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Das Gebiet um Niederwartha war bereits im 7. Jahrhundert von Slawen besiedelt, die in der Nähe des Ortes einen in Kriegszeiten als Zufluchtsort genutzten Burgwall anlegten. Dieser frühgeschichtlichen
Anlage verdankt das 1205 erstmals urkundlich erwähnte Niederwartha auch seinen Namen. Der Burgwall Niederwartha, in alten Urkunden “Gvozdez” bzw. “Woz” genannt, war einst Mittelpunkt eines Burgwardbezirkes, zu dem
u. a. auch Leuteritz, Mobschatz und Cossebaude gehörten.Mit der Eroberung des Meißner Landes durch Deutsche und der Errichtung des Burgwards Briesnitz verlor Niederwartha an Bedeutung und blieb bis in die jüngere
Vergangenheit ein kleines Bauerndorf, dessen Bewohner bevorzugt von der Viehhaltung und vom Obstbau lebten. Im 15. Jahrhundert befand sich der Ort im Besitz der Herren von Saalhausen, die die benachbarte Siedlung Gruna
in die Niederwarthaer Flur einbezogen. Bereits um 1485 soll sich hier auch ein Fährübergang befunden haben. Hinzu kamen drei Mühlen sowie der Gasthof an der Landstraße nach Meißen.
1875 erhielt Niederwartha Eisenbahnanschluss an die Bahnstrecke Dresden-Berlin, wofür eine Elbbrücke entstand.
Die verbesserten Verkehrsbedingungen und eine wenig später eingerichtete Dampferanlegestelle trugen dazu bei, dass der Ort am Ausgang des romantischen Tännichtgrundes zu einem beliebten Ausflugsziel der Dresdner
Bevölkerung wurde. Zeiweise gab es hier eine kleine Künstlerkolonie, außerdem siedelten sich Beamte und Pensionäre in den neuerbauten Wohnhäusern an. 1927 errichtete die Energieversorgung Groß-Dresden AG das bis heute
in Betrieb befindliche Pumpspeicherwerk
Niederwartha mit oberem und unterem Stausee. In diesem Zusammenhang entstand eine weitere kleine Siedlung, die vorrangig von Angestellten des Kraftwerkes bewohnt wurde.1945 blieb Niederwartha von größeren
Kriegsschäden verschont. Lediglich die Eisenbahnbrücke fiel in den letzten Kriegstagen der Sprengung zum Opfer, konnte jedoch bald wieder repariert werden. Durch den Zuzug von Flüchtlingen wuchs die Einwohnerzahl des
kleinen Ortes zeitweise auf über 1000 an, ging jedoch in den 60er und 70er Jahren wieder deutlich zurück. Seit 1974 gehört Niederwartha zu Cossebaude und kam mit diesem gemeinsam am 1. Juli 1997 zu Dresden. In den
letzten Jahren entstanden einige Neubauten am Burgberg. 1998 verstarb in Niederwartha der letzte deutsche Freiherr Harry Götz von Schaumberg (1907-1998). Die Familie gehörte zum alten Thüringer Landadel und war
später im Raum Gera ansässig. Eine interessante private Homepage über die Geschichte der Familie von Schaumberg findet sich hier: www.von-schaumberg.net
. Gasthof Niederwartha: Mittelpunkt des Ortes ist der Gasthof an der Landstraße nach Meißen, welcher bereits 1397 erstmals erwähnt wurde. Neben der
Schankgerechtigkeit besaß dieser auch das Recht zum Betreiben einer Fähre, damals einzige Flußquerung zwischen Dresden und Meißen. Im 19. Jahrhundert gewann der als “Brauschänkengut” bezeichnete Gasthof Bedeutung
als Ausflugslokal und wurde kurz vor der Jahrhundertwende deutlich vergrößert. 1945 quartierten sich hier russische Soldaten ein, womit der Gastwirtschaftsbetrieb vorerst endete. Erst nach 1990 konnte das Lokal wieder
gastronomisch genutzt werden. Seit 1994 befindet sich hier die mittelalterliche Erlebnisgaststätte “Zarenkeller”. Foto: Gasthof Niederwartha um 1910 Wilhelmsburg:
Das traditionsreiche Ausflugslokal wurde 1895 vom Cossebauder Tischlermeister Karl Hohenstein eingerichtet, der sich
für die Namensgebung sogar eine Genehmigung des Kaisers aus Berlin beschaffte. Das burgähnliche Haus besaß neben Gasträumen und einem Kaffeegarten auch einen Tanzsaal im Obergeschoss, der nach 1945 jedoch zu Wohnzwecken
umgebaut wurde. Vor allem zur Zeit der Baumblüte erfreute sich die “Wilhelmsburg” großer Beliebtheit.
