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Die heutige Alfred Schrapel-Straße wurde vor 1945 Schillstraße genannt. Mit dieser Namensgebung sollte der preußische Major und Patriot Ferdinand von Schill (1776-1809) geehrt werden, welcher zu den wichtigsten Persönlichkeiten der antinapoleonischen Befreiungsbewegung gehörte. In der Nachkriegszeit erfolgte die Umbenennung in Alfred-Schrapel- Straße. Der Lehrer Alfred Schrapel (1885-1945) gehörte seit 1921 als Mitglied und zeitweise als Vorsitzender der KPD- Fraktion dem Dresdner Stadtrat an. 1933 wurde er von den Nazis mit Berufsverbot belegt und war einige Wochen im KZ inhaftiert. Am 13. Februar 1945 kam er beim Luftangriff ums Leben. Die Anton-Graff-Straße im Wohnviertel um den Stresemannplatz wurde um 1900 angelegt und im Anschluss mit villenartigen Mehrfamilienhäusern bebaut. Der Name erinnert an den Kunstmaler Anton Graff (1736-1813), der ab 1766 als Professor an der Dresdner Kunstakademie wirkte und vor allem durch seine Porträtbilder bekannt wurde. Trotz Kriegsschäden sind noch einige architektonisch interessante Gebäude erhalten geblieben, darunter die Villa Anton-Graff- Straße 22. Das Gebäude entstand 1905 im Jugendstil und besitzt eine bemerkenswerte Innenausstattung. 1995/96 wurde das Haus denkmalgerecht saniert. Jugendstilelemente weisen auch die Häuser Nr. 8, 15, 19, 26 und 28 auf.
Fotos: Stadtvillen auf der Anton-Graff-Straße (Nr. 26 und Nr. 28)
Säuglingsheim:
Ursprünglich plante Arthur Schloßmann, seine Säuglingsklinik an das nahegelegene Johannstädter Krankenhaus anzuschließen, was jedoch von der Stadtverordnetenversammlung aus Kapazitätsgründen abgelehnt wurde. Die zunächst in einer Mietwohnung im ersten Stock untergebrachte Einrichtung bezog im April 1904 das Haus Wormser Straße 4. Eine für die Ausstattung der neuen Klinik ins Leben gerufene Spendensammlung brachte über 30.000 Mark ein. Nach Schloßmanns Wechsel nach Düsseldorf übernahm 1907 die Stadt die Verwaltung des Säuglingsheims, welches nach dem Ersten Weltkrieg um eine Kinderpoliklinik erweitert wurde. Das Dresdner Säuglingsheim wurde 1945 zerstört. Die 1899 angelegte Bertheltstraße erhielt ihren Namen nach dem Pädagogen August Berthelt (1813-1896). Berthelt war ab 1833 in Dresden als Lehrer, später als Schuldirektor und königlicher Schulinspektor tätig und gehörte 22 Jahre dem Stadtrat an. Außerdem zählte er zu den Mitbegründern des deutschen Lehrervereins und war Herausgeber der “Sächsischen Schulzeitung”. Sein Grab befindet sich auf dem Trinitatisfriedhof. In der 1945 teilzerstörten und noch erhaltenen Villa Bertheltstraße 3 wohnte zwischen 1915 und 1938 der Dresdner Oberbürgermeister Bernhard Blüher (1864-1938). Der an der Abzweigung Blumen-/ Pfotenhauerstraße gelegene Bönischplatz entstand Ende
des 19. Jahrhunderts im Zuge der Bebauung der Johannstadt. Zuvor hatte es hier eine von mehreren Sandgruben in diesem Gebiet gegeben. Die dreieckige Grundfläche, welche sich
früher auch an anderen Johannstädter Plätzen fand, geht auf die Einbeziehung bereits vorhandener Wege in das neue Straßennetz zurück. Wie die meisten Plätze des Stadtteils
wurde auch der von Wohn- und Geschäftshäusern umgebene Bönischplatz mit kleinen Grünflächen versehen, um die dichte Bebauung der Umgebung etwas aufzulockern (Foto).
Seinen Namen erhielt er nach dem Kommunalpolitiker Emil Bönisch, welcher bis 1894 als Zweiter Bürgermeister tätig war. Nach seinem Ausscheiden übernahm Otto Beutler, späterer Oberbürgermeister Dresdens, das Amt.Während die meisten Straßenzüge der Umgebung 1945 in Schutt und Asche versanken, blieben am Bönischplatz bis heute Reste der Vorkriegsbebauung erhalten. Diese wurden nach 1980 rekonstruiert und vermitteln so einen Eindruck vom früheren Straßenbild der Johannstadt. 2003 kam eine Holz-Keramik-Plastik der Künstler Andreas Rode und Thomas Wieduwilt hinzu. Bönischhof: Am Bönischplatz befand sich bis 1945 die Gaststätte “Bönischhof”, welche ab 1922 dem Gastronomen Emil Max Rahm gehörte. Rahm hatte zuvor im Basteihotel und in einer Gastwirtschaft in Rathen als Oberkellner gearbeitet und war ein begeisterter Bergsteiger. Auf ihn geht die Erstbegehung des noch heute als “Rahm-Hanke” bekannten Klettersteiges unterhalb der Bastei zurück. 1933 verließ Rahm den Bönischhof und übernahm drei Jahre später die Leitung des Ratskellers in Dresden-Coschütz.
Im Gegensatz zum größten Teil der Johannstadt blieben an der Bundschuhstraße die meisten Gebäude bis heute erhalten. Bemerkenswert sind die viergeschossigen Wohnhäuser Nr. 5 (Foto) und 7, welche Fassaden im Stil des Historismus aufweisen. Die Häuser wurden 1903 vom Baumeister Carl Clemens Türke erbaut. Im Treppenhaus der Bundschuhstraße 5 sind auch ein Zierbrunnen und die Ausmalung im Stil der Entstehungszeit erhalten. Vor 1945 befand sich in Verlängerung der Gneisenaustraße die später zum Fährgarten verlegte Anlegestelle der Elbfähre.
Die vom Straßburger Platz zum Stephanienplatz führende Canalettostraße verdankt ihren Namen dem italienischen Barockmaler Canaletto (eigentlich Bernardo Belotto, 1720-1780). Canaletto gilt als einer der bedeutendsten Künstler seiner Zeit und schuf zahlreiche Stadtansichten von Dresden und Umgebung. Ab 1890 entstanden an der Canalettostraße meist Villen und einzeln stehende Wohnhäuser. Bemerkenswert war das 1891/92 von Schilling & Gräbner entworfene villenartige Doppelhaus Canalettostraße 5/7. Wie alle Gebäude der Straße wurde auch diese Villa 1945 zerstört. Das gleiche Schicksal traf das erst in den 1930er Jahren errichtete Gemeindehaus der nahegelegenen Andreaskirche. Als Cranachstraße wird seit den 1970er Jahren ein Teilabschnitt der früheren Zöllnerstraße zwischen Striesener und Holbeinstraße bezeichnet. Dieser war durch den Bau eines Sportplatzes vom übrigen Straßenverlauf abgetrennt worden. Benannt wurde die Straße nach dem Maler und Grafiker Lucas Cranach d. Ä. (1472-1553), der ab 1505 als Hofmaler Friedrich des Weisen in Wittenberg wirkte. Auch sein Sohn und Schüler Lucas Cranach d. J. (1515-1586) wurde als Maler bekannt. Einige Werke der beiden Künstler befinden sich in der Gemäldegalerie Alte Meister. Die Dinglingerstraße verdankt ihren Namen dem Goldschmied und kurfürstlichen Hofjuwelier Johann Melchior Dinglinger (1664-1751). Dinglinger lebte ab 1692 in Dresden und schuf in seiner Werkstatt zahlreiche Kunstwerke, die sich heute zum Großteil im Grünen Gewölbe befinden. Zu den bekanntesten Stücken gehören der “Hofstaat zu Delhi am Geburtstag des Großmoguls Aureng-Zeb”, das “Goldene Kaffeezeug” und das “Bad der Diana”. Dinglinger befasste sich außerdem mit technischen Problemen und ließ in seinem Wohnhaus auf der Frauengasse eine Sternwarte, eine Wetteruhr und eine mechanische Feuerspritze installieren. Ende der 1950er Jahre entstanden an der Dinglingerstraße mehrgeschossige Wohnbauten mit Läden im Erdgeschoss.
