Landgericht Münchner Platz








Gedenkstätte
Münchner Platz

George-Bähr-Str. 7
01069 Dresden

Tel. 0351/46331990


Das burgartige Gebäude wurde zwischen 1902 und 1907 als Sitz des Königlichen Landgerichts erbaut. Die Entwürfe für den aus mehreren Einzelbauten bestehenden Komplex stammen von Oskar Kramer. In dem von einem Uhrturm bekrönten Hauptgebäude (Foto oben) befanden sich neben mehreren Verhandlungssälen auch Verwaltungsräume und eine kleine Anstaltskapelle. Diese diente der seelsorgerischen Betreuung der in dem angrenzenden Gefängnistrakt (historisches Foto unten) untergebrachten Häftlinge. Der plastische Schmuck an der Fassade wurde von Ernst Hottenroth geschaffen und zeigt verschiedene Motive zum Justizwesen. Relieftafeln  mit den Themen “Verbrechen”, “Geständnis”, “Urteil” und “Sühne” an der Außenfront des Schwurgerichtssaals weisen auf die frühere Nutzung des Hauses hin. Im Innenhof befand sich die für die Vollstreckung von Todesurteilen genutzte Guillotine, welche zunächst nur bei schweren Kapitalverbrechen zum Einsatz kam. 1936 wurde sie zu einer von zehn zentralen Hinrichtungsstätten des Deutschen Reiches erklärt.

Während der NS-Zeit wurden in der Haftanstalt an der George-Bähr-Straße zahlreiche Gegner des Naziregimes aus dem In- und Ausland festgehalten. Hier fanden auch Prozesse des berüchtigten Volksgerichtshofs und der “Sondergerichte” sowie des Oberlandesgerichts Posen statt, die sich gegen deutsche Widerstandskämpfer, Deserteure der Wehrmacht, aber auch gegen ausländische Nazigegner aus den besetzten Ostgebieten und der Tschechoslowakei richteten. Zur Vollstreckung der verhängten Todesurteile nutzte man den im Innenhof befindlichen Richtplatz mit der Guillotine. Insgesamt sind zwischen 1933 und 1945 1.328 Hinrichtungen verbürgt, unter ihnen fast zwei Drittel aus dem “Protektorat Böhmen und Mähren”. Bekannte Opfer der Nazijustiz, die am Münchner Platz zum Tode verurteilt wurden, waren Kurt Schlosser, Otto Galle, Herbert Blochwitz und Georg Schumann, der tschechische Major Josef Matohlina und die Funktionärin des tschechischen Nationalen Frauenrates Anna Pollertová. Während des Luftangriffs 1945 trafen Bomben auch Teile des Landgerichts und ermöglichten einigen Gefangenen die Flucht.

Auch nach dem Zweiten Weltkrieg diente das Landgericht zunächst weiterhin seinem Zweck. Im Mittelpunkt standen zunächst Prozesse gegen führende Nationalsozialisten bzw. Personen, die an Kriegs- und Tötungsverbrechen beteiligt waren. So fanden hier 1946/47 die Verhandlungen gegen Ärzte der Euthansieanstalt Pirna-Sonnenstein und gegen die an Unrechtsurteilen beteiligten früheren Richter des Oberlandesgerichts Dresden statt.  Da die Räumlichkeiten am Münchner Platz oft nicht ausreichten, verlegte man größere Prozesse in Ausweichquartiere in der Nordhalle bzw. in der Tonhalle an der Glacisstraße (heute “Kleines Haus”). Später nutzte die sowjetische Geheimpolizei das Gebäude bis 1951 als Durchgangs- und Untersuchungsgefängnis. Dessen Insassen wurden, teilweise ohne Prozess, zu langjährigen Haftstrafen verurteilt, in geheime Speziallager verschleppt bzw. im Hof des Gerichtsgebäudes erschossen.

Nach Gründung der DDR häuften sich Prozesse gegen politisch missliebige Gegner. So wurden zwischen 1945 und 1949 mindestens 11 Todesurteile, nach 1950 nochmals 66 vollstreckt. Opfer waren neben Schwerkriminellen auch sogenannte “Rädelsführer” des Aufstandes vom 17. Juni 1953 und andere Oppositionelle, die sich gegen die politische Entwicklung in der DDR gestellt hatten. Unter Angabe gefälschter Todesursachen wurden diese Personen anonym auf dem Tolkewitzer Johannesfriedhof beigesetzt, wo seit 1998 eine Urnengemeinschaftsanlage mit 23 Einzelgräbern an sie erinnert.

1956 verlegte das Bezirksgericht Dresden seinen Sitz zur Lothringer Straße. Die nun nicht mehr benötigten Gebäude wurden daraufhin bis 1964 für die Technische Universität umgebaut. Aus ehemaligen Gerichtssälen und Büros entstanden Hörsäle und Seminarräume. Der frühere Zellentrakt des Gefängnisses wurde wieder aufgebaut und zu Arbeits- und Büroräumen erweitert. In Erinnerung an den hier 1945 hingerichteten Widerstandskämpfer Georg Schumann erhielt das Gebäude den Namen Georg- Schumann-Bau. Im ehemaligen Gefängnishof richtete man 1959 eine Gedenkstätte für die Opfer des Faschismus ein. Eine Steinplatte markiert den früheren Standort des Richtblocks. Daneben befindet sich eine Bronzeplastik von Arndt Wittig (Foto). Sechs Todeszellen wurden in unverändertem Zustand belassen und beherbergen heute eine kleine Ausstellung zur Geschichte des Landgerichts. Weitere Ausstellungsräume zur jüngeren Geschichte des Justizkomplexes kamen 2010 hinzu. Seit 1995 erinnert eine von Wieland Förster geschaffene Plastik “Namenlos - Ohne Gesicht” an die nach 1945 zu Unrecht Verfolgten. Für dieses Werk wurde ihm 1996 der Kunstpreis der Stadt Dresden verliehen.
 


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