Comeniusstraße


  Hier klicken und das Weinpaket sofort bestellen!

Die Comeniusstraße entstand Ende des 19. Jahrhunderts und führt vom Stübelplatz (heute Straßburger Platz) bis zum früheren Carlowitzplatz (Bertolt-Brecht-Platz) auf Grunaer Flur und von dort weiter bis zur Zwinglistraße. Ihren Namen erhielt sie 1893 aus Anlass des 300. Geburtstages des tschechischen Theologen und Humanisten Johann Amos Komenský (Comenius). Comenius (1592-1670) gilt als Begründer der wissenschaftlichen Pädagogik und forderte als erster die Einführung eines mehrgliedrigen Schulsystems sowie eine gleichberechtigte Schulbildung auch für Mädchen. Gleichzeitig mit der Comeniusstraße erhielt auch der am Schnittpunkt mit der Fürstenallee des Großen Gartens und der Fürstenstraße (Fetscherstraße) gelegene Comeniusplatz seinen Namen.

Wegen ihrer Nähe zum Großen Garten wurden an der Comeniusstraße vorrangig Villen und Landhäuser errichtet. Mit Ausnahme der sogenannten “Mutschmann-Villa” (Nr. 32) überstand keines dieser Gebäude den Zweiten Weltkrieg.  Heute prägen mehrgeschossige Plattenbauten das Straßenbild. Erstmals in Dresden kam bei deren Bau im Jahr 1973/74 der später weitverbreitete Wohnungstyp WBS 70 zum Einsatz. 1961 wurde am Comeniusplatz ein Einkaufszentrum mit mehreren Läden eröffnet. Nach dessen Abriss entstand 2004 auf dem Areal der Senioren-Wohnpark “Am Großen Garten”.

 

Einzelne Gebäude:

Nr. 32: Die Villa wurde 1906 nach Plänen des Architekten Heinrich Tscharmann als eines der letzten Gebäude dieses Villenviertels erbaut. Tscharmann gehörte gemeinsam mit Hans Erlwein der Künstlergemeinschaft “Die Zunft” an, welche sich einem neuen zweckmäßigen Bauen in klaren Stilformen verschrieben hatte. Bauherr und langjähriger Bewohner war der Wissenschaftler Dr. phil. Walter Luboldt, für den rund um das Haus eine romantische Gartenanlage mit einer Grotte und einer Wasserfläche angelegt wurde. Aus finanziellen Gründen entschloss sich die Familie in den Zwanziger Jahren zur Aufteilung des Hauses in Mietwohnungen.

Ab 1935 bewohnte Sachsens Reichsstatthalter und NSDAP-Gauleiter Martin Mutschmann die Villa. Nach Kriegsbeginn ließ er im Garten einen Luftschutzbunker für sich und seine Familie anlegen. Als einziges Haus der Comeniusstraße auf Johannstädter Flur überstand die “Mutschmann-Villa” den Bombenangriff, wurde jedoch teilweise beschädigt. In der Nachkriegszeit nutzten zunächst die FDJ, später die Zivilverteidigung und die Arbeiter- und Bauern-Inspektion das Haus. 1991 bezog für einige Jahre das Finanzamt I die Villa, welche nach ihrer Sanierung 1998 heute gewerblichen Zwecken dient.

Nr. 33: In dieser Villa wohnte bis zu seinem Tod 1934 der jüdische Bankier und Kaufmanns Felix Bondi (1860-1934). Bondi war Teilhaber einer von seinen Vorfahren gegründeten Privatbank und trat vor allem als Förderer von Kunst und Kultur in Erscheinung. 1911 gehörte er zu den Mitbegründern des Dresdner Museumsvereins und unterstützte verschiedene Aufkäufe der Staatlichen Kunstsammlungen. Zu seiner privaten Sammlung gehörten u.a. Bilder von Wilhelm Trübner, Fritz von Uhde und Max Liebermann. 1945 fiel die Villa den Bomben zum Opfer.

Nr. 59: Dieses Gebäude war bis zu seiner Zerstörung eng mit der Dresdner Musikgeschichte verbunden. Zwischen 1906 und 1918 wohnte hier der amerikanische Opernsänger Eleazer Leon Rais (1870-1954). Rais war nach einem Gastspiel an die Königliche Hofoper verpflichtet worden und wirkte u.a. im “Tannhäuser” und der Uraufführung der Oper “Salomé” mit. Zeitweise lebte auch die Sängerin Marie Wittich in dem Haus.

Nr. 61-65: Die aufwendig gestaltete Wohnhausgruppe (Foto) entstand 1899/1900 durch das Architektenbüro Rose & Röhle. Die drei villenartigen Reihenhäuser erhielten eine aufwendige Fassadengestaltung mit Neorenaissance- und Jugendstilelementen und waren typisch für den südlichen Teil der Johannstadt. 1937 bezog der Architekt Martin Hammitzsch mit seiner Frau Angela, einer Halbschwester Adolf Hitlers, eine Wohnung im Haus Nr. 61. Hammitzsch, der 1911 das Gebäude der Tabakfabrik “Yenidze” entworfen hatte, floh zum Kriegsende aus Dresden und nahm sich auf der Flucht das Leben. Das Paar hatte während der NS-Zeit enge Kontakte zu Gauleiter Mutschmann unterhalten und war auch mit Galeriedirektor Hans Posse und der Witwe Karl Mays befreundet.

Nr. 62: In diesem Haus lebte von 1921 bis zu seinem Tod am 5. August 1926 der frühere Dresdner Oberbürgermeister Otto Beutler. Der ausgebildete Jurist hatte das Amt 1895 übernommen und war bis zu seiner Pensionierung 1915 maßgeblich an der Entwicklung Dresdens zur modernen Großstadt und der Modernisierung der Verwaltung beteiligt.

Nr. 104: Das Doppelhaus entstand 1936 für den Baumeister August Warnatz, Inhaber der Hoch-, Tief- und Eisenbetonbau KG mit Sitz auf der Serrestraße in der Pirnaischen Vorstadt. Über der Eingangstür befindet sich ein Pasalm aus dem Alten Testament. 


[Home] [Nord] [Nordwest] [Neustadt] [Nordost] [West] [Zentrum] [Südwest] [Süd] [Südost] [Ost] [Register] [Kontakt] [Impressum]