Straßen und Plätze in Löbtau

 


Altlöbtau

Um den früheren Dorfplatz von Altlöbtau haben sich noch einige Reste der dörflichen Vergangenheit des Ortes erhalten, so die Bauerngüter Nr. 4 mit einem Torbogen (Foto) und Nr. 18. Einige Lücken wurden in den letzten Jahren mit an die vorhandene Bebauung angepassten Wohnhäusern geschlossen. Der Dorfanger selbst ist heute mit einem Kinderspielplatz parkartig gestaltet.

Am Dorfplatz befand sich ab 1770 auch die erste Löbtauer Schulstube im Haus des Gemeindehirten. 1879 entstand durch Umbau eines früheren Bauerngutes ein Gemeindearmenhaus mit Arrestzelle, welches zugleich als “Besserungsanstalt” für Jugendliche genutzt wurde.

Am Lerchenberg

Der Platz an der Ortsgrenze zu Cotta wurde 1900 nach einem alten Flurnamen Am Lerchenberg benannt. In der Nähe dieser Erhebung entstanden 1663 einige kleine Gutsarbeiterhäuser für die Tagelöhner des nahegelegenen Kammergutes Ostra. Während des Preußisch-Österreichischen Krieges ließen die Preußen am Lerchenberg eine Schanze anlegen, die der Verteidigung der Stadt Dresden dienen sollte. Der Name des “Schanzenviertels” in Cotta sowie die Gaststätte “Zur Schanze” an der Rudolf-Renner-Straße erinnern noch an diese Zeit. Die Reste der Schanze wurden mit Bebauung des Areals beseitigt.

Anton-Weck-Straße

Die frühere Oststraße wurde 1926 in Anton-Weck-Straße umbenannt. Anton Weck (1623-1680) war kurfürstlicher Sekretär und Archivar und schuf eine der ersten historischen Chroniken Dresdens.

Badweg

Der Badweg wurde 1901 zur Straße ausgebaut und verdankt seinen Namen der kurz danach eröffneten “Oeffentlichen Brauseanstalt” Löbtau. Als Städtisches Volksbad war diese Einrichtung ein wichtiger Beitrag zur Verbesserung der hygienischen Verhältnisse, da die meisten Arbeiterfamilien keine Bäder in ihren Wohnungen besaßen. Erst 1994 schloss die Einrichtung als letzte ihrer Art in Dresden die Pforten. Ursprünglich wurde dieser Weg als Verbindung zum Nachbarort Naußlitz angelegt.

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Baluschekstraße

Die Straße wurde 1897 als Germaniastraße angelegt. Ihren heutigen Namen Baluschekstraße erhielt sie 1950 nach dem Maler und Graphiker Hans Baluschek (1870-1935), der zu den Mitbegründern der Berliner Sezession gehörte und bis 1933 die “Große Berliner Kunstausstellung” leitete.

Bonhoefferplatz

Der heutige Bonhoefferplatz wurde 1891 auf zuvor landwirtschaftlich genutztem Gelände angelegt und nach dem sächsischen Staatsminister des Inneren Nostitz-Wallwitz-Platz benannt. Hermann von Nostitz-Wallwitz (1826-1906) war als Mitglied des Reichstags u. a. an der Erarbeitung der neuen Städteordnung beteiligt und erhielt 1882 die Dresdner Ehrenbürgerwürde. Zwei angrenzende Straßen bekamen die Bezeichnung Nostitzstraße (heute Clara-Viebig-Straße) bzw. Wallwitzstraße (heute Clara-Zetkin-Straße). Die eigentliche Platzanlage, die von mehrgeschossigen Wohn- und Geschäftshäusern umgeben ist, erhielt eine symmetrische parkähnliche Gestaltung und war Zentrum des neuen Stadtviertels südlich der Kesselsdorfer Straße. 1937 ging die ursprüngliche Wegeführung bei einer Erneuerung der Grünanlagen teilweise verloren.

1956 wurde der Nostitz-Wallwitz-Platz in Clara-Zetkin-Platz umbenannt. An die bekannte sozialistische Politikerin und Reichstagsabgeordnete der KPD erinnert ein Denkmal, welches 1994 an die Südseite des Platzes versetzt wurde. 1993 erhielt dieser den Namen Bonhoefferplatz. Dietrich Bonhoeffer (1906-1945) war als engagiertes Mitglied der Bekennenden Kirche im Widerstandskampf gegen die Nazis aktiv und wurde 1945 im KZ Flossenbürg hingerichtet.

