Die heutige Blumenstraße wurde nach dem hier gelegenen Vorwerk Lämmchen ursprünglich
Lämmchenweg genannt. Zeitweise war auch der Name Fürsten- bzw. Jagdweg üblich, da dieser von der Hofgesellschaft auf dem Weg nach Pillnitz genutzt wurde. Erst 1860 wechselte
der Name offiziell in Blumenstraße. Mit dieser Namensgebung sollte an die bis 1878 existierende Gärtnerei Lüdecke auf dem Areal des früheren Vorwerkes “Hopfgartens” erinnert werden, welche mit ihren ausgedehnten Anlagen und Schauplatz großer Blumenschauen
beliebtes Ausflugsziel der Dresdner war. Später entstanden auf dem Gelände Wohn- und Geschäftshäusern.
Während die Gebäude zur Innenstadt zu sämtlich dem Luftangriff zum Opfer fielen, blieben im
östlichen Abschnitt der Blumenstraße noch Reste der Vorkriegsbebauung erhalten. Bemerkenswert sind u.a. die Mietshäuser Blumenstraße 90 (Bj. 1909) und 104/106 (Bj. 1907), welche plastischen
Bauschmuck mit Jugendstilelementen aufweisen. Einzelne Gebäude: Nr. 8:
In diesem 1945 zerstörten Wohnhaus hatte zeitweise der Bildhauer Emmerich Andresen sein Atelier. Andresen schuf u.a. eine Büste des Schriftstellers Karl Gutzkow, welche einst vor der Kreuzschule am Georgplatz stand. Loschwitzer Hof:
Die Gastwirtschaft auf der Blumenstraße 47 wurde Ende des 19. Jahrhunderts von Hugo Fritzsche gegründet und ab 1905 von der Familie Hering betrieben. Carl Hering hatte sein Lokal im Erdgeschoss des Hauses gegenüber den
“Blumensälen” eingerichtet und betrieb hier zugleich eine Fleischerei. Außerdem gehörte ein Billardzimmer zur Gaststätte, welche sich wegen ihrer preiswerten bürgerlichen
Küche großer Beliebtheit erfreute. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurde der “Loschwitzer Hof” (Foto) aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen und 1945 zerstört.
Blumensäle:
Die bis 1945 zu den größten Johannstädter Lokalen gehörenden “Blumensäle” (Blumenstraße 48) gingen auf ein einst an dieser Stelle befindliches Vorwerk zurück, welches nach seinem Besitzer, dem Königlichen Stück- und
Glockengießer Johann Gottfried Weinhold, “Stückgießers” genannt wurde. Weinhold hatte das damals noch “Neue
Sorge” genannte Anwesen 1737 erworben und dort eine Schankwirtschaft eingerichtet. 1866 fielen die Bauten dem Bau einer preußischen Schanze zum Opfer. Noch im gleichen Jahr ließ der Besitzer des Vorwerks an gleicher Stelle eine
neue Gastwirtschaft errichten. In diesem Zusammenhang wurde das Lokal in “Zur Güldenen Aue” umbenannt. Das neue Haus besaß neben Restaurations- und Vereinsräumen zwei große Säle (Foto)
und diverse Nebenräume. 1901 wechselte der Name in “Blumensäle”. Neben Tanzveranstaltungen und Konzerten fanden hier auch politische Kundgebungen statt. Am 31. Januar
1907 sprach in diesem Haus August Bebel letztmalig vor Dresdner Arbeitern. Unter dem Motto “Binder, Ernst und das genügt...” führte ab 1913 der
Johannstädter Gastronom Ernst Binder das Vergnügungslokal zu neuer Blüte. 1945 wurden die “Blumensäle” zerstört. An gleicher Stelle befindet sich heute ein Supermarkt.
Farbenfabrik Gleismann: Das Unternehmen wurde 1815 von von E. Gleismann als “Chemische Fabrik für trockene
Farben” gegründet und umfasste Ende des 19. Jahrhunderts mehrere Grundstücke an der Blumen- und Gutenbergstraße.
Hergestellt wurden verschiedene Farbstoffe und Fertigprodukte. Die mit der Produktion einhergehende Umweltbelastung
führte zu Protesten der Anwohner, welche 1898 maßgeblich zum Erlass eines neuen Ortsgesetzes beitrugen. Darin verbot die Stadt neue Industrieansiedlungen, welche “Ruß, Dämpfe, Gerüche, Geräusche, Erschütterungen und
erhebliche Belästigungen der Nachbarschaft von Wohnungen herbeiführen”.
Nr. 70: Die noch erhaltene Villa (Foto) war einst Wohnsitz des Kunstgärtners Lüdicke, der bis 1878 eine Gärtnerei an der Blumenstraße betrieb. An diese erinnert neben der Blumen- auch die Wintergartenstraße. Das 1945 beschädigte Wohnhaus beherbergt heute die Apotheke Johannstadt.
Nr. 88 A:
Das Grundstück war einst Teil der ausgedehnten Produktionsanlagen der Karosseriebaufirma Gläser, welche hier, zuletzt als Betriebsteil des VEB Karosseriebau,
Zubehörteile für den Automobilbau herstellte. Anfang der 70er Jahre wurde die Produktion nach Radeberg verlagert und die Werkshallen nur noch als Lager genutzt. Das brachliegende
Areal erwarb nach 1990 ein privater Investor und richtete hier 2007 einen Skulpturenpark ein. Im sogenannten
“Blumenhof” sind verschiedene Kunstwerke zeitgenössischer Künstler zu sehen, u.a. Plastiken von Joachim Müller und
Andreas Gössel (“Messer, Gabel, Löffel”), Siegfried Haas (“Kontrabass”), Jens Gebhardt (“Keimstudie”) und eine Steinstele von Bernhard Pfaff. |