Friedrichstraße


  www.shop-apotheke.com

Die Friedrichstraße ist die älteste Straße der Friedrichstadt und entstand ursprünglich als Verbindungsweg zwischen der Innenstadt und dem Ostravorwerk. Deshalb wurde sie zunächst Ostraer Gasse bzw. Ostrastraße genannt. Ab 1670 wurden die Grundstücke links und rechts dieses Weges zur Bebauung freigegeben. Eigentlich sollten durch die kostenlose Überlassung der Flächen und weitere Vergünstigungen Handwerker und Gewerbetreibende angelockt werden, was aufgrund des Widerstandes des städtischen Rates und der Dresdner Zünfte jedoch nur sehr eingeschränkt gelang. Stattdessen erwarben wohlhabende Adlige und Hofbeamte die Grundstücke und legten hier ihre Sommergärten an. Bedeutendstes Anwesen war das Gartenpalais der Gräfin Lubomirska, welches 1736 Heinrich von Brühl erwarb und erweitern ließ. Unter dem späteren Besitzer, dem Leiter der Kunstsammlungen und Direktor der Meißner Porzellanmanufaktur Graf Camillo von Marcolini, wurde das Palais deutlich erweitert und gehört als Marcolinipalais bis heute zu den wenigen erhaltenen Adelssitzen der Barockzeit in Dresden. Seit 1849 befindet sich auf dem Gelände das Stadtkrankenhaus Friedrichstadt.

Bereits Anfang des 16. Jahrhunderts überquerte ein hölzerner Steg am Ende der heutigen Friedrichstraße die Weißeritz. 1645 wurde dieser durch eine Steinbrücke ersetzt, welche lange Zeit einzige Verbindung zur Vorstadt war. Da die Brücke unmittelbar auf die angrenzende Ostrastraße führte, erhielt diese 1732 auf kurfürstlichen Befehl den Namen Brückenstraße. Nach dem Neubau der Weißeritzbrücke im Jahr 1830 und der in diesem Zusammenhang erfolgten Namensgebung “Friedrichsbrücke” wurde die Brückenstraße auf Wunsch der Anwohner in Friedrichstraße umbenannt.  Mit der Benennung sollte an Kurfürst Friedrich August I. erinnert werden, unter dessen Regierung die Vorstadt ausgebaut worden war. 1893 wurde die Friedrichsbrücke nach Verlegung des Weißeritzbettes überflüssig und daraufhin abgebrochen. Die historische Aufnahme zeigt die unmittelbar am Brückenkopf stehende Wohnhausgruppe Friedrichstraße 2-6 kurz vor ihrem Abbruch zugunsten des Kühlhauses.

Friedrich August I. (August der Starke) hatte für das neue Stadtviertel einen Bebauungsplan mit einem rechtwinkligen Straßennetz entwerfen lassen. An dessen Hauptachse, der späteren Friedrichstraße, entstanden verschiedene öffentliche Gebäude und Einrichtungen. 1728-30 wurde nach Plänen Matthäus Daniel Pöppelmanns die Matthäuskirche gebaut, in deren Gruft der Zwingerbaumeister 1736 auch beigesetzt wurde. Unmittelbar hinter der Kirche befindet sich seit 1725 der evangelische Matthäusfriedhof, gegenüber der Innere Katholische Friedhof mit den Gräbern zahlreicher bekannter Dresdner Persönlichkeiten.

Nach Änderung der Bebauungsvorschriften durften ab 1734 in der Friedrichstadt neue Gebäude komplett in Stein errichtet werden, was zu einer deutlichen Zunahme der Bautätigkeit führte. Aus dieser Phase stammen die noch erhaltenen Barockhäuser Friedrichstraße 29 und 33 mit Laubengängen im Innenhof. Auch Pöppelmann ließ sich hier ein Wohnhaus errichten, welches er seinem Sohn Johann Adolph zur Nutzung überließ. Hinzu kamen später verschiedene gewerbliche Betriebe wie die bekannte Spirituosenfabrik Bramsch , die noch bis 1991 produzierte.