1994 begannen am Bonhoefferplatz Sanierungsarbeiten, die eine Wiederherstellung des historischen Bildes zum Ziel haben. Neben Wohnungen und Geschäften besteht seit 1993 auch ein kleines Hotel “Am Bonhoefferplatz”, welches zum Verband Christlicher Hospize in Deutschland gehört. Unweit davon liegen das bekannte italienische Restaurant “La Contadina” und die Gaststätte “Saustall”. Historische Treppenhausgestaltungen der Gründerzeit finden sich u.a. in den Wohnhäusern Nr. 5 und 24.

Bramschstraße

Die Bramschstraße verdankt ihren Namen dem Löbtauer Gutsbesitzer und Fabrikanten Johann Ludwig Bramsch (1811-1877). Bramsch war Inhaber einer Preßhefen- und Spirituosenfabrik in der Friedrichstadt und erwarb 1857 das Stadtgut Löbtau an der Lübecker Straße. Er trat auch als Stifter und Wohltäter des Ortes auf und unterstützte u.a. die örtliche Armenfürsorge. Am 16. September 1999 wurde an der Bramschstraße mit dem Bau eines Straßentunnels begonnen, der als Teil der Gorbitzer Nordtangente zu einer Verkehrsentlastung der Kesselsdorfer Straße beitragen soll. Die Einweihung des 660 m langen Bauwerks erfolgte am 30. November 2002.

Foto: Die frühere Gaststätte “Zur Myrte” an der Bramschstraße/Ecke Gohliser Straße

Braunsdorfer Straße

Die von Löbtau nach Gorbitz führende Braunsdorfer Straße entstand 1898 und trug ursprünglich den Namen Prinzeß-Luisa- Straße. Namenspatronin war die Gemahlin des sächsischen Kronprinzen Friedrich August III., Luise von Toscana. Nach ihr wurde auch das an der Straße gelegene und heute als Ärztehaus genutzte Luisenhaus benannt . 1922 erfolgte nach einem kleinen bei Freital gelegenen Ort die Umbenennung in Braunsdorfer Straße.

 

Fotos: Das Luisenhaus an der Braunsdorfer Straße

Bünauplatz

Der Platz entstand 1894 als Lindenplatz und erhielt 1904 den Namen Bünauplatz. Ebenso wie die benachbarte Bünaustraße erinnert dieser an den sächsischen Historiker und Politiker Heinrich Graf von Bünau (1697-1762), der vor allem als Büchersammler bekannt wurde. Bünaus berühmte Bibliothek bildete später den Grundstock für die Sächsische Landesbibliothek.

1962 wurden Bünauplatz und Bünaustraße nach einem sächsischen KPD-Funktionär in Otto-Franke-Platz und -Straße umbenannt. Otto Franke (1877-1953) war ab 1946 Mitglied des Parteivorstandes und des Zentralkomitees der SED. Auf Beschluss des Stadtrates wurde diese Namensgebung Anfang 1993 wieder aufgehoben. Zu den markantesten Gebäuden in diesem Teil Löbtaus gehörten die 1888 erbaute und 1945 zerstörte 35. Volksschule sowie die 1923 geweihte katholische St. Antonius-Kirche.

1912 errichtete Stadtbaurat Hans Erlwein eine kleine Wohnanlage für Beamte der Städtischen Straßenbahn (Bünaustraße 4b - 8b), die 1999/2000 denkmalgerecht saniert wurde (Foto). Zuvor befand sich auf dem Areal einer der ersten Dresdner Straßenbahnhöfe. Eine Stele am Eingang trägt die Inschrift: “Ehre das Überlieferte, Alte und schaffe Neues aus Ihm. Hans Jakob Erlwein. Stadtbaurat in Dresden 1905-1914.” Innerhalb der Anlage befinden sich ein zentraler Platz mit Brunnen und Bänken, Wäschetrocken- und Kinderspielplätze.

Burgkstraße

Die Burgkstraße wurde 1883 zu Ehren des Bergwerks- und Rittergutsbesitzers Carl Christian Arthur Freiherr von Burgk auf Roßthal (1823-1897) benannt. Die ehemals bürgerliche Familie Krebs erhielt als Eigentümer der Burgker Steinkohlewerke den Freiherrentitel und gehörte zu den reichsten Familien Sachsens. Sohn Carl Christian Arthur übernahm 1849 die Betriebsführung des väterlichen Unternehmens und lebte auf dem nahe Löbtau gelegenen Schloss Roßthal. Zu seinen sozialen Verdiensten gehören die Stiftung des Burgker Knappschaftshospitals sowie die Finanzierung einer Kleinkinderbewahranstalt in Löbtau.

