Die Blasewitzer Straße gehört zu den ältesten Verkehrsverbindungen der Johannstadt und verband bereits im 18. Jahrhundert Dresden mit dem benachbarten Dorf Blasewitz. Ihren Ausgangspunkt nahm sie am
Ziegelschlag in der Nähe des Eliasfriedhofes und durchquerte anschließend das Waldgebiet des heute fast völlig verschwundenen Blasewitzer Tännichts. Eine Gabelung gab es am
heutigen Trinitatisplatz, woraus die 1850 erstmals offiziell benannte Blasewitzer Straße sowie die heutige Fiedlerstraße (ab 1880 Trinitatisstraße) hervorgingen. Am 25. September 1872 fuhr hier die erste Dresdner
Straßenbahnlinie, noch von Pferden gezogen, zum Schillerplatz nach Blasewitz. 1894 erhielt der westliche Abschnitt zwischen Sachsenplatz und Trinitatiskirche den Namen Gerokstraße, der östliche Abschnitt heißt bis zur Flurgrenze der Johannstadt noch heute Blasewitzer Straße. Hier geht sie am Königsheimplatz in die Loschwitzer Straße über.
Im Gegensatz zu den meisten Straßen der Johannstadt, welche nach städtischem Regulativ nur Wohnhäuser zuließen, entstanden Ende des 19. Jahrhunderts an der Blasewitzer Straße einige gewerbliche Unternehmen. Zu
diesen gehörten u.a. die Zigarettenfabriken Kunze (Nr. 10), Jasmatzi & Söhne (Nr. 17) und Monopol (Nr. 65) sowie die Kunstdruckerei Römmler & Jonas (Nr. 27). In einer früheren Zigarettenfabrik (Blasewitzer Straße 41) siedelte sich 1940 ein Zweigwerk der Zeiss Ikon AG an, welches 1946 der Kamerahersteller Ihagee übernahm. Am Nachfolgebau erinnert seit 2006 eine Gedenktafel an den Konstrukteur Karl Nüchterlein (1904-1945), der als Werkmeister der Ihagee 1936 die weltweit erste Kleinbild-Spiegelreflexkamera “Kine Exakta” entwickelt hatte.
Einzelne Gebäude: Vorwerk Lämmchen: Das Grundstück war ursprünglich Teil des Vorwerkes Tatzberg und befand sich im Besitz des sächsischen Kurfürsten Johann Georg I. Dieser übereignete es 1640 seinem Oberamtmann Johann Michael Leistner zur Bewirtschaftung mit der Genehmigung, hier einen Ausschank zu betreiben. 1742 ist erstmals der Name “Lämmgen” in den Urkunden verzeichnet. Mit zurückgehender Bedeutung der Landwirtschaft und des Weinbaus verkauften spätere Besitzer Teile der Flächen, auf denen die Vorwerke “Engelhardts”, “Hopfgartens” und “Stückgießers” entstanden. 1758 und 1813 richteten Kampfhandlungen erhebliche Schäden an. Diesen fiel auch eine 1804 auf einem Teil des Grundstücks gegründete Glashütte zum Opfer.
1825 übernahm der Landwirt Carl August Meißner das “Lämmchen”, welches sich in der Nähe der heutigen Blumen- und Hertelstraße befand. Meißner ließ die vorhandenen Gebäude um ein Landhaus erweitern und machte das
zugehörige Bier- und Gartenlokal zu einem beliebten Ausflugsziel der Dresdner Bevölkerung. Im Landhaus wohnte zeitweise Meißners Schwiegersohn, Wirt des renommierten Hotels “Zum Goldenen Engel” in der Altstadt. 1830
verbrachte Carl Maria von Weber mit seiner Familie im “Lämmchen” die Sommermonate. 1866 fiel das Vorwerk dem Bau einer preußischen Schanze zum Opfer, für
die auch Teile der abgerissenen Gebäude Verwendung fanden. Zwei Jahre später entstand das “Lämmchen” an der Blasewitzer Straße 48 neu und wurde noch bis 1909 als Milchwirtschaft betrieben. Bis 1945 erinnerte
außerdem eine gleichnamige Gaststätte auf der Blasewitzer Straße 58 (im Foto ganz links) an das alte “Lämmchen”. Die Flächen der früheren Gutswirtschaft verkauften die Besitzer an Bauwillige. 1880 erwarb der
Fotograf Emil Römmler einen Großteil des Areals und errichtete hier seine Kunst- und Lichtdruckanstalt. An Stelle des früheren Vorwerks wurde in den 1970er Jahren ein Hochhaus gebaut,
welches viele Jahre zur Unterbringung vietnamesischer Gastarbeiter genutzt wurde.