Im 19. Jahrhundert erfolgten erste Eingriffe in das barocke Straßenbild, bei denen mehrere Gebäude neuen Mietshäusern sowie dem Bau des Kühlhauses an der Weißeritzstraße weichen mussten. Ungefähr ein Drittel der vorhandenen Bebauung (Foto von 1935) fiel 1945 den Bomben zum Opfer. Nur wenige Bauten konnten in der Nachkriegszeit wieder hergestellt werden. Stattdessen verfielen einige noch intakte Häuser dem Abbruch, da nichts zu ihrer Unterhaltung unternommen wurde. Im Generalbebauungsplan der Stadt Dresden von 1967 war der Abriss großer Teile der historischen Friedrichstadt, darunter fast aller Häuser der Friedrichstraße,  geplant. So sollten auch die unter Denkmalschutz stehenden Wohnhäuser Friedrichstraße Nr. 25, 29, 33 und 35 beseitigt und durch mehrgeschossige Neubauten ersetzt werden. Am Westende war ein Bürohochhaus vorgesehen. Diese Projekte wurden allerdings nicht realisiert.

Nach 1990 konnte mit der Rekonstruktion einiger Häuser und der Schließung von Baulücken begonnen werden. Eine komplette Instandsetzung der Friedrichstraße steht jedoch noch aus. Ein bereits 1998 auf dem Areal des 1945 zerstörten Baublocks Friedrichstraße / Weißeritzstraße / Seminarstraße vorgesehenes Stadtteilzentrum mit Kino, Hotel und einem Einkaufszentrum kam bislang nicht zustande und soll nun bis 2012 in reduzierter Form realisiert werden. Gegenüber befindet sich ein 2010 eröffnetes preiswertes Hotel der französischen Hotelkette B & B.

Einzelne Gebäude:

Nr. 2-6: Die Wohnhausgruppe an der ehemaligen Friedrichsbrücke stammte aus dem 18. Jahrhundert. 1788 fanden vor den Gebäuden zwei ehemals im Herzogingarten befindliche Obelisken Aufstellung. 1910 wurden die Häuser zugunsten des Kühlhauses an der Weißeritzstraße abgerissen.

Nr. 5 (Goethehaus): Das Haus wurde in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts vom Dresdner Amtsbaumeister Johann Georg Gebhardt errichtet und wies auf der Hofseite einen für den Stadtteil typischen Laubengang auf. Die Obergeschosse waren entsprechend den geltenden Bauvorschriften in Fachwerkbauweise errichtet. In diesem 1945 zerstörten Gebäude wohnte 1768 Johann Wolfgang von Goethe als Student. Goethe besuchte auf Anraten seines Lehrers Friedrich Oeser Dresden und fand hier bei dem Schuhmacher Haucke Quartier. Während seines Aufenthaltes besuchte der Dichter u.a. die Kunstsammlungen der Stadt. In Erinnerung an seinen Aufenthalt wurde am Haus später eine Gedenktafel mit der Inschrift: “Hier wohnte Goethe als Leipziger Student, März 1768” angebracht.

B & B-Hotel: Der moderne Hotelneubau an der Ecke Friedrichstraße / Weißeritzstraße entstand 2009 und wurde am 9. August 2010 eröffnet. Das Zwei-Sterne-Hotel bietet 131 Hotelzimmer und wird vor allem von Dresden-Touristen gern besucht. Betreiber ist die Hotelkette “B & B”, welche sich auf preiswerte Übernachtungsmöglichkeiten konzentriert

Keglerheim: Das “Dresdner Keglerheim” auf dem Grundstück Friedrichstraße 12 gehörte vor 1945 zu den traditionellen Versammlungsstätten der Friedrichstädter Arbeiterschaft. In den Zwanziger Jahren wurde das Lokal auch “Wettiner Säle” genannt. Im Vorfeld der Machtübernahme Hitlers kam es hier am 25. Januar 1933 zu einem tragischen Zwischenfall. Während einer von der KPD organisierten Kundgebung im Saal des Gebäudes besetzten Polizisten das Lokal, um die Versammlung aufzulösen. Die nur unzureichend ausgebildeten und mit der Lage völlig überforderten Polizeischüler aus Meißen schossen dabei in die Menge, wobei neun Arbeiter ums Leben kamen. Weitere Personen wurden zum Teil schwer verletzt.