 

Chausseehausstraße

Die Straße erhielt 1900 zunächst den Namen Dr. Schmidt-Straße, der an den früheren Amtshauptmann von Dresden-Altstadt, Dr. jur. Emil Richard Schmidt (1833-1903) erinnerte. Die Gemeinde Löbtau hatte zu diesem Zeitpunkt die Dr.-Emil-Richard-Schmidt-Stiftung ins Leben gerufen, die sich vor allem der Behinderten- und Krankenfürsorge widmete. 1962 wurde die Dr.-Schmidt-Straße nach einem KPD- und SED-Funktionär in Bruno-Schramm-Straße umbenannt. Bruno Schramm war in den Zwanziger Jahren als Betriebsrat des Reichsbahn-Ausbesserungswerkes Dresden-Friedrichstadt tätig und floh 1933 in die Sowjetunion. Nach 1945 war er u. a. Präsident der Reichsbahndirektion Schwerin.

Im Zusammenhang mit der großen Straßenumbenennungsaktion Anfang der 90er Jahre wurde auch diese Straße erneut umbenannt. Die heutige Bezeichnung Chausseehausstraße weist auf das frühere Löbtauer Chausseehaus an der Ecke Tharandter/Kesselsdorfer Straße hin, welches Ende des 19. Jahrhunderts abgebrochen wurde.

Clara-Viebig-Straße

Die frühere Nostitzstraße, benannt nach dem Politiker und Dresdner Ehrenbürger Hermann von Nostitz-Wallwitz, erhielt 1956 den Namen Clara-Viebig-Straße. Clara Viebig (1860-1952) gehört zu den bedeutendsten deutschen Erzählerinnen und schuf mehrere Romane und Novellen, darunter ihr bekanntestes Werk “Das Kreuz im Venn”.

Clara-Zetkin-Straße

Die Clara-Zetkin-Straße, früher Wallwitzstraße genannt, erhielt 1956 den Namen der sozialistischen Politikerin Clara Zetkin (1857-1933), die bis 1933 Alterspräsidentin des Deutschen Reichstags war und zahlreiche sozialkritische Schriften veröffentlichte. Auf ihre Initiative wurde 1910 der Internationale Frauentag eingeführt. Während der benachbarte Clara-Zetkin-Platz 1993 in Bonhoefferplatz umbenannt wurde, behielt die Straße bis heute ihren Namen. An dieser wurde 1877 die Bürgerschule Löbtau (heute 35. Mittelschule) und 1936 die Hoffnungskirche errichtet. Außerdem befindet sich hier die 2008 umgebaute und modernisierte Löbtauer Feuerwache (Foto).

Während die Gebäude im unteren Teil bereits in den Jahren nach 1900 entstanden, blieb der obere Straßenabschnitt zunächst unbebaut. Nach dem Ersten Weltkrieg errichteten verschiedene Baugesellschaften Wohnblocks. Außerdem existierte hier noch bis 1992 eine Gärtnerei. 2003 wurde auf deren Areal mit dem Bau einer Wohnsiedlung mit Einfamilien- und Doppelhäusern begonnen.

Volksbad Löbtau: Das Volksbad entstand 1902 auf dem Grundstück neben der 35. Bürgerschule und diente als Wannen- und Reinigungsbad für die Bevölkerung der Dresdner Vorstadt. Das unter Denkmalschutz stehende Gebäude wurde noch bis 1994 genutzt und dann als letzte Dresdner Einrichtung ihrer Art geschlossen. Nach jahrelanger Diskussion um die  künftige Nutzung des seit 2003 unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes entschied man sich für die Einrichtung eines Kindergartens. Mit den Umbauarbeiten wurde im Frühjahr 2009 begonnen, die Eröffnung ist für 2010 geplant.

Columbusstraße

Die Straße wurde 1892 nach dem Seefahrer und Entdecker Amerikas Christoph Kolumbus benannt. Im Wohnhaus Columbusstraße 9 hatte in den Zwanziger Jahren die Leitung der KPD Ostsachsen ihren Sitz. Aus diesem Grund wurde 1963 eine Gedenktafel an diesem Gebäude enthüllt.

