Marcolinipalais






Nachdem Kurfürst Johann Georg II. Teile der Ostraer Fluren zur Bebauung freigegeben hatte, erwarben Mitglieder des Hofes hier einige Grundstücke und legten darauf Sommergärten an. Auch das spätere Marcolinipalais geht auf einen solchen Sommersitz zurück und entstand in seiner Ursprungsform Anfang des 18. Jahrhunderts. Zu den ersten Eigentümern gehörten der Oberhofmarschall Herrmann von Wolframsdorf sowie der Kammerherr August von der Sahle. Von diesem erbte es die Gattin des Oberlandbaumeisters Starcke, die sich hier ein Lusthaus errichten ließ. 1725 kaufte August der Starke das Grundstück und überließ es zwei Jahre später dem Herzog Friedrich Ludwig von Württemberg, dessen Frau, die Gräfin Lubomirska, einige Jahre Mätresse des Kurfürsten war. Die Pläne für das Barockschlößchen stammen vermutlich von Johann Christoph Neumann.

1736 erwarb der sächsische Minister Graf Heinrich von Brühl das Grundstück und ließ es unter Einbeziehung des vorhandenen Gebäudes zu einer großzügigen Gartenanlage umgestalten. Die Arbeiten leitete Oberlandbaumeister Johann Christoph Knöffel unter Mitwirkung namhafter Bildhauer. Die durch den Ankauf benachbarter Flächen deutlich erweiterte Parkanlage wurde mit einer Orangerie, einer Schießbahn, verschiedenen Wasserspielen und Skulpturen und einem Gartentheater ausgestaltet. Prunkstück war der am Ende der Hauptachse stehende Neptunbrunnen. Brühl nutzte das Palais als Sommerresidenz und Schauplatz für prunkvolle Feste. Zwischen Mai und Oktober 1761 bezog der österreichische Feldmarschall Daun das Gebäude als Quartier seines Generalstabs.

Nach Brühls Tod stand das Palais zunächst einige Jahre leer, bevor 1774 der sächsische Kabinettsminister und Direktor der Porzellanmanufaktur Graf Camillo Marcolini das Anwesen kaufte und es durch die Baumeister Johann Gottfried Kunsch und Johann Daniel Schade erweitern ließ. Aus dieser Zeit stammen auch die Bezeichnungen Marcolinipalais für den einstigen Brühlschen Wohnsitz und die über dem Haupteingang angebrachten Wappen Marcolinis und seiner Frau, der Baronin O´Kelly. Die Bildhauerarbeiten übernahmen Johann Baptist Dorsch und Thaddäus Ignatius Wiskotschill. Christian Traugott Weinlig schuf im Inneren des Hauses einige bemerkenswerte klassizistische Wand- und Deckenmalereien.

Zwischen dem 10. Juni und 15. August 1813 wohnte Napoleon während seines Dresdner Aufenthaltes im Marcolinipalais. Hier fand am 26. Juni 1813 das bedeutsame Treffen mit dem österreichischen Außenminister Fürst von Metternich statt. Während des Gespräches im chinesischen Zimmer soll Napoleon seinen Hut vor Wut auf den Boden geschleudert haben. Entgegen den diplomatischen Regeln hob Metternich den Hut nicht auf, was einer Kriegserklärung gleichkam. Im Ergebnis der Gespräche schloss sich Österreich den Verbündeten an und leitete damit die Niederlage des Franzosenkaisers ein.

Nach dem Abzug Napoleons und dem Tod Marcolinis 1814 stand das Marcolinipalais erneut einige Jahre leer, bevor es 1835 vom Dresdner Stadtrat und Hofbuchdrucker Carl Ernst Werner erworben wurde. Werner vermietete die Räume an wohlhabende Bürger und ausländische Besucher Dresdens. 1842 ließ er das Orangeriegebäude aufstocken und vergrößern. Im Ostflügel richtete der Bildhauer Ernst Julius Hähnel sein Atelier ein. Er schuf u.a. das Körner-Denkmal am Georgsplatz. Auch Richard Wagner wohnte zwischen 1847-49 im zweiten Stock des Marcolinipalais und arbeitete hier an seinem “Lohengrin”. An ihn erinnert heute eine Gedenktafel.

Während des Dresdner Maiaufstandes 1849 richtete die Stadt Dresden im Marcolinipalais ein Lazarett für Verwundete ein. Im November entschloss man sich, das Haus in ein reguläres Stadtkrankenhaus umzuwandeln und ließ die Räumlichkeiten entsprechend umbauen. Unter Einbeziehung weiterer Gebäude, u. a. des ehemaligen Manteuffelschen Brauhauses, wurde das Friedrichstädter Krankenhaus mehrfach erweitert und dient bis heute seinem Zweck.