Auch nach 1945 wurde der Gastronomiebetrieb noch bis 1999 weitergeführt, zeitweise unter dem “unpolitischen” Namen HO-Gaststätte “Am Stausee”. 2007 übernahmen neue Besitzer das Haus und eröffneten das Lokal wieder
unter seinem ursprünglichen Namen “Wilhelmsburg”.
Elbfähre:
Die Niederwarthaer Fähre gehört zu den ältesten verbürgten Elbübergängen der Region und wurde bereits 1397
erstmals genannt. In diesem Jahr erwarb die Dresdner Familie Kundige den Ort mit seiner Schankwirtschaft, zu deren
Rechten auch der Fährbetrieb gehörte. Bis zum Jahr 1853 verblieb die Fährgerechtigkeit bei diesem Brauschänkengut,
wodurch die Gasthofsbesitzer zugleich auch Inhaber der Elbfähre waren. Veränderte Verkehrsbedürfnisse führten 1865
zu einer geplanten Verlegung der Fährstelle nach Niedergohlis, die jedoch nicht zustande kam. Erst die Fertigstellung der Elbbrücke
brachte 1877 schließlich die Einstellung des Betriebs. Die Fährkähne wurden daraufhin nach Kötzschenbroda verkauft.
Zu einem Wiederaufleben des Fährverkehrs kam es 1945, da die Brücke infolge ihrer Sprengung durch abrückende Wehrmachtssoldaten nicht mehr zur Verfügung stand. Am 21. Dezember wurde dieser durch den Scharfenberger
Fährmeister König aufgenommen. Bis 1973 gab es nun in Niederwartha wieder eine Personenfähre. Heute erinnert nur noch das historische Fährhaus von 1765 an deren Geschichte. Das Gebäude diente einst als Unterkunft der
Fährmeisterfamilie, danach noch bis 1995 als Wohnhaus. Künftig soll hier eine Gaststätte mit Biergarten und einigen Übernachtungsmöglichkeiten für Radwanderer eingerichtet werden. Elbbrücke: Das erste Niederwarthaer Elbbrücke entstand 1873/74 im Zusammenhang mit dem Bau der
Eisenbahnstrecke Dresden - Berlin und diente vorrangig dem Eisenbahnverkehr. Außerdem gab es einen schmalen Fuß- und Fahrweg. Kurz vor
Kriegsende 1945 sprengten abziehende deutsche Truppen das Bauwerk, welches wenig später beim Versuch, es mit einem sowjetischen Militärtransport zu befahren, einstürzte.
Wenige Monate später konnte die Elbbrücke notdürftig wieder hergestellt werden und war ab August 1945 wieder befahrbar. Da dieses Provisorium in den 70er Jahren nicht mehr dem stark angewachsenen Verkehrsaufkommen
genügte, entschloss man sich 1977 zu einem kompletten Neubau. Bis 1983 entstand auf den elf alten Pfeilern die noch
heute erhaltene 346 Meter lange Brücke, die neben den Gleisanlagen auch einen kombinierten Fuß- und Radweg erhielt.
Im Frühjahr 2006 wurde in unmittelbarer Nachbarschaft der Eisenbahnbrücke mit dem Neubau einer modernen Straßenbrücke begonnen. Die offizielle Grundsteinlegung erfolgte am 13. Juni 2006. Das Bauwerk ist Teil der neuen
Staatsstraße S 84 zwischen Coswig und Cossebaude und wird von einem 77 Meter hohen Pylon mit 36 Seilen getragen. Die Gesamtlänge der ersten Schrägseilbrücke Sachsens beträgt 267 Meter (davon 192 Meter Spannweite).