 

Conertplatz

Der um 1895 angelegte Platz erhielt zunächst zu Ehren des sächsischen Kronprinzen Friedrich August den Namen Friedrich-August-Platz. Um Verwechslungen zu vermeiden, benannte man ihn nach der Eingemeindung 1907 in Kronprinzenplatz um. Die Platzanlage wurde gärtnerisch gestaltet und erhielt um 1920 eine kleine Brunnenanlage. Im Mittelpunkt des Brunnens stand eine Bärenplastik, die von vier Fröschen am Beckenrand umgeben war. Die Figuren gingen während des Zweiten Weltkrieges bzw. in der Nachkriegszeit verloren.

1945 wurde der Kronprinzenplatz in Rudolf-Renner-Platz umbenannt. An diesen Löbtauer Antifaschisten erinnert auch ein Denkmal in der Parkanlage (Foto). Rudolf Renner (1894-1940) gehörte ab 1918 der Spartakusgruppe, später der KPD an und war ab 1921 jüngster Abgeordneter des sächsischen Landtags. Wegen seines politischen Engaments, u.a. als Redakteur der Sächsischen Arbeiter-Zeitung kam er 1933, ins KZ Buchenwald, wo er 1940 an den Haftbedingungen verstarb.

1993 erfolgte die Umbenennung des Rudolf-Renner-Platzes  in Conertplatz. Dr. Herbert Conert (1886-1946), der bereits in den Zwanziger Jahren als Stadtbaudirektor in Dresden wirkte,  war als Mitbegründer der CDU nach 1945 am demokratischen Neuaufbau in Dresden beteiligt und leitete die städtische Bauverwaltung. Unter seiner Regie entstand 1946 der erste Dresdner Wiederaufbauplan.

Die Anlagen des Conertplatzes wurden 1993/94 nach historischem Vorbild rekonstruiert. Künftig wird auch eine Wiederherstellung des Bärenbrunnens in Betracht gezogen. 2009 entstanden auf dem Gelände ehemaliger Tennisplätze nördlich des Platzes durch eine Bauherrengemeinschaft die Reihenhäuser des sogenannten “Court Conert”.

Delbrückstraße

Die Delbrückstraße entstand um 1890 im Zusammenhang mit der Anlage des Crispiplatzes und wurde 1891 zunächst Bismarckstraße benannt. 1904 wurde sie nach Rudolf von Delbrück (1817-1903), einem Bismarck-Mitarbeiter und Leiter des Reichskanzleramtes, umbenannt. 1962 hieß die Straße noch kurzzeitig Willi-Ermer-Straße, bevor die Benennung ganz aufgehoben wurde. Grund war die weitgehende Zerstörung der vorhandenen Bebauung zwischen Freiberger und Oederaner Straße 1945. Später befand sich hier viele Jahre die Endhaltestelle des O-Busses Linie 61.

Dölzschener Straße

Die Ende des 19. Jahrhunderts angelegte Dölzschener Straße erhielt ihren Namen am 9. Februar 1887 nach dem nahegelegenen Ort Dölzschen, welcher erst seit 1945 zu Dresden gehört. Nach 1900 entstanden hier Mietshäuser. Die zwischen Dölzschener Straße (10-12), Frankenbergstraße und Zauckeroder Straße gelegene Wohnanlage wurde 1912-14 durch die Eisenbahner-Baugenossenschaft errichtet und stellt ein typisches Beispiel des genossenschaftlichen Siedlungsbaus dieser Zeit dar. Unweit davon befinden sich die “Johann-Meyer-Häuser” (Nr. 17-21), welche 1911 von Hans Erlwein entworfen wurden und in den Anfangsjahren kinderreichen Familien vorbehalten waren. Beide Wohnkomplexe wurden nach 1990 denkmalgerecht saniert.

Ebertplatz

 

Eichendorffstraße

Die durch ehemaliges Gärtnereigelände führende Straße trug ab 1876 den Namen Gartenstraße. Später entstanden auch hier Wohngebäude und kleine Gewerbebtriebe. 1903 erfolgte die Umbenennung nach dem Dichter Joseph von Eichendorff (1788-1857) in Eichendorffstraße.

Emil-Ueberall-Straße

Der Name Emil-Ueberall-Straße erinnert seit 1993 an den Vermesser Emil Ueberall (1848-1936), der in Dresden als selbstständiger Landmesser tätig war und 1921 Vorsitzender des Landesvereins Sachsen der praktischen Geometer wurde. Ueberall entwarf 1875 den Bebauungsplan für die neuen Wohnviertel in Löbtau. Auf weitgehend rechteckigem Straßennetz entstanden bis zur Jahrhundertwende die für diesen Stadtteil typischen freistehenden Mietshäuser, die wegen ihrer Form auch spöttisch “Kaffeemühlen” genannt wurden (Foto um 1900).

