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Bereits im 15. Jahrhundert existierte in der Nähe der alten Weißeritzmündung
ein Vorwerk, welches sich 1535 im Besitz Herzog Georg des Bärtigen befand. Dieser veräußerte es noch im gleichen Jahr an den Freiberger Münzmeister und
Rat Dr. Georg von Kommerstädt, der das Vorwerk unter Einbeziehung des sogenannten “Kapellengutes” der Alexiuskapelle ausbauen ließ. Nachdem Georg von Kommerstädt wegen Unregelmäßigkeiten in der Münzstätte in
Ungnade gefallen war, musste er das Anwesen 1550 verkaufen. Den “Baumgarten zu Klein-Ostra” erwarb nun Kurfürst Moritz, ohne sich um das bestehende Lehnsrecht der Meißner
Bischöfe zu kümmern. Nach dessen Tod übernahm sein Bruder August das Gut und plante, es in einen modernen
landwirtschaftlichen Großbetrieb zur Versorgung der Residenz umzuwandeln. Da die Fläche des Vorwerks zu klein war, kaufte er 1559 dem Meißner Bischof das Dorf Ostra mit den Fluren der untergegangenen Dörfer Wernten und Rostagk
sowie Teile der Cottaer und Löbtauer Flur ab. Im Gegenzug wurde Bischof Johann von Haugwitz das Amt Mühlberg
zugesprochen. 1568 mussten die bisherigen Bewohner Ostras umsiedeln und erhielten als Entschädigung neue Felder in Zschertnitz und Neuostra zugewiesen. Das in Ostra ansässige Adelsgeschlecht der Monhaupts wurde mit dem Vorwerk Daubnitz bei Lommatzsch entschädigt.
Nun stand den weitreichenden Planungen des Kurfürsten und seiner landwirtschaftlich interessierten Frau, Kurfürstin Anna, nichts mehr im Wege. Das Paar ließ das bestehende Vorwerk, zu dessen Besitz
fast 600 Hektar Nutzfläche gehörten, vergrößern. U.a. entstanden ein Viehhof, Obstgärten, Stallungen und Scheunen sowie eine Schmelz- und Saigerhütte zur Kupferverarbeitung. Zum Mahlen des Getreides
errichtete man in Plauen die Hofmühle, derem Mahlzwang fast alle Dörfer der Umgebung unterworfen waren. Zur Bewirtschaftung wurden Bauern aus den Dörfern
des Amtes Dresden sowie den Ämtern Moritzburg, Radeberg und Pirna herangezogen, die alljährlich 2500 Pflugtage,
Spann- und Handdienste leisten mussten. Aufgrund der großen Entfernung zwischen Ostravorwerk und den Heimatorten
entstand am Freiberger Platz 1570 der Frönerhof, in dem die zur Arbeit verpflichteten Knechte wohnen mussten.
Außerdem gab es ab 1568 den Gesindezwangsdienst, der eine zweijährige Dienstzeit für alle Kinder des Dresdner Amtes in Ostra vorsah.
1614 wurde ein neuer Fronhof am Anfang der späteren Schäferstraße gebaut. Hier wurde auch Schafzucht betrieben,
weshalb sich später der Name Schäferei für das erst 1903 abgerissene Gebäude durchsetzte. Nach dem Dreißigjährigen Krieg arbeiteten auch
böhmische Exulanten auf den Feldern des Kammergutes, für die in Löbtau die sogenannten “Drescherhäuser” entstanden. Trotz aller Bemühungen verlor das Gut jedoch an Bedeutung. Da Teile der Flächen im 17.
und 18. Jahrhundert dem kurfürstlichen Hof als Fasanerie und Tiergarten dienten, wurden diese ab 1696 umzäunt, woraufhin sich der Name “Großes Gehege” bzw. “Ostragehege” für dieses Areal durchsetzte. Neben Rindern,
Schweinen und Schafen wurden hier auch Rebhühner, Biber, Hirsche, Büffel und zeitweise sogar Kamele gehalten. Im 19. Jahrhundert musste, bedingt durch die zunehmende Bebauung der Vorwerksfluren, die
landwirtschaftliche Nutzung eingeschränkt werden. Stattdessen widmete sich man sich vorrangig der Milchwirtschaft und der Herstellung von Molkereiprodukten. Die
Bewirtschaftung oblag nunmehr wechselnden Pächtern. 1835 errichtete sich einer dieser Pächter namens Portius die noch erhaltene Villa Friedrichstraße 62 (Foto) als eigenes
Wohnhaus (Portius-Villa). Die verbliebenen Wiesen im Ostragehege wurden mit städtischen Fäkalien gedüngt, bevor auf dem Areal 1912 der städtische Schlachthof entstand. 1917 wurde der Betrieb des Vorwerks endgültig eingestellt. Das Areal übernahm die Dresdner
Transport- und Lagerhaus-Gesellschaft und nutzte es als Lager. 1945 zerstörten die Bomben einen Großteil der verbliebenen Bauten. (Fotos oben: ehemalige Gutsgebäude an der Friedrichstraße 60). Einige
Reste des Vorwerks, darunter eine Scheune und der frühere Kuhstall blieben am Ende der Friedrichstraße noch erhalten.
