Bergstraße


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Die Bergstraße geht in ihren Grundzügen auf eine alte, zum Erzgebirgskamm führende Straße zurück, welche bis 1855 als Dippoldiswaldaer Chaussee bezeichnet wurde. Im Mittelalter befand sich in der Nähe des heutigen Fritz-Förster- Platzes das im Besitz des städtischen Rates befindliche Vorwerk Auswik. Von dort steigt die Straße bis zur Südhöhe steil an und berührt dabei die Fluren der 1903 eingemeindeten Vorstadt Räcknitz.

1840 begann der Ausbau der Bergstraße, welche in ihrem nordwestlichen Abschnitt bis zur Reichsstraße (Fritz-Löffler- Straße) mit Villen bebaut wurde. Oberhalb des Reichsplatzes lag das beliebte Ausflugslokal “Bergkeller” mit großer Gartenterrasse. Gegenüber entstand 1884 die 1945 zerstörte Amerikanische Kirche. Zeitweise fuhr auch die über die heute nicht mehr vorhandene Hohe Brücke kommende Straßenbahn durch die Bergstraße zum Endpunkt am “Elysium” in Räcknitz. Im Zuge der neuen Straßenbahntrasse über die Reichsstraße zum Münchner Platz wurde diese Linie jedoch wieder eingestellt.

1945 wurden zahlreiche Gebäude an der Bergstraße zerstört bzw. schwer beschädigt. An deren Stelle errichtete man in der Nachkriegszeit mehrgeschossige Wohnblocks, welche heute zur WGS “Glückauf Süd” gehören. Dazwischen finden sich noch Reste der früheren Villenbebauung. Jenseits des Fritz-Förster Platzes dominieren Bauten der Technischen Universität das Bild. Bemerkenswert sind die 1978 fertiggestellte Neue Mensa sowie die erst nach 1990 errichteten Neubauten der Juristischen Fakultät und das gegenüberliegende Hörsaalzentrum. Da die Bergstraße seit 2004 Zubringer zur Autobahn A 17 nach Prag ist, erleichtert hier eine Fußgängerbrücke das Überqueren der Straße.


Einzelne Gebäude:

Nr. 2: An Stelle eines kriegszerstörten Vorgängerbaus, welcher bereits vor 1945 Sitz der Dresdner Niederlassung des Baukonzerns Philipp Holzmann war, entstand 1994/95 das neue Philipp-Holzmann-Haus. Das moderne Bürohaus wurde von der Offenburger Architekten-Gruppe um Prof. Fritz Novotny entworfen und ist heute Domizil mehrerer Firmen.

Nr. 23: Die kleine spätklassizistische Villa wurde 1867 als “Villa Olga” von einem unbekannt gebliebenen Architekten errichtet und blieb bis heute fast unverändert erhalten. Zunächst befand sie sich im Besitz von Dr. Lohse, bevor 1873 der Textilkaufmann Bernhardt Otto Eisenstuck das Haus erwarb und erweitern ließ. Nach mehrfachem Besitzerwechsel kaufte 1924 der kunstsinnige Rechtsanwalt Dr. Fritz Glaser die Villa. Zum Freundeskreis Glasers gehörten u. a. der Maler Otto Dix, der Dichter Joachim Ringelnatz  und der Sprachwissenschaftler Viktor Klemperer.

Wegen seiner jüdischen Herkunft musste Fritz Glaser 1933 seine Anwaltstätigkeit aufgeben und war zahllosen Schikanen seitens der Nazis ausgesetzt. Dank seiner deutschen Ehefrau entging er der Deportation und erlebte das Kriegsende 1945 in seinem unzerstört gebliebenen Haus. Allerdings waren die Glasers gezwungen, fast alle Kunstwerke ihrer bedeutenden Sammlung zu verkaufen. Nach Fritz Glasers Tod 1956 wurde die Villa vermietet. Zeitweise nutzte das Komitee “Freies Griechenland” einige Räume. Glasers Erben bekamen ihr Eigentum nach der Wende zurück und ließen die Villa 1996/97 denkmalgerecht sanieren.

Nr. 25: Im diesem Haus befand sich vor dem Zweiten Weltkrieg die Töchterpension der Freiin von Bibra, eines von mehreren Internaten für Töchter aus “gehobenen Ständen” in der Südvorstadt.