Ursprünglich trug die Emil-Ueberall-Straße den Namen Herbertstraße nach dem ältesten Sohn Bismarcks (1849-1904), der zeitweise preußischer Gesandter in Dresden war. Um 1890 waren hier die Gebäude der 36. Volksschule errichtet worden. 1962 erfolgte die Umbenennung in Ernst-Kießlich-Straße. Ernst Kießlich (1883-1958) war Vorsitzender des Betriebsrates im Eisenwerk Meurer Cossebaude und nach 1933 im Widerstandskampf gegen die NS-Diktatur aktiv. In der Nachkriegszeit wirkte er u. a. als Stadtbezirksabgeordneter der SED und Schöffe.

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Freiberger Straße

 

Fritz-Schulze-Straße

Die heutige Fritz-Schulze-Straße wurde bis 1938 nach der österreichischen Regentenfamilie Habsburgerstraße genannt. 1878 hatte der Plauener Mühlenbesitzer Bienert hier ein kleines Gaswerk errichtet, welches bis 1920 bestand und anschließend abgerissen wurde. 1938 erhielt die Straße den Namen Planettastraße, mit dem der nationalsozialistische “Märtyrer” Albert Planetta geehrt werden sollte. Planetta hatte als Angehöriger der SS bei einem Putschversuch 1934 den österreichischen Bundeskanzer Dollfuß erschossen und wurde wegen seines Attentats hingerichtet.

Bereits 1945 wurde diese Namensgebung aufgehoben und durch den Namen Fritz-Schulze-Straße ersetzt. Fritz Schulze (1903-1942) gehörte zu den Mitbegründern der revolutionären Künstlergruppe ASSO und war ab 1930 Mitglied der KPD. Gemeinsam mit seiner Frau, der Malerin Eva Schulze-Knabe, war er im Widerstandskampf gegen die Nazis tätig. 1941 wurde Fritz Schulze mit einigen Mitstreitern verhaftet und 1942 in Berlin-Plötzensee hingerichtet. Das Straßenbild dominieren mehrstöckige Wohnhäuser, darunter die im Bild zu sehende denkmalgeschützte Wohnanlage Fritz-Schulze- Straße 11-15.

Gröbelstraße

Die Gröbelstraße wurde 1904 nach Christian Ernst August Gröbel (1783-1854) benannt, der 32 Jahre lang Rektor der Dresdner Kreuzschule war. Bis 1945 stand hier in der Nähe der Friedenskirche das Gebäude der 38. Volksschule, welches jedoch ein Opfer der Bombenangriffe wurde.

Kulturhistorisch bedeutsam ist der 1905/06 errichtete Mustersaal der früheren Leuchtenfabrik Seifert. Nach Plänen von Wilhelm Kreis ließ Firmeninhaber Karl Max Seifert auf dem Grundstück Gröbelstraße 17 eine Ausstellungshalle für seine Produkte bauen, in der 1906 die erste Exposition der Künstlergruppe “Brücke” stattfand. Seifert hatte den zu diesem Zeitpunkt als Assistent und Zeichner für Kreis tätigen Maler Erich Heckel während der Planungsphase für den Neubau kennengelernt und ihm und seinen Künstlerfreunden die Ausstellung ihrer Bilder in den Räumen ermöglicht.

1908 musste Seifert sein Unternehmen aufgeben und überließ die Räumlichkeiten der Firma Kretschmar, Bösenberg & Co., die ebenfalls auf dem Gebiet der Lampenherstellung tätig war. 1920 übernahm eine Präzisionswerkzeugfabrik das Gelände. Ab 1935 produzierte hier ein anderes Unternehmen Gummiwaren. Das Gebäude wurde dann ab 1954 bis zur Wende von der Kältetechnikfirma ILKA genutzt. Teile der stark verfallenen Fabrikhallen wurden 2004/06 abgetragen. Lediglich der unter Denkmalschutz stehende Mustersaal blieb erhalten und wurde 2008 in den Neubau der “Löbtau-Passage” einbezogen.

