Mitte des 19. Jahrhunderts befassten sich erstmals Fachleute mit der künftigen Gestaltung des Elbuferbereichs. Pläne sahen hier die Anlage breiter Hochuferstraßen vor, welche den Fluss kanalisieren und die
dahinter liegenden Flächen zum Bauland machen sollten. Zahlreiche Bürgerproteste sowie Einwände des Wasserbauinspektors Schmidt verhinderten letztlich die Realisierung. Stattdessen nutzte man die Elbwiesen für
verschiedene Großveranstaltungen sowie ab 1874 alljährlich als Schauplatz der Vogelwiese. Lediglich in der Innenstadt wurde der unterhalb der
Brühlschen Terrasse gelegene Uferbereich aufgeschüttet und ab 1852 zur Straße ausgebaut. Abschnittsweise erfolgte später die Verlängerung des Terrassenufers, wobei der Abschnitt zwischen Sachsenplatz und Vogelwiese den
Namen Johannstädter Ufer erhielt. In den Zwanziger Jahren wurde diese Straße nach dem preußischen Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg (1847-1934) in Hindenburgufer umbenannt, nach 1945 in Käthe-Kollwitz-Ufer.
Dabei bezog man auch den früher Hochuferstraße genannten Abschnitt auf Blasewitzer Flur ein. Käthe Kollwitz (1867-1945) gehört zu den bedeutendsten Graphikerinnen und Bildhauerinnen des 20. Jahrhunderts und verbrachte
ihre letzten Lebensmonate auf Einladung der Wettiner in Moritzburg, wo heute eine Gedenkstätte an sie erinnert. Einzelne Gebäude:Johannstadt:
Senioren- und Pflegeheim „Am Elbufer“: Das Heim entstand 2005 auf dem Areal der 1945 zerstörten Jägerkaserne und wurde im Juli 2006 eröffnet. Insgesamt stehen 59 Einzel- und 20 Doppelzimmer zur Verfügung.
Naumannsche Schwimmanstalt:
Diese Badeanstalt, unterhalb des Schlößchen “Antons” am Elbufer gelegen, entstand 1839 unter dem Namen Amalienbäder und besaß insgesamt neun Badehäuschen. Als eines der ersten Bäder überhaupt war dieses als Familienbad deklariert und durfte sowohl von Frauen als auch von Männern besucht werden. 1867 übernahm der aus Pieschen stammende Fischermeister Hottewitzsch die Badeanstalt und führte sie unter seinem Namen weiter. 1901 kaufte Arthur Naumann das Bad und ließ es modernisieren. Dieses existierte noch bis Ende der Zwanziger Jahre und war eines der preiswertesten Elbebäder der Stadt.
Fährgarten Johannstadt:
Das kleine Ausflugslokal befindet sich ungefähr gegenüber der Prießnitzmündung am Elbufer und wurde ursprünglich nach der Besitzerfamilie “Focke´s Strand-Restaurant” genannt. An den Wochenenden fanden hier gelegentlich Konzerte statt, wofür eigens eine hölzerne Musikmuschel errichtet worden war. Stadtbekannt wurde das Lokal nach dem Ersten Weltkrieg unter dem Namen “Eis-Krause”. Ein ähnliches Lokal, volkstümlich als “Hol-über- Hütte” bezeichnet, gab es in Höhe der Schubertstraße.
1945 wurden die Bauten der Sommerwirtschaft zerstört, jedoch bald wieder aufgebaut und nun als “Volksgaststätte Elbfrieden” weitergeführt. Heute trägt die beliebte Gartenwirtschaft den Namen “Fährgarten
Johannstadt” und gehört zu den beliebtesten Biergärten Dresdens. Nach dem Elbehochwasser 2002, welches auch am Fährgarten erheblichen Schaden anrichtete, entstanden neue flutsichere Wirtschafts- und Sanitäranlagen.
Unmittelbar am Fährgarten überquert eine Elbfähre den Fluss, letzte von einst drei Fährstellen des Stadtteils. Blasewitz:
Nr. 80:
Die zweigeschossige Villa wurde um 1910 errichtet und stellt ein Beispiel für reformorientierte Villenarchitektur in Abkehr von historisierenden Stilen dar.
Villa Rautendelein (Nr. 84 - ehem. Hochuferstraße 12): Die repräsentative zweigeschossige Villa an der Einmündung zum Lothringer Weg entstand 1899/1900 für den Dichter Gerhard
Hauptmann. Die Planungen oblagen dem bekannten Architektenbüro Schilling & Gräbner. Das nach einer Figur aus Hauptmanns Drama “Die versunkene Glocke” Villa Rautendelein genannte
Haus erregte wegen seiner außergewöhnlichen und monumentalen Gestaltung weit über Dresden hinaus großes Aufsehen. Nach der Scheidung Hauptmanns 1904 überließ er das Haus
seiner Frau Marie und den gemeinsamen Kindern, die es bis zu Maries Tod 1909 bewohnten. 1945 fiel die Villa dem Luftangriff zum Opfer. An ihrer Stelle befindet sich heute ein Neubau mit
dem Sitz des Bischöflichen Ordinariats des Bistums Dresden-Meißen.
Nr. 85: Die Villa wurde 1903 für den Theaterschauspieler Felix Schweighofer erbaut und deshalb “Villa Felix” genannt.
Schweighofer gehörte zu den reichsten Blasewitzer Einwohnern und trat auch als Mäzen in Erscheinung. Nr. 87:
Das Grundstück war einst Standort eines 1945 durch den Bombenangriff zerstörten Wohnhauses. Nach dem Abriss der Ruine entstand hier eine noch bis in die 1980er Jahre betriebene Zuchtanlage für Karpfen. 2005 wurde das
Areal mit zwei modernen neuen Wohnhäusern bebaut. Villa zur Lippe (Nr. 88): Die nach ihrem früheren Besitzer, dem Prinzen zur Lippe, benannte Villa wurde um 1900 im Stil
des Neobarock errichtet. Dieser ließ sich 1911 vom Landschaftsarchitekten Großmann unter Mitwirkung des
Gartenexperten Georg Heinsius von Mayenburg einen großzügigen Garten anlegen, der zu den bedeutendsten seiner Art in
Dresden gehörte. In der Nachkriegszeit befand sich in der Villa Dresdens einzige Nachttanzbar “Kaskade”. Heute nutzt der Sächsische Landkreistag das nach der Wende sanierte Haus. Nr. 92: Die dreigeschossige Villa im Landhausstil mit Treppenturm und Fachwerkzierrat wurde 1896 nach Plänen von
Kurt Diestel im Stil der deutschen Neorenaissance errichtet. Bis 1944 befand sie sich im Besitz des früheren Dresdner
Kreishauptmannes Kurt Morgenstern. 1975 wurde das Haus von einem Arzt zum privaten Institut für Alternative Medizin ausgebaut. Hochschule für Kirchenmusik (Nr. 97):
Die Einrichtung wurde 1949 vom damaligen Kantor der Striesener Versöhnungskirche Martin Flämig gegründet. Ziel ist die Ausbildung junger Musiker, die hier Unterricht im Orgelspiel,
Kirchenmusik und Chorleitung erhalten. Zunächst Landeskirchenmusikschule genannt hat sie heute den Status einer Hochschule und ist eine der kleinsten in Sachsen. Neben der Villa Käthe-Kollwitz-Ufer gehören auch ein
Verwaltungsgebäude und ein 1999 errichteter Neubau mit Chorprobenraum zum Campus. Das zugehörige Internat ist am Käthe-Kollwitz-Ufer 81 untergebracht. |