Cossebaude gehört zu den ältesten Orten im oberen Elbtal und wurde 1071 in der sogenannten “Benno-Urkunde” erstmals erwähnt. Der Ortsname “Cozubudi” stammt aus dem slawischen und bedeutet übersetzt
“Ziegenstall”. Im Zusammenhang mit der unter Historikern umstrittenen Schenkung von fünf Dörfern, unter ihnen Cossebaude, durch den slawischen Edelmann Bor an den sagenhaften Bischof Benno, kam der Ort unter die
Herrschaft des Meißner Domkapitels. Bereits im 11. Jahrhundert soll Benno hier den ersten Weinberg angelegt haben
und damit den Cossebauder Weinbau begründet haben. Jahrhundertelang war dieser wichtigster Erwerbszweig der Einwohner des Ortes, der als 8. Obedienz dem Meißner Domstift unterstand. Um 1263 wurde erstmals ein Vorwerk
erwähnt, welches jedoch 1492 bereits wieder aufgelöst wurde. 1427 entstand in Cossebaude die bis heute erhaltene Alte Kapelle, die der heiligen Katharina
geweiht war und seit 1902 den Gemeindesaal der Cossebauder Christen beherbergt. Mit einem Erlass des Kurfürsten Moritz wurde ab 1560 auch der Obstbau in den Orten um Cossebaude eingeführt. Kurfürstliche Beamte
verteilten dazu spezielles Saatgut in den Dörfern. Außerdem musste jedes frischvermählte Paar einen Obstbaum pflanzen.
Nach der Reformation kam der Ort in den Besitz des Prokuraturamtes Meißen, musste aber auch gegenüber dem Amt Dresden verschiedene Dienstpflichten leisten. Im 17.
Jahrhundert war Cossebaude im Besitz des Geheimrates Aichmann, der den Weinbau zu neuer Blüte führte. Erst durch den Dreißigjährigen Krieg wurde diese Entwicklung
unterbrochen. In Folge der Ereignisse kam der Ort 1619 in die Hand des Kurfürsten und unterstand nun dem Amt Dresden. Zu den wichtigsten Ereignissen in der Ortsgeschichte
gehören die am 15./16. August 1645 in Cossebaude begonnenen Vorverhandlungen zum Friedensvertrag von Kötzschenbroda, der für Sachsen den Dreißigjährigen Krieg beendete.
An diesen erinnert der “Friedensstein” vor der gleichnamigen Gaststätte an der Meißner
Landstraße. Im 18. Jahrhundert wohnte der “gelehrte Bauer” Johann Ludewig (1715 - 1760) in Cossebaude, der sich u. a. mit Mathematik, Astronomie und Geometrie befasste. Ab 1754 übte er auch das Amt des Ortsrichters aus.
Bis ins 19. Jahrhundert lebten die Bewohner des Dorfes vorrangig vom Obst- und
Weinbau sowie der Landwirtschaft. Ein Großteil der Cossebauder Fluren war zugleich Jagdrevier des Kurprinzen, was die wirtschaftliche Nutzung erheblich behinderte (Foto: Talstraße)
. Erst nach der Reichsgründung von 1871 begann die Industrialisierung im Elbtal. Maßgeblich dazu bei trug die 1875 über Cossebaude geführte Eisenbahnstrecke Dresden - Berlin mit einer neuen Elbbrücke bei
Niederwartha. Mit der Reblauskatastrophe 1880/81 endete die Bedeutung des Weinanbaus für den Ort endgültig, obwohl noch bis 1945 einige gewerbliche
Weingüter bestanden. Der stark angewachsene Ort war nun als Industriegemeinde ein Zentrum der industriellen Bauwirtschaft. Zu den deutschlandweit bedeutendsten Firmen aus der Frühzeit des
Betonbaus gehörten u. a. die in Cossebaude ansässigen Firmen Windschild & Langelott (1889 gegründet) und
Dyckerhoff & Widmann (1890). Bekannt waren auch die Eisenwerke Meurer AG, die ihren Sitz später nach Coswig
verlegten. Die Tochter eines Cossebauder Eisenbahningenieurs, Erna Berger machte als Sopranistin Karriere und gehörte viele Jahre zum Ensemble der Semperoper.