Hermsdorfer Straße

Die Hermsdorfer Straße geht auf einen alten Fußweg zwischen dem Löbtauer Dorfplatz und dem benachbarten Wölfnitz zurück, der 1896 ausgebaut und Dorfstraße genannt wurde. Nach der Eingemeindung erfolgte die Umbenennung in Hermsdorfer Straße, wobei die Dörfer Nieder- und Oberhermsdorf (bei Kesselsdorf) Pate standen.

Die Hermsdorfer Straße wurde kurz darauf mit Wohnhäusern bebaut. Bermerkenswert ist die vom Architektenbüro Schilling & Gräbner entworfene Villa Nr. 16 im Jugendstil (Foto). Das Landhaus gehörte einst dem Löbtauer Gemeindeältesten Gustav Rudolf Friedrich. Später nutzte es die Stadt Dresden als Betreuungsstelle des Vereins für Mütter- und Säuglingsfürsorge und als Stadtwohlfahrtsamt. Nach 1945 befand sich hier bis 1991 ein Kindergarten mit Schulhort.

 

Kesselsdorfer Straße

 

Klingestraße

Die Klingestraße erhielt ihren Namen 1899 nach dem Löbtauer Unternehmer Alfred Klinge (1846-1910), der eine Ledertreibriemenfabrik besaß und sich durch einige Stiftungen für das Gemeinwohl verdient machte. Hier befand sich bis zum Ersten Weltkrieg die Gemeindegärtnerei Löbtau, welche später der zunehmenden Bebauung weichen musste. 1911 wurden an der Klingestraße 14-22 und der Dölzschener Straße 17-23 einige Wohnhäuser der Krenkel- und der Johann-Meyer-Stiftung erbaut. Die Entwürfe für die denkmalgeschütze Wohnanlage stammen von Hans Erlwein. 1996 wurde die Siedlung saniert.

 

 

 

 

Fotos: Erlwein-Häuser an der Klingestraße mit liebevoll gestalteten Details

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Leumerstraße

Die Leumerstraße wurde1894 nach dem Gärtnereibesitzer Karl Gottlieb Leumer (1813-1877) benannt, der für seine Zuwendungen an die örtliche Schule und Kirchgemeinde geehrt werden sollte. Gemeinsam mit seiner Frau begründete er die Leumer-Stiftung, die alljährlich Weihnachtsgeschenke für bedürftige Kinder des Ortes finanzierte.

 

Löbtauer Straße

 

Löbtauer Weg

Der heute nicht mehr vorhandene Löbtauer Weg gehörte einst zu den wichtigsten örtlichen Verkehrsverbindungen und führte von der Freiberger Straße zur Weißeritz, die auf einem schmalen Holzsteg überquert wurde. Von hier verlief er durch den alten Dorfkern bis zur Freiberger Chaussee. 1478 wurde er erstmals als Lobetawer Weg erwähnt. Im Zuge der weitgehenden Bebauung der Löbtauer Fluren verschwand dieser alte Weg, dessen Verlauf heute kaum noch erkennbar ist. Bis 1879 befand sich an der Freiberger Straße die kurfürstliche Ziegelei, weshalb dieser Wegabschnitt auch als Ziegelsteg bezeichnet wurde.

Lübecker Straße

Die heutige Lübecker Straße bestand bereits im 16. Jahrhundert als Verbindungsweg von Löbtau über Cotta nach Briesnitz. Die von den Bewohnern als Weg zur Kirche genutzte Straße trug deshalb auch den Namen Löbtauer Kirchweg. Später wurde sie zeitweise Kohlenstraße genannt, da über diesen Weg die Kohle des Döhlener Reviers transportiert wurde. 1904 erhielt sie zusammen mit der Cottaer Straße in Löbtau den Namen Lübecker Straße. Markantestes Gebäude ist das Cottaer Rathaus.

Stadtgut Löbtau (“Sauerbratenschänke”): Das im Besitz der Stadt Dresden befindliche Gut wurde 1568 auf Löbtauer Flur gegründet. Angeschlossen war ab 1756 eine Fleischerei, die im Nebenerwerb auch als Gastwirtschaft genutzt wurde. Dieses alte Gasthaus war Mitte des 19. Jahrhunderts unter dem Namen “Sauerbratenschänke” ein beliebtes Ausflugsziel. Die als “Original” geltende Gastwirtin Braune bot hier preiswerten Sauerbraten an, der weit über Löbtau hinaus einen hervorragenden Ruf besaß. Später wurde die Gaststätte offiziell “Bürgergarten” genannt. Besitzer des Stadtgutes war zeitweise der Unternehmer Ludwig Bramsch, der wesentlich zu Löbtaus Entwicklung zum Industrievorort beitrug.