Die Ereignisse im “Keglerheim” sorgten deutschlandweit für Aufsehen. Bereits wenige Tage später fanden in verschiedenen Dresdner Betrieben Warnstreiks, begleitet von Protestveranstaltungen im “Eldorado” auf der Steinstraße und im Zirkus Sarrasani statt. Die Beisetzung der neun Todesopfer auf dem Tolkewitzer Friedhof am 31. Januar 1933 war letzte legale Kundgebung der linken Dresdner Arbeiterschaft vor Machtübernahme Hitlers. Während der Nazizeit wurde das “Keglerheim” für Veranstaltungen des Winterhilfswerks und der NS-Organisation “Kraft durch Freude” genutzt und 1945  zerstört. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand an seiner Stelle eine kleine Erinnerungsstätte mit Gedenktafel für die Opfer von 1933.

Nr. 14: Hier wohnte im 19. Jahrhundert der Kunstmaler Ernst Oehme (1797-1855), der mit dem Maler und Zeichner Ludwig Richter befreundet war. Richter besaß um 1836 ebenfalls eine Wohnung in diesem Haus, verzog jedoch wenig später zur Löbtauer Straße und schließlich nach Loschwitz. Beide Künstler gehörten der Dresdner Montagsgesellschaft an und schufen Werke im Stil der deutschen Romantik. Das Gebäude wurde um 1890 durch ein mehrgeschossiges Mietshaus ersetzt.

Nr. 19: Das zu den markantesten älteren Wohngebäuden der Friedrichstraße gehörende Wohnhaus (Foto) entstand um 1730 und blieb 1945 ohne größere Schäden. Ursprünglich beherbergte es eine Seidenmanufaktur des Kaufmanns Johann Daniel Kraft, später die Gaststätte “Rote Schänke” sowie eine Niederlage zur Lagerung von Kühleis. 1952 wurde das Haus wegen seines schlechten Bauzustandes geräumt und wenig später abgerissen. Ein an dieser Stelle geplanter Neubau in Anlehnung an das historische Äußere kam nicht zustande.

Nr. 23/25: Beide Häuser wurden zwischen 1714 und 1730 im Zuge des Ausbaus der Friedrichstadt errichtet. Während das Erdgeschoss bereits massiv gebaut ist, bestehen die oberen Etagen noch aus verputztem Fachwerk. Erst ab 1734 waren komplett aus Stein errichtete Gebäude in der Vorstadt zulässig. Die beiden Wohnhäuser besitzen auf der Hofseite hölzerne Laubengänge, wie sie im 18. Jahrhundert bei vielen Gebäuden zu finden waren. 1981/82 wurden diese bei einem Brand beschädigt. Trotz ihrer historischen Bedeutung stehen die Häuser seit vielen Jahren leer und befinden sich heute in ruinösem Zustand. Einer Legende nach sollen hier Mätressen August des Starken gewohnt haben, die durch einen unterirdischen Gang zum Marcolinipalais unbemerkt zum König gelangen konnten. Tatsächlich handelt es sich jedoch um frühe Mietshäuser für die in der Friedrichstadt beschäftigten Manufakturarbeiter.

Nr. 24: Auf diesem Grundstück befand sich bis zur Zerstörung 1945 die Firma O. & A. Weißpflog, die hier Fleisch- und Wurstwaren produzierte. Die 1945 schwer beschädigten und danach nur notdürftig wiederhergestellten Gebäude wurden später vom VEB Fleisch- und Wurstwarenfabrik Delicata und von der Konsumgenossenschaft genutzt. 1992/94 entstand an gleicher Stelle ein modernes Wohn- und Geschäftshaus.

Nr. 26: Das in Fachwerkbauweise errichtete Manufakturarbeiterwohnhaus entstand 1726 noch vor der planmäßigen Bebauung der Friedrichstadt und gehört zu den ältesten Arbeiterwohnhäusern Dresdens. Als eines der wenigen Gebäude seiner Zeit überstand es alle Umbauten und den Zweiten Weltkrieg, stand später jedoch viele Jahre leer. 2011 wurde es umfangreich saniert, wobei man die Fassade weitgehend wieder in den Ursprungszustand versetzte.

