Das burgartige Gebäude wurde zwischen 1902 und 1907 als Sitz des Königlichen Landgerichts
erbaut. Die Entwürfe für den aus mehreren Einzelbauten bestehenden Komplex stammen von Oskar Kramer. In dem von einem Uhrturm bekrönten Hauptgebäude (Foto oben) befanden sich neben
mehreren Verhandlungssälen auch Verwaltungsräume und eine kleine Anstaltskapelle. Diese diente der seelsorgerischen Betreuung der in dem angrenzenden Gefängnistrakt (Foto unten)
untergebrachten Häftlinge. Der plastischer Schmuck an der Fassade wurde von Ernst Hottenroth geschaffen und zeigt verschiedene Motive zum Justizwesen. Relieftafeln mit den Themen
“Verbrechen”, “Geständnis”, “Urteil” und “Sühne” an der Außenfront des Schwurgerichtssaals weisen auf die frühere Nutzung des Hauses hin.
Während der NS-Zeit wurden in der Haftanstalt an der George-Bähr-Straße zahlreiche Gegner des Naziregimes aus dem
In- und Ausland festgehalten. Hier fanden auch Prozesse des berüchtigten Volksgerichtshofs und der “Sondergerichte”
sowie des Oberlandesgerichts Posen statt, die sich gegen deutsche Widerstandskämpfer, Deserteure der Wehrmacht,
aber auch gegen ausländische Nazigegner aus den besetzten Ostgebieten und der Tschechoslowakei richteten. Zur
Vollstreckung der verhängten Todesurteile befand sich im Innenhof der Richtplatz mit Guillotine. Insgesamt sind zwischen
1933 und 1945 1.328 Hinrichtungen verbürgt, unter ihnen fast zwei Drittel aus dem “Protektorat Böhmen und Mähren”.
Bekannte Opfer der Nazijustiz, die am Münchner Platz zum Tode verurteilt wurden, waren Kurt Schlosser, Otto Galle,
Herbert Blochwitz und Georg Schumann. Während des Luftangriffs 1945 trafen Bomben auch Teile des Landgerichts und ermöglichten einigen Gefangenen die Flucht. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg diente das Landgericht zunächst weiterhin seinem Zweck. Im
Mittelpunkt standen zunächst Prozesse gegen führende Nationalsozialisten bzw. Personen, die an Kriegs- und Tötungsverbrechen beteiligt waren. So fanden hier 1946/47 die Verhandlungen
gegen Ärzte der Euthansieanstalt Pirna-Sonnenstein und gegen die an Unrechtsurteilen beteiligten Richter des Oberlandesgerichts Dresden statt. Da die Räumlichkeiten am Münchner Platz oft
nicht ausreichten, verlegte man größere Prozesse in Ausweichquartiere in der Nordhalle bzw. in der Tonhalle an der Glacisstraße (heute “Kleines Haus”). Später nutzte die sowjetische
Geheimpolizei das Gebäude als Durchgangs- und Untersuchungsgefängnis. Dessen Insassen wurden, teilweise ohne Prozess, zu langjährigen Haftstrafen verurteilt, in geheime Speziallager
verschleppt bzw. im Hof des Gerichtsgebäudes erschossen.
Nach Gründung der DDR häuften sich Prozesse gegen politisch missliebige Gegner. So wurden zwischen 1945 und 1949
mindestens 11 Todesurteile, nach 1950 nochmals 66 vollstreckt. Opfer waren neben Schwerkriminellen auch sogenannte
“Rädelsführer” des Aufstandes vom 17. Juni 1953 und andere Oppositionelle, die sich gegen die politische Entwicklung in
der DDR gestellt hatten. Unter Angabe gefälschter Todesursachen wurden diese Personen auf dem Tolkewitzer Johannesfriedhof beigesetzt. 1956 verlegte das Bezirksgericht Dresden seinen Sitz zur Lothringer Straße. Die nun nicht
mehr benötigten Gebäude wurden daraufhin bis 1964 für die Technische Universität
umgebaut. Aus ehemaligen Gerichtssälen und Büros entstanden Hörsäle und Seminarräume. Der frühere Zellentrakt des Gefängnisses wurde wieder aufgebaut und zu
Arbeits- und Büroräumen erweitert. In Erinnerung an den hier 1945 hingerichteten Widerstandskämpfer Georg Schumann erhielt das Gebäude den Namen Georg-
Schumann-Bau. Im ehemaligen Gefängnishof richtete man 1959 eine Gedenkstätte für die Opfer des Faschismus ein. Eine Steinplatte markiert den früheren Standort des Richtblocks. Daneben befindet sich eine
Bronzeplastik von Arndt Wittig (Foto). Sechs Todeszellen wurden in unverändertem Zustand belassen und beherbergen
heute eine kleine Ausstellung zur Geschichte des Landgerichts. Seit 1995 erinnert eine von Wieland Förster geschaffene
Plastik “Namenlos - Ohne Gesicht” an die nach 1945 zu Unrecht Verfolgten. Für dieses Werk wurde ihm 1996 der Kunstpreis der Stadt Dresden verliehen.
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