Nr. 31: Die prachtvolle Neorenaissancevilla entstand 1871/73 für den Königlich- Bayrischen Rittmeister Ritter von Zwackhausen und dessen Gemahlin. Bereits drei Jahre später verkaufte das Paar das Haus an Arnold Schulte-Herkendorf, der an der Seestraße ein Modewarengeschäft besaß. Im Auftrag der neuen Eigentümer erhielt die Villa eine aufwendige Innenraumgestaltung, die sich am Vorbild der kurz zuvor fertiggestellten Semperoper orientierte. Bemerkenswert sind u. a. ein antikes Marmormosaik im Foyer und Deckenmalereien mit Ornament-Schmuck. Nach 1945 nutzten das DDR-Verkehrsministerium und die Reichsbahndirektion Dresden die Villa, welche 1995 saniert wurde. Heute befinden sich hier Büroräume.

Nr. 34: Auch dieses schlichte Gebäude von 1872 überstand die Bombardierung Dresdens und kündet so noch heute vom einstigen Glanz des “Schweizer Viertels”. Eine einst zum Garten führende Terrasse wurde nach 1945 beseitigt.

Nr. 40: Die landhausartige zweigeschossige Villa wurde 1874 erbaut und besitzt neben einer Veranda eine sparsame Fassadengliederung im Stil der Nicolai-Schule. Im Gegensatz zum Baugeschehen der Jahrhundertwende orientierte man sich in der Anfangszeit der Entstehung der Südvorstadt an Vorbildern der italienischen Renaissance und verzichtete auf eine übermäßig prunkvolle Fassadengestaltung.

Bergkeller: Das Gasthaus “Bergkeller” entstand 1848 an Stelle des bereits im Mittelalter aufgegebenen Vorwerks Auswik und gehörte schon bald zu den beliebtesten Ausflugsgaststätten im Süden der Stadt. Zum Zeitpunkt seiner Entstehung lag das Haus noch mitten im Grünen und besaß einen großen Biergarten, drei Ballsäle und mehrere Gesellschaftszimmer. Regelmäßig fanden hier Militärkonzerte, Frühlings- und Herbstfeste und andere Vergnügungen statt. Obwohl der “Bergkeller” nach dem Bau der Straßenbahn noch einmal einen Aufschwung erlebte, machte sich die zunehmende Bebauung der Umgebung negativ bemerkbar. Mit Beginn des Ersten Weltkrieges wurde das Lokal geschlossen und 1915 zugunsten des Postamtes A 32 (Bergstraße 56 - Foto) abgerissen.

Foto: Historische Lithographie des “Bergkellers” um 1900

Nr. 68: Das Wohnhaus wurde 1903 als Auftakt zu einer aus mehreren Gebäuden bestehenden Häusergruppe zwischen Bergstraße, Zeuner- und Mommsenstraße erbaut (“Professorenhäuser”). Bauherr war der Architekt Ernst Kühn, der das mit Jugendstilelementen gestaltete Gebäude selbst entwarf. Auch die historische Innenausstattung ist bis heute teilweise erhalten geblieben. Die individuell gestalteten Reihenhäuser mit Erkern und Dachaufbauten wurden bevorzugt an Professoren der nahegelegenen Technischen Hochschule vermietet.

Gasthof “Elysium”: Das Ausflugs- und Tanzlokal “Elysium” entwickelte sich aus dem alten Räcknitzer Gasthof und befand sich an der Einmündung zur Räcknitzhöhe. Um 1890 entstand ein Ballsaal. Nachdem die Dresdner Straßenbahn 1905 ihre Strecke bis zu diesem Endpunkt in Betrieb genommen hatte, nahm das ”Elysium” einen großen Aufschwung. Vor allem die Studenten der nahegelegenen Technischen Universität verbrachten hier gern ihre Freizeit. Später diente das Haus als Lager und Turnhalle und wurde 1945 zerstört. Heute befindet sich hier ein Autohaus.

Chausseehaus Räcknitz: Zur Erhebung der bis 1886 an den großen Ausfallstraßen üblichen Wegegelder entstand 1847 an der Kreuzung Bergstraße / Kohlenstraße ein Chausseehaus. Nach Abschaffung dieser Gebühren wurde das Gebäude in ein Gasthaus umgewandelt. Nach 1945 diente es als Wohnhaus und Schulungsstätte der Gewerkschaft. Zuletzt befand es sich in Verwaltung der Fakultät Landtechnik der Technischen Universität. Da das historische Gebäude jedoch zunehmend den Verkehr behinderte, wurde es 1981 abgerissen.

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