach dem Ersten Weltkrieg durften die Terrassenfelder in reguläre Kleingärten umgewandelt werden. 1920 erwarb
der Verein ein größeres Grundstück neben dem Luftbad, ein Jahr später auch das Areal des früheren Vereinsgarten des Naturheilvereins. 1923 entstand ein neues Vereinshaus an der Dölzschener Straße, welches jedoch 1945
zerstört wurde. Nach der Zwangsauflösung des “Naturheilvereins Löbtau und Umgegend” 1946 war die Stadt Dresden Verpächter
der Kleingärten auf der Dölzschener Höhe. Unter großen Mühen gelang es, die Anlage wieder instandzusetzen, ein
neues Gelände unmittelbar an der Hangkante zu erschließen und 1962 ein neues Vereinsheim zu errichten. Bis 1990 gehörten die Gärten zur Ortsuntergruppe “Dölzschener Höhe” des FDGB.
Erst 1990 entstand wieder ein rechtlich selbstständiger Verein mit dem Namen “Naturheilverein Dresden-Löbtau
und Umgebung”. Der geplante Bau eines Sanatoriums und einiger Gästehäuser wurde nicht realisiert, nicht zuletzt aus
Sicherheitsgründen, da Teile der Anlage am Steinbruch wegen Absturzgefahr gesperrt werden mussten. Seit 1999
bestehen in an dieser Stelle zwei Kleingartenvereine, die die obere und untere Anlage am Luftbad bewirtschaften. Kleingartenverein “Höhenluft”:
Die Geschichte des Kleingartenvereins begann im Frühjahr 1912, als der Stuhlbauer Arthur Beyer gemeinsam mit einigen Gleichgesinnten Grundstücke an der Grenzallee erwarb, um auf dem zuvor als Ackerland genutzten Terrain
Kleingärten anzulegen. Ziel war es, vor allem ärmeren Bevölkerungsschichten zu günstigen Pachtbedingungen den Anbau von Obst und Gemüse zu ermöglichen und so zur Linderung der sozialen Probleme beizutragen. Das Gelände
konnten die Kleingärtner vom Besitzer des Dölzschener Freigutes Hermann Pfeifer günstig erwerben. Nachdem vor und während des Ersten Weltkrieges weitere Gärten hinzugekommen waren, konstituierte sich am 7.
November 1917 der Schrebergartenverein "Höhenluft". Zwei Jahre später trat der Verein dem Verband der Dresdner Garten- und Schrebergartenvereine bei. Vergrößert wurde die Anlage 1938 durch die Vereinigung mit
dem Verein “Gartenheim” an der Dölzschener Straße und weitere Landkäufe. Insbesondere in den Kriegs- und Nachkriegsjahren bot der Kleingartenverein seinen Mitgliedern eine willkommene Möglichkeit, die Versorgung mit
frischen Lebensmitteln zu verbessern. Heute gehören 195 Kleingärten zur Anlage “Höhenluft I”. Außerdem gibt es eine kleine Gartengaststätte. Luftbad Dölzschen:
Das Licht- und
Luftbad Dölzschen wurde auf Anregung des “Naturheilvereins Dresden-Löbtau und Umgegend” angelegt und am 7. Mai 1911 offiziell eröffnet. Bereits zuvor hatte es jedoch auf dem Areal ein
kleines Badebassin gegeben. Das öffentliche Gartengelände sollte vor allem ärmeren Bevölkerungsschichten Möglichkeiten zur sportlichen Betätigung
und Erholung an frischer Luft bieten. Ursprünglich besaß es nur zwei kleine Schwimmbecken, getrennt für Damen und Herren, sowie davon abgetrennte Sonnenbäder. Außerdem entstanden einige “Armengärten”, die
heute von der Kleingartensparte “Dölzschener Höhe” genutzt werden. 1912 kam ein Familienbad hinzu.
Erst nach dem Ersten Weltkrieg entstand aus dem bisherigen Licht- und Luftbad ein öffentliches Freibad mit einem
deutlich vergrößerten Wasserbecken und zwei kleinen Bassins sowie neuen Umkleideräumen und einer Kegelbahn. 1926 wurde der Eingang zur Mäserstraße (heute Luftbadstraße) verlegt. In den Dreißiger Jahren kamen moderne
Sanitäranlagen, eine Gastwirtschaft und mehrere Wochenendhäuschen hinzu. Seit 1986 ist dieses Bad neben dem Strandbad Wostra einziges Dresdner FKK-Bad mit Liegewiese und verschiedenen Sportanlagen. Weiterführende Literatur und Quellen
Dölzschener Nachrichten 11. März 2011:
Im früheren Saatspeicher der Königsmühle im Plauenschen Grund entstehen derzeit 44 Wohnungen für Singles und Studenten. Derzeit wird das Dachgeschoss für den künftigen hochwassersicheren Einbau der Haustechnik ausgebaut. Während im Inneren moderne Ein- und Zweiraumwohnungen entstehen, wird das Äußere denkmalgerecht wiederhergestellt. Schon im Herbst sollen die ersten Bewohner einziehen. Im Anschluss soll dann die Sanierung des benachbarten Klinkerbaus in Angriff genommen werden.
18. Februar 2011:
Gleich zwei seit längerer Zeit brachliegende Flächen in Dölzschen sollen nun endlich neu gestaltet werden. Ab 1. April beginnt der Neubau des bereits im vergangenen Jahr geplanten Spielplatzes am Friedhofsweg. Auch das Gelände der ehemaligen Schweinemastanlage, welches sich im Besitz des Naturschutzbundes befindet, soll nach dem Abriss der maroden Gebäude wieder begrünt und renaturiert werden. Der Beginn der Arbeiten steht hier jedoch noch nicht fest.
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