1906 erhielt der Ort nach langwierigen Verhandlungen Straßenbahnanschluss nach Dresden. Ursprünglich war eine Verlängerung der 1899 eröffneten
Lößnitzbahn nach Kötzschenbroda über die Niederwarthaer Elbbrücke nach Cossebaude und von dort bis Cotta vorgesehen. Hier sollte der Übergang zur Dresdner Straßenbahn erfolgen. Aus
finanziellen und verkehrstechnischen Erwägungen entschied man sich jedoch für eine Verlängerung der bestehenden
Straßenbahnlinie nach Friedrichstadt über Cotta - Gohlis bis zum Endpunkt in Cossebaude. Am 27. September 1906 wurde diese neue Straßenbahnlinie eröffnet. Nicht nur die Einwohner Cossebaudes, sondern auch zahlreiche Dresdner
nutzten die neue Verkehrsverbindung vor allem an den Wochenenden. Die Obstbaumalleen und Hochflächen um den Ort waren ebenso wie die neu entstandenen Gaststätten um die Jahrhundertwende, vor allem zur Zeit der
Baumblüte, eines der beliebtesten Ausflugsziele der Dresdner Bevölkerung (Foto: ehem. Gasthaus Talschänke). Zur Förderung des Tourismus hatte
sich 1883 ein Verschönerungsverein gegründet, der neue Wege anlegen ließ und 1906 einen Aussichtspunkt auf der Herrenkuppe schuf. An gleicher Stelle entstand 1913 ein Bismarckdenkmal. Unweit davon erinnern fünf
Kastanienbäume an die Cossebauder Sage “Die fünf Brüder”. Zu den markanten Blickpunkten am Elbhang gehört auch
das um 1890 für einen Industriellen errichtete “Weiße Schloss” im neogotischen Tudorstil mit der heute leider
geschlossene Ausflugsgaststätte “Osterberg”. Zuletzt diente das Gebäude als Studentenwohnheim und soll nun zu einem Wohnhaus umgebaut werden.
Foto: Ausflugsgaststätte Osterberg (histor. Postkarte) Cossebaude blieb auch nach 1945
Industrie- und Wohnvorort Dresdens. Der Weinbau, der in den Nachkriegsjahren fast völlig zum Erliegen gekommen war, lebte in den 60er und 70er Jahren wieder auf und wird heute von einigen
Hobbywinzern betrieben. Am Rande des Ortes entstanden in den 70er und 80er Jahren Neubauten. Bereits 1970 waren Teile der Gemeinde Leuteritz (Neu-Leuteritz), 1974 die Orte Gohlis und Niederwartha nach Cossebaude eingemeindet worden. 1994 folgte Oberwartha. Cossebaude kam mit seinen Ortsteilen am 1. Juli 1997 zu Dresden,
besitzt bis heute jedoch als Ortschaft der Landeshauptstadt eine gewisse Selbstständigkeit. In den 90er Jahren erfolgte
ein Ausbau der wichtigen Durchgangsstraße nach Meißen. In diesem Zusammenhang wurde die Straßenbahnlinie 1991
durch Busse ersetzt. Künftig soll auf Cossebauder Flur eine neue Elbbrücke mit anschließender Schnellstraße errichtet
werden, die wegen der zusätzlichen Verkehrsbelastung jedoch in der Bevölkerung umstritten ist. Mit dem Bau wurde im Frühjahr 2006 begonnen. Schulen in Cossebaude: Die erste Schule von Cossebaude entstand 1805 nach Einführung der Schulpflicht in Sachsen
und befand sich in einem noch erhaltenen Gebäude auf der Talstraße 7. Erst 1861 konnte nach einem Umbau ein zweites Klassenzimmer eingerichtet werden. Das Schulhaus wurde
damals von drei Klassen mit insgesamt ca. 200 Kindern genutzt. Im Zusammenhang mit dem Einwohnerzuwachs nach 1880 wurde 1894 eine neue Schule auf der Bahnhofstraße errichtet
und am 31. März eingeweiht. Architekt des Gebäudes (Foto) war der einheimische Baumeister Säurig. 1910/11 wurde das Schulhaus nochmals erweitert. Die Cossebauder
Schule, die nach dem Luftangriff auf Dresden zeitweise auch als Notaufnahmelager für Bombengeschädigte genutzt wurde, dient bis heute ihrem Zweck. Am 25. 9. 1971 erhielt sie
den Namen Hans-Grundig-Oberschule. Im Jahr 2006 wurde das Gebäude um einen modernen Anbau ergänzt.