Neben Spiel- und Ruheplätzen wurde in den Dreißiger Jahren auf dem Dürerplatz sogar eine kleine Freilichtbühne für verschiedene Veranstaltungen angelegt. Eine geplante Umgestaltung des Platzes für nationalsozialistische Großveranstaltungen verhinderte der Zweite Weltkrieg. Lediglich ein Löschwasserbecken entstand im Rahmen der Luftschutzmaßnahmen während des Krieges. 1945 wurden sämtliche Gebäude am Dürerplatz zerstört und wenig später abgerissen. In der Nachkriegszeit befand sich hier der Standort einer Trümmerverwertungsanlage zur Aufbereitung von Ziegelsteinen für den Wiederaufbau. Heute findet man an Stelle des einstigen Dürerplatzes die Außenanlagen des Bertolt-Brecht- Gymnasiums. Ebenso wie der heute nicht mehr vorhandene Dürerplatz erhielt auch die Dürerstraße ihren Namen nach dem deutschen Maler und Grafiker Albrecht Dürer (1471-1528), dessen Holzschnitte und Kupferstiche zu den bedeutendsten Werken der Kulturgeschichte gehören. Ihren Ausgangspunkt hatte die Dürerstraße einst am Holbeinplatz (Rietschelstraße) in der Pirnaischen Vorstadt und durchquerte dann die gesamte Johannstadt bis zur Striesener Flurgrenze.
Gaststätte “Zur alten Vogelwiese”: Der Name der bis 1945 existierenden Gaststätte (Dürerstraße 57) erinnerte an den früheren Standort der Vogelwiese. Noch bis 1873 hatte man das Volksfest auf dem Übungsplatz der Kommunalgarde veranstaltet, bevor die Vogelwiese zu den Elbwiesen gegenüber dem Waldschlösschen verlegt wurde. In der Folgezeit entstanden auch hier Wohnhäuser. Nr. 89: Vor dem Haus des Vereins “Aktives Leben” wurde im Frühjahr 2010 die Plastik “Früchte essende Jugendliche” aufgestellt. Das Kunstwerk war 1961 vom Bildhauer Erich Otto geschaffen worden und stand bis zum Bau der Altmarktgalerie in der Webergasse. Müller & Wetzig: Die Firma wurde 1899 von Johann Wetzig und Robert Müller als Spezialfabrik für Projektions- und Vergrößerungsapparate gegründet. Zum Produktionsprofil des Betriebes, welcher zeitweise über 200 Mitarbeiter beschäftigte, gehörten Bildprojektionsapparate der Marke “Dresdensia”, Filmprojektoren und ähnliche Geräte. Seinen Sitz hatte das Unternehmen auf der Nicolaistraße 15, später auf der Dürerstraße 100. 1938 übernahmen die Söhne der Gründer den Betrieb, welcher 1945 völlig zerstört wurde. Ein Neuanfang erfolgte 1946 unter dem Namen M & W Vergrößerungsgeräte-Werk. Nach der Verstaatlichung wurde dieses in VEB Vergrößerungsgeräte-Werk Dresden umbenannt und 1951 mit dem VEB Filmosto vereinigt. Dresdner Blattgoldschlägerei: Das Unternehmen wurde 1830 als älteste Blattgoldschlägerei in Deutschland gegründet und hatte seit 1936 seine Produktionsräume auf der Dürerstraße 102a. Der Betrieb Ferdinand Müller blieb auch nach 1945 in Privatbesitz und wurde erst 1972 zwangsweise verstaatlicht. Nach der Reprivatisierung gaben die neuen Eigentümer den Standort auf und verlegten den Firmensitz zur Uhdestraße in Leubnitz-Neuostra. Auf dem Grundstück auf der Dürerstraße entstand 1992 ein moderner Neubau, welcher 2009 von der WG Johannstadt nach Niedrigenergiestandard modernisiert wurde. Details an der Fassade weisen auf die einstige Tradition des Standorts als Blattgoldschlägerei hin.
Ebenso wie der angrenzende Fetscherplatz wurde auch die frühere Fürstenstraße 1946 umbenannt. Namensgeber war der Dresdner Arzt Dr. Rainer Fetscher (1895-1945), welcher in den Zwanziger Jahren als Mediziner auf dem Gebiet der Erbbiologie forschte. Nach seiner Entlassung durch die Nationalsozialisten praktizierte er ab 1934 als niedergelassener Arzt und bewohnte ein Haus auf der Rungestraße in Zschertnitz. Am 8. Mai 1945 wurde Fetscher beim Versuch, die Stadt kampflos an die Rote Armee zu übergeben von SS-Leuten auf der Prager Straße erschossen. Die Fetscherstraße, die heute meist als östliche Grenze der Johannstadt nach Striesen angesehen wird, wurde Ende des 19. Jahrhunderts mit mehrgeschossigen Mietshäusern, aber auch einigen Stadtvillen bebaut. Zu den Bewohnern dieser Häuser gehörten u.a. die Pianistin Marie Wieck (Nr. 69), Halbschwester Clara Wiecks, und die Familie Nowka (Nr. 89), deren Tochter Margarethe in den Zwanziger Jahren unter dem Künstlernamen Grethe Weiser als Schauspielerin berühmt wurde. Einige Hintergebäude wurden gewerblich genutzt, u.a. von den Zigarettenfabriken “Kosmos” (Nr. 70) und “Tuma” (Nr. 72). Große Teile der Bebauung der Fürstenstraße fielen 1945 den Bomben zum Opfer. 1957 begann hier und an der Striesener Straße der Neuaufbau der Johannstadt, zunächst in Großblockbauweise. In diesem Zusammenhang entstand 1958 auch das Gebäude der 6. POS “Otto Grotewohl” (heute 6. Grundschule). Architektonisch interessant ist der 1958 von Wolfram Starke entworfene Wohnblock Fetscherstraße 33-37, welcher eine Lücke in der erhaltenenen Gründerzeit- Bausubstanz schließt. Die heutige Fiedlerstraße trug vor 1945 den Namen Trinitatisstraße, da sich an ihrem Anfang die Trinitatiskirche und angrenzend der Trinitatisfriedhof befinden. Ursprünglich war sie Teil eines alten Verbindungsweges aus der Innenstadt nach Blasewitz und wurde noch bis 1880 Blasewitzer Straße genannt. Der jetzige Name erinnert an den Oberarzt Prof. Dr. med. Carl Ludwig Alfred Fiedler (1835-1921), welcher sich als königlicher Leibarzt und Oberarzt der Inneren Abteilung des Städtischen Krankenhauses Friedrichstadt große Verdienste um das Gesundheitswesen der Stadt erwarb. 1894 erhielt Fiedler für sein Wirken den Ehrenbürgertitel der Stadt verliehen. Gleicher Herkunft ist die Bezeichnung Fiedlerplatz, welcher diesen Namen bereits seit 1899 trug. In die großzügige Platzanlage wurde das sogenannte “Birkenwäldchen”, ein Rest des einstigen Blasewitzer Tännichts, einbezogen. Zu den markantesten Gebäuden des Areals gehörten die 1945 zerstörte 53. Volksschule sowie das heute als Zahnklinik genutzte ehemalige König-Georg-Gymnasium. In den 60er Jahren wurde der Fiedlerplatz in das Gelände der Medizinischen Akademie einbezogen. Engelhardt´s: Die nach ihrem Besitzer benannte Gutswirtschaft entstand nach dem Siebenjährigen Krieg auf dem Areal des aufgeteilten Vorwerks Tatzberg. 1813 fielen die Gebäude den Kampfhandlungen im Zusammenhang mit der Schlacht bei Dresden zum Opfer. Daraufhin erwarb die Kirchgemeinde der Johanniskirche das Areal und ließ hier 1815 nach Plänen Thormeyers den Trinitatisfriedhof anlegen. Die im Zuge des Ausbaus der Johannstadt angelegte Feldherrenstraße erhielt 1893 ihren Namen und bildete die Verlängerung der bereits 1877 entstandenen Marschallstraße in der Pirnaischen Vorstadt. Im September 1945 wurde sie wegen ihres “militaristischen Namens” in Florian-Geyer-Straße umbenannt. Der aus Franken stammende Ritter Florian Geyer von Giebelstadt (1490-1525) unterstützte während des Bauernkrieges mit seiner “Schwarzen Schar” die Aufständischen und vereinte die zuvor unorganisierten Bauerntruppen zu einer schlagkräftigen Armee. Nach deren Niederlage wurde Geyer 1525 von seinen Gegnern ermordet. 1971 bezog man auch den verbliebenen Abschnitt der Marschallstraße, ab 1946 Rathenaustraße genannt, in die Florian-Geyer-Straße ein. Das Straßenbild prägen heute vorrangig Plattenbauten aus den 70er Jahren. Im Wohnblock Nr. 43 befand sich viele Jahre ein Ausländerwohnheim für DDR-Gastarbeiter aus Ungarn und Mocambique. Zwillingsbrunnen: An der Ecke Florian-Geyer-/ Elsasser Straße befindet sich seit 2006 der aus zwei quadratischen Becken bestehende “Zwillingsbrunnen”. Diese 1959 entstandene Brunnenanlage stand ursprünglich vor dem Ring-Café in der Innenstadt, wurde dort jedoch 2000 bei Bauarbeiten beseitigt. Bei der Neugestaltung der Brunnen rekonstruierte man auch die farbigen Bodenmosaiken, welche dem Wasserspiel ein farbenprächtiges Bild verleihen. Die Originalschöpfungen von Kurt Sillack und Hermann Naumann waren beim Abriss zerstört worden. Die nach 1945 teilweise überbaute Gabelsbergerstraße verband einst den Dürerplatz in der Johannstadt mit dem Wormser Platz in Striesen. Benannt wurde sie nach Erfinder der Stenografie Franz Xaver Gabelsberger (1789-1849).
