Diakonenbildungsanstalt (Kapelle Gorbitz): Die kirchliche Bildungseinrichtung wurde am 1. Mai 1872 vom Diakonieverein der evangelischen Landeskirche auf der Uthmannstraße 59 in Obergorbitz gegründet. Ziel der Einrichtung war die
Ausbildung junger Männer für die Diakonie und die Innere Mission. Außerdem bestand ein Erziehungshaus für “entartete und gefährdete Kinder”, die hier eine Schulbildung erhielten. Erster
Leiter der Anstalt war der Pfarrer Emil Christian Fürchtegott Höhne (1843-1925). Für die Bildungsanstalt wurde aus Spendenmitteln zwischen 1876 und 1880 ein ausgedehnter
Gebäudekomplex errichtet, zu dem neben Schule, Kapelle und Mädchenwohnheim auch eine Gärtnerei und zwei Wohngebäude gehörten. Diese dienten als Unterkunft der Knaben und
Männer und wurden als “Bienenkorb” und “Schweizerhaus” bezeichnet. 1893 konnte noch ein Bauerngut in Oberpesterwitz erworben werden. Unter Aufsicht der angehenden Diakonen
widmeten sich die hier untergebrachten Jugendlichen dem Obst- und Gartenbau. Der Verkauf der Erzeugnisse diente zur Finanzierung der Anstalt
Das Hauptgebäude entstand 1878/79 auf dem Grundstück Uthmannstraße 26. Im Erdgeschoss befanden sich die Unterrichtsräume, im Obergeschoss eine Kapelle, die auch von den Bewohnern der Orte Ober- und Niedergorbitz
genutzt werden konnte. Ost- und Westflügel beherbergten die Wohnräume des Anstaltsleiters Höhne und seiner Mitarbeiter. Am 1. Advent 1879 konnte die Kapelle vom Briesnitzer Pfarrer Zehme feierlich geweiht werden. 1899 wurde die Gorbitzer Diakonenbildungsanstalt geschlossen und nach Moritzburg verlegt,
wo die Einrichtung bis heute noch besteht. Die Gebäude an der Uthmannstraße erwarb die Gemeinde Obergorbitz und nutzte sie ab 1900 als Schule. Die frühere Kapelle übernahm die
1913 selbstständig gewordene Gorbitzer Kirchgemeinde als Gotteshaus. Bereits 1907 war auf dem Grundstück ein hölzerner Glockenturm (Foto) aufgestellt worden, in dem bis heute drei Gussstahlglocken läuten.
1925-1928 erfolgten einige Veränderungen am Gebäudekomplex. Während eines der Gebäude bis 2003 Domizil der 74. Mittelschule war, blieb die Kapelle als Gotteshaus erhalten. Zur
Ausstattung gehören mehrere vom Maler Karl Schulz gestaltete Glasfenster, die u. a. ein Hirtenmotiv zeigen und die Namen von 194 Gefallenen des Ersten Weltkrieges tragen. Angefertigt wurden diese in der
Wölfnitzer Kunstglaserei Horst Heymann. Die Orgel stammt von der Firma Jehmlich und kam 1914 in die Kirche. 1956
wurde sie restauriert und um zwei Register erweitert. Bis 2010 fanden in der Kapelle regelmäßig Gottesdienste statt, zuletzt im Wechsel mit dem modernen Gemeindezentrum am Leutewitzer Ring. Künftig wird die Koreanische
Evangelische Gemeinde die Kapelle nutzen. An den Anstaltsgründer und den Beginn der Diakonenausbildung in Sachsen erinnert seit 2002 eine Gedenktafel.
Gemeindezentrum St. Philippus: Das neue Gorbitzer Gemeindezentrum entstand im Zusammenhang mit dem Bau des Neubaugebietes am Leutewitzer
Ring und wurde am 31. Mai 1992 eingeweiht. Vorausgegangen waren jahrelange Diskussionen zwischen Kirchenvertretern und der DDR-Führung, die einen Kirchenbau im Neubauviertel zunächst ablehnte. Trotzdem hatte sich
bereits 1982 eine Gemeinde gebildet, die zunächst Räume benachbarter Kirchen nutzte. Erst am 28. September 1990 konnte der Grundstein für ein eigenes Gemeindezentrum gelegt werden.
Die Pläne für den modernen Kirchenbau stammen vom Architekten Ulf Zimmermann. Zum Gebäude gehören neben einem 22 Meter hohen Glockenturm ein Kirchsaal und verschiedene Veranstaltungsräume für die Klub- und
Jugendarbeit mit einer Bibliothek. 2001 vereinigte sich die St. Philippus-Gemeinde mit der Kirchgemeinde Altgorbitz. Gorbitzer Friedhof:
Der Gorbitzer Friedhof wurde von der neuentstandenen Kirchgemeinde im Jahr 1905 an der Rädestraße angelegt. Die erste Beisetzung erfolgte am 5. November 1905. Dieses Grab des
Gorbitzer Gutsbesitzers Heinrich August Wirthgen blieb bis heute hinter der Kapelle erhalten. Zuvor mussten die Toten nach Briesnitz gebracht werden, weshalb die heutige Gorbitzer Straße früher auch als
Oberer Leichenweg bezeichnet wurde. In gleichen Jahr entstanden auch die Friedhofskapelle sowie das Wohnhaus für den Friedhofsverwalter. 1987 erfolgte die Weihe der
Glocken für den kleinen Glockenturm neben der Feierhalle (Foto). Auf dem Friedhof befinden sich die Gräber zahlreicher alteingesessener Bauernfamilien aus Gorbitz und den
benachbarten Stadtteilen Gompitz und Pennrich. Geteilt wird der nur ca. 1 Hektar große Friedhof durch eine Reihe von
Familiengrüften, die ab 1915 belegt wurden. 1952 entstand eine kleine Gedenkstätte für gefallene Soldaten des Zweiten Weltkrieges, die zunächst anonym in Gräbern auf Gompitzer und Pennricher Flur beerdigt worden waren.
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