Reisewitz´scher Garten



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Der Reisewitz`sche Garten wurde 1692 durch Kurfürst Johann Georg IV. angelegt, nachdem dieser ein früheres Mühlengrundstück an der Weißeritz erworben hatte. Auf dem Grundstück ließ er für seine Geliebte Sibylla von Neitschütz ein Wasserpalais errichten und den Garten künstlerisch gestalten. Wenig später erkrankte diese jedoch und verstarb 1694 an den Blattern. Ihr Geliebter blieb ihr bis zum Tod treu, steckte sich an und starb nur wenige Tage später, wodurch Johann Georgs Bruder, August der Starke, an die Macht kam.

1702 erwarb der kurfürstliche Bergdirektor Johann Wratislaw von Reisewitz das Areal, der es jedoch nur bis 1709 besaß. Nach diesem Besitzer erhielt der Garten seinen Namen, der sich heute noch in der Reisewitzer Straße erhalten hat. 1719 bis 1724 hatte hier die kurfürstliche Falknerei ihren Sitz. Auch nach einem erneuten Besitzerwechsel blieb die parkartige Anlage wegen ihres Baumbestandes und der romantischen Laubengänge am Flussufer ein beliebtes Ausflugsziel der Dresdner Bevölkerung. Zwischen 1844 und 1856 existierte ein Sommertheater. Außerdem gab es die Gastwirtschaft “Starckes Garten”, die auch als politischer Versammlungsort von Bedeutung war. Am 4. September 1848 gab es hier die erste große Massenveranstaltung der Dresdner Demokraten im Vorfeld der Bürgerlich- demokratischen Revolution.

Bild: Das Wasserpalais im Reisewitzschen Garten um 1780

Während die Gartenanlagen zum Großteil der Bevölkerung offen standen, bewohnte das Wasserschlößchen ab 1839 die Gräfin Charlotte von Kielmannsegge. Diese war für ihre fanatische Napoleon-Verehrung bekannt und ließ ihr Wohnhaus zu einer privaten “Gedenkstätte” für den französischen Herrscher mit zahlreichen Kunstwerken umgestalten. Eine angebliche Liebesbeziehung zu Napoleon ist jedoch ebensowenig verbürgt wie ihre Tätigkeit als Agentin während der Befreiungskriege. Allerdings stand sie bis zu Napoleons Tod mit diesem in Verbindung und besaß zahlreiche persönliche Gegenstände und Erinnerungsstücke aus dessen Besitz. 1863 verstarb die Gräfin in ihrem Haus im Reisewitz`schen Garten.

Nach 1860 wurden Teile des Areals durch neue Industrieunternehmen in Anspruch genommen. So entstand auf Löbtauer Flur eine Ziegelei, 1869 die Aktienbrauerei Reisewitz und 1897 die Schokoladenfabrik Petzold & Aulhorn. Das verbliebene Areal wurde bis zur Jahrhundertwende mit Wohnhäusern bebaut, so dass heute vom Garten keine Spuren mehr auffindbar sind. Das ehemalige Wasserschlößchen und die Falknerei waren bereits 1891 abgebrochen worden. Die Brauerei Reisewitz (Reisewitzer Straße 122) bestand noch bis 1931 und geriet erst durch die Weltwirtschaftskrise in Schwierigkeiten. Nach Einstellung des Braubetriebs dienten die Gebäude  als Lager. Teile der historischen Anlage sind bis heute erhalten geblieben (Foto). Im Dezember 2002 wurde der Gebäudekomplex bei einem Brand beschädigt.

 


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