Als Georg-Nerlich-Straße wird seit 1993 ein Teilabschnitt der früheren Elisenstraße (später Hans-Grundig-Straße) zwischen Canaletto- und Striesener Straße bezeichnet. Der Maler Georg-Nerlich (1892-1982) ließ sich 1948 in Dresden nieder und war hier als Professor für Malerei und Grafik an der Architektur-Fakultät der Technischen Hochschule tätig. Zahlreiche seiner Werke gehören noch heute zum Kunstbestand der Universität. 2005 entstand an der Georg-Nerlich-Straße ein architektonisch interessanter Mehrzweckbau nach Plänen des Büros Kilian Architekten. Das mit Glas, Klinkern und Aluminiumlamellen gestaltete Gebäude beherbergt neben einem Ärztehaus des St.-Joseph-Stifts auch eine Apotheke sowie eine Kindertagesstätte. Im Obergeschoss nutzt die Akademie für Palliativmedizin einige Schulungsräume und Gästewohnungen. Die Ende des 19. Jahrhunderts ausgebaute Gerokstraße ist Teil des alten Verbindungsweges zwischen Dresden und Blasewitz. Ihren Namen erhielt sie 1894 nach dem evangelischen Theologen Friedrich von Gerok (1786-1865). Neben Wohn- und Geschäftshäusern befanden sich hier bis 1945 auch Geschäfte, Gaststätten und ein Kino. Zu den wenigen erhaltenen Gebäuden gehören das 1928 errichtete Postamt 16 und die 1934 eröffnete Städtische Berufsschule. Carolagarten: Das Restaurant mit angeschlossenem Ballsaal entstand um 1880 an der Gerokstraße 27 in unmittelbarer Nähe des Carolahauses. Nach dem Ersten Weltkrieg war im Saal des Carolagartens das Lichtspieltheater “National” untergebracht. Das Lokal war nach den “Blumensälen” zweitgrößte Vergnügungsstätte des Stadtteils und wurde 1945 zerstört. Elisencafé (Nr. 41): Im Erdgeschoss des 1945 zerstörten Wohnhauses Gerokstraße 41 befand sich bis Anfang der 60er Jahre das stadtbekannte “Elisencafé”, beliebter Treffpunkt für Künstler und Studenten. Die Kneipe war durch Ausbau der Ruine entstanden und erinnerte an frühere Johannstädter Gaststätten wie den “Elisenhof” (Gerokstraße 69) und “Elisenruh” am Bönischplatz. Im Zuge der Neubebauung des Areals wurde das Haus um 1960 abgerissen. Nr. 52: Die 1945 zerstörte Zigarettenfabrik “Persia” war einer der kleineren Dresdner Hersteller von Tabakwaren, die sich in den Hinterhöfen Johannstädter und Striesener Grundstücke befanden. Plattenwerk Johannstadt: Das Ziegel- und Betonwerk ging aus einer 1945 auf dem Gelände des früheren Carolahauses entstandenen Trümmerverwertungsanlage hervor. Zunächst wurden hier Ziegel aufgearbeitet, bevor man sich ab 1960 der Herstellung von Großplatten für den Wohnungsbau widmete. Der Betrieb gehörte bis 1990 zum Wohnungsbaukombinat Dresden und war Produzent verschiedener Fertigteilelemente und Naßzellen, die in Dresdner Neubaugebieten verwendet wurden. Zwischen 1991 und 1995 setzte die Johannstadt Bau GmbH die Tätigkeit des Betonwerkes mit verändertem Profil fort, musste jedoch schließlich Insolvenz anmelden. Pläne für die Errichtung eines Wohn- und Gewerbepark scheiterten mehrfach, ebenso der Bau eines Kinder- und Jugendzentrums. Nach Beräumung des Betriebsgeländes wurde hier 2004 das Plattenbaumuseum “Zeitschiene” eingeweiht, welches mit verschiedenen Exponaten die Geschichte der Betonplattenfertigung und des Wohnungsbaus in der DDR dokumentierte. 2007 musste die Schau nach Auslaufen des Nutzungsvertrages das Areal verlassen und soll künftig an anderer Stelle zu sehen sein. Die Gluckstraße im östlichen Teil der Johannstadt wurde Ende des 19. Jahrhunderts angelegt und verdankt ihren Namen dem deutschen Komponisten Christoph Willibald Gluck (1714-1787), welcher als Reformator der Oper im Geiste der Aufklärung gilt. Zu seinen bekanntesten Schöpfungen gehören u.a. “Orpheus und Eurydike” und “Iphigenie in Aulis”. Die meisten Wohnhäuser stammen aus der Zeit um 1900. Gasthaus “Zum Windmühlenberg”: Die historische Gastwirtschaft verdankt ihren Namen den einst hier befindlichen vier Bockwindmühlen. Diese wurden zwischen 1784 und 1788 auf Befehl Kurfürst Friedrich August III. errichtet, um eine bessere Versorgung seiner Residenz zu sichern. Vor allem Striesener Bauern brachten ihr Getreide nun zu diesen Mühlen. Windmühlen, Wohnhäuser und Nebengebäude wurden 1813 von französischen Soldaten niedergebrannt und nicht wieder aufgebaut. Das freie Gelände war später zeitweise Standort einer kleinen Kaffeewirtschaft, bevor an deren Stelle 1895 das noch heute existierende Gasthaus entstand. Als eines der wenigen Gebäude der Johannstadt überstand der “Windmühlenberg” im Eckhaus Dürer- / Gluckstraße die Zerstörungen von 1945 und dient bis heute gastronomischen Zwecken.
Seinen heutigen Namen erhielt der Güntzplatz nach dem Unternehmer und Stifter Dr. Justus Friedrich Güntz (1801-1875). Der promovierte Jurist gehörte ab 1836 dem Dresdner Stadtrat an und war ab 1837 Herausgeber und Redakteur des “Dresdner Anzeigers”. Dessen Erlöse flossen später in die von ihm begründete Güntz-Stiftung zur Förderung sozialer und kultureller Projekte. Das Grab von Justus Friedrich Güntz befindet sich auf dem angrenzenden Eliasfriedhof.
1945 wurde das Haus schwer beschädigt, konnte jedoch durch den Ausbau der Erdgeschossräume schon 1949 behelfsmäßig nutzbar gemacht werden. 1950/51 erfolgte der Wiederaufbau unter weitgehender Wahrung des historischen Aussehens. Zeitweise war hier das Dresdner Schulamt untergebracht. Heute nutzt die Ostsächsische Sparkasse das 1995/97 komplett neu aufgebaute und sanierte Gebäude als Hauptsitz. Beim Umbau wurde der Komplex um einen modernen Anbau an der Gerok- und Elsasser Straße erweitert. Vor dem Haus steht eine historische Litfaßsäule vom Beginn des 20. Jahrhunderts.
Nach Überwindung der wirtschaftlichen Probleme der Inflation und der Weltwirtschaftskrise plante man Ende der Zwanziger Jahre eine erneute Erweiterung des Henriettenstiftes. Mit Machtübernahme der Nazis konnten diese Absichten jedoch nicht mehr realisiert werden. Am 14. Juli 1942 wurden die verbliebenen Bewohner deportiert und nach Theresienstadt verbracht, wo nur wenige die Nazizeit überlebten. Das Gebäude des Henriettenstiftes wurde 1945 zerstört. An gleicher Stelle entstand in den 1950er Jahren ein Studentenwohnheim (Güntzstraße 26-28). Hier erinnert seit 1966 eine Gedenktafel von Werner Hempel an das Schicksal des Altersheimes und seiner Bewohner. Nr. 30/32: In diesem nach dem Ersten Weltkrieg abgebrochenen Haus hatte einst der Bildhauer Ernst Hähnel sein Atelier. Dieses übernahm später Johannes Schilling, der hier zahlreiche seiner Werke schuf und am 17. September 1882 sogar Kaiser Wilhelm I. zur Besichtigung seines Entwurfs für das Niederwalddenkmal begrüßen durfte. Nach dem Abriss entstand auf dem Grundstück ein Neubau für die Landesversicherungsanstalt, welcher 1945 den Bomben zum Opfer fiel. Die Gutenbergstraße wurde Ende des 19. Jahrhunderts angelegt und trägt ihren Namen nach dem Erfinder des Buchdrucks, Johannes Gutenberg (1394-1468). Johannes Gensfleisch zu Gutenberg erfand den Buchdruck mit beweglichen metallischen Lettern und revolutionierte damit das Druckgewerbe.
