Die “Kunstanstalt für Lichtdruck” Römmler & Jonas wurde 1871 von Emil
Römmler und seinem Kompagnon, dem Buchhalter Leopold Erasmus Jonas auf der Pillnitzer Straße 54 gegründet. Der aus einfachen Verhältnissen stammende
Unternehmer hatte zunächst in München und Paris das Fotografenhandwerk erlernt und war in dieser Zeit in Kontakt mit dem damals neuartigen Lichtdruckverfahren gekommen. Mit 20 Jahren ließ er sich 1861 in Dresden als
Porträt- und Landschaftsfotograf nieder, widmete sich jedoch schon bald der Herstellung von Lichtdrucken. Als einer der Ersten setzte Römmler großmaschinelle Verfahren ein, was ihm die Herstellung großer Stückzahlen
ermöglichte und so zum wirtschaftlichen Erfolg seines Unternehmens beitrug.
1878 erwarb Emil Römmler am Striesener Platz ein Haus, in dem er neben seiner Wohnung auch sein Atelier und seine
Druckerei einrichtete. Elf Jahre später kaufte er das Grundstück des ehemaligen Vorwerkes “Lämmchen” an der
Blasewitzer Straße 27 und ließ eine moderne Großdruckerei mit Verlagshaus und einer repräsentativen Fabrikantenvilla
errichten. Neben Schwarz-Weiß-Bildern stellte die Lichtdruckanstalt und Kunstdruckerei Römmler & Jonas nach der
Jahrhundertwende auch erste Farbbilder im Drei-Farb-Druckverfahren her, wofür Römmler eigens ein Patent erworben
hatte. Zeitweise beschäftigte die ab 1909 von Römmlers Sohn Hans geleitete Firma 80 Angestellte. 1911 war der Betrieb
komplett modernisiert worden und gehörte nun zu den bedeutendsten Produzenten hochwertiger Farbdrucke in Deutschland. Hergestellt wurden vorrangig Licht- und Kunstdrucke, Bildmappen, Kalender, Postkarten und
Reproduktionen von Gemälden. Während des Ersten Weltkrieges produzierte man auch Druckerzeugnisse für den militärischen Bedarf, 1922/23 sogar Notgeldscheine. Foto: Verlagserzeugnisse von Römmler & Jonas aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg
Der engen Kontakt zu nationalistischen Kreisen haltende Hans Römmler jun. entschloss sich 1928, den väterlichen Betrieb
zu verkaufen und den Verkaufserlös der Ludendorff-Bewegung zu stiften. Käufer war die Güntzsche Stiftung, welche den
Geschäftsbetrieb unter dem alten Firmennamen bis 1945 fortführte. Während des Zweiten Weltkrieges waren in einer
Baracke auf dem Betriebsgelände ukrainische Zwangsarbeiterinnen untergebracht. Teile der Druckerei fielen dem Luftangriff zum Opfer. Die erhaltenen Maschinen und Anlagen wurden nach der Enteignung demontiert und als
Reparationsleistungen in die UdSSR verbracht, womit die Geschichte der Druckerei Römmler & Jonas endete. In den
erhaltenen Betriebsgebäuden wurden später Verpackungsmaschinen gebaut und Modeschmuck hergestellt. 1999 wurde der Komplex abgerissen. |