Die Löbtauer Straße verbindet die Friedrichstadt mit Löbtau und erhielt ihren Namen 1840 bzw. 1904. Zuvor wurde die parallel zum alten Weißeritzlauf führende Allee auch als Vor dem Löbtauer Schlag bzw.
Dresdner Straße bezeichnet. An der Ortsgrenze zwischen Dresden und Löbtau entstanden Mitte des 19. Jahrhunderts die ersten Wohnhäuser und Industriebetriebe, darunter die Glasfabrik der Familie Siemens. Weitere bedeutende Unternehmen in diesem Bereich waren die 1857 gegründete Zementfabrik Michel und der Fiskalische Kohlenbahnhof auf dem Gelände zwischen Löbtauer und Freiberger Straße. Zur Unterbringung der Arbeiter waren bereits zwischen 1859 und 1862 einige Wohnhäuser an der Flußstraße gebaut worden. Diese Siedlung hieß im Volksmund Neu-Löbtau und war Ausgangspunkt der weiteren Besiedlung des Stadtteils.
Neben den genannten Unternehmen existierten hier um 1900 die bekannten Ausflugslokale “Neu-Hamburg” und “Altona”, an die noch die Altonaer Straße erinnert. Im Wohnhaus Löbtauer Straße 9 hatte zeitweise der Maler Karl Schmidt-Rottluff sein Atelier, der zu den Mitbegründern der “Brücke” gehörte. 1893 wurde auf dem trockengelegten Weißeritzflussbett der Fiskalische Straßenbauhof eingerichtet. 1945 fielen zahlreiche Gebäude an der Löbtauer Straße den Bomben zum Opfer, weshalb eine endgültige städtebauliche Fassung des Areals bis heute fehlt. 1991/94 entstand an der Ecke Löbtauer/ Berliner Straße ein moderner Neubau, der u. a. Sitz des Dresdner Amtsgerichtes ist.
Einzelne Gebäude und Einrichtungen: Stadthaus Friedrichstadt: Das Gebäude Löbtauer Straße 2 wurde 1907/08 nach Plänen des
Stadtbaurates Hans Erlwein erbaut und beherbergte ursprünglich eine Polizeiwache, die städtische Meldestelle sowie eine Filiale der Stadtsparkasse. In den oberen Geschossen befanden sich
Wohnungen. Die Fassadenreliefs, die u.a. zwei Mütter mit Kindern und das Dresdner Stadtwappen zeigen, stammen von Georg Wrba. Außerdem ließ Erlwein an der linken Seite der Fassade sein
Architektenzeichen, einen Putto mit Weinfass, umgeben von Erlenzweigen, anbringen. Neben dem Stadthaus gehörte ursprünglich auch ein im ähnlichen Stil errichtetes Hintergebäude mit
Ecktürmchen zum Komplex. Hier fanden städtische Einrichtungen wie die Kanalbetriebsstelle des Tiefbauamtes und eine Laternenwächter-Wache ihr Domizil.
1945 wurde das Friedrichstädter Stadthaus durch Bomben beschädigt, konnte jedoch notdürftig wiederhergestellt werden.
Auf den Wiederaufbau des zerstörten linken Giebels verzichtete man dabei. In die Räume der ehemaligen Sparkassenfiliale
zog nun eine Fleischverkaufsstelle des Konsums ein. Die Obergeschosse beherbergten auch weiterhin Wohnungen sowie die
Büros des Städtischen Bestattungsamtes und eine Arztpraxis. Zuletzt wurden einige Räume von der Kommunalen Wohnungsverwaltung und dem Bezirksvorstand der URANIA genutzt. Das Hintergebäude fiel 1985 der Neubebauung der
Schäferstraße zum Opfer. Aus baupolizeilichen Gründen musste wenig später auch das denkmalgeschützte Vorderhaus
geräumt werden und steht seitdem leer. Der Anfang der 90er Jahre geplante Abriss konnte durch Bürgerproteste verhindert
werden. Nach Verkauf an einen Investor ist eine Sanierung des Stadthauses als Wohn- und Bürohaus vorgesehen. Nr. 17:
In diesem Gebäude befindet sich seit Ende 2006 das “Dynamo-Fanhaus”. Die Einrichtung lädt zu verschiedenen Veranstaltungen für die Fußballfreunde von Dynamo Dresden ein und wird vom Team Fanprojekt e.V. betrieben.
Krankenhaus Löbtau: Bereits 1861 wurde im ehemaligen Gemeindehaus Löbtau eine Städtische Pflegeeinrichtung für
Bedürftige mit 55 Betten eingerichtet. 1888 entstand auf dem Grundstück das spätere Stadtkrankenhaus als “Städtisches
Irren- und Siechenhaus”. Infolge des Bevölkerungswachstums der Stadt und der daraus resultierenden Zunahme an
pflegebedürftigen Personen machten sich bereits wenige Jahre später erste Erweiterungen erforderlich. Der ausgedehnte
Gebäudekomplex (Löbtauer Straße 31) zwischen Fröbel- und Altonaer Straße wurde ab 1902 als Städtische Heil- und
Pflegeanstalt, ab 1930 als Stadtkrankenhaus Löbtau bezeichnet. Nach einem einheitlichen Konzept gruppieren sich die viergeschossigen Hauptbauten um einen parkartigen Innenhof.
Beim letzten Luftangriff auf Dresden am 17. 4. 1945 wurden die Gebäude getroffen und dabei zum Teil schwer beschädigt.
