Neuer Annenfriedhof



Neuer Annenfriedhof
und Friedhof


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Der Neue Annenfriedhof wurde als vierter Friedhof dieses Namens auf freiem Feld an der Kesselsdorfer Straße angelegt. Ziel war die Entlastung des 1848 eröffneten Alten Annenfriedhofs an der Chemnitzer Straße, der an seine Kapazitätsgrenze gekommen war. Für den neuen Begräbnisplatz erwarb man für 130.000 Mark einige Ackerflächen von Löbtauer Bauern. Die nach Plänen des Gartenarchitekten Max Bertram regelmäßig gestaltete Anlage war bei ihrer Einweihung am  23. Juni 1875 mit 14,3 Hektar und 37.000 möglichen Grabstellen größter einheitlich gestalteter Friedhof in Deutschland. 1897 entstand in unmittelbarer Nachbarschaft, nur durch eine Hecke getrennt, der Friedhof “Friede und Hoffnung” für die Löbtauer Kirchgemeinde. Ursprünglich nur als Löbtauer Friedhof bezeichnet erfolgte mit der Bildung der neuen Hoffnungskirchgemeinde 1915 die heute übliche Namensgebung. Feier- und Leichenhalle wurden von Beginn an mit dem Neuen Annenfriedhof gemeinsam genutzt.

Zentrum der Anlage des Neuen Annenfriedhofs ist die zwischen 1875 und 1878 angelegte Friedhofshalle, die ursprünglich aus einem zentralen Kuppelbau mit Seitenflügeln und anschließenden Wandelgängen (Foto oben) bestand. Im Mittelteil befand sich die Trauerhalle mit Nebenräumen, die Seitengebäude wurden zur Aufbahrung der Verstorbenen, für gerichtsmedizinische Untersuchungen und als Lagerräume genutzt. Architekt des Neorenaissance-Baus war der Semper-Schüler Robert Wimmer; der plastische Schmuck (Foto links) stammt von Martin Engelke.

In den Wandelgängen wurden Grüfte für wohlhabende Dresdner Familien angelegt, u. a. für den bekannten Glaswerksbesitzer Friedrich August Siemens (+ 1904), die Schokoladenfabrikanten August und Paul Ferdinand Lobeck und den Fabrikbesitzer Alfred Klinge (+ 1910). Zu den bekannten Persönlichkeiten, die auf dem Friedhof ihre letzte Ruhestätte fanden, gehören auch einige Angehörige der Kunstgießerfamilie Bierling, der Flugpionier Hermann Reichelt (+ 1914) und Paul Büttner, früherer Direktor des Dresdner Konservatoriums (+ 1943).

Ende 1944 wurde der Neue Annenfriedhof von der nationalsozialistischen Stadtverwaltung zum “Festungsfriedhof” erklärt und durfte nicht mehr für zivile Bestattungen genutzt werden. Geplant war eine Anlage für die zu erwartenden Gefallenen bei einer Verteidigung Dresdens gegen die vorrückende sowjetische Armee. Entgegen dieser Festlegung  wurden hier noch kurz vor Kriegsende 325 Opfer des Luftangriffs vom 17. April 1945, der vor allem die Vorstadt Löbtau traf, in einem Gemeinschaftsgrab beigesetzt. Bereits am 16. Januar 1945 war die zentrale Kuppelhalle des Friedhofs durch einen Bombentreffer zerstört worden, wobei acht Menschen ums Leben kamen.. An der Südseite ruhen in ca. 600 Kriegsgräbern deutsche, italienische, polnische und tschechische Soldaten.

In der Nachkriegszeit erfolgte die Vereinigung der beiden benachbarten Friedhöfe. Trennende Hecken und Gitterzäune wurden daraufhin entfernt. Ursprünglich bot die Gesamtanlage Platz für ca. 44.000 Grabstellen, von denen heute jedoch nur ungefähr 6.000 belegt sind. Um die unter Denkmalschutz stehende Gesamtanlage erhalten zu können, ist künftig eine parkartige Gestaltung des Areals geplant.

 

 

 

Fotos: Impressionen vom Neuen Annenfriedhof:
links die Grabstelle der Familie Siemens,
rechts das Familiengrab der Kunstgießerfamilie Bierling


Werner-Gedenkstein:

Westlich des Haupteingangs des Friedhofes erinnert ein schlichter Gedenkstein an den Mineralogen und Geologen Abraham Gottlob Werner, der während seiner häufigen Reisen zwischen Dresden und Freiberg gern an dieser Stelle rastete. Nach seinem Tod am 30. Juni 1817 wurde er hier aufgebahrt, damit seine Schüler und Freunde von ihm Abschied nehmen konnten. Der Leichnam wurde anschließend an den Trauerzug übergeben und nach Freiberg überführt. In Verehrung ihres Lehrmeisters stifteten Freiberger Studenten im Jahr 1818 das kleine Denkmal mit der Inschrift “Zu Werners Andenken”. Der Gedenkstein besteht aus Granit, zu beiden Seiten befinden sich Syenitsäulen und erinnern an Werners Betätigungsfeld. Zwei zeitgleich gepflanzte Lindenbäume sind heute nicht mehr vorhanden.

 


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