Das Straßenbild prägten bis zur Zerstörung 1945 vorrangig großbürgerliche Villen und Landhäuser, die zum Teil von renommierten Dresdner Architekten entworfen wurden. Zu den schönsten Bauten gehörte das Eckhaus Hähnelstraße 13 (Foto) , welches 1901 nach einem Entwurf des Architekturbüros Schilling & Gräbner für den Konzertmeister Professor Henri Wilhelm Petri entstand. Die Bildhauer Friedrich Offermann und Karl Groß schufen den plastischen Schmuck. Auch dieses Gebäude wurde 1945 zerstört, ebenso das frühere Wohnhaus des Juristen Dr. Johannes Müller (Nr. 9). Der nach dem Angriff in die Nähe von Berggießhübel geflüchtete Müller kehrte im Juni 1945 nach Dresden zurück und übernahm am 5. Juli das Amt des Oberbürgermeisters. Im Oktober 1945 wurde er auf Betreiben Kurt Fischers und Walter Weidauers abgelöst. Die Hans-Grundig-Straße entstand in den 1960er Jahren durch Umbenennung der früheren Elisenstraße. Ihren Namen erhielt sie nach dem Maler und Grafiker Hans Grundig (1901-1958), der nach seinem Studium an der Dresdner Kunstgewerbeschule 1929 die Künstlervereinigung ASSO (Assoziation Revolutionärer Bildender Künstler) gründete. Wegen seiner Mitgliedschaft in der KPD wurde er in der NS-Zeit verfolgt und war zeitweise im KZ Sachsenhausen inhaftiert. Nach seiner Rückkehr nach Dresden wurde Hans Grundig 1948 Rektor der Kunstakademie. 1993 erfolgte eine teilweise Rück- bzw. Neubenennung der Hans-Grundig-Straße. Während der mittlere Teil zwischen Gerok- und Striesener Straße seinen Namen behielt, werden die nördlichen und südlichen Abschnitte heute Elisenstraße bzw. Georg-Nerlich-Straße genannt. 2009 entstand auf einer Freifläche ein moderner Neubau für die Staatliche Studienakademie Dresden und die Evangelische Hochschule für Soziale Arbeit. Künftig sollen hier die Bibliotheken der beiden Hochschulen, die Mensa und die Holzwerkstätten der Studienakademie untergebracht werden. Auch die zuvor von der Fakultät Informatik der Technischen Universität genutzten Altbauten werden in den Komplex einbezogen. Diese waren 1930 bzw. 1958 als Lehrgebäude errichtet und später aufgestockt worden. Die Hassestraße verdankt ihren Namen dem Komponisten und sächsischen Hofkapellmeister Johann Adolf Hasse (1699-1783). Hasse lebte ab 1733 gemeinsam mit seiner Frau Faustina, einer bedeutenden Opernsängerin, in Dresden und schuf zahlreiche kirchenmusikalische Werke und über 100 Opern. Außerdem leitete er bis 1763 die Hofkapelle und führte dort eine neue musikalische Stilrichtung ein, die den Gesang der Solisten in den Vordergrund stellte.
Die Henzestraße entstand um 1900 im südlichen Teil der Johannstadt im Zusammenhang mit der Bebauung des Areals mit Villen und Landhäusern. Ihren Namen verdankt sie dem Bildhauer Robert Henze (1827-1906), welcher ab1881 Ehrenmitglied der Dresdner Kunstakademie war. Henze schuf u. a. das nach 1945 abgerissene Germania-Denkmal auf dem Altmarkt, die Nike-Figur auf der Kunstakademie und den Müllerbrunnen in Dresden-Plauen. Zu den Bewohnern der Henzestraße gehörten der Kommunalpolitiker und Dresdner Oberbürgermeister Bernhard Blüher, der 1933 von den Nazis aus dem Amt gedrängte DNN-Chefredakteur Julius Wolff (beide Nr. 10) und Blühers Nachfolger im Oberbürgermeisteramt Wilhelm Külz (Nr. 12). Beide Gebäude fielen 1945 den Bomben zum Opfer.
Bis heute haben sich an der Hertelstraße zahlreiche Gebäude der Vorkriegsbebauung erhalten. Die zum Teil mit wertvollen Treppenhausgestaltungen versehenen Häuser stehen seit 1992 unter Denkmalschutz und wurden in den vergangenen Jahren saniert.
Ostkraftwerk: 1893 entstand an der Hertelstraße ein Kraftwerk zur Stromerzeugung für Dresdens erste elektrische Straßenbahnlinie. Diese wurde am 6. Juli 1893 eröffnet und führte vom Schloßplatz über den Sachsen- und Eliasplatz nach Blasewitz. Zur Unterscheidung zum Kraftwerk an der Wettiner Straße wurde das Johannstädter Werk als Ostkraftwerk bezeichnet. Zwei Jahre später erwarb die Stadt Dresden das Kraftwerk und baute es, um den wachsenden Stromverbrauch zu decken, weiter aus. 1898 verfügte es über insgesamt acht Maschinen und besaß eine Gesamtleistung von 4900 PS. Die Holbeinstraße begann ursprünglich am Holbeinplatz hinter dem ehemaligen Landgericht Pillnitzer Straße und und durchquert bis zu ihrem Ende in der Nähe des alten Striesener Dorfkerns die gesamte Johannstadt sowie den Westtteil von Striesen, wobei sie hier teilweise dem früheren Verlauf des Landgrabens folgt. Mit der bis heute unveränderten Namensgebung wird an den Maler Hans Holbein d. J. (1497-1543) erinnert, welcher zu den bedeutendsten Künstlern der deutschen Renaissance gehört. Sämtliche Gebäude im westlichen Teil der Straße, meist mehrgeschossige Wohn- und Geschäftshäuser, fielen 1945 den Bomben zum Opfer. Im Zuge des Wiederaufbaus der Pirnaischen Vorstadt wurde der Abschnitt der Holbeinstraße bis zur Güntzstraße überbaut. Den erhaltenen Teil auf Johannstädter Flur prägen heute Plattenbauten aus den 1970er Jahren. Am Haus Nr. 42, welches bis nach 1990 als Ausländerwohnheim diente, erinnert eine Gedenktafel an den 1991 von rechtsradikalen Jugendlichen getöteten Mosambiquaner Jorge Gomondai. 1910-12 entstanden zwischen Holbeinstraße und Wormser Straße die Rudolf-Schilling-Häuser, initiiert vom Dresdner Spar- und Bauverein. Die Wohnanlage wurde vom renommierten Dresdner Architektenbüro Schilling & Gräbner entworfen und gehört zu den Musterbeispielen des sozialen Wohnungsbaus in der Stadt. Für die Mieter, meist Arbeiter und einfache Angestellte entstanden im Innenhof Spielanlagen, Ruheplätze sowie ein Wannenbad mit Duschen und Wäscherei. Um die Kinder während der Arbeitszeit betreuen zu können, richtete der Verein sogar einen eigenen Kindergarten ein. 1972 übernahm die Wohnungsgenossenschaft Johannstadt die Gebäude, die in den letzten Jahren denkmalgerecht saniert wurden. Die 1880 auf dem Gelände der ehemaligen Kunstgärtnerei Lüdicke angelegte Straße erinnerte an die einstige Kamelienzucht des Gärtnermeisters Lüdicke, der 1813 einen Teil des Vorwerks “Hopfgartens” erworben hatte. Nach Zerstörung sämtlicher Wohnhäuser der Kamelienstraße wurde diese im Zuge der Neubebauung des Areals zwischen Pfotenhauer- und Gerokstraße überbaut und teilweise in die Hopfgartenstraße einbezogen. Die Lipsiusstraße wurde kurz vor dem Ersten Weltkrieg angelegt und verbindet die Stübelallee mit dem nahegelegenen Stresemannplatz. Ihren Namen erhielt sie nach dem deutschen Architekten Konstantin Lipsius (1832-1894), welcher u.a. Erbauer der Kunstakademie auf der Brühlschen Terrasse und des Fabrice-Mausoleums an der Stauffenbergallee war. An Lipsius erinnert auch die an der Einmündung Lipsiusstraße / Stübelallee stehende Lipsiussäule. Zahlreiche Gebäude der Lipsiusstraße fielen 1945 den Bomben zum Opfer und wurden in den 1970er Jahren durch zehngeschossige Wohnblocks ersetzt.