Eine weitere Schule befindet sich auf der Erna-Berger-Straße. Der DDR-Typenneubau entstand 1977/78 als
Erweiterung der bestehenden Hans-Grundig-POS und wurde am 30. 8. 1978 feierlich eingeweiht. Mit Beginn des
Schuljahres 1992/93 erfolgte eine Trennung dieser Schule in eine Grund- und eine Mittelschule, so dass der Neubau
heute als Mittelschule betrieben wird. Neben Cossebauder Kindern besuchen auch Schüler aus den umliegenden Orten diese Schule. Kraftwerk Cossebaude:Auf Initiative des Gemeindevorstehers von Cotta beschlossen die Vertreter von Cotta, Leutewitz, Briesnitz, Kemnitz,
Stetzsch, Oberwartha und Cossebaude am 26. Januar 1899 im Kemnitzer Gasthof die Gründung eines Gemeindeverbandes zum Bau eines eigenen Elektrizitätswerkes. Der Zusammenschluss war erforderlich, da die zu
erwartenden Ausgaben und Betriebskosten für die Einzelgemeinden allein nicht aufzubringen gewesen wären. Noch im
gleichen Jahr schlossen sich auch Burgstädtel, Omsewitz, Gohlis und Mobschatz dem Interessenverband bei, der nach
einer Ausschreibung am 12. Dezember 1899 die Niedersedlitzer Firma Kummer & Co. mit dem Bau beauftragte. Das Werk an der Cossebauder Bahnhofstraße entstand innerhalb eines Jahres und konnte bereits am 24. Dezember
1900 erstmals Strom an die angeschlossenen Haushalte und Industriebetriebe liefern. Die technische Ausstattung bestand aus drei Kolbendampfmaschinen, die eine maximale Leistung von 400 kW erzeugen konnten. Infolge
technischer Mängel und dem Konkurs der Herstellerfirma machten sich jedoch schon bald technische Veränderungen
erforderlich. Betreiber des Werkes war der Gemeindeverband Elektrizitätswerk “Elbthal”. Per Vertrag war in den
Mitgliedskommunen bis 1943 die Errichtung eigener Werke untersagt. Die Baukosten beliefen sich seinerzeit auf über eine Million Mark. Herrenhaus: Das
Herrenhaus Cossebaude entstand um 1635 als Weinschänke des Kurfürsten und war zugleich Sitz eines Weingutes. Die Keller des Gebäudes wurden zu dieser Zeit als Lagerraum für die Weinfässer genutzt. Nach Einstellung
des Weinbaus diente das Herrenhaus u. a. als Lazarett und Sitz verschiedener Gewerbebetriebe. Später befand sich in den Räumen eine Ballettschule. In den 70er Jahren wurde das denkmalgeschützte Herrenhaus saniert.
Bismarck-Ehrenmal: Das Bismarck-Ehrenmal auf der Herrenkuppe entstand auf Anregung des “Ausschusses zur Errichtung einer Bismarck-
Ehrung” unter Vorsitz des Prokuristen Paul Breßler im Jahr 1913. Die Grundsteinlegung erfolgte am 30. März und
bereits am 22. Juni 1913 konnte das Denkmal eingeweiht werden. Die Säule ist 4,5 Meter hoch und besteht aus Syenit und Muschelkalksteinbeton. Der Entwurf stammt vom Architekten Richard Kolbe, während die Ausführung dem
Cossebauder Baumeister Säurig oblag. An der Seite befand sich einst eine von Richard König geschaffene Büste des
Reichsgründers sowie eine zugehörige Gedenktafel, welche jedoch nach 1945 entfernt wurde. Erst 2008 konnte diese durch eine neue Bronzetafel mit Bismarck-Relief ersetzt werden.