Von den ehemals landwirtschaftlich genutzten Nebengebäuden sind heute noch ein Wirtschaftshof (Nr. 20) und das frühere Wohnhaus (Nr. 18) erhalten. Beide entstanden um 1850 und weisen noch heute Merkmale der früheren Nutzung wie Ladeluken und Einfahrtstore auf. Der Gebäudekomplex wird heute gewerblich genutzt.

Nr. 47: Auf diesem Grundstück befand sich einst die Städtische Abdeckerei, deren Wohn- und Verwaltungsgebäude bis heute erhalten blieb. Diese wurde Anfang des 20. Jahrhunderts an der Stadtgrenze zu Cotta errichtet.

 

Malterstraße

Die bis 1926 Südstraße genannte heutige Malterstraße erhielt ihren Namen nach dem kleinen Ort Malter bei Dippoldiswalde, welcher wegen seiner Talsperre bis heute ein beliebtes Ausflugsziel ist. Bereits 1923 hatte der Löbtauer Sportverein “Spielvereinigung Löbtau 1893 e. V.” hier einen Sportplatz angelegt. Auch der 1905 entstandene Verein “Löbtauer Victoria” nutzte zeitweise das Gelände. Die Anlage war bereits kurz nach Kriegsende 1945 Schauplatz einiger sportlicher Großveranstaltungen, darunter des ersten Nachkriegs- Fußballspiels in Dresden zwischen Löbtau und Cotta. 2005 wurde der Platz umfassend saniert.

Mohorner Straße

Die Ende des 19. Jahrhunderts im Süden von Löbtau angelegte Straße erhielt 1893 nach dem preußischen Generalfeldmarschall Helmuth Graf von Moltke zunächst den Namen Moltkestraße. Um Verwechslungen mit gleichnamigen Straßen in anderen Stadtteilen zu vermeiden, wurde sie 1904 in Zietenstraße umbenannt. Hans Joachim von Zieten (1699-1786) diente als Reitergeneral in der Armee Friedrich II. von Preußen.

1946 entschied man sich wegen der “militaristischen” Namensgebung für eine erneute Umbenennung in Mohorner Straße. Die Gemeinde Mohorn befindet sich in der Nähe von Wilsdruff im heutigen Landkreis Sächsische Schweiz - Osterzgebirge. Neben Wohnhäusern aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg blieb an der Mohorner Straße 12 auch das Gebäude einer ehemaligen Glockengießerei erhalten. Hier ist seit 2009 ein Pflegeheim für Demenzkranke untergebracht.

Oederaner Straße

Die parallel zur Bahnstrecke Dresden - Chemnitz verlaufende Straße trug ab 1889 den Namen Hohenzollernstraße und wurde um 1890 mit Mietshäusern bebaut. Hier befand sich in den Zwanziger Jahren auch die Städtische Desinfektionsanstalt. Ursprünglich gehörte dieses Areal zum kurfürstlichen Holzhof bzw. zum Grundstück der 1875 stillgelegten und 1945 zerstörten Pulvermühle. Die bereits 1945 in Oederaner Straße (nach der Kleinstadt Oederan bei Chemnitz) umbenannte Straße wurde 1960 durch die Anlage der Brücke der Jugend geteilt.

Paschkystraße

Die Paschkystraße an der Ortsgrenze zwischen Löbtau und Plauen erhielt ihren Namen 1926 nach dem Dresdner Fischhändler August Paschky (1850-1891). Der auch politisch engagierte Paschky genoss bei der Dresdner Bevölkerung durch seine preiswerten Angebote, die er in 15 Filialen in der ganzen Stadt an die Kundschaft brachte, hohes Ansehen. Paschky war Mitglied im Arbeiterbildungsverein und im Sozialdemokratischen Arbeiterverein und wurde während der Zeit des Sozialistengesetzes zu einem Jahr Haft verurteilt.

1933 wurde die Paschkystraße in Pfordtenstraße umbenannt. Mit dieser Namensgebung sollte an den 1923 vor der Feldherrnhalle in München bei einem Putschversuch gefallenen Theodor von der Pfordten erinnert werden. Die Benennung wurde nach Ende der nationalsozialistischen Herrschaft 1945 wieder rückgängig gemacht.

