Die durch ihre bauliche Gestaltung in Form einer Moschee auffällige Zigarettenfabrik
“Yenidze” entstand 1907/09 im Auftrag des Unternehmers Hugo Zietz. Zietz gehörte zu den führenden Vertretern der seinerzeit bedeutenden Dresdner Zigarettenindustrie und wählte für seinen Fabrikbau bewusst eine Gestaltung im orientalischen Stil. Im
zehngeschossigen Hauptgebäude befanden sich die Produktions-, Lager- und Verwaltungsräume. Unter der farbig verglasten Kuppel gab es einen Ruhe- und
Aufenthaltsraum für die Angestellten. Neben einigen kleineren Türmchen erhielt der Bau auch einen als “Minarett” verkleideten Schornstein. Architekt war Martin
Hammitzsch, der wegen dieses umstrittenen Gebäudes zeitweise aus der Architektenkammer ausgeschlossen wurde. Hammitzsch heiratete 1936 Angela Raubal, eine Halbschwester Adolf
Hitlers und beging wenige Tage nach Ende des Zweiten Weltkriegs Selbstmord. Für die Gestaltung der Zigarettenfabrik griff er auf orientalische Vorbilder wie die Grabmoschee Khair Bak in Kairo zurück.
Technisch interessant ist die “Yenidze” als eines der ersten in Stahlbetonbauweise errichteten Hochhäuser Deutschlands.
Das Bauwerk misst vom Straßenniveau bis zur Kuppel 62 Meter, die Kuppel selbst ist 18 Meter hoch. Konstruiert
wurde sie aus Eisenträgern, die mit farbigem Glas ausgelegt sind. Das gesamte Gebäude konnte innerhalb von nur knapp
zwei Jahren realisiert und am 11. Januar 1909 seiner Bestimmung übergeben werden. 1927 übernahm eine holländische
Firma, zwei Jahre später der Reemtsma-Konzern die Tabakmoschee, die zu Spitzenzeiten über 1.700 Arbeiter, unter ihnen viele Frauen, beschäftigte. Bekannte Marken des Unternehmens waren “Salem” und “Yenidze”. Beim Luftangriff auf Dresden fielen auch Teile des Gebäudes sowie die Verglasung der Kuppel
den Bomben zum Opfer. Zunächst nur notdürftig wieder nutzbar gemacht, entschloss man sich 1966 zu einer farblich veränderten Neuverglasung in Braun-Gold-Tönen. Eine umfassende
Rekonstruktion unter Wiederherstellung des ursprünglichen Aussehens konnte jedoch erst 1993 realisiert werden.
Seinen Namen verdankt das Gebäude einem kleinen Ort in der Nähe von Xanthi im früheren
Osmanischen Reich (heute Giannitsa / Griechenland), in dem Hugo Zietz einen Großteil seines Tabaks bezog. Dieser wurde per Schiff bzw. Eisenbahn nach Dresden transportiert und hier zu
Zigarren und Zigaretten verarbeitet. Auch nach Verstaatlichung des Unternehmens nutzte man die “Yenidze” noch bis 1953 als Produktionsstätte, im Anschluss als Lager. 1976 zog schließlich die Verwaltung des VEB
Tabakkontor in den historischen Bau. 1991 wurde das Gebäude an eine private Investorengemeinschaft verkauft und zum Bürohaus umgewandelt. Der teilzerstörte Südflügel konnte in diesem Zusammenhang wieder hergestellt
werden. Ursprünglich war als Ergänzung ein moderner Hotelkomplex geplant, auf dessen Dach eine Freitreppe bis zur Kuppel führen sollte. Dieser wurde jedoch nicht realisiert. Heute dient die
Yenidze als Domizil verschiedener Unternehmen. In einem der Obergeschosse befindet sich eine öffentliche Gaststätte mit Dresdens höchst gelegenem Biergarten. Von hier aus bietet sich ein
schöner Blick über die Innenstadt. Unter der Kuppel finden regelmäßig Veranstaltungen statt. Besonders beliebt sind die hier angebotenen Märchenlesungen mit bekannten Schauspielern.
Künftig ist auch ein kleines Museum zur Geschichte der Dresdner Tabakindustrie geplant.
|