Nr. 29: Das palaisartige Wohngebäude Friedrichstraße 29 entstand im Kern bereits um 1670 und wurde um 1730 erweitert. Die Fassade ist im Barockstik ornamental gestaltet. Auch im Inneren sind Teile der ursprünglichen Ausstattung erhalten geblieben, u.a. eine mit Malereien versehene hölzerne Kassettendecke aus der Zeit um 1670. Beim Luftangriff 1945 wurde das Haus zum Teil beschädigt, konnte jedoch 1951 notdürftig wiederhergestellt werden. Um 1970 war der Abbruch vorgesehen, der durch Einspruch der Denkmalpflege verhindert werden konnte. 1984 begann die Restaurierung des Hauses als Sitz des Institutes für Denkmalpflege. Nach 1990 bezog das Honorarkonsulat von Thailand einige Räume.

Nr. 31: Das vierstöckige Wohnhaus wurde 1927 als Ersatz für einen Vorgängerbau aus dem 18. Jahrhundert errichtet. Das in Anlehnung an frühere Bautraditionen mit einer großen Durchfahrt gestaltete Gebäude stellt ein interessantes Zeugnis für die behutsame Erneuerung der Friedrichstraße dar.

Nr. 32: In dem heute nicht mehr vorhandenen Haus wohnte im 19. Jahrhundert der Kunstmaler Christian Friedrich Gille (1805-1899). Gille schuf zahlreiche Landschaftsdarstellungen der Dresdner Umgebung, die heute zum Großteil in der Galerie Neue Meister zu sehen sind. Sein Grab befindet sich auf dem Äußeren Matthäusfriedhof. 2009 entstand auf dem Grundstück ein moderner Neubau für das Kinderzentrum mit verschiedenen Arztpraxen (Nr. 32/34).

Nr. 33: Dieses repräsentative Wohnhaus (Foto) mit Erker stammt aus der Zeit um 1740. Zum Komplex gehören neben dem Hauptbau an der Straße zwei Flügel- und ein Hintergebäude, die sich um einen quadratischen Innenhof gruppieren und durch einen geschlossenen Laubengang verbunden sind. Als eines der wenigen Barockhäuser der Friedrichstadt wurde das Haus bereits 1975 rekonstruiert und war danach Sitz des VEB Denkmalpflege. Heute haben hier verschiedene Firmen ihre Büros.

Nr. 34/36 (Duckwitzhaus): Das Gebäude entstand im 19. Jahrhundert und war gemeinsam mit dem Nachbarhaus Friedrichstraße 34 ab 1878 Domizil des Bürgerhospitals. Nach dessen Stifter, dem Dresdner Bankier Heinrich Eduard Duckwitz,  wurde es auch als Duckwitzhaus bezeichnet. Gemäß seinem Willen fanden hier vor allem verarmte Kaufleute im Alter Betreuung und Versorgung. 1945 durch Bomben schwer beschädigt, begann 1952 der Wiederaufbau nach Plänen des Architekten Arno Kießling. Dabei nahm man Elemente der früheren Fassadenstruktur auf, bezog ein erhaltenes Portal ein und versah das Haus in Anlehnung an barocke Bautraditionen mit einem zweigeschossigen Erker. Beide Gebäude bilden seitdem baulich eine Einheit und werden heute als Kindergarten genutzt. Im hinteren Teil des Grundstücks entstand 1955 ein Neubau für eine Kinderkrippe. Diese Bauten stellen ein interessantes Beispiel für den Wiederaufbau der ersten Nachkriegsjahre dar.

Nr. 35: Das frühere Wohnhaus Friedrichstraße 35 ist ein Beispiel für das Schicksal historischer Bausubstanz in der DDR-Zeit. Das in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts entstandene Gebäude überstand den Zweiten Weltkrieg ohne Schäden, verfiel jedoch dann mangels Werterhaltung zur Ruine. 1974 wurde das Haus abgerissen.

