Die Bernhardstraße wurde im Zusammenhang mit dem Bau des Schweizer Viertels planmäßig
angelegt und im nördlichen Teil zunächst mit Villen bebaut (Foto: Bernhardstraße 29). Ihren Namen erhielt sie, ebenso wie die benachbarte Lindenaustraße, nach dem sächsischen Reformpolitiker Bernhard von Lindenau (1779-1854). Lindenau hatte maßgeblichen Anteil an
der Erarbeitung der sächsischen Verfassung und der Allgemeinen Städteordnung von 1831. Für seine Verdienste verlieh ihm die Stadt Dresdenr 1843 die Ehrenbürgerwürde. 1970 benannte
man die Bernhardstraße nach dem kommunistischen Staatschef der Volksrepublik Vietnam in Ho-Chi-Minh-Straße um. Diese Namensgebung wurde 1991 jedoch wieder aufgehoben.
Nachdem die Dresdner Baugesellschaft 1871 weitere Flächen erworben hatte und ein gültiger Bebauungsplan existierte, konnte nach 1900 mit dem weiteren Ausbau der Bernhardstraße in
Richtung Plauen und Coschütz begonnen werden. An Stelle von Kartoffeläckern und eines militärischen Übungsgeländes
traten Mietshäuser für den gehobenen Mittelstand. Zahlreiche Gebäude, vor allem im unteren Teil der Bernhardstraße,
wurden 1945 teilweise zerstört und 1955/57 durch Wohnblocks ersetzt. Zeitgleich entstand hier der ab 1992 vom Fritz-Löffler-Gymnasium genutzte erste Schulneubau der Nachkriegszeit. Von der verbliebenen historischen Bausubstanz
sind einige Villen aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg und die 1925 entstandene katholische Kirche St. Paulus
bemerkenswert. Einzelne Gebäude: Hotel “Westminster”:
Das exklusive Hotel auf der Bernhardstraße 1 entstand um 1900 und besaß eine großzügige Gartenanlage, Autogaragen und Salonräume. Zum Hotel gehörte auch die benachbarte Villa “Astoria”, in der ebenfalls
Pensionsräume untergebracht waren. Wie die meisten Villen des Schweizer Virtels wurden diese beiden Gebäude (Foto) 1945 zerstört und in der Nachkriegszeit abgerissen.
Schottische Kirche: In einer Villa an der Ecke zur Bayrischen Straße (Bernhardstraße 2) befand sich zwischen 1884 bis zum Ersten Weltkrieg der
Gemeindesaal der Schottisch-Presbyterianischen Kirche. Der turmlose Bau war dritte von einst vier “Ausländerkirchen” rund um den Hauptbahnhof und wurde
bis 1914 von der Gemeinde genutzt. Zuvor besaß diese lediglich provisorische Beträume auf der Seestraße 10. Das villenartige Gebäude (Foto) war im von
Semper beeinflussten Stil der Neorenaissance gestaltet von außen nur durch seine Glasfenster als Gotteshaus erkennbar. Der eigentliche Gemeindesaal mit
ca. 200 Plätzen befand sich im Erdgeschoss, das Obergeschoss diente Verwaltungszwecken.
Nachdem viele Mitglieder, bedingt durch den Ersten Weltkrieg, die Stadt verlassen hatten, vermietete die formal
weiterbestehende Gemeinde das Gebäude an die “Siebenten-Tags-Adventisten”. Am 13. Februar 1945 brannte die Schottische Kirche aus und wurde in der Nachkriegszeit abgerissen. Nr. 7:
In diesem heute nicht mehr vorhandenen Wohnhaus lebte 1909/10 der Schriftsteller und Verleger Otto Julius Bierbaum (1865-1910). Bierbaum gehörte zu den produktivsten Autoren seiner Zeit und verfasste zahlreiche Romane,
Theaterstücke, Gedichte und Essays und war darüber hinaus Herausgeber mehrere Kunstzeitschriften sowie Verfasser
des ersten Autoreisebuches der Literaturgeschichte, in welchem er seine Italientour im “Adler-Phaeton” 1902 beschrieb. Nr. 28:
Das 1945 zerstörte Gebäude war bis 1918 Wohnhaus des Nationalökonomen Gustav Stresemann (1878-1929), der in Dresden als Syndikus des Verbandes der deutschen Schokoladenfabrikanten und Vorsitzender des Bundes
Sächsischer Industrieller tätig war. Sein Büro besaß er auf der Ferdinandstraße in der Innenstadt. Stresemann wechselte
nach dem Ersten Weltkrieg nach Berlin, gründete die Deutsche Volkspartei und war ab 1923 Reichskanzler und
Außenminister der Weimarer Republik. In dieser Funktion gelang ihm die Aussöhnung mit Kriegsgegner Frankreich und die Beendigung der internationalen Isolation Deutschlands, wofür er 1926 den Friedensnobelpreis erhielt.
Nr. 62: Die 1905 errichtete Villa ist in ihrer baulichen Gestaltung bereits der Reformarchitektur zuzurechnen und wurde
entsprechend nur sparsam dekoriert. Das als Wohnhaus konzipierte Gebäude wird heute vom Kraftfahrt-Bundesamt - Außenstelle Dresden genutzt. Nr. 66:
In Anlehnung an die Ideen Richard Riemerschmids und Hans Erlweins entstand um 1910 dieses Doppelhaus. Das Gebäude blieb bis zur Gegenwart fast unverändert erhalten. Nr. 67:
Die mit Erkern, Säulen und Jugendstilelementen verzierte Villa wurde 1905 als Mietsvilla erbaut und überstand die Zerstörungen 1945 ohne größere Schäden. Nr. 71:
Auch dieses Haus entstand 1905 und erhielt eine repräsentative Fassadengestaltung im Neobarockstil. Bemerkenswert ist der Runderker mit vielfältigen Rauten-, Frucht- und Wellenmotiven. Fotos: Villen auf der Bernhardstraße: links Nr. 62, in der Mitte Nr. 67, rechts Nr. 71 Nr. 98:
Das auch als “Villa Grübler” bezeichnete Wohnhaus von 1903 gehört zu den architektonisch anspruchsvollsten
Gebäuden der Bernhardstraße. Entworfen wurde die Villa vom renommierten Architekten Prof. Fritz Schuhmacher, der Elemente des Landhausstils mit modernen funktionalen Merkmalen kombinierte und damit Maßstäbe für den
Wohnhausbau nach Ausklang des Historismus setzte. Erster Besitzer war der sächsische Hofrat Dr. Martin Grübler. |