Ursprünglich befand sich auf der Säule ein in deren Aufbau eingelassenes Feuerbecken, welches zu Bismarcks Geburtstag und anderen hohen Staatsfeiertagen mit Holz, Koks und Magnesium befeuert werden konnte und weit über
das Elbtal hin zu sehen war. Dieses Becken wurde 1999 bei einer Sanierung des Denkmals wieder ergänzt und wird
seitdem alljährlich zur Sommersonnenwende in Betrieb gesetzt. Vom Denkmal biete sich ein schöner Rundblick über
das Elbtal und die Cossebauder Umgebung. Eine Informationstafeln weist auf interessante Punkte in der Umgebung hin.
Weiterführende Literatur und Quellen
Cossebauder Nachrichten 1. Februar 2012:
Die Einwohnerzahlen der beiden Ortschaften Cossebaude und Oberwartha sind innerhalb eines Jahres um 20 Prozent gestiegen. Damit haben sie einen neuen Höchststand seit 1974 erreicht. Ende vergangenen Jahres zählten beide Stadtteile zusammen 5.910 Einwohner.
14. Oktober 2011:
Auch in diesem Jahr wird wieder ein „Jahrgangsbaum“ mit den Namen aller im vergangenen Jahr geborenen Cossebauder gepflanzt. Das Schild enthält diesmal 70 Namen, deutlich
mehr als in den vergangenen Jahren. Insgesamt wird die Aktion bereits zum elften Mal durchgeführt. 10. Oktober 2011:
Die von den DVB geplante Verkürzung der Buslinie 94 von Cossebaude bis Altcotta ist vorerst vom Tisch. Zunächst sollen neue Varianten für die Linienführung geprüft werden,
bevor im kommenden Jahr endgültig entschieden wird. Anwohner hatten über 3000 Unterschriften gesammelt, um die Linienkürzung zu verhindern. 14. Juli 2011:
Eine historische Postkartenmappe mit Motiven aus Cossebaude ist ab sofort für 2 Euro in der Bibliothek Cossebaude und im Sekretariat der Verwaltungsstelle erhältlich. Die Karten
zeigen u. a. alte Aufnahmen von der Gohliser Windmühle sowie Bilder des Gasthofes in Cossebaude. 18. Juni 2011:
An der Dresdner Straße 40 wird das neue Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr des Ortes offiziell übergeben. Künftig sind hier die Fahrzeuge und Geräte der Feuerwehr
untergebracht, außerdem gibt es Aufenthalts- und Sanitärräume. 26. Juni 2011: Im Rahmen eines Stadtteilfestes wird der im vergangenen Jahr neu gestaltete
Festplatz der Ortschaft offiziell übergeben. Die aus einer Brache entstandene Grünanlage ist mit
Bäumen und Staudenbeeten gestaltet und wird künftig für Freilichtveranstaltungen genutzt. Bereits im Februar dieses Jahres hatte der Platz nach der Cossebauder Partnergemeinde den Namen
Weinsberger Platz erhalten. Zusätzlich wurde eine einen Meter hohe Basaltstele aufgestellt, um die besondere Beziehung zu der baden-württembergischen Stadt zu würdigen.
5. März 2011: Am 18. Juni wird das neue Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr Cossebaude eröffnet. Gegenwärtig wird noch an den Außenanlagen gearbeitet und der Fußboden der
Fahrzeughalle fertiggestellt. Witterungsbedingt hatte es beim Bau Verzögerungen gegeben, so dass der ursprüngliche Eröffnungstermin im Dezember nicht gehalten werden konnte.
11. Februar 2011: Die Freifläche zwischen Talstraße und Eichbergstraße soll künftig den Namen Weinsberger Platz erhalten. Mit der Namensgebung wird an die Partnergemeinde Weinsberg in
Baden-Württemberg erinnert, welche seit vielen Jahren die Ortschaft unterstützt und auch bei der Beseitung der Hochwasserschäden von 2002 geholfen hat. Auf dem Platz findet seit sieben Jahren
das alljährliche Blütenfest statt.
Literatur zu Cossebaude und seinen Nachbarorten finden Sie auch hier: |
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