Nr. 38/40: Die beiden Bürgerhäuser wurden vermutlich zwischen 1760 und 1780 erbaut. Zuvor dienten die Grundstücke als Gärten wohlhabender Dresdner Bürger. 1802 besaß der sächsische Hofschuhmacher Franz Anton Proksch das Areal. Zu den späteren Nutzern gehörten u. a. eine Wäscherei, eine Kolonialwaren- und Samenhandlung sowie die Glasmalerei Urban & Goller im Hintergebäude. Zeitweise gab es hier auch die Gastwirtschaft “Zur Sonne” sowie “Barths Gartenrestaurant” im Erdgeschoss von Nr. 38. Beide Häuser überstanden den Zweiten Weltkrieg ohne größere Schäden. 1997 begann die Sanierung der Gebäude und der Umbau zum Ärztehaus. Neben Praxisräumen für Kinderärzte und einem therapeutischen Fitnessstudio befindet sich hier seit 2001 das neue “Café Friedrichstadt” (Foto).

Im Garten des Grundstücks wurde 2002 eine vom ehemaligen Pionierdenkmal stammende Löwenplastik aufgestellt. Diese wurde 1922 als Kopie des berühmten “Braunschweiger Löwen” für ein Gefallenendenkmal geschaffen und am 16. Juni 1923 am Terrassenufer platziert. Da das Monument 1946 als ”militaristisch” eingestuft und wenig später beseitigt wurde, verschwand auch der Löwe zunächst im Depot. Zeitweise fand die Bronzeplastik an der Albertbrücke Aufstellung, musste dort jedoch 1970 nach einem Unfall entfernt werden. 1986 entstand in Lauchhammer ein Nachguss dieser Plastik, der heute den Garten des Kinderzentrums auf der Friedrichstraße schmückt.

Nr. 42: Das dreigeschossige Wohnhaus mit einem niedrigeren Seitenflügel entstand um 1860. Bis 1933 hatte hier der Kunstmaler Richard von Hagen sein Atelier. Später nutzten die Restauratoren der Semperoper das Gebäude. 1985/86 wurde das Haus in Privatinitiative rekonstruiert und von den Künstlern Hans Riedel und Peter Taubert mit illusionistischer Fassadenmalerei farbig gestaltet. Die originellen Bilder zeigen u.a. verschiedene Tierdarstellungen.

Nr. 44: Das Wohnhaus Friedrichstraße 44 entstand 1772, wurde später jedoch mehrfach verändert. Zum Grundstück gehört auch ein noch heute vorhandenes Gartenhaus, einer der wenigen noch erhaltenen Sachzeugen für die einst zahlreichen Gartengrundstücke und Landhäuser in der Friedrichstadt. Am 28. September 1803 wurde hier der Maler Adrian Ludwig Richter geboren. Richter war Professor an der Dresdner Kunstakademie und schuf zahlreiche Landschaftsbilder und Kupferstiche, die ihn zu einem der wichtigsten Vertreter der Romantik machen. 1878 erhielt er die Dresdner Ehrenbürgerwürde. Seit 1984 erinnert am Haus eine von Martin Hänisch gestaltete Gedenktafel an Richter.

Nr. 46: Das um 1840 vom Zimmermeister Gottlieb August Paulich erbaute Gebäude war zwischen 1842 und 1870 Wohnhaus und Arbeitsstätte von Johann Andreas Schubert, Konstrukteur des ersten Elbdampfers, der ersten deutschen Lokomotive sowie Erbauer der Gölzschtalbrücke. Schubert erwarb kurz darauf auch das benachbarte Grundstück Nr. 48 und gründete hier gemeinsam mit zwei Geschäftspartnern eine Dampfkesselfabrik. Allerdings musste diese wegen Lärmbelästigung wenig später nach Löbtau zum Reisewitzschen Garten verlegt werden.

Die von Schubert nicht benötigten Wohnräume im ersten Stock vermietete dieser ab 1846 an den Redakteur Dr. phil. Wilhelm Herz, Herausgeber des “Dresdner Morgenblattes” und Mitglied des sächsischen Landtages. Herz wurde wegen seiner Beteiligung an der Revolution von 1849 zum Tode verurteilt, wenig später jedoch begnadigt. Gemeinsam mit seiner Frau Auguste gründete er 1852 bei Meißen in Kinderheim. Auguste Herz war zugleich Vorsitzende des Demokratischen Dresdner Frauenvereins und als Schülerin Fröbels Initiatorin eines der ersten Dresdner Kindergärten.

