Wasserflugplatz


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Der Wasserflugplatz Johannstadt wurde 1925 am Elbufer oberhalb der Albertbrücke angelegt. Zuvor hatte es bereits in Österreich-Ungarn regelmäßige Flüge von Wasserflugzeugen gegeben. Die positiven Erfahrungen auf der Strecke nach Pula/Istrien inspirierten die Dessauer Junkers-Werke zu Erprobungen einer solchen Verkehrslinie auch in Deutschland. Dazu fanden ab Mai 1925 erste Erkundungsflüge von Dessau nach Dresden statt, um die Strömungsverhältnisse auf der Elbe zu erkunden. Nachdem diese positiv verlaufen waren, entschloss man sich zur Einrichtung einer regelmäßigen Fluglinie von Dresden nach Hamburg.

Die am 10. August 1925 eröffnete Strecke nach Hamburg-Altona mit einem Zwischenstopp in Magdeburg wurde täglich außer sonntags bedient, wobei zwei Wasserflugzeuge des Typs Junkers F 13 mit Namen “Silbermöwe” und “Wildente” zum Einsatz kamen. Beide waren in den Junkers-Werken gebaut und in Königsberg mit Schwimmern versehen worden. Am Vortag der Eröffnung flogen sie von dort, immer entlang von Flussläufen, zum geplanten Einsatzort nach Dresden bzw. Hamburg.  

Neben der Beförderung von jeweils vier Passagieren diente die Linie zugleich dem Posttransport. Für den Betrieb des Flugplatzes befestigte man in diesem Abschnitt das Elbufer gegenüber der Prießnitzmündung und errichtete einen hölzernen Steg, an welchem die Flugzeuge “anlegen” konnten. Außerdem nutzte man das an der Uferstraße befindliche einstöckige Bootshaus für den Ticketverkauf. Bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 145 km/h war eine Flugzeit von insgesamt ca. vier Stunden veranschlagt. Die Tickets kosteten für die einfache Strecke 90 Reichsmark, bis Magdeburg 40 Reichsmark.

“Die bei der Eröffnung der neuen Fluglinie übersandten Grüße erwidern wir
auf das herzlichste mit aufrichtigen Wünschen für das Blühen und Gedeihen der Stadt Altona. Möge diese neue Förderung des Verkehrs die Städte an der deutschen Elbe einander näherbringen und der väterlichen Wirtschaft
zum Segen gedeihen”

Grußtelegramm des Dresdner Oberbürgermeisters Dr. Külz an seinen Amtskollegen in Altona

Trotz des anfänglichen Interesses an dieser ungewöhnlichen Fluglinie erfüllte das Projekt nicht die Erwartungen. Schon im November endete die Luftpostbeförderung, was zu einer Veränderung des Flugplanes führte. In den Wintermonaten blieben zudem die Passagiere aus. Außerdem entsprachen die beiden Flugzeuge schon bald nicht mehr dem technischen Standard. Hinzu kamen witterungsbedingte Probleme bei Start und Landung durch Eisgang und Hochwasser.

Anfang 1926 übernahm die durch Fusion der Junkers Luftverkehrmit der Aero Lloyd hervorgegangene Deutsche Lufthansa den Betrieb der Wasserfluglinie und plante, diese bis zur Insel Helgoland zu verlängern. Nachdem jedoch fast zeitgleich eine Fluglinie vom Flughafen am Heller über Halle - Magdeburg nach Hamburg in Betrieb genommen wurde und die Passagierzahlen der Wasserflugzeuge weiter sanken, erfolgte mit Ende des Sommerflugplanes 1926 die Einstellung. Die vorhandenen Maschinen wurden in Kaditz auf Landbetrieb umgerüstet, die Anlagen in der Johannstadt wenig später abgebrochen. Erhalten blieb bis heute das frühere Abfertigungsgebäude, welches später als Gaststätte “Johannstädter” genutzt wurde (Foto). Kurzzeitig lebte die Erinnerung an die Wasserfluglinie noch einmal in den 1990er Jahren auf. Am 12. August 1995 landete zum 70. Jubiläum der Linie ein Wasserflugzeug auf der Elbe. Zwei Jahre später wurde die Aktion noch einmal aus Anlass der 10-jährigen Städtepartnerschaft Dresden - Hamburg wiederholt.

 


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