Bemerkenswert ist vor allem das frühere Hegereiterhaus (Friedrichstraße 64) an der Einmündung Waltherstraße.
Nach dem Bau des Schlachthofes siedelten sich zwischen Pieschener Allee und Elbe
mehrere Kleingartenanlagen an. So gründeten Dresdner Schrebergartenfreunde 1923 die Anlage “Zur Aue” mit einer auch für die Öffentlichkeit zugänglichen Vereinsgaststätte.
Außerdem gab es hier vor 1945 die beliebte Gartenwirtschaft “Onkel Toms Hütte”, benannt nach dem 1852 erschienenen Erfolgsroman von Harriet Beecher-Stowe. Unweit
davon verband bis 1992 eine Elbfähre das Ostragehege mit den gegenüberliegenden Stadtteilen Neudorf und Pieschen. Eine weitere Fähre existierte bis 1996 in der Nähe des
Schlachthofes nach Altpieschen. Zeitweise gab es in diesem Elbabschnitt auch eine Badeanstalt, welche von 1839 bis um 1890 nach ihrem Besitzer Schallersche Anstalt genannt wurde. Nach deren
Schließung wegen des Hafenausbaus entstand 1906 eine Städtische Badeanstalt unterhalb der Fährstelle, die noch bis
nach dem Ersten Weltkrieg existierte. Nach dem Elbehochwasser im August 2002 mussten die meisten Gärten aus Hochwasserschutzgründen aufgelassen werden.
Einige Flächen im Ostragehege wurden nach dem Ersten Weltkrieg mit Sportanlagen
bebaut. In dem hier entstandenen Stadion spielte der Dresdner Sportclub DSC, der 1944 die letzte Deutsche Fußballmeisterschaft gewann. Dieses Stadion erhielt nach 1945 den Namen des von den Nazis ermordeten Widerstandskämpfers Heinz
Steyer. Weitere Sportbauten folgten in den 60er und 70er Jahren, darunter die 1969/72 von H. Seifert und Siegfried Speer entworfene Eissporthalle (Foto) und ein
heute nur noch in Fragmenten erhaltenes Kunsteisstadion. In der am 26. 12. 1960 eröffneten Sportstätte fand im Januar 1961 das erste Länderspiel einer DDR-
Eishockey-Nationalmannschaft statt. Bereits Anfang der 70er Jahre wurde die Anlage jedoch wieder geschlossen.
Nach 1990 kamen neue Pläne für eine künftige Gestaltung des Ostrageheges auf. Das Gebiet sollte als Vergnügungs- und
Erholungsgebiet entwickelt werden. Hier plante die Stadt eine Internationale Gartenschau bzw. die Bundesgartenschau.
Auch der Bau von Wohnungen, eines Veranstaltungszentrums für den Zirkus “Sarrasani” sowie eines Freizeit- und
Technologieparkes wurde erwogen. Allerdings konnte keines dieser Projekte in die Realität umgesetzt werden. Lediglich
der 1991 geschlossene Schlachthof wurde teilweise saniert und 1999 zum Messegelände umgestaltet. Außerdem entstand in der Nähe ein Open-Air-Gelände für Konzerte und andere Großveranstaltungen.
Ab 2005 wurde außerdem ein moderner Sportkomplex geschaffen, der die durch jahrezehntelange Nutzung und das Hochwasser 2002 verschlissenen Anlagen ersetzen soll. Die Eröffnung der neuen “Freiberger Arena” (nach dem
Hauptsponsor) erfolgte am 31. August 2007. Das moderne Gebäude (Entwurf von Hans-Jürgen Schmidt-Schickedanz)
bietet eine Eishalle mit 4000 Zuschauerplätzen, eine Ballspielhalle mit 400 Plätzen sowie Trainings- und Büroräume und
eine öffentliche Gaststätte. Die alte Eishalle wurde daraufhin entkernt und am 29. Februar 2008 gesprengt. Der Neubau
trägt seit Dezember 2010 nach einem Sponsorenwechsel den Namen “Energieverbund-Arena”. Auf dem Areal der alten
Halle wurde ein Spiel- und Freizeitpark mit Ballspielplätzen, Kletteranlagen und einem Skaterbereich angelegt. |