Zeitweise lebte auch der Dresdner Hofkapellmeister August Röckel in diesem Gebäude. Röckel gehörte als Demokrat dem linken Flügel des sächsischen Landtags an und war aktiv an der Vorbereitung des Dresdner Maiaufstandes beteiligt. In seiner Wohnung traf sich 1848/49 wiederholt ein Kreis revolutionärer Demokraten, darunter der russische Revolutionär Michail Bakunin und der wegen seiner politischen Schriften verfolgte Volksschullehrer Johann Zschaler.

Nach dem Tod Johann Andreas Schuberts verkaufte dessen Witwe das Grundstück, welches nun als Dienstbotenheim, später als Altersheim genutzt wurde. Nach 1945 befand sich hier eine Kinderkrippe für die Angehörigen des Friedrichstädter Krankenhauses. An Schubert und Richter erinnern Gedenktafeln an der Gartenmauer.

 

 

Fotos: Gedenktafeln für Johann Andreas Schubert (links) und Adrian Ludwig Richter (rechts)
an der Gartenmauer des Grundstücks Friedrichstraße 44/46

Nr. 48: In diesem Haus verbrachte die später als Malerin bekannte Paula Modersohn-Becker ihre Kindheit. Die 1876 in einem heute nicht mehr vorhandenen Haus auf der Schäferstraße geborene Tochter eines Bahnbeamten verzog noch im gleichen Jahr mit ihren Eltern zur Friedrichstraße 48. Später besuchte sie die Kunstakademie in Berlin und schloss sich der Künstlerkolonie Worpswede an. Mit nur 31 Jahren verstarb sie 1907 bei der Geburt ihres ersten Kindes. Bis 1945 befand sich hier ein Altersheim der katholischen Franceschi-Stiftung.

Nr. 50 (Esseniussches Haus): Das Gebäude entstand 1738 für den Hofzahlmeister August Franz Essenius und war erster vollständig in Stein errichteter Bau der Friedrichstadt. Über den drei Portalen ließ Essenius die Inschriften “Soli, Deo, Gloria” anbringen. Bereits 1742 verkaufte er das Anwesen an den Grafen Brühl, der es wenig später dem kurfürstlichen Kammerkollegium übereignete. Im Hintergebäude befand sich ab 1747 ein von Kurfürstin Maria Josepha eingerichtetes katholisches Krankenstift, während in das Vorderhaus eine katholische Schule zog. Für diese Einrichtungen wurde 1748/49 im Garten des Hauses die später zur Pfarrkirche erhobene katholische Kapelle St. Michael errichtet.

 

Foto: Das Esseniussche Haus vor der Zerstörung 1945 - rechts das noch erhaltene Portal

1945 fielen Kirche und die übrigen Gebäude dem Luftangriff zum Opfer. An das Esseniussche Haus erinnert heute noch der Rest des früheren Eingangsportals mit der Inschrift “GLORIA”, der in einen nach 1990 errichteten Neubau einbezogen wurde. Das Hintergebäude entstand 1991/92 in äußerlich historischer Form neu und beherbergt heute den Sitz des Diozösan-Caritasverbandes des Bistums Dresden-Meißen. Die übrigen Bauten dienen als katholisches Pflegeheim.

Nr. 52: Dieses dreigeschossige Wohnhaus wurde 1730 vom Zwingerbaumeister Matthäus Daniel Pöppelmann für seinen Sohn, den Hofmaler Johann Adolph Pöppelmann errichtet. Ursprünglich erstreckte sich das Areal bis zur Friedrichstraße 56, wo heute noch ein mit zwei Sandsteinvasen verziertes Tor an den früheren Garten erinnert. Zeitweise hatte hier der Kupfer- und Kanonenschmied Ludwig Wiedemann seine Werkstatt, in der u.a. das als “Goldener Reiter” bekannte Denkmal August des Starken entstand.

Teile der ehemals vorhandenen Gebäude fielen im 19. Jh. der Erweiterung der Spirituosenfabrik Bramsch zum Opfer. Das Wohnhaus wurde später mehrfach verändert und mit Ladeneinbauten, einem neuen Dachgeschoss und Verglasungen an den Laubengängen der Hofseite versehen. Ab 1906 befand sich im Erdgeschoss das beliebte “Café Friedrichstadt”, welches 1988 jedoch geschlossen werden musste. Heute setzt eine gleichnamige gastronomische Einrichtung im Haus Friedrichstraße 38/40 die Tradition fort.