Neben zwei Fahrbahnen besitzt die Brücke auch kombinierte Fuß- und Radwege und soll künftig zu einer Verbesserung der Verkehrsbedingungen vor allem im Raum Coswig/Radebeul beitragen. Stauseebad Cossebaude: Das am 23. Juni 1936
eröffnete Stauseebad befindet sich am Ufer des unteren Stausees des Pumpspeicherwerkes und ist zweitgrößtes Dresdner Freibad. Es entstand im Auftrag der Gemeinde Cossebaude unmittelbar am Staudamm auf
einem eigens für diesen Zweck erworbenen Grundstück. Bereits 1935 wurde ein ca. 500.000 m² großer Bereich für Schwimmer freigegeben. Hinzu kamen ein
Kinderplanschbecken, Kantine, Wasserrutschbahn und die notwendigen sanitären Einrichtungen. Außerdem konnte ein Teil des Stausees als Gondelteich genutzt
werden. Für Nichtschwimmer gab es ein ca. 10 x 20 m großes Floß als “schwimmendes Badebassin” (Foto). Diese seinerzeit in Deutschland einmalige
Konstruktion entstand in der Dresdner Firma Eisenbau Karl Ladwig und ruhte auf neun Schwimmkörpern, welche einen
versenkbaren Lattenkasten trugen. Somit war eine variable Wassertiefe von 60 bis 120 cm möglich. Erreicht werden konnte das Becken über einen hölzernen Steg. Nachteilig war jedoch der große Aufwand für den alljährlich
erforderlichen Auf- und Abbau, weshalb das Becken seit den 60er Jahren nicht mehr genutzt wurde. In den 1960er und 70er Jahren erfolgten verschiedene Modernisierungen des Stauseebades. 1972 entstand ein neues
Nichtschwimmerbecken außerhalb des eigentlichen Staubeckens. Außerdem wurden weitere Einstiegstreppen am Damm geschaffen und die vorhandene Liegewiese erweitert. Zum Bad gehören heute auch eine 86 Meter lange
Wasserrutsche und verschiedene Sport- und Spielplätze. Außerdem existiert ein kleiner FKK-Bereich. 2001/02 wurde mit der Sanierung des Freibades begonnen. Wenig später entstanden beim Elbehochwasser im August 2002 große
Schäden, was eine erneute Komplettsanierung erforderlich machte. Diese endete 2004 mit dem Bau eines neuen Kassenbereichs und moderner Umkleidekabinen.
Weiterführende Literatur und Quellen
Niederwarthaer Nachrichten 30. Dezember 2011:
Das Hotel Wilhelmsburg in der Nähe des Cossebauder Stausees wird von der bisherigen Betreiberin zum Jahresende geschlossen. Grund sind Feuchtigkeitsschäden im Gebäude, welche einen weiteren Hotelbetrieb nach ihrer Ansicht unzumutbar machen. Das Hotel und Restaurant soll nun vorerst von der Eigentümerin selbst geführt werden, an der Beseitigung der Mängel wird gearbeitet.
7. Dezember 2011:
Der sogenannte Grunawege am Tännichtgrundbach in Niederwartha wurde jetzt teilweise erneuert und erhielt neue Stützmauern. Gebaut haben diese die Mitglieder des Feuerwehr- und Heimatvereins Niederwartha. Der Verein engagiert sich seit längerem für eine Verschönerung des Ortsbildes.
11. März 2011:
Das Alte Fährhaus in Niederwartha wird künftig als Gaststätte mit Biergarten und Fahrradherberge genutzt. Das 1765 erstmals als Wohnung des Fährmeisters erwähnte Haus in unmittelbarer Nähe des Elberadweges bietet künftig Unterkunft für acht Radwanderer. Nach dem Auszug der letzten Bewohner 1995 stand das Gebäude leer.
16. Februar 2011:Voraussichtlich im Herbst soll die neue Niederwarthaer Elbbrücke befahrbar sein. Gegenwärtig entstehen die noch fehlenden Zufahrten an der B 6 und der
S 84. Im Zuge der Baumaßnahmen entstehen auch neue Fuß- und Radwege, Stützmauern und eine Brücke über den Tännichtbach. |
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