Einige Flügel konnten bereits in der Nachkriegszeit wiederhergestellt werden. Nach 1990 entstand an Stelle eines weiteren
zerstörten Gebäudeteils ein moderner Neubau, der heute als Pflegeheim und Geriatrische Klinik genutzt wird. Seit 2004 gehört das Pflegeheim zur gemeinnützigen Cultus GmbH. Heaven 07:
Die Barackensiedlung wurde Anfang der 80er Jahre auf einem Ruinengrundstück an der Fröbelstraße errichtet
und diente zur Unterbringung der Bauleute für den Hotelneubau des “Bellevue”. 1990 entstand hier mit dem “Heaven 07”
Dresdens erstes offiziell genehmigtes Bordell. Nach einem Brand wurde das Gelände im Sommer 1998 zwangsweise geräumt und die Gebäude anschließend abgerissen. Alpenschänke:
Das Gebäude Löbtauer Straße 56 entstand im 19. Jh. direkt auf der Stadtgrenze zwischen Dresden und Löbtau und diente als Akzisehaus zur Erhebung kommunaler Abgaben. Im Nebenerwerb betrieben die Pächter eine kleine
Gastwirtschaft, die ihren ungewöhnlichen Namen vermutlich wegen des langen Anstieges bis zu diesem Punkt erhielt. Im
Volksmund war die Schänke als “Pumphäuschen” bekannt, da sich die Fuhrleute hier oft Geld zur Bezahlung der
Einfuhrzölle “pumpen” mussten. Hier befand sich auch eine Außenstelle des Städtischen Marstalls. Nach der Eingemeindung Löbtaus wurden die Gebäude 1905 abgebrochen. Zementfabrik Michel:
Die Fabrik zur Herstellung von Portlandzement wurde 1857 von Eduard Michel gegründet und war eine der bedeutendsten dieser Branche in Sachsen. 1874 übernahm die Siemens AG das Werk und nutzte es für eigene Zwecke.
Gründer - und Gewerbezentrum: Das moderne Bürogebäude Löbtauer Straße 67 (Foto) entstand 1999 unmittelbar an der drei Jahre später beim Hochwasser zerstörten,
inzwischen aber neugebauten Weißeritzbrücke. Hier haben heute zahlreiche klein- und mittelständische Unternehmen aus dem Bereich Handwerk und Gewerbe ihren Sitz. Städtische Bestattung (Nr. 70):
Die Geschichte des kommunalen Bestattungswesens lässt sich bis ins Mittelalter zurück verfolgen. Schon 1384 und 1427 werden in Rechnungsdokumenten städtische Marstallknechte erwähnt, welche
Leichenfuhren zu den Friedhöfen übernehmen mussten. 1683 trat eine kursächsische Leichenordnung in Kraft, die alle notwendigen Details der Bestattung regelte und bis ins 19. Jahrhundert galt. 1886
erwarb die Stadt Dresden auf der Löbtauer Straße ein Grundstück, in welchem man den Fuhrpark (Marstall) mit den
Leichenwagen unterbrachte. Die Hauptgeschäftsstelle der Städtischen Bestattung befand sich hingegen in einem heute nicht
mehr vorhandenen Gebäude Am See 2/4 in der Nähe des Postplatzes. 1911 wandelte man das Leichenwageninstitut zur
Städtischen Beerdigungsanstalt um, die Verwaltung wurde einem eigens geschaffenen Bestattungsamt übertragen. Nach
Auflösung des Marstalls 1939 blieb das Städtische Bestattungsamt alleiniger Nutzer des Grundstücks Löbtauer Straße 70.
Durch Beschluss dees Rates der Stadt erfolgte 1946 eine komplette Kommunalisierung der gesamten Totenbestattung. Die bestehenden vier kommunalen Friedhöfe in Tolkewitz, Dölzschen
, der Albertstadt (Nordfriedhof) und Heidefriedhof
unterstanden nun ebenfalls dem Städtischen Bestattungswesen. 1951 konnte die Verwaltung in die wiederaufgebauten
Gebäude auf der Löbtauer Straße verlagert werden, wo das Unternehmen - seit 1996 Eigenbetrieb der Stadt Dresden - bis heute sein Domizil hat. Die Flußstraße wurde im Zusammenhang mit dem Ausbau des Industriegebietes zwischen Löbtauer und Freiberger Straße
angelegt. 1872 erhielt sie ihren Namen nach der nahegelegenen Weißeritz, die 1893 ihr neues Bett in Richtung Cotta erhielt.
Die ersten Wohngebäude an der Flußstraße wurden 1859 durch den Cottaer Zimmermann Deckow für die Arbeiter der
Vorstadt errichtet. Die Straße wird heute nicht mehr namentlich benannt, ist in ihrer Anlage jedoch noch erhalten. Die Straße erhielt 1883 den Namen Siemensstraße, der an den Techniker und Unternehmer Friedrich August Siemens
(1826-1904) erinnerte. Die Familie Siemens war Inhaber des im 19. Jahrhunderts entstandenen Löbtauer Glaswerk in
unmittelbarer Nähe. Außerdem machte Siemens durch zahlreiche Erfindungen und technische Neuerungen auf sich aufmerksam. 1953 wurde die Siemensstraße nach dem kleinen Ort Hirschfeld im Erzgebirge in Hirschfelder Straße
umbenannt. |