Ockerwitz entstand als slawische Siedlung im 11. Jh. und weist noch heute die typische Dorfform eines Rundlings auf. Bereits 1071 wurde ein Ort Oicice in einer Urkunde des Bischofs Benno genannt, wobei die
Identität mit Ockerwitz allerdings umstritten ist. 1371 wird “Ogranwitz” im Verzeichnis der Orte des Amtes Dresden erstmals erwähnt. Der Name ist entweder von einem slawischen Personennamen abgeleitet (okor - novici =
neues Dorf des Oker) oder aber vom slawischen Wort okraj (über dem Rande), was auf die Lage des Dorfes oberhalb des Zschonergrundes hinweisen könnte. 1408 erhielten drei Dresdner Bürgersöhne, die Brüder Vincenz, Hans Alexius und
Jorge Busmann, Güter und Zinsen in Ockerwitz zum Lehen. Einige Jahre später kam das Dorf unter die Herrschaft des Rittergutes Pegenau bei Scharfenberg, welches der Familie Miltitz gehörte. Neben den Gehöften im Ortskern
(Foto) gehörten auch einige Wiesen des untergegangenen Ortes Wernten bei Cotta zur Ockerwitzer Flur, die jedoch nach Gründung des Ostravorwerkes an den Kurfürsten abgetreten
werden mussten. 1580 erwarb Kurfürst August den Ort gemeinsam mit sechs weiteren Dörfern und machte Ockerwitz zum unmittelbaren Amtsdorf. Für die Bewohner bedeutete das eine
Veränderung der Dienstpflichten, die schrittweise durch Geldleistungen abgegolten werden konnten. 1611 gab der
Kurfürst die verbliebenen Dienste an den Besitzer des Rittergutes Nöthnitz ab, der die Bauern bei Bedarf auf seinen Äckern einsetzen konnte.
1762 wurde Ockerwitz bei einem Dorfbrand zum Teil zerstört, jedoch schon bald wieder aufgebaut. Neben der Landwirtschaft gewann der Obstbau an Bedeutung, für den die Hänge des Zschonergrundes teilweise gerodet wurden.
Diese Nutzung schränkte jedoch die herrschaftliche Jagd ein, weshalb es wiederholt zu Beschwerden der Jagdhüter beim Kurfürsten über die “Ungehörigkeit” der Ockerwitzer Bauern kam. Im 19. Jh. entstanden außerdem einige
Plänersteinbrüche und Gärtnereien in und um den Ort. Nachdem im Zuge der Landgemeindeordnung bis 1852 auch die letzten Dienst- und Geldleistungen abgelöst worden waren, entwickelte sich
Ockerwitz zur Stadtrandgemeinde Dresdens. 1876 entstand in Leutewitz ein gemeinsames Schulhaus für Ockerwitz, Leutewitz und Omsewitz. 1904
errichtete die Gemeinde ein Wasserwerk, vor allem um die zahlreichen gärtnerischen Betriebe versorgen zu können. Einige Siedlungshäuser wurden in den Dreißiger Jahren und nach 1945 errichtet. 1993 kam Ockerwitz als Ortsteil zu Gompitz und ist seit 1999 Stadtteil Dresdens. In den
letzten Jahren entstanden weitere Wohnsiedlungen zwischen Dorfkern und Zschonergrund, die Ockerwitz zum beliebten Wohnvorort der Landeshauptstadt machten (Foto). Zu den
prominenten Einwohnern gehörte der spätere sächsische Staatsminister Arnold Vaatz, der im Wohnhaus Am Zschoner Berg Nr. 1 lebte. Historische Bauernhöfe befinden sich an der Ockerwitzer Dorfstraße.
Burgwall Ockerwitz:
Die Burg von Ockerwitz entstand als frühdeutsche Wehranlage auf einem Bergsporn über dem Zschonergrund.
Vermutlich diente sie dem Schutz der vorbeiführenden alten Straße von Meißen nach Briesnitz. 1223 verkaufte der hier
ansässige Ritter Berthold von Sconowe den Ort Cossebaude an das Meißner Domstift. Die Familie Sconowe könnte mit dem untergegangenen Dorf Zschon bei Steinbach in Verbindung gestanden haben. Die Anlage bestand aus einem
kleinen Hügel mit ca. sechs bis acht Metern Durchmesser, der von einem kleinen Wall mit Graben umgeben war. Außerdem soll sich hier ein turmartiges, hölzernes Gebäude befunden haben, dessen letzter Bewohner, ein roher
Kriegsknecht von den Bauern der Umgebung gefürchtet war. Der Legende nach wurde er später Opfer eines Wolfes, als er beim Kampf mit dem Tier in seinen eigenen Speer gestürzt war.
Nach dem Tod des Burgherrn rissen die Bauern die Wehranlage ab. Im Volksmund wurde die Stelle wegen ihrer Form
als “der Teller” bezeichnet. Durch die spätere landwirtschaftliche Nutzung und Bebauung des Areals sind heute kaum
noch Spuren auffindbar. Allerdings wurden hier einige Keramikfunde gemacht. Der heute bis auf geringe Reste verschwundene Burgwall steht seit 1937 als Bodendenkmal unter Schutz.
Schimmrichs Gastwirtschaft: Der Gasthof des Ortes ging aus dem früheren Reiheschank hervor und entstand im 19. Jahrhundert. Um 1900 wurde er nach
seinem Besitzer Schimmrichs Gastwirtschaft genannt. Gastwirt Schimmrich war zugleich Gemeindevorstand des Ortes und Mitglied des Vereins der Gast- und Schankwirte der Dresdner Westvororte. Hochgeachtet verstarb er 1910
und wurde am 31. 7. 1910 auf dem Briesnitzer Friedhof beigesetzt. In den 20er Jahren hieß die kleine Dorfschänke Wegners Gasthaus.
Weiterführende Literatur und Quellen
Ockerwitzer Nachrichten 1. September 2011:
Das „Bücherstübchen“ auf der Ockerwitzer Dorfstraße feiert sein 20. Jubiläum. Hier können sich Literaturinteressierte jeden Donnerstag von 17 bis 19 Uhr mit Büchern versorgen. Das zu den Städtischen Bibliotheken gehörende Bücherstübchen wird ehrenamtlich betreut.
9. März 2011:
Die Freiwillige Feuerwehr Ockerwitz feiert in diesem Jahr ihr 125. Jubiläum. Aus diesem Anlass wird vom 27. bis 29. Mai 2011 ein Feuerwehrfest stattfinden. Das genaue Programm ist im Gemeindezentrum auf der Dorfstraße zu erfahren.
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