Im Zuge des weiteren Ausbaus der Südvorstadt nach 1900 plante man hier auch die Errichtung
einer neuen Kirche, nachdem sich bereits 1888 die Lukaskirchgemeinde aus der Parochie der
Kreuzkirche herausgelöst hatte. Als Standorte waren zunächst der Münchner Platz bzw. das “Nürnberger Ei” vorgesehen. Ein kurioses Testament des Maschinenbaufabrikanten Johannes
Hampel sorgte letztlich für die Entscheidung. Der streng gläubige Katholik hinterließ 1896 ein großes Vermögen, welches jedoch an die Bedingung des Baus einer evangelischen (!) Kirche in
der Südvorstadt gebunden war. Außerdem legte Hampel fest, dass sowohl er als auch seine wenige Jahre zuvor verstorbene Ehefrau unter dem Dach dieses Gotteshauses beigesetzt werden sollten.
Um die gesetzte Fünf-Jahres-Frist zur Realisierung nicht ungenutzt verstreichen zu
lassen, erfolgte bereits am 5. November 1901 die Grundsteinlegung an der Nürnberger Straße / Hohe Straße. Mit den eigentlichen Arbeiten wurde jedoch erst im Juli 1908 begonnen. Für Probleme sorgte
Hampels Bestimmung der Grablegung unter dem Kirchendach, da diese zu diesem Zeitpunkt ausschließlich für Mitglieder des Königshauses zulässig war. Die juristischen Untersuchungen
und die noch nicht vorhandenen Planungen sorgten zunächst für eine mehrjährige Unterbrechung, bevor das Dresdner Architektenbüro Schilling & Gräbner im
Ergebnis eines Wettbewerbes ein tragfähiges Konzept vorlegte. Dieses sah einen Zentralbau mit 1.050 Sitzplätzen vor, welche sich in Form eines Amphitheaters um die in der Mitte befindliche Kanzel gruppierten (Foto)
. Der Pfarrer predigte somit inmitten seiner Gemeinde. Wegen dieser für den Kirchenbau revolutionären Lösung und der ungewöhnlichen künstlerischen Gestaltung des Innenraumes erregte der Bau großes
Aufsehen, aber auch heftige Kritik der “Traditionalisten”. Für das Ehepaar Hampel fand sich ein Platz unter dem Dach, jedoch nicht im Inneren der Kirche.
Nach vierjähriger Bauzeit konnte die Zionskirche am 29. September 1912 geweiht werden. Ihr
gehörten in den Anfangsjahren ca. 5.600 Mitglieder an, die zuvor die Lukaskirche, die Plauener Auferstehungskirche bzw. die Annenkirche besucht hatten. An der Fassade zum Vorplatz fand
eine bis heute erhaltene Kreuzigungsgruppe Selmar Werners Aufstellung (Foto). Weitere plastische Arbeiten stammten von Karl Groß. Bernhard Müller schuf für das Gotteshaus die
Glasfenster und einige Gemälde. Außerdem erhielt die Zionskirche als erste in Sachsen eine Orgel mit rein elektrischer Traktur und Registeranlage, gebaut von der Dresdner Firma Jehmlich.
Um die Wirkung des Gebäudes mit seinem 26 Meter hohen Turm noch zu vergrößern, entwarf Stadtbaurat Hans Poelzig 1916 zwei monumentale Schulbauten, die die Zionskirche
halbkreisförmig umgeben und dem Vorplatz eine Fassung geben sollten. Kriegs- und inflationsbedingt wurden diese jedoch nicht gebaut.
In den Dreißiger Jahren wirkten die regimekritischen Pfarrer Herbert Böhme und Ringulf Siegmund an der Zionskirche. Böhme
stellte sich 1945 als Superintendent von Meißen gegen den Ausbau der Stadt zur Festung, wurde dafür zum Tode
verurteilt, konnte jedoch in den Wirren der letzten Kriegstage aus dem Gefängnis entkommen. Die Zionskirche fiel am 13.
Februar 1945 dem Luftangriff zum Opfer und brannte vollständig aus. Eine aus den Trümmern geborgene Kanzel befindet sich heute als Lesepult in der Kreuzkirche. Da ein Wiederaufbau des zerstörten Gotteshauses die finanziellen Möglichkeiten der
stark geschrumpften Gemeinde überfordert hätte, überließ man die Ruine der Stadt und nutzte lediglich einige Nebenräume sowie eine 1949 von der schwedischen Kirche geschenkte
Baracke auf dem Grundstück als Treffpunkt. 1982 konnte ein moderner Neubau an der Bayreuther Straße bezogen werden. Die alte Zionskirche dient seit 1985
als Lapidarium zur Aufbewahrung von Plastiken und Fragmenten zerstörter oder abgetragener Gebäude und erhielt in diesem Zusammenhang 1994-96 ein neues Wetterschutzdach.
Neue Zionskirche: Im Tausch gegen das Areal des zerstörten Gotteshauses erhielt die Gemeinde 1980 von der Stadt Dresden das
Grundstück Bayreuther Straße 28 übertragen und errichtete hier 1981/82 einen modernen Neubau. Bereits 1965 hatte
der Lutherische Weltbund unter Vermittlung der schwedischen Kirche dem damaligen Bischof Dr. Gottfried Noth aus
Anlass seines 60. Geburtstages den Bau eines Gemeindezentrums versprochen. Einsprüche staatlicher Stellen verzögerten dieses Vorhaben jedoch viele Jahre, so dass erst 1979 die Baugenehmigung erteilt wurde. Die Grundsteinlegung zur neuen Zionskirche
(Foto) erfolgte am 5. Juni 1981. Mit materieller und technischer Unterstützung der schwedischen Kirche und des Bauingenieurs Erik Granbom
konnten die Arbeiten innerhalb von 18 Monaten abgeschlossen werden. Zahlreiche Gemeindemitglieder und Studenten der TU waren am Bau beteiligt, der am 31. Oktober 1982 geweiht werden konnte.
Die
vom Stockholmer Architekten Rolf Bergh entworfene Kirche besteht aus zwei miteinander verbundenen Holzbauten, die als Kirchensaal und Gemeindezentrum dienen. Zur Ausstattung
gehören eine kleine Sauer-Orgel, vier aus der alten Zionskirche geborgene Sandsteinreliefs und ein um 1420 geschaffenes Kruzifix. Im Untergeschoss gibt es einen weiteren Gemeindesaal
sowie ein von der Gemeinde bewirtschaftetes Obdachlosen-Café. |