Foto: Blick in die Lipsiusstraße - rechts die 1912 aufgestellte Lipsiussäule Die Lortzingstraße entstand Ende des 19. Jahrhunderts in der Nähe des heute nicht mehr vorhandenen Dürerplatzes und wurde nach dem Komponisten Albert Lortzing (1801-1851) benannt. Zu seinen bekanntesten Schöpfungen gehören die volkstümlichen Opern “Zar und Zimmermann” und “Der Wildschütz”. Bis zur Zerstörung 1945 befand sich an der Lortzingstraße neben Wohnhäusern ein städtisches Volksbad. Schuhwaren-Fabrik Heysing: Der Betrieb wurde um 1890 von Carl Curt Heysing auf der Lortzingstraße 38 (Ecke Fiedlerstraße) gegründet. Der aus einfachen Verhältnissen stammende Unternehmer war zunächst als Porzellankaufmann tätig, bevor er sich in der Johannstadt niederließ und hier elegante Damenschuhe produzierte. Ein Großteil der Waren wurde exportiert, vor allem nach Frankreich. Für sein soziales Engagement erhielt Heysing kurz vor Beginn des Ersten Weltkrieges den Titel Hofrat verliehen. 1923 verlor er durch die Inflation einen Großteil seines Vermögens, womit auch die Geschichte der Schuhwarenfabrik Heysing endete. Altissa-Camera-Werk: Die bis zur Zerstörung 1945 existierende Firma geht ursprünglich auf eine 1902 von Richard Knoll gegründete Werkstatt für Kameraverschlüsse und andere photographische Bedarfsartikel zurück. 1928 übernahm Emil Hofert den Betrieb und benannte ihn 1931 in Anlehnung an seinen Namen in “EHO-Kamera-Fabrik-GmbH” um. Der Firmensitz befand sich ursprünglich auf der Eilenburger Straße 6 in Striesen. Hergestellt wurden vorrangig preiswerte Boxkameras für den privaten Gebrauch.
Nach Kriegsende gründete Berthold Altmann gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Fritz von Dosky ein weiteres Unternehmen, welches sich unter dem Namen ALDO-Feingeräte-Bau GmbH der Herstellung von Mikroskopen widmete. Das Altissa-Camera- Werk bezog 1947 neue Räume auf der Blasewitzer Straße 17. Hier versuchte Altmann zunächst mit der Wiederaufnahme der Vorkriegsbaureihen, ab 1949 auch mit Neuentwicklungen an einstige Erfolge anzuknüpfen. Die politische Situation in der DDR zwang ihn jedoch 1951 zur Flucht in die Bundesrepublik, was zur Enteignung und Umwandlung des Betriebes in den VEB Altissa-Camera-Werk führte. 1959 wurde dieser in die vereinigten Kamera- und Kino-Werke Dresden eingegliedert und 1961 geschlossen. Die seit 1892 als Lothringer Straße in den Stadtplänen verzeichnete Straße an der Westseite des Sachsenplatzes wurde früher Bohrwerkstraße genannt. 1839 war ein städtisches Bohrwerk zur Herstellung steinerner Wasserrohre entstanden, welches 1888 dem Bau des Amtsgerichtes weichen musste. An ihrem nördlichen Ende befand sich bis zur Übergabe der Albertbrücke eine Anlegestelle für eine Elbfähre. Landgericht: Das ehemalige Königlich-Sächsische Amtsgericht wurde 1888 bis 1892 nach Plänen des Leipziger Architekten Arwed Rossbach erbaut. Der dreigeschossige Vierflügelbau nahm das gesamte Areal zwischen Lothringer Straße, Marschallstraße und Ziegelstraße ein und erhielt eine Fassade im Stil eines Florentiner Renaissancepalastes. Am Hauptportal befinden sich die von Johannes Schilling geschaffenen Figurengruppen “Wahrheit” und “Gerechtigkeit”. Im Inneren besitzt das Gebäude mehrere Verhandlungssäle, Büro- und Verwaltungsräume. Als einer der wenigen Bauten in diesem Bereich überstand das Amtsgericht mit Ausnahme des hinteren vierten Flügels den Zweiten Weltkrieg ohne größere Schäden. Nach Abbruch der zerstörten Wohnhäuser auf der gegenüberliegenden Straßenseite wurde der Bau in den Sachsenplatz einbezogen und ab 1952 vom Bezirksgericht Dresden, zwischen 1993 und 1999 auch vom Oberlandesgericht genutzt. Heute befindet sich hier der Sitz des Landgerichtes Dresden.
Fotos: Haupteingang des Landgerichtes Lothringer Straße mit den Figuren von Johannes Schilling
Die heute nicht mehr in den Stadtplänen verzeichnete Manteuffelstraße verlief parallel zur Elsasser Straße an der Rückseite der 1945 zerstörten Jägerkaserne. Benannt wurde sie nach Edwin Karl Rochus Freiherr von Manteuffel, einem 1809 in Dresden geborenen preußischen General (+ 1885). Als Kommandeur nahm er am Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 teil und und wurde nach Kriegsende Oberbefehlshaber der Okkupationsarmee in Frankreich und Statthalter des Deutschen Reiches in Elsaß-Lothringen. 1946 erfolgte die Umbenennung der Manteuffelstraße in Karsthansstraße. Karsthans war der volkstümliche Name des Arztes und religiösen Schwärmers Johannes Murer oder Maurer (+ 1525). Der Freiburger Bauernagitator gehörte zu den wichtigen Propagandisten des Bauernkrieges und starb nach seiner Gefangennahme im Kerker des Schlosses Reichenberg bei Backnang. Im Zuge der Neubebauung wurde der Straßenname Anfang der 1970er Jahre aufgehoben. Erst seit 1993 trägt der nördliche Teilabschnitt der Reißigerstraße den Namen Maria-Cebotari-Straße. Zuvor war der Straßenverlauf in den 70er Jahren durch einen Schulneubau unterbrochen worden. Mit der Namensgebung wird an die aus Bessarabien (Moldawien) stammende Opernsängerin Maria Cebotari (1910-1949) erinnert, welche zwischen 1931 und 1943 an der Semperoper engagiert war. Zugleich wirkte sie in mehreren Filmen mit und hatte zahlreiche Gastauftritte an internationalen Bühnen. Die Marschnerstraße entstand Ende des 19. Jahrhunderts und verbindet die Gerokstraße mit der Comeniusstraße. Ursprünglich befand sich in diesem Bereich in der Nähe des Straßburger Platzes der heute verschwundene Kranichsee, welcher noch 1370 als Gewässer, 1539 jedoch nur noch als Ackerfläche in den Urkunden verzeichnet ist. Neben Wohnhäusern entstanden ab 1898 an der Marschnerstraße die Bauten der Höheren Mädchenschule Johannstadt und des Königlichen Lehrerinnenseminars. Die ausgebrannten Gebäude konnten in der Nachkriegszeit in leicht veränderter Form wiederaufgebaut werden. Heute ist hier die Dinglinger-Schule für lernbehinderte Kinder untergebracht. Zwischen 1990 und 2000 gab es auf der Marschnerstraße das vom Filmclub Dresdeb betriebene Programmkino “Nickelodeon” Mit der Namensgebung wird an die Frauenrechtlerin Amalie Marschner (1794-1883) erinnert. 1846 gründete sie in Dresden den “Verein zum Frauenschutz”, welcher sich der Förderung und Unterstützung von Waisenkindern widmete. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts besaß der Verein eine aus mehreren Gebäuden bestehende Erziehungsanstalt mit angeschlossenem Kindergarten an der Georgenstraße in der Neustadt. Dort erinnert seit einigen Jahren eine Gedenktafel an Amalie Marschner (Georgenstraße 3). Die Mildred-Scheel-Straße wurde als bislang jüngste Straße der Johannstadt erst 2004 angelegt. Sie befindet sich auf dem Gelände des Universitätsklinikums und erhielt ihren Namen nach der Röntgenärztin Dr. med. Mildred Scheel (1932-1985). Als Ehefrau des Bundespräsidenten Walter Scheel gründete sie 1974 die “Deutsche Krebshilfe” und setzte sich bis zu ihrem Tod für verschiedene Projekte zur Bekämpfung der Krebskrankheiten ein. Die Neubertstraße entstand 1893 und erhielt den Namen des Kommunalpolitikers Heinrich Moritz Neubert (1809-1881). Neubert gehörte ab 1851 dem Dresdner Stadtrat an war von 1853 bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand Bürgermeister. Für seine Verdienste, insbesondere auch auf dem Gebiet der Erforschung der älteren Stadtgeschichte, wurde ihm am 31. Dezember 1875 die Ehrenbürgerwürde verliehen. Karl-Stein-Stadion: Aus einer um 1900 angelegten Radfahrbahn ging 1912 das heutige Karl-Stein-Stadion hervor, bis 1945 Spielstätte des Sportvereins DSV “GutsMuths”. Zwischen 1901 und 1909 fanden hier regelmäßig Radwettfahrten, zum Teil sogar mit internationaler Beteiligung statt, bevor der “Verein für Radwettfahrten sich 1909 für den Bau einer größeren Anlage in Reick entschied. Daraufhin gestaltete man die Bahn zum Sportstadion mit Rasenplatz und den notwendigen Nebenanlagen um. Nach Beseitigung von Kriegsschäden und Benennung nach dem von den Nazis hingerichteten Dresdner Widerstandskämpfer Karl Stein (1902-1942) dient das Stadion seit 1951 der SSV Turbine Dresden als Spiel- und Trainingsstätte. 