Poststraße

Die Poststraße wurde 1880 nach dem Dichter Heinrich Heine benannt und erhielt ihren heutigen Namen erst 1893 nach dem hier gelegenen Postamt Dresden A 28. Um 1900 richtete die Königin-Carola-Stiftung an dieser Straße die erste Volksküche Löbtaus ein. Bis zur Zerstörung 1945 existierte im Eckhaus zur Kesselsdorfer Straße die “Musenhalle” mit dem Kino “Li-Mu”. Nach 1945 entstand auf dem Nachbargrundstück ein eingeschossiges Gebäude mit der beliebten Wohngebietsgaststätte “Berolina”. Seit 2006 befindet sich in diesen Räumlichkeiten das Restaurant ”Mephisto”. Unweit davon öffnete 2006 im Haus Poststraße 12 das französische Café-Restaurant “Mon Village”.

Reisewitzer Straße

Die Reisewitzer Straße, die von Plauen bis zum Löbtauer Dorfkern führt, erhielt 1874 ihren Namen nach dem hier gelegenen Vorwerk Reisewitz, welches im 18. Jh. im Besitz des kurfürstlichen Bergdirektors Johann von Reisewitz war. Aus dem Vorwerk entwickelte sich später der bekannte Reisewitz`sche Garten mit Theater und Gastwirtschaft. Ab 1869 bestand hier die Aktienbrauerei Reisewitz, deren Gebäude noch erhalten sind. Das Gelände der 1861 gegründeten Löbtauer Ziegelei wurde nach 1890 mit Mietshäusern bebaut.

Saxoniastraße

Die Saxoniastraße wurde nach 1890 angelegt und zunächst nach dem früher hier befindlichen Kanonenbohrwerk benannt. 1897 erhielt sie den Namen Saxoniastraße, der auf die weibliche Allegoriegestalt “Saxonia” zurückgeht, die als Personifizierung und Schutzpatronin des Landes Sachsen gilt.

Schillingplatz

Der Schillingplatz und die anschließende Schillingstraße erhielten ihren Namen 1893 nach dem bedeutenden Bildhauer Johannes Schilling (1828-1910). Schilling wurde u. a. als Schöpfer der Figurengruppe an der Freitreppe zur Brühlschen Terrasse, des Semper- und Rietscheldenkmals in Dresden und des Goethe-Schiller-Denkmals in Weimar bekannt. 1883 wurde er Ehrenbürger von Dresden. Eine Plastik des Bildhauers wurde nach 1945 in den Grünanlagen an Stelle des zerstörten Löbtauer Rathauses aufgestellt.

Stollestraße

Die frühere Kirchstraße erhielt 1904 den Namen Stollestraße nach dem Schriftsteller und Verleger Ludwig Ferdinand Stolle (1806-1872). Stolle gab in Dresden das humoristisch-politische Blatt “Der Dorfbarbier” heraus und verfasste zahlreiche Romane mit meist historischem Inhalt.

Foto: Blick in die Stollestraße (Ecke Langestraße) im Winter 2006

 

Tharandter Straße

 

Wernerstraße

Die Wernerstraße und der angrenzende Wernerplatz verdanken ihren Namen dem Mineralogen und Geologen Abraham Gottlob Werner (1749-1817). Werner gilt als “Vater der Geologie” und war regelmäßig zwischen Dresden und seinem Arbeitsort, der Freiberger Bergakademie, unterwegs. Zu seinem Lieblingsrastplatz gehörte eine Stelle am heutigen Neuen Annenfriedhof. Hier wurden nach seinem Tod 1817 die sterblichen Überreste des Professors aufgebahrt und an seine Freiberger Mitarbeiter übergeben. Bereits ein Jahr später errichteten Freiberger Studenten an diesem Platz einen Gedenkstein, der noch heute vor dem Haupteingang des Friedhofs zu finden ist.

An der Wernerstraße befanden sich früher die alte Löbtauer Dorfschule, die ab 1874 als Gemeindeamt genutzt wurde, und die 1879 gegründete katholische Kinderbewahranstalt. Regelmäßig besuchte Königin Carola die von ihr finanzierte Einrichtung. Später entstanden in unmittelbarer Nachbarschaft das der Armenfürsorge gewidmete Albertstift und eine Volksküche. Zu den markantesten Gebäuden an der Wernerstraße gehört die 1945 schwer beschädigte Friedenskirche, die 1890/91 nach Plänen Christian Friedrich Arnolds errichtet wurde.

Foto: Häuser an der Einmündung Kesselsdorfer/Wernerstraße kurz vor dem Abriss im September 2006.
In dem Flachbau ganz links befand sich einst das beliebte Löbtauer Café “Zum Frieden”
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