 

Einzelne Bauten (bis 1849):

Marcolinipalais: Das zweigeschossige Hauptgebäude geht im Kern auf ein 1727 von Johann Christoph Naumann erbautes Schlösschen zurück. Nach dem Verkauf des Areals an den Grafen Brühl ließ dieser das Gebäude ab 1746 durch Oberlandbaumeister Johann Christoph Knöffel umbauen und erweitern. Dabei entstanden u.a. die beiden Seitenflügel und der noch erhaltene Festsaal. Ein weiterer Umbau erfolgte unter Graf Marcolini ab 1774. Diese Baumaßnahmen leitete Johann Daniel Schade unter Mitwirkung des Amtsmaurermeisters Johann Gottfried Kunsch. In diesem Zusammenhang erhielt das Palais im wesentlichen sein heutiges Aussehen.

Der frühere Haupteingang ist von einem kleinen Ehrenhof umgeben, der von zwei Löwenplastiken flankiert wird. Unter dem von Pfeilern getragenen Vordach befindet sich ein von Gottfried Knöffler geschaffener Delphinbrunnen. Im Inneren sind noch einige Reste der früheren Innenausstattung erhalten. Der Festsaal mit seiner klassizistischen Ausstattung dient heute für verschiedene Veranstaltungen. Bemerkenswert sind auch das sogenannte “Chinesische” und das “Pompejanische” Zimmer. Diese Raumdekorationen entstanden nach 1780 im Auftrag Marcolinis und stammen von Christian Traugott Weinlig. In den letzten Jahren erfolgten Restaurierungsarbeiten. Eine Besichtigung ist nur im Rahmen einer Führung möglich.

Orangerie: Die ehemalige Orangerie wurde nach 1736 für die Unterbringung exotischer Gewächse des Palaisparks errichtet und befand sich unmittelbar an der heutigen Friedrichstraße. Der Garten Brühls gehörte seinerzeit zu den beeindruckendsten privaten Parkanlagen in Sachsen. Napoleon ließ in den Räumen während seines Aufenthalts ein kleines Theater mit 200 Zuschauerplätzen einrichten. 1842 wurde die nicht mehr benötigte Orangerie vom damaligen Besitzer des Marcolinipalais aufgestockt und für Wohnzwecke umgebaut. Heute nutzt das Krankenhaus dieses Gebäude.

Neptunbrunnen: Die repräsentative barocke Brunnenanlage wurde als Blickfang der Hauptachse 1741/44 nach Entwürfen von Zacharias Longuelune vom italienischen Bildhauer Lorenzo Mattielli geschaffen. Der Neptunbrunnen gilt als großartigste Brunnenanlage Dresdens und besteht aus drei bis zu 40 Meter breiten Brunnenbecken, welche von einer Neptungruppe und verschiedenen Nebenfiguren bekrönt werden. Diese symbolisieren u.a. den Windgott sowie die Flüsse Tiber und Nil. Leider ging durch die im 19. und 20. Jahrhundert errichteten Erweiterungsbauten des Krankenhauses die ursprüngliche Blickbeziehung verloren, so dass wiederholt eine Umsetzung des Brunnens an einen repräsentativeren Standort erwogen wurde.

Die Wasserversorgung der Anlage erfolgte in den Anfangsjahren über ein Röhrensystem, welches von der Gorbitzer Höhe in ein Brunnenhaus an der Wachsbleichstraße führte. Dort gab es ein von Ochsen betriebenes Göpelwerk, welches das Wasser schließlich in den Brunnen transportierte. Erst bei einer Rekonstruktion im 19. Jahrhundert wurde der Neptunbrunnen 1875 an das öffentliche Leitungsnetz angeschlossen. In diesem Zusammenhang erfolgte unter Leitung des Bildhauers Robert Henze eine umfassende Restaurierung des Neptunbrunnens.

Um das barocke Kunstwerk besser zugänglich zu machen, plante die Stadt bereits 1902 eine Versetzung der gesamten Brunnenanlage. Entsprechende Untersuchungen unter Zuhilfenahme eines eigens angefertigten Gipsmodells brachten jedoch keine Resultate. Als mögliche Standorte waren u.a. der Zwingerwall und die Bürgerwiese im Gespräch. 1930 wurden diese Planungen nochmals aufgegriffen, aus finanziellen Gründen jedoch nicht umgesetzt. Auch der Vorschlag Hans Nadlers aus dem Jahr 1952, der eine Verlegung in die Gartenanlagen des Japanischen Palais anregte, blieb eine Vision, ebenso wie eine in den 80er Jahren erwogenen Umsetzung in den Park des Hotels “Bellevue” am Königsufer. Derzeit ist der Brunnen außer Betrieb und soll - am derzeitigen Standort - in den kommenden Jahren saniert werden.

Küferbrunnen und Gartenplastiken: Der kleine Brunnen entstand um 1790 und zeigt den trunkenen Kellermeister des Grafen Marcolini auf einem Weinfass. In seiner Nähe befinden sich zwei weitere Plastiken, die ebenfalls von Thaddäus Ignatius Wiskotschill geschaffen wurden. Sie stellen den griechischen Helden Themistokles sowie die skytische Königin Tomyris dar. Weitere Bildwerke aus dem Palaisgarten fanden 1850 in Park der Sekundogenitur an der Zinzendorfstraße ihren neuen Standort. Heute sind sie u. a. am Palaisteich im Großen Garten und im Garten am Hygienemuseum zu finden.

 

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