Pfotenhauerstraße


Die Pfotenhauerstraße wurde 1876 angelegt und bis 1895 durch die Aktiengesellschaft “Germania” mit mehrgeschossigen Mietshäusern bebaut. Hinzu kamen kleinere Gewerbebetriebe, wie z. B. die Zigarettenfabriken Arkadia (Nr. 36) und Bendler (Nr. 48). Noch vor dem Ersten Weltkrieg erfolgte eine Ergänzung der Bebauung durch Atelierhäuser der Kunstakademie und Bauten des Johannstädter Krankenhauses. 1878 erhielt sie ihren Namen nach dem ein Jahr zuvor verstorbenen Dresdner Oberbürgermeister Friedrich Wilhelm Pfotenhauer (1812-1877). Pfotenhauer gehörte ab 1848 dem sächsischen Landtag an und übernahm am 2. Januar 1849 interimsmäßig das Amt des Bürgermeisters. Als erster Dresdner Kommunalpolitiker durfte er ab 1853 den Titel Oberbürgermeister tragen. Unter seiner Regie entwickelte sich die Stadt zur bedeutenden Verwaltungs- und Industriemetropole. Sein Grab befindet sich auf dem nahegelegenen Trinitatisfriedhof.

1945 wurden zahlreiche Gebäude an der Pfotenhauerstraße zerstört. An deren Stelle entstanden zwischen 1970 und 1975 mehrgeschossige Plattenbauten, kombiniert mit Versorgungseinrichtungen, Dienstleistungszentrum und Schulbauten. In einem dieser Häuser (Nr. 22) wohnte zwischen 1973 und 1989 der SED-Politiker Hans Modrow. Modrow war viele Jahre Erster Sekretär der SED-Bezirksleitung Dresden und setzte sich 1989 erfolgreich für eine friedliche Lösung der Konflikte der Wendezeit ein. Für einige Monate war er Ministerpräsident der DDR und später Vorsitzender der SED- Nachfolgepartei PDS. Im östlichen Teil prägen die Gebäude des ausgedehnten Komplexes des Universitätsklinikums (ehem. Medizinische Akademie) die Pfotenhauerstraße. Auf dem Gelände des ehemaligen Straßenbahnhofes wurde  1999 bis 2001 der moderne Neubau des Max-Planck-Institutes für molekulare Zellbiologie und Genetik errichtet.

 

Einzelne Gebäude:

Bürgerhospital: Die Mitte des 19. Jahrhunderts in der Friedrichstadt gegründete Einrichtung bezog 1890 ein neues Domizil auf der Pfotenhauerstraße. Das Städtische Bürgerhospital stand gemäß Satzung als gemeinnütziges Alters- und Pflegeheim “armen altersschwachen Bürgern von mindestens fünfzig Jahren und unbescholtenem Ruf” offen. Gegen eine Gebühr von 100 Talern erhielten die Bewohner lebenslang freie Wohnung, Pflege und ärztliche Unterstützung.

Nach dem Ersten Weltkrieg machte sich eine Erweiterung des Bürgerheimes notwendig, für die Oberbürgermeister Blüher Grundstücke an der Fürstenstraße und der Neubertstraße erwarb und 1925/26 mit Ergänzungsbauten bebauen ließ. 1945 wurde das Heim teilweise zerstört. Nach dem Wiederaufbau nutzten zeitweise städtische Dienststellen die Gebäude, bevor wieder ein Feierabendheim eingerichtet wurde. Heute bietet es als “Clara-Zetkin-Heim” Platz für ca. 230 pflegebedürftige Senioren. Ein 1971 an der Pfotenhauerstraße errichteter Erweiterungsbau wurde 2009/10 zum Mehrgenerationenhaus mit ca. 150 Wohnungen ausgebaut (Pfotenhauerstraße 86-88). Seit August 2010 erinnert eine Gedenktafel an der Fetscherstraße an Justus Friedrich Güntz. Der Dresdner Unternehmer war auch als Stifter aktiv und finanzierte neben dem Bürgerhospitalm auch  das Krankenhaus Dresden-Neustadt, die Brunnenanlage am Albertplatz und den Gänsediebbrunnen.

Auf dem Gelände steht seit 1941 der sogenannte “Knabenbrunnen”. Dieser wurde 1936 für die Reichsgartenschau in Dresden angefertigt und wenige Jahre später in leicht veränderter Form zum Bürgerheim umgesetzt. Da der Sockel des Brunnens in den 50er Jahren bei der Neugestaltung des Heilpflanzengartens am Hygienemuseum Verwendung fand, musste der Knabenbrunnen verändert werden. In dieser Form präsentiert er sich bis heute an der Fetscherstraße.

Öffentliche Bedürfnisanstalt: Erwähnenswert ist dieses kleine Gebäude an der Einmündung Pfotenhauer- / Fetscherstraße, weil es um 1906 von Hans Erlwein entworfen wurde. In seiner Tätigkeit als Stadtbaurat befasste sich Erlwein nicht nur mit den Planungen für öffentliche Großprojekte wie das Klärwerk Kaditz, den Schlachthof und verschiedene Schulen, sondern schuf auch einige Kleinbauten. Als einziges dieser Gebäude überstand der kleine Pavillon die Wirren der Zeit und diente nach 1945 viele Jahre als Gartenlaube bzw. Geräteraum eines Imkers.

 

 

 


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