Nr. 56: Hier war zwischen 1850 und 1863 die Königliche Turnlehrerbildungsanstalt untergebracht, in welcher Volksschullehrer in mehrwöchigen bzw. ganzjährigen Kursen zu Turnlehrern ausgebildet wurde. Erster Direktor war Moritz Kloß. 1863 wurde die Einrichtung zur Carusstraße in die Pirnaische Vorstadt verlegt, wo sie noch bis 1945 existierte. Das vor allem durch den deutschen “Turnvater” Friedrich Ludwig Jahn populär gewordene Turnen war ab 1873 obligatorisches Unterrichtsfach an allen sächsischen Volksschulen.

Nr. 57-63: Zwischen 1888 und 1893 errichtete der 1887 gegründete “Gemeinnützige Bauverein zu Dresden AG” die aus vier Einzelhäusern bestehende Wohnhausgruppe Friedrichstraße 57-63. Die Gebäude wurden als Arbeiterwohnungen vermietet und stellen ein frühes Zeugnis des sozialen Wohnungsbaus in Dresden dar. Die Entwürfe stammen vom Architekten Carl Heinrich Schubert, der 1901/02 mit den spiegelbildlich angeordneten Hinterhäusern die Wohnanlage komplettierte. 1945 fielen Teile des Wohnblocks den Bomben zum Opfer, die verbliebenen Reste sind noch in verfallendem Zustand erhalten.

Nr 58 / 58a / 60b (Menageriegarten und kurfürstliche Wachsbleiche): Das zum ehemaligen Menageriegarten gehörende Grundstück war einst Standort der um 1718 gegründeten kurfürstlichen Wachsbleiche. Die Menagerie diente ursprünglich der Kleintier- und Bienenhaltung sowie dem Anbau von Nutzpflanzen. Im Zentrum der Anlage stand ein heute nicht mehr vorhandenes Landhaus, welches von zwei noch heute vorhandenen Nebengebäuden flankiert wurde. Erhalten blieben neben der Umfassungsmauer mit Eingangstor das Gebäude der früheren Wachsgießerei und Kerzenmanufaktur sowie das gegenüber stehende Imkerwohnhaus. Beide Häuser wurden 2009 saniert und dienen seitdem Wohnzwecken. 1849 soll sich in einem der Gebäude der russische Anarchist Bakunin, einer der Köpfe der Revolution, versteckt und mit Gleichgesinnten getroffen haben. An Stelle der einstigen Menageriegärten befindet sich heute eine Kleingartenanlage.

Nr. 60: Hier haben sich noch einige wenige Reste des früheren Ostravorwerks erhalten. Das 1559 von Kurfürst August erworbene und erweiterte Vorwerk diente einst zur Versorgung der Stadt Dresden, verlor jedoch nach 1730 an Bedeutung und war zuletzt noch bis 1917 als Gut der Milchwirtschaft in Betrieb. Die Gebäude dienten dann als Domizil einer Transport- und  Lagerhaus-Gesellschaft und verschiedener gewerblicher Unternehmungen. 1945 fielen große Teile des früheren Vorwerks dem Luftangriff zum Opfer. Erhalten sind heute noch die 1835 errichtete Pächtervilla (Friedrichstraße 62) sowie der frühere Kuhstall und eine Scheune.

Nr. 64 (Hegereiterhaus): Der schlichte Fachwerkbau am Ende der Friedrichstraße entstand als Wohn- und Dienstsitz des für das Ostragehege zuständigen Revierförsters, des sogenannten Hegereiters. Schon 1696 hatte August der Starke Teile der Fluren einzäunen und in ein Wildgehege umwandeln lassen. Das Gebäude dient heute als Wohnhaus und wurde vor einigen Jahren denkmalgerecht saniert. Bereits vor dem Zweiten Weltkrieg befand sich hier eine Bildhauerwerkstatt.

 

Literatur über Dresden und die Friedrichstadt finden Sie auch hier:

  Abebooks.de - Neue und gebrauchte Bücher

[Home] [Nord] [Nordwest] [Neustadt] [Nordost] [West] [Zentrum] [Südwest] [Süd] [Südost] [Ost] [Register] [Kontakt] [Impressum]