1977 wurde eine Flutlichtanlage in Betrieb genommen. Weitere Modernisierungen erfolgten nach 1990. Die Nicolaistraße im südlichen Teil der Johannstadt verdankt ihren Namen dem Architekten Georg Hermann Nicolai (1812-1881), einem Schüler Gottfried Sempers. Nicolai wurde 1850 dessen Nachfolger als Hochschullehrer an der Kunstakademie und entwarf zahlreiche qualitätvolle Villenbauten, von denen jedoch nur wenige erhalten blieben. Vor der Zerstörung 1945 besaß der Maler Otto Griebel auf der Nicolaistraße 30 seine Wohnung, im Haus Nr. 4 hatte zeitweise die bekannte Dresdner Klavierbaufirma Rosenkranz ihren Sitz. Seit den 1970er Jahren trägt ein durch Neubebauung unterbrochener Teilabschnitt der Wintergartenstraße zwischen Striesener und Gerokstraße den Namen Permoserstraße. Eine gleichnamige Straße hatte es vor 1945 bereits in der Wilsdruffer Vorstadt (heute Areal Haus der Presse) gegeben. Ihren Namen verdankt sie dem Barockbildhauer Balthasar Permoser (1651-1732), welcher ab 1689 als Hofbildhauer in Sachsen tätig war. Permoser schuf u.a. zahlreiche Figuren für den Dresdner Zwinger, die Kanzel der Hofkirche und die Herkulesfiguren im Großen Garten. Die Pfeifferhannsstraße im nördlichen Teil der Johannstadt erhielt ihren jetzigen Namen erst 1946. Zuvor gehörte diese Straße zur später durch Überbauung unterbrochenen Stephanienstraße. Der Name knüpft an die volkstümliche Bezeichnung für den “Vater des Deutschen Bauernkrieges” Hans Böhm (1458-1476) an. Böhm verdiente sich seinen Lebensunterhalt zunächst als Schafhirt und Instrumentenbauer, bevor er sich nach einer angeblichen Marienerscheinung zum Wanderprediger berufen fühlte. In diesem Zusammenhang setzte er sich für mehr Rechte der Bauern ein und forderte diese zur Verweigerung von Frondiensten und Zehntzahlung auf. Wegen seiner revolutionären Ideen wurde Hans Böhm am 19. Juli 1476 als Ketzer auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Die Pöppelmannstraße entstand erst im Zuge des Ausbaus des Neubaugebietes Johannstadt in den 1970er Jahren und folgt in ihrem Verlauf einem früheren Teilabschnitt der Stephanienstraße. Bereits vor 1945 hatte es in der Wilsdruffer Vorstadt eine Pöppelmannstraße gegeben, welche jedoch 1965 beim Bau des “Hauses der Presse” verschwand. Ihren Namen verdankt sie dem berühmten Barockbaumeister Matthäus Daniel Pöppelmann (1662-1736), welcher vor allem durch die Anlage des Zwingers bekannt ist. Pöppelmann schuf aber auch zahlreiche Bürgerhäuser, entwarf das Japanische Palais sowie die Schlösser in Pillnitz und Großsedlitz. Sein Grab befindet sich in der Friedrichstädter Matthäuskirche. Seit August 2010 erinnert ein Gedenkstein vor dem Gebäude der Geschäftsstelle des Sächsischen Bergsteigerchores “Kurt Schlosser” an dessen Namensgeber (Pöppelmannstraße 2). Das Denkmal befand sich ursprünglich vor der Betriebsberufsschule des Energiekombinates Dresden auf der Gasanstaltstraße und wurde nach deren Schließung abgebaut. Kurt Schlosser gehörte während der NS-Zeit einer Widerstandsgruppe an (“Rote Bergsteiger”) und wurde am 16. April 1944 im Hof des Landgerichts Münchner Platz hingerichtet. Seit 1949 trägt der Bergsteigerchor seinen Namen. Die Reinickstraße entstand 1903 im Gebiet um den damaligen Walderseeplatz an der Grenze zwischen Johannstadt und Striesen. Ihren Namen verdankt sie dem Schriftsteller und Maler Robert Reinick (1805-1852), der ab 1844 in Dresden lebte und zu den Mitgliedern des Künstlerkreises “Montagsgesellschaft” gehörte. Zu den erhaltenen Gebäuden aus der Entstehungszeit des Wohnviertels gehören die Häuser Reinickstraße 8 bis 13 mit aufwendigen Jugendstil-Dekorationen an der Fassaden und in den Treppenhäusern.
Fotos: Blick in die Reinickstraße - rechts das Wohnhaus Nr. 2, erbaut 1903 Die Reißigerstraße wurde 1875 angelegt und führte vor 1945 durchgehend von der Blasewitzer bis zur Comeniusstraße. Mit der Namensgebung wird an den Komponisten und Dirigenten Carl Gottlieb Reißiger (1789-1859) erinnert, der nach seiner Tätigkeit als Musikdirektor der Hofoper 1828 zum Nachfolger Carl Maria von Webers als Hofkapellmeister ernannt wurde. Reißiger war zugleich Leiter des Konservatoriums und Dirigent der Dresdner Liedertafel. 1838 führte er zum ersten Mal in Dresden Beethovens Neunte Sinfonie auf. Sein Grab befindet sich auf dem Trinitatisfriedhof. In der Nachkriegszeit wurde die Reißigerstraße durch den Bau einer Schule unterbrochen, beide Abschnitte behielten jedoch zunächst ihren Namen. Erst 1993 wurde der nördliche Teil in Maria-Cebotari-Straße umbenannt. Die Schubertstraße im östlichen Teil der Johannstadt begrenzt das Gelände des Universitätsklinikums und bildet sogleich die östliche Grenze des Stadtteils zu Blasewitz. Hier befinden sich vor allem Gebäude der Klinik, darunter das 1996 entstandene Herzzentrum. Im Wohnhaus Schubertstraße 29 wohnte bis zu seinem Tod 1932 der Heimatkundler Theodor Schäfer, Mitbegründer des Vaterländischen Gebirgsvereins und Verfasser zahlreicher Wanderführer. In der Nähe der Schubertstraße endete einst auch das städtische Weichbild, das heißt die Dresdner Stadtflur. Markiert wurde diese Grenze mit Weichbildsteinen, von denen einer auf den Elbwiesen am Käthe-Kollwitz-Ufer gegenüber der Einmündung der Schubertstraße erhalten geblieben ist. Der Stein trägt die Nummer 2 und zeigt das Dresdner Stadtwappen sowie die Jahreszahl 1729. Ab 1911 befand er sich im Stadtmuseum im Lichthof des Rathauses, wurde später eingelagert und 1993 in der Nähe seines früheren Standortes wieder aufgestellt. Ein weiterer Weichbildstein mit der Nr. 4 ist an der Südostecke der Straßenkreuzung Schubertstraße / Goetheallee zu sehen. Die Schumannstraße wurde 1875 angelegt und nach dem Komponisten Robert Schumann (1810-1856) benannt. Der zu den bedeutendsten Musikern des 19. Jahrhunderts gehörende Komponist lebte von 1844 bis 1850 in Dresden und verfasste hier einen Großteil seines Gesamtwerkes, u.a. seine einzige Oper “Genoveva”. Zeitweise war er auch Leiter der “Dresdner Liedertafel” und Gründer der Singakademie. 1945 wurden die meisten Gebäude der Schumannstraße, darunter die IV. Katholische Bezirksschule in der Nähe der Wallotstraße, zerstört. Diese war 1896 entstanden und besaß in der angeschlossenen Kapelle die erste katholische Kirche der Johannstadt. Im Wohnhaus Schumannstraße 2 b lebte um 1892 der dänische Schriftsteller und spätere Literaturnobelpreisträger Karl Gjellerup. Der Wiederaufbau der Johannstadt unterbrach 1970 den ursprünglichen Verlauf. Um Verwechslungen zu vermeiden, erhielt der Abschnitt zwischen Striesener Straße und Trinitatisplatz 1993 den Namen Thomaestraße. Die Silbermannstraße verband vor 1945 die Striesener mit der Gerokstraße und ist heute nur noch auf einem kurzen Restabschnitt erhalten. Ihren Namen erhielt sie nach dem sächsischen Orgelbauer Gottfried Silbermann (1683-1753), welcher u.a. die Instrumente der Hofkirche, der Frauenkirche und der Sophienkirche schuf. Neben Wohnhäusern und einem Sportplatz am nördlichen Ende befanden sich an der Silbermannstraße bis zur Zerstörung 1945 die Bauten der IX. Bürgerschule (später 20. Volksschule) und der 51. Volksschule. Das letztgenannte Gebäude diente ab 1923 bis zur Schließung durch die Nationalsozialisten 1935 als staatliche Versuchsschule (Dürerschule). Sowohl der Stephanienplatz wie auch die von ihm abzweigende Stephanienstraße verdanken ihren Namen der Mutter Königin Carolas, Luise Amalie Stephanie von Baden (1811-1854). Die Tochter des Großherzogs Karl von Baden und seiner Gemahlin Stéphanie de Beauharnais - einer Adoptivtochter Napoleons - hatte 1830 in Karlsruhe ihren Cousin Gustav von Holstein-Gottorp geheiratet. 1833 kam die gemeinsame Tochter Carola von Wasa-Holstein zur Welt, welche später den sächsischen Kronprinzen Albert heiratete. Vor 1945 verlief die Stephanienstraße vom Stephanienplatz ausgehend in nördlicher Richtung bis zum Elbufer (heute Käthe-Kollwitz-Ufer). Im Zusammenhang mit dem Neuaufbau der Johannstadt wurde nach 1970 ein Großteil der ehemaligen Straßenführung überbaut. Neben dem noch heute benannten kurzen Reststück an der Striesener Straße gingen Teile der Stephanienstraße in der Pöppelmannstraße sowie der Pfeifferhannsstraße auf.