Nr. 17: Die Gebäude dienten bis 1945 als Zweigbetrieb der in Striesen ansässigen Zigarettenfabrik Jasmatzi. Diese Firma
war 1880 von Georg Jasmatzi als kleines Handwerksunternehmen gegründet worden. 1889 ermöglichte ihm sein geschäftlicher Erfolg den Erwerb eines Grundstückes an der Blasewitzer Straße 17. 1900 folgte ein weiteres
Produktionsgebäude an der Schandauer Straße 68. Als einer der größten Dresdner Tabakhersteller kam der Betrieb 1924 zum Reemtsma-Konzern und gehörte nach 1945 zum VEB Vereinigte Dresdner Zigarettenfabriken.
Nr. 19: Das Gebäude wurde 1956/57 als Studentenwohnheim der Medizinischen Akademie errichtet. Hier befindet sich
auch die Mensa der Universitätsklinik. Außerdem entstanden auf der Blasewitzer Straße mehrere Schwesternwohnheime für die Angestellten des Krankenhauses.
Neben der Einfahrt des Wohnheims befindet sich ein gut erhaltener Weichbildstein, wie er früher zur Markierung des
städtischen Flurbezirkes verwendet wurde. Der Stein mit dem Dresdner Stadtwappen und der Jahreszahl 1550 trägt die
Nr. 9 und stammt ursprünglich aus Altendresden (Neustadt), wo er vermutlich an der Harkortstraße stand. 1911 kam er ins Stadtmuseum und wurde 1993 an seinen heutigen Platz verbracht. Nr. 29:
Das Wohnhaus an der Ecke zur Fürstenstraße wurde wegen seines reich verzierten Eckturmes auch “Fürstenkrone” genannt. Im Erdgeschoss befand sich bis zur Zerstörung 1945 eine gleichnamige Gaststätte mit
Restaurantions- und Versammlungsräumen (im Foto oben rechts). Nr. 41: Der mehrfach erweiterte Gebäudekomplex entstand kurz vor dem Ersten Weltkrieg als Zigarettenfabrik, in
welcher bis in die Dreißiger Jahre Tabakwaren der Marken “Delta” und “Josetti” hergestellt wurden. 1940 übernahm die
Zeiss Ikon AG die Produktionshallen, um für die Rüstung benötigte luftfahrttechnische Anlagen zu produzieren. Ab 1946 befand sich hier der Stammsitz des bekannten Dresdner Kameraherstellers Ihagee, dessen Stammhaus an der
Schandauer Straße völlig zerstört worden war. Mit Hilfe aus den Trümmern geborgener Maschinen konnte 1946 die Produktion der bekannten EXAKTA-Kameras wiederaufgenommen werden. Ab 1964 gehörte das Unternehmen zum
Kombinat PENTACON. Nach Abwicklung dieses Betriebes standen die Gebäude zunächst leer und wurden Mitte der 90er Jahre zugunsten eines Bürokomplexes abgerissen. Nr. 84-88:
Das Gebäude entstand 1953 als Studentenwohnheim der Medizinischen Akademie. Hier befand sich viele Jahre auch der Studentenclub “MedAK”. 1962-64 folgte noch ein Schwesternwohnheim für das medizinische Personal
der Klinik. Heute dient es nach seiner Sanierung 2008 als Wohnhaus. |