Die Geschichte der katholischen Gemeinde der Südvorstadt reicht bis ins Jahr 1909
zurück. Damals bildete sich im “Schweizer Viertel” ein “Verein der Katholiken von Dresden-Plauen und Süd”. Da zunächst kein eigenes Gotteshaus zur Verfügung stand,
nutzte man ab 1921 das Haus Eisenstuckstraße 27 für die Gemeindearbeit. Die Predigten übernahm die “Kongregation der Oblaten der makellosen Jungfrau Maria”,
welche bis 1984 eine Niederlassung in Dresden unterhielt. Der katholische Orden mit Stammsitz in Hünfeld bei Fulda hatte sich nach einer Gesetzesänderung 1919 als erster
katholischer Orden nach der Reformation wieder in Sachsen niedergelassen. 1922 erwarb der zur Hofkirche gehörende Verein das Grundstück Bernhardstraße 42 und
ließ sich hier eine Kirche mit ca. 200 Plätzen und einem kleinen Turm errichten. An den Planungen waren die Architekten
Robert Witte und Rudolf Zacek beteiligt. Die Finanzierung wurde zum Großteil von den Mitgliedern übernommen. Neben
der eigentlichen Kirche sollten ursprünglich noch ein Wohntrakt für die Ordensmitglieder und weitere Nebengebäude entstehen, was jedoch nicht zustande kam.
Am 6. Dezember 1925 konnte die neue Kirche eingeweiht werden. Wenige Tage später, am 1. Januar 1926, erhielt die
Pfarrei St. Paulus ihre kirchliche Selbständigkeit. Ab 1935 wirkte hier der bekannte Pater Franz Bänsch, dem auch die
Seelsorge für die Inhaftierten der Dresdner Haftanstalten oblag. Mit großem persönlichen Einsatz unterstützte Bänsch
zahlreiche Häftlinge des NS-Regimes und begleitete über 1.000 von ihnen auf ihrem letzten Weg zur Hinrichtung im Hof des Gerichtsgebäudes am Münchner Platz. Seit 2006 erinnert eine Straße in Mockritz an den Pater.
Die 1945 teilweise beschädigte St.-Paulus-Kirche wurde bis 1953 im ursprünglichen Stil wieder aufgebaut. Der
Innenraum erhielt in den 60er Jahren eine moderne Neugestaltung durch die Künstler Egon Körner und Lothar Gonschor. Zur Ausstattung gehören
ein um 1700 geschaffenes schlichtes Kruzifix sowie eine Jehmlich-Orgel von 1946. Die drei Bronzeglocken stammen aus den 50er Jahren und wurden in Apolda gegossen. Ende der 90er Jahre wurde die
St.-Paulus-Kirche saniert. Im Garten des Grundstücks mahnt ein Denkmal an sechs während der NS-Zeit am Münchner
Platz hingerichtete polnische Priester, welche 1999 als Märtyrer durch Papst Johannes Paul II. selig gesprochen wurden. |