Foto: Stephanienplatz und Andreaskirche um 1910 Rund um den Stephanienplatz standen einst mehrgeschossige Wohn- und Geschäftshäuser, in deren Erdgeschossen kleine Läden untergebracht waren. Hinzu kamen einige Kleingärten und Holzhäuser, welche kurz vor Beginn des Zweiten Weltkrieges durch ein großes Mietshaus ersetzt wurden. Die Platzfläche selbst war gärtnerisch gestaltet und bepflanzt. Sämtliche Gebäude fielen 1945 den Bomben zum Opfer, darunter auch die 1902 eingeweihte Andreaskirche. Der ursprünglich nur als Provisorium geplante Neobarockbau besaß 850 Plätze und wurde im Zuge der Enttrümmerung Anfang der 1950er Jahre abgerissen. Das gleiche Schicksal traf die Ruinen der den Platz umgebenden Wohnhäuser, so dass heute nur noch das kleine Umspannhäuschen der Drewag an die Vorkriegszeit erinnert. Teilweise erhalten blieben hingegen die Gebäude der ehemaligen Schokoladenfabrik Clauß (ehemals Stephanienstraße 49). Hier und auf der benachbarten Hopfgartenstraße 28 wurden bis zum Kriegsende Schokolade und andere Süßwaren produziert. Zu DDR-Zeiten war der Stephanienplatz in den Stadtplänen nicht namentlich verzeichnet. In einem in den 1960er Jahren errichteten Flachbau befand sich bis 1989 das polnische Spezialitätengeschäft “HORTEX”, welches wegen seines Angebotes an Obst und Gemüsekonserven stadtweit bekannt war. Erst 1991 erhielt der Stephanienplatz seinen früheren Namen zurück. In jüngster Vergangenheit entstanden einige moderne Wohnhäuser.
1930 wurde der Platz in Stresemannplatz umbenannt. Mit dieser Namensgebung sollte der zwischen 1903 und 1918 in Dresden lebende und auch als Stadtrat aktive Nationalökonom und Politiker Gustav Stresemann (1878-1929) geehrt werden. Stresemann war ab 1903 Syndikus des Verbandes der Schokoladenfabrikanten, später Leiter des Bundes der Sächsischen Industriellen und Gründer der Deutschen Volkspartei. 1923 übernahm er vorübergehend das Amt des Reichskanzler und war bis zu seinem Tod Außenminister der Weimarer Republik. Für seine Verdienste um einen Ausgleich zwischen den einstigen Kriegsgegnern Deutschland und Frankreich erhielt er 1926 den Friedensnobelpreis.
Der Striesener Platz wurde 1870 an der Striesener Straße zwischen Elisen- und Wintergartenstraße angelegt und sechs Jahre später offiziell benannt. Zuvor befand sich hier der Holzlagerplatz der Dampfschneidemühle des Baumeisters Julius Gebler. Die Villa Geblers diente später viele Jahre als Wohnsitz des bekannten Opernsängers Scheidemantel. Die rechteckige Platzfläche wurde nach Plänen des Stadtgärtnermeisters Degenhardt parkartig gestaltet und bepflanzt. Im Mittelpunkt befand sich ein 1878 von Prof. Weisbach entworfener Delphinbrunnen mit mehreren Brunnenschalen.
Foto: Der Striesener Platz mit dem Delphinbrunnen nach der Zerstörung 1945 Um den Platz entstanden kurz darauf repräsentative Villen und Wohnhäuser. Zu den wenigen gewerblichen Einrichtungen gehörten mehrere Arztpraxen, eine Rechtsanwaltskanzlei, die Rudolphsche Verlagsbuchhandlung sowie die Büros der Deutschen Kraftfutterfabrik im Eckhaus zur Wintergartenstraße. Sämtliche Gebäude fielen 1945 den Bomben zum Opfer. Im Zuge des Wiederaufbaus wurden Platz und Brunnenanlage Ende der 1960er Jahre beseitigt und teilweise mit Wohnblocks überbaut. Die 1870 ausgebaute Striesener Straße geht auf einen bereits im 16./17. Jahrhundert vorhandenen Verbindungsweg zwischen der Innenstadt und dem benachbarten Dorf Striesen zurück. Dieser begann am Pirnaischen Tor und führte zum sogenannten Rampischen Schlag und von dort weiter in östlicher Richtung über Striesen zur Pillnitzer Fähre. Noch um 1890 gab es hier vor allem Gartengrundstücke und Wiesen, bevor um die Jahrhundertwende auch in diesem Teil der Johannstadt Wohn- und Geschäftshäuser entstanden. Während die Obergeschosse der Gebäude vorrangig Wohnungen beherbergten, gab es in den Erdgeschosszonen zahlreiche Läden, Gaststätten und kleine Handwerksbetriebe. Zu diesen gehörte die am 6. August 1910 eröffnete Bäckerei Wippler an der Ecke zur Schumannstraße. Das 1945 ausgebombte Unternehmen wird heute von den Nachkommen desGründers Max Wippler im Raum Loschwitz - Pillnitz fortgeführt, wo seit 2010 auch ein kleines Museum an die Geschichte der Firma erinnert (Söbrigener Straße 1). Auf der Striesener Straße 32 befand sich ab 1920 das von Martin Pietzsch errichtete Filmtheater “Fürstenhof-Lichtspiele” (Fü.-Li.). Im westlichen Teil dominierten hingegen freistehende Wohnhäuser das Straßenbild. Die Gebäude der Striesener Straße fielen mit wenigen Ausnahmen in der Nähe des Fetscherplatzes 1945 den Bomben zum Opfer. 1957 begann hier der Wiederaufbau der Johannstadt. Bis 1960 entstanden zwischen Striesener, Comenius-, Fetscher- und Marschnerstraße ca. 1.760 Wohnungen in Großblockbauweise, wobei für diese Gebäude im Gegensatz zu späteren Neubauvierteln das alte Straßennetz beibehalten wurde. In diesem Zusammenhang wurde auch der östlich der Güntzstraße gelegene Abschnitt der Pillnitzer Straße in die Striesener Straße einbezogen. Auf einer der letzten verbliebenen Baulücken entstand 1996/97 das Verwaltungsgebäude der ADAC-Zweigstelle Sachsen.
1640 bestand am Tatzberg ein gleichnamiges Vorwerk, welches ab 1742 “Lämmchen” genannt wurde. Die Straße selbst erhielt ihren Namen offiziell 1861 und verlief bis 1945 durchgängig vom Bönischplatz bis zur Fürstenstraße (heute Fetscherstraße). An der Südseite befinden sich der 1815 eingeweihte Trinitatisfriedhof und der Neue Jüdische Friedhof. 1893 richtete die Stadt Dresden am Tatzberg ihre Stadtgärtnerei ein. 2003 wurde auf dem Grundstück das moderne BioInnovationsZentrum als Sitz verschiedener Unternehmen der Bio- und Nanotechnologie eingeweiht (Foto): Stadtreinigung Dresden: Die Geschichte des Unternehmens begann Mitte des 19. Jahrhunderts, als sich die Stadt Dresden entschloss, die wachsenden Abfallberge in den früheren Sandgruben am Tatzberg zu verkippen. Später deponierte hier die “Dünger Exportgesellschaft zu Dresden AG” auch Fäkalien, was jedoch wegen des Gestanks zu Protesten der Anwohner führte. Im Zuge der Bebauung des Areals wandelte sich das Grundstück am Tatzberg nach 1900 zur Zentrale des Entsorgungsbetriebes, welcher hier Pferdeställe, Remisen, Verwaltungs- und Wirtschaftsgebäude errichtete. Vom Tazberg aus verkehrten die Abfalltransporter zu den am Stadtrand gelegenen Müllkippen und zu den insgesamt neun Außenstellen in den Stadtbezirken. Ab 1928 wurde das Unternehmen als Dresdner Müllabfuhr Gesellschaft bezeichnet. Nach Beseitigung der Kriegsschäden und mehrfachen Modernisierungen und Erweiterungen nutzte der VEB Stadtreinigung Dresden das Grundstück, welches heute Sitz des nach 1990 in eine GmbH umgewandelten kommunalen Unternehmens ist. Hier werden Müllfahrzeuge gewartet und abgestellt. Außerdem befindet sich am Tatzberg die zentrale Annahmestelle für Sperrmüll und umweltschädliche Abfälle. Die Terscheckstraße wurde nach dem sächsischen Hofgärtner Carl Adolf Terscheck (1782-1869) benannt, der 1809 als Nachfolger seines Vaters Johann Matthäus Terscheck nach Dresden berufen wurde. Hier oblag ihm die Pflege und Gestaltung des Palaisgartens. Außerdem war Terscheck an der Anlage des Botanischen Gartens und der Grünanlagen am Zwinger sowie an der Bürgerwiese beteiligt. In der Nachkriegszeit wurden Teile der Terscheckstraße überbaut bzw. in das Gelände der Medizinischen Akademie (Universitätsklinik) einbezogen. Als Thomaestraße wird seit 1993 der nördliche Teilabschnitt der früheren Schumannstraße bezeichnet, welcher durch Überbauung in den 60er und 70er Jahren abgetrennt worden war. Der Name erinnert an den Bildhauer Johann Benjamin Thomae (1682-1751). Zu seinen Hauptwerken gehören der Altar der Dreikönigskirche, die Brunnen am Neustädter Markt sowie einige Plastiken in Moritzburg, am Wallpavillon des Zwingers und der Pillnitzer Weinbergskirche.
1945 blieb das Viertel um den kurz nach Kriegsende umbenannten Thomas-Müntzer-Platz als eines der wenigen in der Johannstadt von der totalen Zerstörung verschont und konnte deshalb bis heute sein ursprüngliches Bild wahren. Nach 1990 gab es erneut Pläne für eine Elbbrücke an dieser Stelle, welche jedoch später zugunsten der Waldschlösschenbrücke aufgegeben wurden. Der Trinitatisplatz entstand 1891 im Zusammenhang mit dem Bau der Trinitatiskirche. Benannt wurde er, wie auch die hier von der Gerokstraße abzweigende Trinitatisstraße (heute Fiedlerstraße) nach dem 1813 angelegten Trinitatisfriedhof. Zuvor befand sich an dieser Stelle das Vorwerk “Engelhardts”, welches im August 1813 Kampfhandlungen im Zusammenhang mit der Schlacht bei Dresden zum Opfer fiel.
Von der ursprünglichen Bebauung (Foto: Ecke Anton-Graff-Straße) sind lediglich einige Häuser in der Umgebung des Stresemannplatzes erhalten geblieben, darunter die unter Denkmalschutz stehenden Wohnhäuser Nr. 20 (erbaut 1902), Nr. 27 (1903) und Nr. 29 (1903). Im 1945 zerstörten Haus Wallotstraße 19 wohnte bis 1945 der Ingenieur Alfred Bockemühl, Konstrukteur der Straßenbahnwagen “Großer” und “Kleiner Hecht”. Unweit davon hatte bis zu seinem Tod am 3. Oktober 1922 der Dresdner Historiker Prof. Dr. Otto Richter seinen letzten Wohnsitz. Richter arbeitete u.a. als Archivar und erster Direktor des Stadtmuseums und war Vorsitzender des Vereins für Geschichte der Stadt Dresden. Auf ihn geht auch die Praxis der “gruppenweisen” thematischen Vergabe von Straßennamen in den einzelnen Stadtvierteln zurück. Der Name der im 19. Jahrhundert angelegten Wintergartenstraße erinnert an die einst auf dem Areal des früheren Vorwerks “Hopfgarten´s” bestehenden Gärtnerei Lüdicke. Lüdicke hatte die Fläche 1813 erworben und ließ hier einen ausgedehnten Blumengarten anlegen und für exotische Pflanzen 1859 ein Winterhaus errichten. Nach Aufgabe der Gärtnerei entstanden auf dem Grundstück ab 1878 Wohnhäuser. 1895 bezogen die “Grauen Schwestern” des katholischen Ordens der heiligen Elisabeth eine Villa auf der Wintergartenstraße (Nr. 17) und richteten hier das bis heute bestehende St.-Joseph-Stift ein. Im Zusammenhang mit der Errichtung von Plattenbauten wurde die ursprünglich bis zum Bönischplatz führende Wintergartenstraße nach 1970 unterbrochen und teilweise überbaut. Heute trägt nur noch der südliche Teilabschnitt zwischen Stübelallee und Dinglingerstraße seinen ursprünglichen Namen. Ein weiterer Teil wurde Mitte der 70er Jahre nach dem bedeutenden Bildhauer Balthasar Permoser Permoserstraße benannt. Nr. 63: In diesem Gebäude hatte bis zu seinem Tod 1908 der Bildhauer und Rietschel-Schüler Gustav Adolph Kietz seine Wohnung und sein Atelier. Kietz schuf u.a. ein 1942 eingeschmolzenes Denkmal des früheren Kreuzkantors Julius Otto (Standort vor der alten Kreuzschule), das Gustav-Nieritz-Denkmal in der Neustadt und plastischen Schmuck für die Semperoper. Zigarettenfabrik “Patras”: Auf der Wintergartenstraße 76 hatte ab 1890 die Zigarettenfabrik “Patras” ihre Produktionsräume. Das Unternehmen gehörte zu den zahlreichen kleineren Herstellern von Tabakwaren in der Johannstadt und im angrenzenden Striesen.
Die Zeschaustraße im südlichen Teil der Johannstadt erhielt ihren Namen nach einem alten meißnischen Adelsgeschlechts, dessen Vertreter vorrangig in Sachsen und Preußen, aber auch in Russland, Italien und Südamerika ansässig waren. Erstmals taucht der Name dieser Familie in der Ersterwähnungsurkunde Dresdens von 1206 auf, in welcher u.a. ein Bernhard de Sessowe genannt ist. Bedeutende Vertreter waren u.a. der sächsische Generalleutnant und Gouverneur von Dresden Heinrich Wilhelm von Zeschau (1760–1832) sowie der sächsische Finanzminister Heinrich Anton von Zeschau (1789–1870). Der heute nicht mehr vorhandene Zöllnerplatz lag bis zur Zerstörung des Stadtviertels an der Abzweigung Dürer-/ Blasewitzer Straße und war mit mehrgeschossigen Wohn- und Geschäftshäusern umgeben, von denen jedoch keines die Bomben des 13. Februars 1945 überstand. An der Südseite befand sich die XX. Bezirksschule (später 20. Volksschule). Die dreieckige Platzanlage war ursprünglich gärtnerisch gestaltet und diente als Ruhefläche in der dichtbebauten Johannstadt.
Im Zuge der Neubebauung der Johannstadt wurde der Zöllnerplatz überbaut und die Namensgebung aufgehoben. Heute erinnert lediglich das kurze Reststück der Zöllnerstraße an die frühere Struktur. Der südliche Teil dieser ursprünglich von der Gerokstraße bis zum Stephanienplatz durchführenden Straße trägt seit den 1970er Jahren den Namen Cranachstraße. Werkstatt für Elektrotechnik, Mechanik und Maschinenbau: Das Kleinunternehmen wurde 1906 von Oskar Ludwig Kummer (1848-1912) auf der Zöllnerstraße gegründet und widmete sich der Herstellung von elektrischen und mechanischen Geräten. Kummer war bis zum Konkurs 1901 Besitzer der Kummer-Werke in Niedersedlitz, aus denen 1903 das Sachsenwerk hervorging. Ab 1908 entstand in der Johannstädter Werkstatt unter größter Geheimhaltung ein Versuchswagen für eine geplante Einschienen-Schnellbahn. Auftraggeber war der Berliner Verleger August Scherl, der unter Umgehung bestehender britischer Patente die Erfindung des Iren Louis Brennan in die Realität umsetzen wollte. Die Erprobung des Fahrzeugs erfolgte im “Birkenwäldchen” am Tatzberg. Am 1. 11. 1909 wurde die Bahn erstmals in Berlin öffentlich vorgeführt. Klagedrohungen britischer Rechtsanwälte und ein missglückter Probebetrieb in New York bereiteten dem Projekt letztlich ein Ende.
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